Erkrankung des Nervensystems

Multiple Sklerose: Symptome, Verlauf und Therapie

Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die Weiterleitung von Signalen ist gestört – Gehirn, Rückenmark und Sehnerven können betroffen sein. Die Beschwerden variieren, weshalb sie auch als "Krankheit mit 1.000 Gesichtern" bezeichnet wird. Alles zu Symptomen, Diagnostik, Verlauf, Behandlung und Leben mit MS.

multiple sklerose selbsthilfegruppe
Bei Multipler Sklerose können Selbsthilfegruppen helfen, einen guten Umgang mit der Erkrankung zu finden.
© iStockphoto.com/Moyo Studio

Unter Multipler Sklerose (MS) oder Enzephalomyelitis disseminata, wie die Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS) im medizinischen Fachjargon heißt, versteht man kleine entzündliche Veränderungen an verschiedenen Stellen des ZNS. Durch die Entzündungsherde kommt es zu Funktionsstörungen, zum Beispiel bei der Weiterleitung und Verarbeitung von Nervenimpulsen.

So können durch Multiple Sklerose Sehstörungen, Einschränkungen der Motorik oder unterschiedliche Gefühlsstörungen auftreten. Gerade die Vielzahl von Symptomen, die von Mensch zu Mensch sehr verschieden sein können, ist charakteristisch für diese Erkrankung.

Bei MS-Patienten richtet sich das eigene Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen. Klingen die so entstandenen Entzündungen an den Nerven wieder ab, bleiben Narben an den betroffenen Stellen zurück, die verhärten. Bei der Mehrzahl der Kranken verläuft MS in Schüben. Das heißt, es treten in gewissen Zeitabständen Krankheitssymptome auf, die sich jedoch wieder ganz oder zumindest teilweise zurückbilden können.

Ernährung bei Multipler Sklerose

Wer und wie viele sind von Multipler Sklerose betroffen?

Der Behandlungsleitlinie für Ärzte zufolge leben weltweit rund 2,5 Millionen Menschen mit MS. In Deutschland sind laut neusten Zahlen mehr als 250.000 Menschen von Multipler Sklerose betroffen. In der Regel wird MS zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert, wobei der Erkrankungsgipfel um das 30. Lebensjahr herum liegt. Selten beginnt die Krankheit unter zehn Jahren oder jenseits des 60. Lebensjahres, wobei auch diese Altersgruppen immer häufiger erkranken. Vor allem unter Frauen nimmt die Häufigkeit der Multiplen Sklerose zu.

Ursachen der Multiplen Sklerose

Bei der Multiplen Sklerose greifen körpereigene Abwehrzellen die Markscheiden an, eine Schutzhülle, die die Nerven umgibt. Das passiert, weil die Antikörper körpereigene Strukturen der Zellen mit denen von Bakterien oder Viren verwechseln, für deren Bekämpfung sie eigentlich da sind. Das Immunsystem attackiert also den eigenen Körper. Somit ist MS eine Autoimmunerkrankung.

Wie die Krankheit MS genau entsteht und was das Immunsystem veranlasst, die Schutzhülle der Nerven anzugreifen, ist noch nicht geklärt. Es gibt unterschiedliche Thesen und Vermutungen, jedoch konnte keine bislang wissenschaftlich bestätigt werden. Nach aktuellem Wissensstand wird davon ausgegangen, dass viele verschiedene Faktoren bei der Entstehung der Multiplen Sklerose eine Rolle spielen. Sicher scheint, dass genetische Veranlagung und Umweltfaktoren das Krankheitsrisiko und den Verlauf der Autoimmunerkrankung beeinflussen. Auch Faktoren wie virale Infektionen, beispielsweise Masern, Herpes oder das Epstein-Barr-Virus, und der Einfluss von Sonnenlichtexposition und Nikotin werden diskutiert.

Symptome bei MS

Anzeichen für Multiple Sklerose sind sehr unterschiedlich. Das erklärt sich durch die zahlreichen Aufgaben des Nervensystems. Fast jedes Symptom ist als Ausfall oder Beeinträchtigung einer Funktion im zentralen Nervensystem zu verstehen. Bei der Mehrzahl der Betroffenen verläuft MS in Schüben. Treten vorher nicht vorhandene Störungen und Ausfälle aufgrund eines (oder mehrerer) akuten Entzündungsherds auf, die mindestens 24 bis 48 Stunden bestehen bleiben, spricht man von einem Schub. Dieser kommt nicht plötzlich, wie beispielsweise ein epileptischer Anfall, sondern entwickelt sich über mehrere Tage oder Wochen.

Nach einem Schub kann der Betroffene wieder beschwerdefrei werden. Es können aber auch Symptome durch die narbig abgeheilten Entzündungen im Nervengewebe zurückbleiben. Wie häufig Schübe auftreten und wie lange sie andauern, kann man nicht vorhersagen, jedoch wird es mit zunehmender Krankheitsdauer wahrscheinlicher, dass ein Teil der Beschwerden bestehen bleibt. Bei einigen Patienten kann der schubförmige irgendwann in einen fortschreitenden Verlauf übergehen. Das bedeutet, dass die Beeinträchtigungen langsam aber stetig zunehmen und sich nicht mehr zurückbilden. Es gibt aber auch Menschen mit Multipler Sklerose, die sich ihr Leben lang durch die Krankheit nicht sonderlich beeinträchtigt fühlen.

Im Folgenden sind typische Anzeichen aufgeführt, die jedoch nicht bei jedem Betroffenen auftreten müssen. Darüber hinaus können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

  • Schwere Müdigkeit (Fatigue): Sie ist eines der häufigsten Symptome, etwa zwei Drittel der Patienten sind betroffen. Die bleierne Müdigkeit kann monatelang anhalten und bereits morgens auftreten, wobei sie meist im Tagesverlauf zunimmt.

  • Muskelschwäche: Sie kann sich anfangs einfach darin äußern, dass man am Ende des Tages ein Bein nicht mehr mit normalem Kraftaufwand heben kann. Im fortgeschrittenen Stadium ist mitunter eine Gehhilfe erforderlich.

  • Sensibilitätsstörungen, Missempfindungen: Manche Patienten haben taube Füße, bei anderen kribbeln die Finger. Es kommt ihnen vor, als liefen Ameisen über die Haut oder das Gehen fühlt sich an, als liefen sie auf Watte. Manchmal stellt sich auch ein schmerzhaftes Brennen der Gliedmaßen ein.

  • Plötzliche Sehstörungen: Es kann sich dabei um einige Tage andauernde Phasen mit Schleiersehen oder Nebel vor meist einem Auge handeln. Auch Farbsehstörungen sind möglich. Teilweise kommt es sogar zu einer vorübergehenden Blindheit. Eine weitere Form der Sehstörung ist das Doppeltsehen, das auf eine (vorübergehende) Lähmung einer oder mehrerer Augenmuskeln zurückzuführen ist. Viele Erkrankte leiden außerdem an einer Sehnerventzündung.

  • Lähmungen: Durch Schäden im zentralen Nervensystem verkrampfen und verspannen die Muskeln (spastische Parese). Je nach Schweregrad sind Betroffene nur leicht in ihrer Bewegung eingeschränkt oder aber im Extremfall stark beeinträchtigt.

  • Schwindel

  • Kopfschmerzen

  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

  • Schluckstörungen

  • Sprachstörungen

  • unwillkürliche Augenbewegungen

  • Koordinations- und Gangstörungen: Sie beruhen auf einer beeinträchtigten Funktion des Bewegungszentrums im zentralen Nervensystem, das die Anweisungen an die Muskulatur erteilt. Ein taumelnder Gang kann die Folge sein, aber auch Zittern (Tremor). Koordinationsstörungen beeinflussen häufig auch die Sprechmuskulatur, sodass Betroffene langsam, abgehakt und verwaschen sprechen (skandierende Sprache).

  • Störungen der Blasen- und Darmfunktion: Sehr starker Harndrang, der nicht mehr kontrolliert werden kann, ist typisch. Verstopfung kann durch die Krankheit selbst oder durch Bewegungsmangel verursacht werden.

Weitere mögliche Symptome bei MS können sein:

  • Schmerzen: Verkrampfte Muskulatur und Haltungsfehler können die Ursache sein. Als Trigeminusneuralgie bezeichnet man Schmerzen, die vom Gesichtsnerv ausgelöst werden.

  • Depressionen bei Multipler Sklerose können zweierlei Ursachen haben. Manchmal entstehen sie als Reaktion auf die Krankheit selbst, in anderen Fällen sind sie direkte Folge der Entzündungsherde im zentralen Nervensystem.

  • Störungen der Sexualität: Erektionsstörungen beim Mann sowie verminderte Empfindsamkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und trockene Scheide bei der Frau – auch das können Folgen der Multiplen Sklerose sein.

Frau nachdenklich
Selbsttest
Könnten meine Beschwerden auf Multiple Sklerose hindeuten?

Sie bemerken bei sich Symptome und haben den Verdacht, dass diese möglicherweise auf MS hindeuten könnten? Der folgende Test kann Ihnen helfen, eine erste Einschätzung zu geben!

Bitte beachten Sie, dass dieser Test keinesfalls eine eindeutige Diagnose liefert. Diese kann nur von Ihrem Arzt gestellt werden. Leiden Sie unter Beschwerden, ist in jedem Fall ein Arztbesuch ratsam. Auch, um gegebenenfalls eine individuell angemessene Therapie einleiten zu können. Am Ende des Tests erhalten Sie eine Auswertung Ihrer Antworten. Darin wird noch einmal im Detail erläutert, welche Symptome typisch für MS sind.

Verlaufsformen der Multiplen Sklerose

Der Verlauf von MS wird in der Regel in drei Arten eingeteilt:

  1. Schubförmiger Verlauf: Die häufigste Form der Multiplen Sklerose äußert sich schubförmig. Frauen sind davon zwei bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Bei den meisten Patienten bilden sich die Symptome eines Schubs innerhalb von sechs bis acht Wochen zurück. Wird die Krankheit nicht behandelt, liegt die Schubrate zu Beginn der Erkrankung bei durchschnittlich 1,8 Schüben pro Jahr. Bis zum nächsten Schub können mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre vergehen. Das Wiederkehren der Schübe wird auch als schubförmig-remittierender Verlauf bezeichnet. Im Anfangsstadium von MS sprechen Mediziner vom klinisch isolierten Syndrom (KIS). Nach zehn oder mehr Jahren geht dieser Verlauf meistens in einen chronisch-progredienten über.

  2. Chronisch-progredienter Verlauf: Unbehandelt kommt es bei mindestens 50 Prozent der Patienten nach durchschnittlich 10 Jahren zur chronisch-progredienten Verlaufsform der Multiplen Sklerose. Sie steht für die schleichende Zunahme der Symptome (sekundär chronische Progression). Dabei bilden sich die Einschränkungen nicht mehr vollständig zurück, sondern nehmen auch unabhängig vom Auftreten eines Schubes immer weiter zu. Häufig wird diese Form auch als zweites Stadium der Multiplen Sklerose bezeichnet.

  3. Primär chronische Verlaufsform: Sie betrifft etwa zehn Prozent der Erkrankten. Hierbei verschlechtern sich die Symptome von Anfang an fortlaufend ohne klar abgegrenzte Schübe. Diese Form wird auch als primär progredienter Verlauf (PPMS) bezeichnet und betrifft Patienten mit späterem Krankheitsbeginn ab 40 Jahren.

Verlauf der Multiplen Sklerose

Etwa ein Drittel der Patienten mit MS geht vorzeitig in Rente. Betroffene haben heute aufgrund der ärztlichen Versorgung und den verfügbaren Hilfsmitteln eine normale Lebenserwartung. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn eine Entzündung eine Atemlähmung auslöst, führt sie zum Tod. Eine Therapie, welche die Krankheit heilt, existiert allerdings noch nicht. Die Betroffenen müssen mit der Krankheit und den daraus resultierenden Einschränkungen leben, da nur die Symptome gelindert werden können. Für viele Erkrankte ist die Unvorhersehbarkeit der Erkrankung eine enorme Belastung. In Deutschland gibt es ebenso wie in vielen anderen europäischen Ländern jedoch zahlreiche Verbände und Selbsthilfegruppen, in denen sich Betroffene austauschen können und auch Hilfe bei rechtlichen Angelegenheiten finden.

Diagnose der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose zu diagnostizieren ist nicht einfach. Die Symptome können zahlreiche andere Ursachen haben: Bei Tumoren des Rückenmarks, Infektionskrankheiten wie Borreliose und Toxoplasmose sowie genetisch bedingten Myelinerkrankungen treten ähnliche Krankheitsanzeichen auf. Die Ausschlussdiagnostik ist oft langwierig, vom ersten Symptom bis zur Diagnosestellung vergehen im Schnitt drei bis vier Jahre. 

Um die Diagnose Multiple Sklerose zu stellen oder auszuschließen, wird der Arzt zuerst im Gespräch abfragen, welche Beschwerden der Patient hat. Für den Arzt ist es ebenfalls wichtig zu erfahren, ob Autoimmunerkrankungen in der Familie auftreten. Weisen die Symptome auf MS hin, werden eine Reihe von Tests und Untersuchungen eingeleitet.

Zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden zählen:

Neurologische Untersuchungen

Während der neurologischen Untersuchung prüft der Arzt die Hirnnerven, indem er Muskelkraft, Feinmotorik, Tastsinn, Koordination, Sensibilität, Muskelspannung, Reflexe, Sehschärfe, Geruchssinn, Schlucken und Sprechen beurteilt. Für all diese Funktionen ist es wichtig, dass der Körper Nervensignale richtig weiterleitet. Die Leitungsfähigkeit für elektrische Impulse im zentralen Nervensystem wird bei Multipler Sklerose geringer. Der Arzt kann diese Leitfähigkeit bestimmen, indem er die Nerven mittels bestimmter Reize stimuliert und die vom Nerv übertragene Information in einem anderen Hirnteil mit Elektroden ableitet. Man bezeichnet dies auch als Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Folgende neurologische Untersuchungsmethoden werden unterschieden:

  • visuell evozierte Potentiale (VEP): Das Auge wird durch einen Monitor stimuliert. Elektroden am Hinterkopf messen die Zeit bis zum Eintreffen des Nervenimpulses und damit die Leitfähigkeit des Sehnervs.

  • somatosensibel evozierte Potentiale (SEP): Mittels schwacher elektrischer Reize in Hand- oder Fußgelenk wird die Leitfähigkeit sensibler Bahnen geprüft. Auch hier werden die Elektroden zur Ableitung an den Kopf angelegt.

  • akustisch evozierte Potentiale (AEP): Als Auslöser für einen Nervenimpuls dient ein akustisches Signal, die Ableitung erfolgt ebenfalls am Kopf.

Lumbalpunktion (Liquoruntersuchung)

Den Betroffenen wird Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen. Dabei können bestimmte für Multiple Sklerose typische Veränderungen nachgewiesen werden. Allerdings trifft dies nicht in allen Fällen zu.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Mithilfe der Magnetresonanztomografie können Läsionen im Gehirn und Rückenmark nachgewiesen werden. Kleine Entzündungen und Vernarbungen im Gehirn sind darauf deutlich erkennbar. Auch aktive Entzündungsherde während eines Schubs können mit der MRT erfasst werden. Weitere Untersuchungen, die Aufschluss über eine Multiple Sklerose geben können, sind unter anderem:

  • Computertomographie (CT)
  • Perimetrie: Verfahren zur Bestimmung des Gesichtsfelds
  • Myelographie: Untersuchung zur Darstellung des Raums zwischen Rückenmark und Hirnhäuten
  • Elektroenzephalographie: Messung von Potenzialen im Gehirn
  • optische Kohärenztomografie (OCT): Methode zur Untersuchung der Netzhaut im Auge

So wird MS behandelt

MS lässt sich bisher nicht heilen. Die Behandlung dient der Linderung der Entzündung und das Fortschreiten der Symptome zu verhindern. Die Therapiemöglichkeiten werden eingeteilt in:

  • Schubtherapie: Zur akuten Linderung des Schubs und der Entzündung.
  • Basistherapie: Um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und die schubfreie Zeit zu verlängern (Immunprophylaxe).
  • Eskalationstherapie: Zur Behandlung der aktiven Verlaufsform, die auf andere Medikamente nicht anspricht.
Medizinisches Cannabis: Einsatzgebiete

Schubtherapie

Ein MS-Schub sollte idealerweise stationär behandelt werden. Im akuten Schub ist eine Kortisontherapie das Mittel der Wahl. Kortison hat sowohl eine entzündungshemmende als auch eine das Immunsystem unterdrückende (immunsuppressive) Wirkung. Kortison (auch Glukokortikosteroide beziehungsweise Glukokortikoide) setzen die Blut-Hirn-Schranke wieder in Stand, die bei Erkrankungsschüben nach neueren Erkenntnissen für bestimmte Abwehrzellen durchlässig wird. Im Gegensatz zur Kortisondauertherapie wird die Stoßtherapie bei einem Schub meist gut vertragen. Das Verfahren wird auch als GKS-Pulstherapie oder GKS-Stoßtherapie bezeichnet.

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung der Krankheitsschübe bei Multipler Sklerose ist die Plasmapherese. Dabei handelt es sich um eine Art Blutwäsche: Über die Hals- oder Armvene wird Blut aus dem Körper entnommen und in einer Zentrifuge das flüssige Plasma von den Blutzellen separiert. Das Plasma wird ersetzt durch fremdes Plasma oder humanes  Albumin und anschließend wieder zurück in den Körper geleitet. Ziel ist, auf diese Weise Bestandteile des Bluts zu entfernen, die die Hülle der Nervenfasern, das Myelin, schädigen. Diese Behandlung wird in der Regel eingesetzt, wenn sich mit der GKS-Pulstherapie keine Besserung erzielen lässt.

Basistherapie bei MS

Die günstige Beeinflussung des Immunsystems ist Hauptziel der Langzeittherapie bei MS mit Immunsuppressiva. Für die Basistherapie der Multiplen Sklerose werden hierfür Beta-Interferone oder Glatirameracetat eingesetzt. Beta-Interferone wirken unter anderem entzündungshemmend und regulierend auf das Immunsystem. Beta-Interferone müssen wie Glatirameracetat unter die Haut gespritzt werden.

Symptomatische Therapie bei Multipler Sklerose

Auch die symptomatische Therapie, welche die Beschwerden der Multiplen Sklerose lindern soll, spielt eine wichtige Rolle. Bei dieser werden beispielsweise durch die Inaktivität des Erkrankten entstehende Komplikationen wie Atemwegs- und Harnwegsinfektionen mit Medikamenten behandelt. Auch die Spastik kann durch Arzneimittel, so genannte Muskelrelaxantien, gehemmt werden. Hier ist die sogenannte intrathekale Baclofentherapie eine Möglichkeit.

Ein wichtiger Teil der Therapie ist die konservative Behandlung mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Diese können muskuläre Probleme lindern, beheben oder ihnen vorbeugen. Folgeerscheinungen durch Immobilität sollen verhindert und noch vorhandene Fähigkeiten erhalten werden. Hierfür gibt es eine Reihe von speziellen Therapiearten, wie beispielsweise das Bobath-Konzept (auf neurophysiologischer Basis), die Hippotherapie (therapeutisches Reiten) und Beckenbodengymnastik, aber auch Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training.

Andere Fachärzte miteinbeziehen

Der Neurologe wird im Laufe der Therapie in regelmäßigen Abständen untersuchen, ob und wie die Erkrankung fortschreitet. Anhand der Befunde kann eine Einstufung der Krankheit auf einer international gebräuchlichen Skala wie der EDSS (Expanded Disability Status Scale) vorgenommen werden. In allen folgenden Untersuchungen kann dann festgestellt werden, ob und in welchem Maße sich die Krankheit verändert hat.

Außer dem Neurologen sollten bei Multipler Sklerose auch andere Fachärzte in die Behandlung eingebunden werden. Bei Sehstörungen sollte der Augenarzt und bei Blasenfunktionsstörungen oder sexuellen Dysfunktion der Urologe oder Frauenarzt konsultiert werden. Das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt ist entscheidend für den Erfolg der Behandlung. Der Betroffene sollte alle Fragen, die ihn beschäftigen, ausführlich besprechen können.

Vorbeugung und Leben mit MS

Da die Ursachen der MS noch unklar sind, ist es auch nicht möglich, ihr vorzubeugen. Je früher jedoch adäquate Therapiemaßnahmen einsetzen, desto besser kann das Fortschreiten der Krankheit verzögert werden. Ebenso entscheidend ist die eigene Mitarbeit in der Therapie und der Umgang mit der Krankheit. Der Lebensstil beeinflusst den Verlauf immens. So wirkt sich eine gesunde, ausgewogene Ernährung positiv aus. Faktoren wie Stress, Überanstrengung und eine negative Lebenseinstellung fördern dagegen das Entstehen eines neuen Schubes. Auch Hitze tut Betroffenen nicht gut. In heißen Sommermonaten verschaffen kühle Duschen Linderung.

Einfluss der Ernährung und des Gewichts auf den Verlauf der MS

Immer wieder wird der Einfluss der Ernährung auf die Multiple Sklerose diskutiert. Die aktuelle Studienlage lässt annehmen, dass die Ernährung Einfluss auf den Verlauf hat, aber wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse gibt es nicht. Experten sind sich dennoch einig, dass sich eine Ernährungsumstellung bei MS lohnen könnte.

Bevorzugt werden sollen Lebensmittel mit antientzündlichen Eigenschaften. So sind beispielsweise Omega-3-Fettsäuren und die Mittelmeerkost zu bevorzugen und tierische Fette zu reduzieren. Industriell gefertige Lebensmittel und Fertigprodukte sollten weitestgehend vermieden werden, außerdem viel Salz, Zucker und Weißmehl. Auch die ketogene Diät und Fasten scheinen sich positiv bei Multipler Sklerose auszuwirken.

Was man bei MS essen sollte:

  • frisches Obst (Beeren werden besonders empfohlen), Gemüse und Kräuter
  • pflanzliche Öle, wie Olivenöl, und Nüsse (ungesalzen und außer Erdnüsse)
  • fetter Seefisch, wie Lachs, nicht paniert
  • Vollkornprodukte mit komplexen Kohlenhydraten

Nahrungsergänzungsmittel bringen laut Studien für MS-Patienten nichts. Die einzige Ausnahme ist Vitamin D, welches aber nur eingenommen werden sollte, wenn der Vitamin-D-Spiegel im Blut vorher bestimmt wurde, da es auch überdosiert werden kann.

Leben mit Multipler Sklerose

Betroffene mit Multipler Sklerose sind oft verunsichert, was ihr zukünftiges Leben betrifft. Ein selbstbestimmtes Leben ist jedoch möglich, wenn die Erkrankung akzeptiert wird und die eigenen Grenzen beachtet und eingehalten werden. Die Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe kann sinnvoll sein, um einen guten Umgang mit der Erkrankung zu erlernen, verborgene Potenziale zu entdecken und gegbenefalls auch ein neues Selbstbild zu entwickeln. Das Wissen über die Krankheit MS und die verschiedenen Therapieoptionen ermöglichen einen selbstbestimmten Umgang mit der Erkrankung. Lernen, Hilfe anzunehmen, kann den Umgang erleichtern und unterstützen, wo es nötig ist.

Selbsthilfegruppen für Multiple Sklerose finden sich beispielsweise bei den Landesverbänden der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft.

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