Schwachstelle in der Bauchwand

Nabelbruch: Beim Baby meist unkompliziert

Ein Nabelbruch (Nabelhernie) ist eine sichtbare Vorwölbung im Bereich des Nabels. Durch eine Lücke in der Bauchmuskulatur können Gewebeteile aus der Bauchhöhle hervortreten. Dies kommt besonders bei Neugeborenen vor und bildet sich dann meist selbst zurück. Bei älteren Kindern und Erwachsenen ist dagegen häufig eine OP nötig.

Baby schläft
Bei Säuglingen kommt ein Nabelbruch häufig vor. Ärzte sprechen dann von einer angeborenen Nabelhernie.
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Bei einem Nabelbruch, auch Nabelhernie genannt, handelt es sich nicht um einen "Bruch" im umgangssprachlichen Sinne, sondern um eine Schwachstelle innerhalb einer Gewebeschicht der Bauchwand. Dadurch kann sich Gewebe aus der Bauchhöhle, zum Beispiel Teile des Bauchfells oder eine Darmschlinge, aus dem Nabelbereich hervor drücken.

Nabelbruch erkennbar an rundlicher Beule am Nabel

Der Nabelbruch ist dann als äußerlich sichtbare, rundliche Beule am Nabel zu sehen. Die Gewebelücke heißt in der Fachsprache Bruchpforte, die Vorwölbung und deren Inhalt bezeichnen Ärzte als Bruchsack. Derartige Brüche (Hernien) durch Lücken oder Spalten im Gewebe, meist einer Muskelschicht, können auch an anderen Stellen des Körpers vorkommen. Bekannte Beispiele sind etwa ein Leistenbruch oder ein Zwerchfellbruch.

Angeborene Nabelhernie bei jedem vierten Baby

Ein Nabelbruch kommt häufig bei Neugeborenen vor. Schätzungsweise jedes vierte Neugeborene ist von einem solchen angeborenen Nabelbruch betroffen. In vielen Fällen ist die Nabelhernie bei Babys harmlos und bildet sich im Kleinkindalter von alleine zurück.

Erworbener Nabelbruch muss meist behandelt werden

Ein Nabelbruch kann aber auch im Erwachsenenalter auftreten; Mediziner sprechen dann von einem erworbenen Nabelbruch. Von der Gewebelücke rings um den Nabelring sind überwiegend Frauen im Alter zwischen 40 und 50 Jahren betroffen. Im Unterschied zur angeborenen Form bei Babys bedarf ein Nabelbruch im Erwachsenenalter so gut wie immer einer Behandlung.

Nabelbruch erkennen: Symptome meist typisch

Die Symptome, die ein Nabelbruch hervorruft, können unterschiedlich sein und hängen in erster Linie von dessen Größe ab. In jedem Fall entsteht am Bauchnabel eine rundliche Vorwölbung, die in manchen Fällen klein und knopfartig aussieht, aber auch beträchtlich größer sein kann.

Typisch für Nabelbruch: Weiche Beule am Bauchnabel

Typischerweise fühlt sich die ausgebeulte Stelle weich an und lässt sich leicht mit den Fingern zurückdrücken. Bei Babys mit einem angeborenen Nabelbruch fällt als Symptom meist auf, dass die Beule sich vergrößert, wenn der Säugling schreit oder auf Stuhlgang presst.

Schmerzen und Verfärbung sind Warnsignale

Normalerweise tut ein Nabelbruch nicht weh. Es besteht jedoch die Gefahr, dass Gewebeteile aus der Bauchhöhle im Bruchsack eingeklemmt werden (Inkarzeration). Treten bei einer Nabelhernie Symptome wie Schmerzen auf oder verfärbt sich der Bruchsack bläulich, kann dies ein Hinweis auf eingeklemmte Gewebeteile sein. Insbesondere, wenn eine Darmschlinge durch den Bruchsack abgeschnürt wird, besteht die Gefahr, dass der betreffende Darmteil abstirbt. Eine solche Komplikation durch einen Nabelbruch ist ein Notfall, der möglichst rasch behandelt werden muss.

Ursachen der Nabelhernie

Eine der Ursachen für einen Nabelbruch liegt in der Embryonalentwicklung. Während der Schwangerschaft stellt die Nabelschnur eine Verbindung zwischen Mutter und Kind dar und versorgt das Ungeborene mit Nährstoffen und Sauerstoff. An dieser Stelle der Bauchwand befindet sich daher eine natürliche und notwendige Lücke als Durchtrittspforte der Nabelgefäße.

Nach der Geburt wird dieser Versorgungsweg überflüssig; Arzt oder Hebamme durchtrennen die Nabelschnur und die Nabelgefäße veröden nach kurzer Zeit. Etwa acht bis zehn Tage nach der Geburt ist der Nabel in der Regel verheilt. Zurück bleibt das typische Nabelgrübchen. Normalerweise ist der Nabelring so eng, dass keine Gewebeteile aus dem Bauchinneren hindurch passen. Haben sich dagegen die Gewebeschichten um den Nabel nicht ausreichend geschlossen, kommt es zu einem Nabelbruch. Vor allem, wenn der Druck im Bauchraum steigt, zum Beispiel wenn der Säugling schreit, wölbt sich eine sichtbare Beule aus dem Nabel hervor.

Schwaches Bindegewebe Ursache für erworbenen Nabelbruch

Schätzungsweise jedes vierte Neugeborene ist von einem Nabelbruch betroffen. Aber auch bei Menschen, die eine Veranlagung zu schwachem Bindegewebe haben, kann ein Nabelbruch im Laufe des Lebens auftreten. Dabei kommt die Nabelhernie häufiger bei Frauen vor, vor allem zwischen dem vierten und fünften Lebensjahrzehnt, vor. Eine Nabelbruch-Ursache ist eine allgemeine Bindegewebsschwäche. Ein erhöhter Druck im Bauchraum steigert zusätzlich das Risiko für eine Nabelhernie.

Zusätzlich steigern folgende Faktoren das Risiko für eine Nabelhernie:

Nabelbruch: Diagnose steht rasch fest

Einen Nabelbruch bei einem Neugeborenen erkennt er Arzt meist schnell, häufig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen nach der Geburt. Zudem achten Hebamme oder Kinderarzt in der ersten Zeit nach der Entbindung ohnehin besonders aufmerksam, ob der Nabel reizlos abheilt. Haben Eltern den Verdacht, dass ihr Baby einen Nabelbruch hat, sollten sie nicht zögern den Kinderarzt darauf anzusprechen.

Bei Verdacht auf Nabelbruch immer zum Arzt

Erwachsene mit einer Nabelhernie bemerken die Veränderung an ihrem Bauch häufig selbst. Auch sie sollten die Diagnose des Nabelbruchs durch einen Arzt sichern lassen, denn nur er kann entscheiden, welche Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind.

Ultraschall zur weiterführenden Diagnose der Nabelhernie

Bei der körperlichen Untersuchung betrachtet der Arzt zunächst den Nabel. Anschließend tastet er ihn vorsichtig ab und prüft dabei, ob sich die Vorwölbung in die Bauchhöhle zurückschieben lässt. Eine Ultraschall-Untersuchung im Rahmen der Diagnose des Nabelbruchs kann zusätzlich Aufschluss über den Inhalt des Bruchsacks geben, zum Beispiel wenn der Verdacht besteht, dass sich eine Darmschlinge durch die Lücke in der Bauchwand geschoben hat.

Therapie der Nabelhernie bei Babys meist nicht erforderlich

Bei Säuglingen mit einem Nabelbruch ist vielfach keine Therapie nötig. Wichtig ist, dass der Kinderarzt in regelmäßigen Kontrolluntersuchungen prüft, ob sich die Bruchpforte im Laufe der Zeit schließt.

So schließen sich kleinere Lücken in der Bauchwand um den Nabel bei etwa 98 Prozent der Kinder bis zu ihrem zweiten Lebensjahr. Der Grund: die Bauchmuskulatur kräftigt sich mit zunehmenden Alter. Ist der Bruchsack hingegen verhältnismäßig groß, ist meist eine Behandlung erforderlich. Bei einem Nabelbruch besteht außerdem die Gefahr, dass sich Gewebe, etwa eine Darmschlinge, im Bruchsack einklemmt – dies ist stets ein Notfall, der sofort behandelt werden muss.

Erworbene Nabelhernie muss operiert werden

Im Gegensatz zum typischen Nabelbruch bei Babys heilt eine Nabelhernie bei Erwachsenen nicht von selbst. Hier besteht die Therapie stets in einer Operation. Dabei hängt die OP-Methode in erster Linie von der Größe der Nabelhernie ab. Bei einem kleineren Nabelbruch umschneidet der Chirurg den Nabel, schiebt das vorgewölbte Gewebe zurück in die Bauchhöhle, entfernt den Bruchsack und verschließt die Bauchwand mit einer Naht.

Um größere Bauchwandlücken zu schließen, setzen Ärzte oft zusätzlich ein Netz an der betroffenen Stelle ein, das verhindern soll, dass der Nabelbruch erneut auftritt. In vielen Fällen erfolgt die Operation des Nabelbruchs in Vollnarkose, kleine Lücken in der Bauchwand lassen sich unter Umständen auch unter örtlicher Betäubung beheben.

Ob der Chirurg die Nabelhernie per Schlüsselloch-Technik oder in einer offenen Operation beheben kann, hängt von der individuellen Situation ab. Unkomplizierte Nabelbrüche lassen sich oftmals auch ambulant beheben, so dass der Patient noch am Tag des Eingriffs wieder nach Hause gehen kann.

Nabelbruch kann kritisch werden!

Normalerweise hat ein Nabelbruch einen günstigen Verlauf. Kleinere, angeborene Nabelhernien machen nur selten Probleme und bedürfen auch oft keiner Behandlung. Allerdings ist es wichtig, ärztlich prüfen zu lassen, ob sich die Bruchpforte tatsächlich von alleine schließt.

Größere Nabelbrüche können durch einer Operation geheilt werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass erneut eine Lücke in der Bauchwand entsteht. Das Risiko für ein Rezidiv, wie Mediziner das erneute Auftreten einer Erkrankung nennen, liegt zwischen drei und 30 Prozent.

Ein Nabelbruch kann auch einen kritischen Verlauf nehmen, wenn durch ihn eine Darmschlinge eingeklemmt wird. Denn ist die Blutzufuhr des Darmabschnitts nicht mehr gewährleistet, besteht die Gefahr, dass das Darmgewebe abstirbt. Dabei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall. Insgesamt ist die Sterblichkeit bei einem Nabelbruch mit etwa einem Prozent gering – bei Komplikationen, wie einer eingeklemmten Darmschlinge, kann sie jedoch bis zu 20 Prozent betragen.

Mit diesen Tipps kommt es nicht zum Nabelbruch

Es gibt keine Möglichkeit, einem angeborenen Nabelbruch vorzubeugen, denn die Ursache für die Lücke in der Bauchwand reicht bis in die Embryonalentwicklung zurück.

Eltern können jedoch Komplikationen durch eine Nabelhernie vorbeugen, indem sie ihr Kind regelmäßig bei ihrem Kinderarzt vorstellen. Nur er kann beurteilen, ob sich der zu weite Nabelring von alleine schließt oder ob eine Behandlung erforderlich ist. Beobachten Sie die Nabelregion Ihres Kindes aufmerksam: Vergrößert oder verfärbt sich der Bruchsack oder scheint Ihr Kind Schmerzen zu haben, suchen Sie möglichst rasch einen Arzt auf.

Maßnahmen zur Vorbeugung der erworbenen Nabelhernie

Bei Erwachsenen kann eine Veranlagung zu schwachem Bindegewebe das Risiko für einen Nabelbruch steigern. Zwar können Sie einem Nabelbruch nicht gänzlich vorbeugen, bestimmte Maßnahmen reduzieren jedoch die Gefahr, dass ein Nabelbruch entsteht:

  • Tragen Sie nach Möglichkeit keine schweren Lasten. Beim Anheben spannt sich die Bauchmuskulatur an und erhöht den Druck in der Bauchhöhle. Bestehen bereits kleine Lücken in der Bauchwand, können diese sich dadurch nach und nach weiten.

  • Vermeiden Sie Übergewicht. Die überflüssigen Pfunde befinden sich nicht nur außen am Körper; auch in der Bauchhöhle lagern sich größere Fettmengen an, die von innen gegen die Bauchdecke drücken.

  • Vermeiden Sie Verstopfung. Wer häufig unter Verstopfung leidet, muss beim Stuhlgang stark pressen und belastet dabei das Gewebe der Bauchdecke. Indem Sie sich gesund ernähren – das heißt möglichst ballaststoffreich mit viel frischem Obst und Gemüse – und regelmäßig Sport treiben, halten Sie Ihren Darm in Schwung. Vermeiden Sie den übermäßigen Verzehr von Nahrungsmitteln, die Verstopfung fördern (wie Schokolade) und trinken Sie ausreichend (Mineralwasser oder ungesüßte Kräutertees).

Autor:
Letzte Aktualisierung:27. Dezember 2016
Letzte Änderung durch: sist

Quellen: Eppinger M. et al.: Pädiatrie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014; Müller M. et al.: Chirurgie für Studium und Praxis. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014; Sitzmann C. et al.: Pädiatrie. Thieme Verlag, Stuttgart 2012

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