Tumorerkrankung

Leberkrebs

Leberkarzinom, Hepatozelluläres Karzinom

Der Begriff Leberkrebs fasst alle bösartigen Geschwulsterkrankungen der Leber zusammen. Die häufigste Form ist das Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom, abgekürzt: HCC).

Leberkrebs,Bier,Alkohol
Der gestiegene Alkoholkonsum führt zu mehr Fällen von Leberzirrhose und damit auch zu mehr Neuerkrankungen an Leberkrebs.
© iStock.com/mikedabell

In Deutschland ist das Leberzellkarzinom eine eher seltene Krebserkrankung. Laut aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts erkrankten 2010 in Deutschland rund 5800 Männer und 2.500 Frauen an Leberkrebs. Allerdings steigt die Rate der Neuerkrankungen an. Das liegt zum einen daran, dass Leberzirrhosen aufgrund des gestiegenen Alkoholkonsums zunehmen. Zum anderen gibt es in den westlichen Ländern immer mehr Hepatitis-Erkrankungen.

Krebs: 20 Zeichen, die Sie ernst nehmen sollten

Leberkrebs durch nicht alkoholische Fettleber

Zusätzlich spielt auch ein Rolle, dass viel mehr Menschen als früher eine nicht alkoholische Fettleber haben - hervorgerufen durch fettreiches und / oder süßes Essen, wenig Bewegung und Übergewicht. Dabei trifft es Männer beinahe doppelt so häufig wie Frauen. Weltweit steht Leberkrebs an fünfter Stelle der häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen.

Leberkrebs ist selten, aber besonders bösartig

Leberkrebs gehört zwar nicht zu den häufigen Krebserkrankungen. Leberkarzinome sind jedoch äußerst bösartig. Obwohl heute Leberkrebs häufig relativ früh entdeckt wird, überleben nur etwa zehn Prozent der Betroffenen die ersten fünf Jahre nach der Diagnose.

Der Arzt unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Leberkrebs. Der primäre Leberkrebs entsteht aus den eigenen Zellen der Leber. Der sekundäre Leberkrebs bezeichnet Lebermetastasen. Lebermetastasen sind Tochtergeschwülste bösartiger Tumoren anderer Organe, die in die Leber gestreut haben.

Neue Therapien gegen Leberkrebs lassen hoffen

Neue Therapieansätze, wie etwa die transartielle Onkolyse, könnten jedoch schon in Kürze die Prognose von Leberkrebs verbessern. Bei dieser Methode handelt es sich um Wirkstoffe, die direkt in die Leberarterie injiziert werden und die Tumorzellen auflösen sollen.

Leberkrebs: Symptome

Leberkrebs tut nicht weh und verursacht erst im fortgeschrittenem Stadium Bauchschmerzen, Teerstuhl und Gewichtsabnahme. All diese Anzeichen können jedoch auch auf andere Krankheiten hinweisen.

Schmerzen im Unterbauch bei Blinddarmentzündung
Ständige Schmerzen im Oberbauch können ein Symptom für Leberkrebs sein.
Getty Images/iStockphoto

Leberkrebs ist tückisch. Erst wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist, macht sie sich mit den verschiedensten Beschwerden bemerkbar. Weitere Schwierigkeit: Die Anzeichen von Leberkrebs sind sehr uncharakteristisch. Deshalb werden sie häufig erst sehr spät richtig gedeutet oder mit anderen, harmloseren Ursachen verwechselt.

Die wichtigsten Anzeichen von Leberkrebs

Es gibt jedoch eine Reihe von Symptomen, die auf Leberkrebs hinweisen können. Dazu gehören:

  • Ständige Bauchschmerzen, vor allem im Oberbauch,

  • Gelbfärbung von Haut und Augen,

  • Durchfall,

  • schwarzer, stark riechender Stuhl (Teerstuhl),

  • Gewichtsabnahme, häufig trotz zunehmenden Bauchumfangs sowie ein

  • allgemeines Schwächegefühl

Treten die genannten Beschwerden über einen längeren Zeitraum hinweg dauernd oder immer wieder auf, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Zwar können die Symptome auch andere, harmlose Ursachen haben, es ist aber ratsam, die Chance auf eine frühe Diagnose von Leberkrebs zu nutzen.

Leberkrebs: Ursachen

Leberzirrhose und Hepatitis B gelten als die wichtigsten Ursachen von Leberkrebs. Aber es gibt noch weitere, weniger bekannte Risikofaktoren.

alkohol-fettleber-ursachen
Durch übermäßigen und sehr häufigen Alkoholkonsum kann sich eine Leberzirrhose, die Vorstufe des Leberkrebses, entwickeln.
Getty Images/Blend Images

Was genau die Auslöser für Leberkrebs sind, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Bestimmte Risikofaktoren erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, ein Leberzellkarzinom zu entwickeln, sehr stark. Das trifft vor allem dann zu, wenn mehrere dieser Faktoren vorliegen.

 Denn eines ist sicher: Leberkrebs bildet sich erst dann, wenn die Leber bereits vorgeschädigt ist. So entstehen fast 90 Prozent aller Fälle von Leberkrebs auf der Basis einer Leberzirrhose.

Die wichtigste Ursache für Leberkrebs

Dabei gibt es verschiedene Ursachen für Leberzirrhose und damit für Leberkrebs. Meist entwickelt sich eine Leberzirrhose aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums. Er zerstört die Leberzellen und führt zu irreparablen Schäden an dem wichtigen Organ. Allerdings kann auch die sogenannte nicht alkoholische Fettleber die Basis für Leberkrebs sein. Diese Lebererkrankung kommt durch Diabetes, falsche Ernährungsgewohnheiten, Übergewicht und Bewegungsmangel zustande.

Hepatitis B als Ursache für Leberkrebs nimmt in Deutschland ab

Auffällig ist daneben, dass weltweit die Erkrankungsrate von Leberkrebs in Gebieten, in denen Hepatitis B stark verbreitet ist, besonders hoch ist. Hepatitis B scheint also ebenfalls ein Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs zu sein. In Deutschland wird das jedoch in Zukunft weniger zum Tragen kommen, weil die meisten Babys gegen Hepatitis B geimpft werden.

Neben den beiden Hauptrisikofaktoren,

  • Hepatitis B und

  • Leberzirrhose,

können weitere Faktoren zur Entwicklung von Leberkrebs beitragen. Dazu gehören:

  • ,

  • eine angeborene oder erworbene Eisenspeicherkrankheit,

  • Vergiftungen mit Schimmelpilzgiften (Aflatoxine) sowie

  • Stoffwechselerkrankungen wie Alpha-1-Antitrypsinmangel.

Leberkrebs: Diagnose

Meist zeigt bereits die körperliche Untersuchung, ob die Leber gesund ist oder krank. Die Diagnose Leberkrebs wird dann mit bildgebenden Verfahren und einer Biopsie gefestigt.

Ultraschalluntersuchung am Bauch
Die Diagnose Leberkrebs wird mit verschiedenen bildgebenden Verfahren abgeklärt.
Getty Images/iStockphoto

 

Die Diagnose von Leberkrebs beginnt mit einer ausführlichen Besprechung der Krankheitsgeschichte des Patienten (Anamnese). Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Größe und Beschaffenheit der Leber sowie Verfärbungen von Haut und Augen deuten dabei auf eine mögliche Lebererkrankung hin.

Bildgebende Verfahren zur Diagnose von Leberkrebs

Mit der Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) lassen sich Veränderungen an den Organen feststellen. Durch 3D-Bilder erlauben Computertomographie (CT) und Magnetresonanz-Tomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, einen noch genaueren Einblick. Bei beiden Verfahren können zusätzlich Röntgenkontrastmittel gegeben werden, um die Organe besser darzustellen.

Darmspiegelung bei Verdacht auf Leberkrebs

Die Darmspiegelung (Koloskopie) wird angewendet, um vor Therapiebeginn auszuschließen, dass es sich bei dem Leberkrebs um Metastasen eines Darmkrebses handelt. Eine Darmspiegelung erfolgt über den After in den Dick- und Dünndarm. Hier kann eine kleine Gewebeprobe des Darms entnommen werden (Biopsie). Das entnommene Gewebe lässt sich anschließend unter dem Mikroskop eingehend untersuchen.

In einigen Fällen empfiehlt sich zur Leberkrebs-Diagnose auch die Röntgenaufnahme der Gefäße (Angiographie), beispielsweise, um die Gefäßversorgung der Leber genauer zu untersuchen.

Bei Leberzirrhose engmaschig untersuchen, um Leberkrebs rasch zu diagnostizieren

Liegt bereits eine Leberzirrhose vor, die als wichtigster Risikofaktor für Leberkrebs gilt, sollten die Betroffenen alle sechs Monate zum Arzt gehen. Mittels Ultraschall untersucht er, ob sich die Leber verändert hat und legt fest, ob ein Verdacht auf Leberkrebs besteht.

Leberkrebs: Therapie

Operation, Chemotherapie und neue Verfahren kommen zur Behandlung von Leberkrebs zum Einsatz. Erst wenn das alles nichts nützt, gibt es noch die Lebertransplantation.

leber organspende
Eine Lebertransplantation ist nur eine Therapiemöglichkeit bei Leberkrebs – und kommt nicht für alle Patienten infrage.
© iStock.com/magicmine

 

Primäre Tumoren an der Leber werden in der Regel zunächst operativ entfernt. Je nach Klassifikation des Lebeskrebs kann das Organ dabei teilweise oder vollständig entfernt werden. Wird die Leber vollständig entnommen, ist eine Lebertransplantation nötig.

Teilentfernung der Leber bei Leberkrebs

Bei der Teilentfernung der Leber (Hepatektomie) wird der Leberkrebs mitsamt dem umliegenden gesunden Lebergewebe entfernt. Funktioniert die Leber normal, kann der zurückgebliebene Teil die Funktion der gesamten Leber übernehmen. Ist die Leberfunktion beispielsweise durch eine Leberzirrhose schon beeinträchtigt, ist das nicht mehr gewährleistet. Wird die gesamte Leber mitsamt Tumor entfernt, übernimmt eine eingesetzte Spenderleber die Leberfunktion.

Lebertransplantation zur Behandlung

Normalerweise wird eine vollständige Entfernung vorgenommen, wenn der Leberkrebs bereits über 50 Prozent der Leber eingenommen hat oder wenn eine Leberzirrhose oder Pfortader-Hochdruck (portale Hypertension) vorliegen. Voraussetzung für eine Organtransplantation ist allerdings ein guter körperlicher Zustand, da vor allem die Zeit danach für den Körper sehr belastend ist. So müssen Medikamente eingenommen werden, die die Immunabwehr hemmen. Sie sollen verhindern, dass der Körper das fremde Organ abstößt. In dieser Phase besteht erhöhte Infektionsgefahr.

Lokale Tumorkontrolle bei Leberkrebs

Ist es nicht möglich, den Leberkrebs durch eine Operation zu entfernen, bieten sich verschiedene Verfahren an, um das Wachstum des Leberkarzinoms zu bremsen. Das gängigste Verfahren ist die Verödung mit hochprozentigem Alkohol (perkutane Ethanolinjektion). Dieser wird durch die Bauchdecke direkt in die schmerzunempfindliche Leber gespritzt und soll den Leberkrebs veröden.

Wärmebehandlungen lassen sich ebenfalls zur Verödung des Tumors einsetzen. Dies geschieht entweder durch Radiohochfrequenzen (Radiofrequenz-Thermoablation) oder durch heiße Kochsalzlösung. Bei der Lipiocistherapie wird das Kontrastmittel Lipiodol mit radioaktiver Flüssigkeit versetzt und in die Leber gespritzt.

Chemotherapie bei Leberkrebs

Konnten durch die Operation nicht alle Krebsherde entfernt werden, empfiehlt sich der Einsatz von Medikamenten, die die Zellteilung hemmen. Diese Zellgifte, die Zytostatika, verändern die Erbinformationen im Zellkern, sodass sich Zellen nicht mehr teilen können. Obwohl die Zytostatika eher auf die sich unkontrolliert teilenden Krebszellen wirken, werden auch gesunde Zellen beeinflusst. Deshalb treten bei einer Chemotherapie eine Reihe von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Magen-Darm-Störungen, Schleimhautentzündungen, Haarausfall und Schwächegefühl auf.

Neue Therapieansätze gegen Leberkrebs

In der Entwicklung befindet sich außerdem eine neue Behandlungsform gegen Lebertumore, die sogenannte transarterielle VSV-Onkolyse. Dabei werden über die Leberarterie Stoffe in die Leber gebracht, die gezielt Leberkrebszellen absterben lassen.

Leberkrebs: Verlauf

Leberkrebs früh erkennen erhöht die Chance auf weitere Lebensjahre. Sonst ist die Prognose bei Leberkrebs eher ungünstig.

Leber,Untersuchung
Bei 80 Prozent aller Leberkrebsfälle ist eine Operation nicht mehr möglich. Die Überlebenschancen sind dann gering.
© iStock.com/emrahkarakoc

 

Die meisten Fälle von Leberkrebs werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Je früher der Tumore allerdings diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen von Leberkrebs, auch bei einer Neubildung. Hat der Leberkrebs noch keine Metastasen gebildet, sind die Aussichten gut.

Überlebenschancen bei Leberkrebs gering

Die Zahlen zeigen jedoch, dass 80 Prozent aller Fälle von Leberkrebs beim Zeitpunkt der Diagnose bereits so weit fortgeschritten sind, dass eine Operation nicht mehr möglich ist. Nur etwa zwölf Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer, bei denen Leberkrebs diagnostiziert wurde, überleben die ersten fünf Jahre.

Kann der Leberkrebs jedoch noch operiert werden, steigt die Überlebensrate stark an: Rund 50 Prozent der Patienten leben dann noch mehr als fünf Jahre nach der Diagnose.

Für alle Patienten mit Leberkrebs gilt jedoch: Engmaschige Nachuntersuchungen sind wichtig, um eine Rückkehr des Tumors so früh wie möglich zu erkennen.

Leberkrebs: Vorbeugen

Bisher werden nur Leberkrebs-Risikopatienten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen empfohlen. Ärzte fordern das für alle ab 35 Jahre.

fettleber-typische-symptome-schmerzen-oberbauch
Ärzte fordern, den Lebertest für alle in den Gesundheits-Check ab 35 Jahren aufzunehmen.
Gettyimages

 

Eine Früherkennungsuntersuchung auf Leberkrebs ist für die allgemeine Bevölkerung nicht Teil der gesetzlichen Screening-Angebote. Um Leberbelastungen jedoch möglichst früh aufzudecken, fordern Ärzte, den Lebertest in den allgemeinen Gesundheits-Check ab 35 Jahren aufzunehmen.

Bisher werden lediglich allen Patienten mit Vorerkrankungen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen empfohlen. Dies betrifft Patienten mit Leberzirrhose, Betroffene, die dauerhaft Hepatitisviren in sich tragen oder bei denen nicht-alkoholische Fettleber vorliegen. Geeignet ist zur Leberkrebs-Vorsorge eine Ultraschall-Untersuchung. Die Messung von Blutwerten (Alpha-Fetoprotein) spielt eine untergeordnete Rolle.

Gesunde Lebensweise, Verzicht auf Alkohol

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung hilft, zahlreichen Krankheiten vorzubeugen. Es ist ratsam, auf übermäßigen Alkoholkonsum zu verzichten, da er die Hauptursache für Leberzirrhosen ist. Zudem besitzt die Leber ein großes Regenerationspotential. Bei der sogenannten Fettleber, die der Leberzirrhose vorangeht, hilft es meist schon, auf Alkohol zu verzichten und sich gesund zu ernähren.

Eine Impfung schützt außerdem vor Hepatitis B und reduziert das Risiko für Tumore der Leber zusätzlich.

Sieben Fakten zur Leber
Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren
Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

  • Drehen Sie das Glücksrad!Drehen Sie das Glücksrad!

    Vielleicht ist das Glück heute auf Ihrer Seite. Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen haben Sie die Chance auf hochwertige Preise. mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen

Zum Seitenanfang