Schrumpfleber

Leberzirrhose: Symptome, Ursachen und Therapie

Zu viel Alkohol, andere Gifte, aber auch Viren können eine Leberzirrhose hervorrufen. Oft lässt sich der krankhafte Umbauprozess der Leber stoppen. Besteht die Belastung der Leber weiter, versagt die Leber auf Dauer ihren Dienst und die Erkrankung kann tödlich enden.

zirrhose
Der Missbrauch von Alkohol und Medikamenten kann Auslöser einer Leberzirrhose sein.
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Die Leberzirrhose, umgangssprachlich auch als "Schrumpfleber" bezeichnet, ist das Endstadium verschiedener Lebererkrankungen. Dabei wird das chronisch entzündete Lebergewebe zunächst durch narbiges Bindegewebe ersetzt (Leberfibrose). Während dieser Umbauphase kann sich die Leber wieder regenerieren, wenn die richtige Behandlung, etwa die Vermeidung lebertoxischer Stoffe wie Alkohol einsetzt.

Aus Leberfibrose wird Leberzirrhose

Wird die Ursache der Leberfibrose nicht beseitigt, etwa Hepatitis oder schleichende Vergiftung, baut sich die Leber zusätzlich ab: Sie schrumpft und verhärtet sich. Daher rührt auch die umgangssprachliche Bezeichnung "Schrumpfleber" für eine fortgeschrittene Leberzirrhose. Der bereits eingesetzte Abbauprozess ist nicht mehr rückgängig zu machen. Etwa 250 von 100.000 Menschen in den westlichen Ländern leiden an einer Leberzirrhose, wobei Männer doppelt so häufig betroffen sind wie Frauen.

Sieben Fakten zur Leber

 

Leber kann nicht mehr richtig entgiften

Die beim Erwachsenen etwa 1,5 bis zwei Kilogramm schwere Leber ist für verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper zuständig. Neben der Blutversorgung über Arterien und Venen verfügt die Leber über eine zusätzliche Vene, die Blut aus Magen, Darm, Milz und Gallenblase in die Leber transportiert, die Pfortader. Die Hauptaufgabe der Leber ist die Entgiftung. Vor allem die Giftstoffe, die über den Darm in das Blut gelangen, werden in der Leber herausgefiltert.

Im Fall der Schrumpfleber ist das Organ nicht mehr in der Lage, diese Stoffwechsel- und Entgiftungsprozesse durchzuführen. Sie verliert nach und nach ihre Funktionsfähigkeit. Leberzirrhose gilt als wichtigster Risikofaktor für Leberkrebs. Fortgeschrittene Leberzirrhose führt letztlich zu Leberversagen.

Glossar zur Leberzirrhose

  • Zirrhose/zirrhotisch: Der Begriff Zirrhose stammt aus dem Altgriechischen und bedeute so viel wie "gelb-orange". Im Fall der Leberzirrhose bezieht sich dies auf die veränderte Färbung der erkrankten Leber. Geprägt wurde der Begriff durch den französischen Mediziner René Théophile Hyacinthe Laënnec, den Erfinder des Stethoskops.

  • Autoimmunerkrankung: Dabei richten sich die Abwehrzellen des Körpers irrtümlicherweise gegen körpereigenes Gewebe und beginnen, dieses anzugreifen. Es kommt zu Entzündungsreaktionen, die zu schweren Schäden an den betroffenen Organen führen können.

  • Kollaterale: Als Kollateralen bezeichnet man im medizinischen Sprachgebrauch Seiten- oder Nebenäste von Blutgefäßen. Diese sichern die Versorgung eines bestimmten Gewebegebiets im Fall einer Verletzung und Blockade der Hauptgefäße.

  • Bilirubin: Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffes Hämoglobin. Es hat eine gelblich-braune Färbung und wird vor allem in Milz und Leber freigesetzt, da hier die gealterten roten Blutkörperchen abgebaut werden. In der Leber gelangt das Bilirubin in die Galle, mit der es schließlich über den Darm ausgeschieden wird. Da es für die charakteristische Färbung der Galle verantwortlich ist, bezeichnet man es auch als Gallenfarbstoff.

  • Noxe: Noxen beschreiben im medizinischen Sprachgebrauch Stoffe oder auch Umstände, die einen schädigenden oder krankheitsauslösenden Einfluss auf ein Organ oder einen Organismus ausüben. Man kann zwischen chemischen (Gifte, Medikamente), biologischen (Viren, Bakterien), physikalischen (Extremtemperaturen, UV-Strahlung) und psychosozialen (Stress, Einsamkeit) Noxen unterscheiden.

Anzeichen: Diese Symptome verraten eine Leberzirrhose

Die Vorstufe der Leberzirrhose ist die Leberfibrose. In diesem Stadium hat der Umbau des Lebergewebes bereits begonnen. Es treten aber keine Symptome auf, denn die Leber selbst kann nicht schmerzen. Beschwerden treten bei der Zirrhose meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf. Deshalb ist es ratsam, bei andauernden Symptomen einen Arzt aufzusuchen. Zu den häufigsten Anzeichen der Leberzirrhose gehören:

  1. chronische Ermüdung
  2. allgemeines Schwächegefühl
  3. Gewichtsabnahme, häufig trotz zunehmenden Bauchumfangs
  4. Schmerzen im Oberbauch
  5. Appetitverlust

Anzeichen von Leberzirrhose auf der Haut

Ein weiteres typisches Symptom von Leberzirrhose sind sogenannte Gefäßspinnen ("Spider Naevi"): sternförmige Gefäßneubildungen im Bereich von Oberkörper, Gesicht und Hals. Auch Lacklippen und die Lackzunge sind ein Hinweis auf Leberzirrhose. Dabei sind Zunge und Lippen auffällig gerötet und glänzend. Die Handballen sind bei Leberzirrhose ebenfalls häufig gerötet. Außerdem tritt eine Gelbfärbung von Augen und Haut (Ikterus) und Juckreiz auf. Bei Männern kommt es oft zum Verlust von Bauch- und Brustbehaarung und der Potenz, Frauen leiden häufig unter Menstruationsstörungen.

Leberzirrhose: Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Die häufigsten Ursachen der Leberzirrhose sind Hepatitis-Infektionen und Alkoholmissbrauch. Während Letzterer in den westlichen Ländern der Hauptgrund ist, dominieren Infektionen mit Hepatitis B, C und D als Ursache weltweit. Weitaus seltener sind andere Auslöser der Leberzirrhose wie Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen.

Seltene Auslöser der Leberzirrhose

  • Autoimmunerkrankung der Leber (biliäre Zirrhose)
  • Autoimmunhepatitis
  • Stoffwechselkrankheiten wie Hämochromatose, Wilson-Krankheit, Alpha-1-Antitrypsinmangel, Tyrosinose und Mukoviszidose (Zystische Fibrose)
  • Lebervenenstauung bei chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Medikamente
  • Giftstoffe, zum Beispiel aus Schimmelpilzen
  • nichtalkoholische Leberfibrose: Leberüberlastung durch zu fett- und zuckerhaltiger Ernährung und Übergewicht, möglich aber auch bei Unterernährung und Diabetes.

In einigen Fällen sind die genauen Ursachen der Leberzirrhose unklar. Sie werden als kryptogene Leberzirrhosen bezeichnet.

Diagnose: So erkennt der Arzt die Leberzirrhose

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Mit Abtasten und bildgebenden Verfahren wird die Diagnose Leberzirrhose gestellt.
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Um eine Leberzirrhose zu diagnostizieren, stehen dem Arzt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die sich in ihrer Aussagekraft gegenseitig ergänzen und verstärken. Zu Beginn steht ein Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese). Bei Verdacht auf eine Leberzirrhose folgt danach die körperliche Untersuchung. Denn Veränderungen der Leber im fortgeschrittenen Stadium lassen sich im Oberbauch bereits ertasten.

Mit Ultraschall Leberzirrhose erkennen

Endgültige Sicherheit bei der Diagnose der Leberzirrhose geben bildgebende Verfahren. Die Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) zeigt Größe, Form und Oberfläche der Leber. Auch Vergrößerungen von Pfortader und Milz, typische Begleiterscheinungen der Schrumpfleber, lassen sich damit erkennen.

Leberbiopsie bei der Diagnose der Leberzirrhose

Um auszuschließen, dass sich bereits ein Leberkrebs entwickelt hat, wird häufig auch eine Leberbiopsie durchgeführt. Dabei wird etwas Lebergewebe entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht.

Auch die Blutwerte zeigen Einschränkungen der Lebertätigkeit an. So können bei Leberzirrhose bestimmte Werte stark erhöht, andere sehr niedrig sein. Zusätzlich lassen sich Hepatitis-Antikörper im Blut nachweisen, was einen Hinweis auf die Ursache der Leberzirrhose geben kann.

Therapie: So wird Leberzirrhose behandelt

Aufgrund der vielfältigen Ursachen gibt es keine einheitliche Therapie für die Leberzirrhose. Da die Leberzirrhose die Folge verschiedener Krankheiten ist, gilt es, zunächst die ursächliche Erkrankung zu therapieren.

Liegt etwa eine Hepatitis B oder C wird die Erkrankung zwar nicht immer dauerhaft ausgeheilt, wohl aber in ihrem Verlauf durch antivirale Therapien oft deutlich gebessert. Bei einer Autoimmunerkrankung wird das Immunsystem mit Medikamenten unterdrückt. Somit lässt sich ein Fortschreiten der Leberzirrhose verhindern. Ist die Leberzirrhose noch im Vorstadium, der Leberfibrose, kann der Umbau sogar noch rückgängig gemacht werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Ursache für die Fibrose umgehend behandelt wird.

Liegt wiederum eine genetisch bedingte Stoffwechsel- oder Autoimmunerkrankung vor, muss diese ebenfalls bestmöglich behandelt werden. In jedem Fall sollten alle zusätzlichen Leber schädigenden Verhaltensweisen (Noxen) dringend vermieden werden, um die geschädigte Leber nicht zusätzlich zu belasten. Durch die ursächliche Therapie der Grunderkrankung wird das Fortschreiten der Leberzirrhose aufgehalten. Häufig können die Patienten dadurch noch eine Lebenserwartung von vielen Jahren haben.

Zur Therapie bei Leberzirrhose gehört absoluter Alkoholverzicht

Grundlage jeder Therapie ist der absolute Verzicht auf Genussgifte wie Alkohol. Ist Alkoholismus die Ursache für die Leberzirrhose, ist eine Entziehungskur ratsam. Alkoholabstinenz erhöht die Wahrscheinlichkeit auf eine günstige Prognose. Medikamente werden auf das Nötigste beschränkt. Vitaminreiche Ernährung, erhöhte Eiweißzufuhr und eventuell die Gabe von Vitamin B und Folsäure sind ebenfalls Teil der Behandlung der Leberzirrhose.

Da die Leber das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers ist, betrifft deren Funktionsstörung den gesamten Organismus. Meist leiden die Patienten an einer Mangelernährung, die durch eine ausreichende und ausgeglichene Zufuhr von Nährstoffen behoben werden kann. Hierzu werden einerseits gezielt Vitamin- und Mineralstoffpräparate eingesetzt und andererseits eine abgestimmte Diät festgelegt.

Gelingt es nicht, das Fortschreiten der Leberzirrhose zu verhindern oder bestehen bereits schwere Komplikationen, sind die Patienten außerdem besonders anfällig für Infektionen. In diesem Fall sollte aufkommenden Infekten immer sofort mit einer gezielten Therapie entgegengewirkt werden. Alle Medikamente müssen dabei sorgfältig auf eventuelle Leber-schädigende Wirkungen geprüft werden.

Bei schweren Fällen einer Zirrhose: Lebertransplantation

Ist die Leber durch die Leberzirrhose bereits so stark beeinträchtigt, dass sie ihre Funktionen nicht mehr ausführen kann, kann eine Spenderleber eingesetzt werden. Aufgrund des vorherrschenden Mangels an Spenderorganen und der damit verbundenen teils langen Wartezeit ist es ratsam, diese Maßnahme im Zweifelsfall rechtzeitig in die Wege zu leiten. Sind alle Voraussetzungen für eine Lebertransplantation erfüllt, wird die geschädigte Leber in einer Operation entnommen und das Spenderorgan eingesetzt.

Damit der Körper das fremde Organ nicht abstößt, müssen in der Zeit nach der Lebertransplantation Medikamente eingenommen werden, die die Immunabwehr hemmen. Je besser der körperliche Zustand zum Zeitpunkt der Transplantation ist, desto weniger Komplikationen treten auf.  Auch wenn eine Transplantation kein leichter Eingriff ist, sind die Ergebnisse aufgrund des medizinischen Fortschritts inzwischen so gut, dass in 70 bis 80 Prozent eine mehrjährige Überlebensrate erzielt wird.

Leberzirrhose: Verlauf und Prognose (Lebenserwartung)

Die Veränderungen der Leberzirrhose sind nicht rückgängig zu machen. Trotzdem ist die Prognose günstig, je früher und effektiver sie behandelt wird. Auch eine Leber, die bereits zu 85 Prozent zerstört ist, kann ihre Funktionen noch wahrnehmen. Voraussetzung dafür ist, dass die Ursachen umgehend behandelt werden.

Alkoholverzicht verbessert die Prognose bei Leberzirrhose

Auch die Ernährungsumstellung und der Verzicht auf Alkohol und andere giftige Substanzen spielen dabei eine große Rolle. Gerade bei einer alkoholbedingten Schrumpfleber ist Alkohol-Abstinenz maßgeblich für den Verlauf - sowie für das Gesundbleiben, wenn die Leberzirrhose gestoppt ist

Gute Prognose nach der Transplantation bei Leberzirrhose

Wurde eine neue Leber wegen Leberzirrhose eingesetzt, sind die Aussichten ebenfalls gut. Nach einer Lebertransplantation beträgt die Lebenserwartung heute viele Jahre. Hier hat die Forschung große Fortschritte erzielt. 70 Prozent der Patienten leben noch mehr als fünf Jahre nach der Operation.

Leberzirrhose vorbeugen: So schützen Sie das wichtige Organ

Alkohol meiden, die Impfungen gegen Hepatitis wahrnehmen und Medikamente nicht eigenmächtig einnehmen: Das kann einer Leberzirrhose vorbeugen.

Die besten Tipps zur Leberentgiftung

 

Übermäßiger Alkoholgenuss ist in den westlichen Ländern die Hauptursache für Leberzirrhose. Deshalb empfiehlt es sich, Alkohol nicht regelmäßig und wenn, dann nur in geringen Mengen zu konsumieren. Seien Sie achtsam, wenn Sie bemerken, dass Sie aus Gewohnheit das eine oder andere Glas trinken. Das gilt vor allem dann, wenn Sie dazu neigen, alleine Alkohol trinken.

Hepatitis-Impfung schützt vor Leberzirrhose

Zusätzlich ist es ist ratsam, Medikamente nicht zu häufig und wenn, dann nur nach Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. Um Hepatitis zu vermeiden, die Auslöser einer Leberzirrhose sein kann, sollten Sie sich vom Arzt beraten lassen, ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist. die Impfung ist jedoch für jeden empfehlenswert, der bereits eine Leberfibrose hat.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 31. Oktober 2016
Quellen: Piper, W.: Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg; Die Lebererkrankungen, Burnett, J. Compton, Verlag Müller & Steinicke, 2013

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