Schutz vor Krankheiten

Das Immunsystem

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Das Immunsystem ist ein hochkomplexer Abwehrmechanismus des menschlichen Körpers: Es arbeitet rund um die Uhr und hat sogar ein eigenes Gedächtnis. Wie das Immunsystem funktioniert, wie Sie es stärken und sich so Krankheiten vom Leib halten.

Immunsystem: So funktioniert die körpereigene Abwehr
© iStock.com/RossHelen

Das Immunsystem ist ein komplexes Abwehrsystem des menschlichen Körpers: Es schickt weiße Blutkörperchen (Leukozyten) im Organismus auf Patrouille, um Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze zu erkennen und zu beseitigen. Solche Krankheitserreger versuchen, immer und überall auf verschiedenen Wegen in den menschlichen Körper zu gelangen – ob über das Einatmen, die Nahrung oder die Haut. Deshalb hat das Immunsystem einen 24-Stunden-Job: Rund um die Uhr sind zahlreiche Immunzellen einsatzbereit, um den Menschen vor Krankheiten zu schützen.

In den meisten Fällen gelingt es der körpereigenen Abwehr, die Krankheitserreger unschädlich zu machen – ohne, dass der Mensch es überhaupt merkt. Ganz ohne Krankheitssymptome läuft der Prozess jedoch nicht immer ab: Körperliche Reaktionen wie Husten, Schnupfen oder Fieber helfen dabei, die Erreger wieder loszuwerden und trainieren das Immunsystem für die Zukunft. Dank der zuverlässigen Abwehrkräfte ist man nach einem solchen Infekt meist schnell wieder genesen.

Artikelinhalte im Überblick:

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Funktion des Immunsystems: Abwehrzellen in Alarmbereitschaft

Schon die Anatomie des menschlichen Körpers ist wie ein Schutzschild gegen Krankheitserreger aufgebaut. Die erste Abwehr findet bereits an den Eintrittsstellen statt, an denen Erreger versuchen, in den Körper einzudringen. Die Haut erfüllt zum Beispiel eine solche Funktion, aber auch die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen sollen Viren und Bakterien erst gar nicht weiter vorrücken lassen. Selbst die Ausscheidung von Urin zählt dazu – denn sie dient der regelmäßigen Reinigung der Blase. Ebenso wie die Magensäure, die schädliche Eindringlinge aus der Nahrung aufhalten soll.

Zudem verfügt das Immunsystem über weitere Verteidigungsmechanismen, bei denen sich verschiedene Abwehrzellen austauschen und eng zusammenarbeiten:

  • Unspezifische (angeborene) Abwehr: Verletzt man sich zum Beispiel an der Haut, werden sogenannte Fresszellen angelockt. Weiße Blutkörperchen wie Makrophage sind solche Fresszellen, die einen Erreger umschließen und töten, indem sie ihn in kleine Stücke zerlegen und abbauen.

  • Spezifische (erworbene) Abwehr: Hat es ein Krankheitserreger trotz unspezifischer Abwehr in den Organismus geschafft, werden spezielle weiße Blutkörperchen aktiv, um Antikörper (Immunglobuline) zu bilden und den Erreger unschädlich zu machen. Die B-Lymphozyten, auch B-Zellen genannt, produzieren dazu Antikörper, die T-Lymphozyten unterstützen sie dabei und haben zudem die Aufgabe, körperfremde Stoffe (Antigene) direkt anzugreifen. Die Antikörper markieren die Antigene, damit die Fresszellen sie schneller finden. Außerdem halten sie Viren oder Bakterien davon ab, in die Zellen einzudringen und sich dort zu vermehren. Den Antikörpern ist auch zu verdanken, dass man die meisten Erkrankungen kein zweites Mal bekommt. Denn das Immunsystem verfügt über ein eigenes Gedächtnis: Die B- und T-Zellen besitzen sogenannte Antigenrezeptoren, die wie bei einem Schlüssel-Schloss-Prinzip zu genau einem Erreger passen. Auf diese Weise kann sich das immunologische Gedächtnis an jeden Erreger erinnern, um ihn schnell zu beseitigen. Impfungen machen sich genau dieses Prinzip zunutze: Ein Krankheitserreger wird zum Beispiel in einer abgeschwächten oder abgetöteten Form verabreicht, damit sich Antikörper bilden und es im Falle einer späteren Infektion mit genau diesem Erreger nicht zu einer Erkrankung kommt.

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Aufbau des Immunsystems – ein Zusammenspiel im ganzen Körper

Die weißen Blutkörperchen, die für das Immunsystem verantwortlich sind, befinden sich als mobile Zellen im Blut und damit überall im Körper. Doch auch den Organen, in denen die Immunzellen gebildet werden, kommt für die reibungslose Funktion des Immunsystems eine besondere Bedeutung zu.

Primäre lymphatische Organe:

Dies sind Bildungsorte, von denen aus sich die Abwehrzellen im Körper verteilen, um Infektionen zu registrieren und umgehend zu bekämpfen:

  • Knochenmark: In dem schwammigen Gewebe der Knochen werden die weißen Blutkörperchen produziert, die für die Bildung von Antikörpern verantwortlich sind. Die B-Zellen wurden nach ihrem Entstehungsort benannt: „B“ steht für das englische Wort für Knochenmark „bone marrow“. Sie entwickeln sich aus den Blutstammzellen.

  • Thymus: Dies ist ein Lymphorgan, das sich oberhalb des Herzens befindet. Hier reifen die T-Zellen nach ihrer Bildung im Knochenmark aus.

Sekundäre lymphatische Organe:

Hierbei handelt es sich um Sammelplätze für Immunzellen, Filtersysteme und Produktionsorte für Antikörper:

  • Lymphsystem: Die Lymphbahnen des Körpers sind wie eine Art Reinigungsapparat: Die Lymphgefäße durchziehen den gesamten Körper und dienen unter anderem als Transportwege für den Abtransport schädlicher Erreger. In den Lymphknoten sammeln sich die Immunzellen und die Bildung von Antikörpern wird angeregt. Geschwollene Lymphknoten sind daher ein Zeichen dafür, dass der Körper gerade versucht, sich gegen einen Infekt zu wehren.

  • Milz: Die Milz ist ein Sammelort für Immunzellen.

  • Mandeln: Die Mandeln spielen für das Immunsystem ebenfalls eine große Rolle: Sie sollen Krankheitserreger aufhalten, die über die Atemwege in den Körper gelangen. Außerdem befinden sich in ihnen Abwehrzellen.

  • Darm: Zudem ist der Darm für das Immunsystem bedeutsam: In ihm befinden sich sehr viele Immunzellen, weshalb die Gesunderhaltung der Darmflora zur Stärkung der Abwehrkräfte seit einigen Jahren immer mehr in den Fokus gerückt ist.

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Einflüsse auf das Immunsystem: Das schwächt und stärkt!

Obwohl das Immunsystem meist äußerst effektiv arbeitet, kommt es vor, dass Viren oder Bakterien manchmal trotzdem leichtes Spiel haben. Gründe dafür können verschiedene Faktoren sein, durch die das Immunsystem geschwächt ist. Dazu zählen unter anderem die folgenden Faktoren.

Negative Einflussfaktoren auf das Immunsystem:

  • erhöhtes Lebensalter: Die Effektivität des Immunsystems nimmt in höherem Alter ab: Es werden weniger Abwehrzellen und Antikörper gebildet und man wird anfälliger für Infekte. Da der Körper empfindlicher auf Krankheitserreger reagiert, steigt das Risiko für Komplikationen – etwa bei der Grippe oder einer Infektion mit Pneumokokken. Aus diesem Grund gehören ältere Menschen auch zur Risikogruppe für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2. Lesen Sie hier alles zum Coronavirus.

  • Medikamente: Es gibt Medikamente, die Einfluss auf das Immunsystem haben. Dazu zählen zum Beispiel sogenannte Immunsuppressiva. Diese Medikamente werden nach Organtransplantationen eingenommen, um bewusst die Reaktion des Immunsystems herabzusetzen. Der Grund: Das Immunsystem richtet sich gegen körperfremde Zellen und muss unterdrückt werden, damit es das Spenderorgan nicht abstößt. Auch Krebstherapien können das Immunsystem schwächen.

  • Nikotin: Neben einer direkten Schädigung der Zellen durch das Rauchen kann Nikotinkonsum das Immunsystem negativ beeinflussen: Wer raucht, ist oftmals häufiger von Infekten betroffen.

  • Mangelernährung: Der Körper braucht Nährstoffe, um reibungslos arbeiten zu können – eine ausgewogene Ernährung ist für das Immunsystem daher unverzichtbar. Tritt eine Mangelernährung bei Krebs auf, müssen rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden.

  • chronischer Stress: Andauernder Stress schwächt das Immunsystem. Unter anderem ist ein erhöhter Spiegel an Stresshormonen dafür verantwortlich, dass eine angemessene Immunreaktion des Körpers auf krankmachende Keime ausbleibt.

  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft befindet sich das mütterliche Immunsystem in einem Ausnahmezustand: Es soll das ungeborene Kind schützen, die väterlichen Gene nicht abstoßen und ist gleichzeitig massiven Hormonumstellungen ausgesetzt. All diese Gründe sorgen dafür, dass schwangere Frauen ein erhöhtes Risiko für Infekte besitzen.

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Die gute Nachricht: Es gibt nicht nur Einflüsse, die das Immunsystem schwächen – jeder Mensch kann selbst aktiv etwas zu seiner Gesunderhaltung beitragen. Um die Abwehrkräfte auf Trab zu halten und die Produktion von Immunzellen anzuregen, sollte man auf Folgendes achten.

Positive Einflussfaktoren auf das Immunsystem:

  • gesunde und ausgewogene Ernährung: Auf den Teller gehören alle Nährstoffe, täglich Vitamine in Form von Obst und Gemüse, dazu regelmäßig Probiotika und Ballaststoffe.

  • Sport: Gesunden Erwachsenen werden mindestens 150 Minuten moderate sportliche Aktivität oder mindestens 75 Minuten intensive sportliche Aktivität pro Woche empfohlen.

  • Vitamin D: Von April bis Oktober sollte man sich täglich mindestens zehn Minuten im Freien aufhalten, um seinen Vitamin-D-Bedarf zu decken. Nahrungsergänzungsmittel sind ohne ärztlichen Rat nicht empfehlenswert.

  • Entspannung: Ausreichend Schlaf ist wichtig, damit sich der Körper erholen kann. Regelmäßige Entspannung im Alltag durch Pausen, Achtsamkeitsübungen, Yoga oder Meditation können zu einer guten Regeneration beitragen.

Lesen Sie hier alles dazu, wie Sie Ihr Immunsystem stärken.

Immunsystem und Krankheiten: Abwehrkräfte außer Kontrolle

Nicht immer funktioniert das Immunsystem so, wie es soll. Die Auswirkungen solcher Fehlfunktionen sind vielfältig – und in einigen Fällen sind die Ursachen bis heute nicht eindeutig geklärt.

  • Allergien: Eine Allergie ist eine Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers. Das heißt: Der Organismus identifiziert eine Substanz als schädlichen Erreger, obwohl diese keiner ist – eine allergische Reaktion wird ausgelöst.

  • Angeborene (primäre) Immundefekte: Selten kommen Menschen bereits mit einem Immundefekt zur Welt. Bei diesen angeborenen Immundefekten können keine oder nur wenige Antikörper gebildet werden, weshalb eine erhöhte Infektanfälligkeit besteht.

  • Autoimmunerkrankungen: Bei Autoimmunerkrankungen wenden sich die Immunzellen fälschlicherweise gegen körpereigene Zellen und zerstören sie. Dies ist zum Beispiel bei Multiple Sklerose der Fall, hier werden die Nervenzellen von den Immunzellen angegriffen. Auch die rheumatoide Arthritis ist eine solche Autoimmunerkrankung – hierbei sind die Gelenke von der fehlgeleiteten Immunreaktion betroffen.

  • Erworbene Erkrankungen: Ein geschwächtes Immunsystem liegt zum Beispiel bei Krankheiten wie Diabetes vor. Eine Infektion mit dem HI-Virus gehört zu den erworbenen Erkrankungen, bei denen die Beeinträchtigung des Immunsystems von besonders großer Bedeutung ist: Durch HIV werden die Immunzellen zerstört, sodass die körpereigene Abwehr herabgesetzt ist. Ohne geeignete Therapie besteht die Gefahr, dass durch ein stark geschwächtes Immunsystem andere Infekte nicht mehr ausreichend abgewehrt werden und sie zu komplizierten Verläufen führen können.

  • Krebserkrankungen: Tumorzellen stellen das Immunsystem vor eine schwierige Herausforderung, denn als körpereigene Zellen können sie sich für das Immunsystem unsichtbar machen und auf diese Weise unbemerkt wachsen. Lesen Sie hier, wie genau Krebs entsteht.

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