Leberkrebs: Das Stadium entscheidet über die Lebenserwartung

Bei Leberkrebs handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung der Leber. Die häufigste Form ist das Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom, abgekürzt: HCC). Ursache ist in den meisten Fällen eine Leberzirrhose oder eine Hepatitis-Infektion. Erst im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich erste Symptome, weshalb Leberkrebs oft zu spät entdeckt und behandelt wird.

Zwei Männer trinken draussen ein Bier
Risikofaktor für Leberkrebs: Leberzirrhose durch übermäßigen Alkoholkonsum.
© iStock.com/jacoblund

In Deutschland ist das Leberzellkarzinom eine eher seltene Krebserkrankung. Laut aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts erkranken pro Jahr circa 8.300 Menschen in Deutschland an Leberkrebs, Männer sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Allerdings hat sich die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten 35 Jahren verdoppelt – das liegt zum einen daran, dass Leberzirrhosen aufgrund des gestiegenen Alkoholkonsums zunehmen. Zum anderen gibt es in den westlichen Ländern immer mehr Hepatitis-Erkrankungen. Zusätzlich spielt auch ein Rolle, dass viel mehr Menschen als früher eine nicht alkoholische Fettleber haben – hervorgerufen durch fettreiches und/oder süßes Essen, wenig Bewegung und Übergewicht.

Artikelinhalte im Überblick:

Sieben Fakten zur Leber

Ursachen von Leberkrebs

Der Arzt unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Leberkrebs. Der primäre Leberkrebs entsteht aus den eigenen Zellen der Leber. Der sekundäre Leberkrebs bezeichnet Lebermetastasen, also Tochtergeschwülste bösartiger Tumore anderer Organe, die in die Leber gestreut haben.

Was genau die Auslöser für primären Leberkrebs sind, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. Bestimmte Risikofaktoren erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, ein Leberzellkarzinom zu entwickeln, sehr stark. Denn Leberkrebs bildet sich erst dann, wenn die Leber bereits vorgeschädigt ist. So entstehen fast 90 Prozent aller Fälle von Leberkrebs auf der Basis einer Leberzirrhose.

Dabei gibt es verschiedene Ursachen für Leberzirrhose und damit für Leberkrebs. Meist entwickelt sich eine Leberzirrhose aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums. Er zerstört die Leberzellen und führt zu irreparablen Schäden an dem wichtigen Organ. Allerdings kann auch die sogenannte nicht alkoholische Fettleber die Basis für Leberkrebs sein. Diese Lebererkrankung kommt durch Diabetes, falsche Ernährungsgewohnheiten, Übergewicht und Bewegungsmangel zustande.

Auffällig ist daneben, dass weltweit die Erkrankungsrate von Leberkrebs in Gebieten, in denen Hepatitis B stark verbreitet ist, besonders hoch ist. Hepatitis B scheint also ebenfalls ein Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs zu sein. In Deutschland wird das jedoch in Zukunft weniger zum Tragen kommen, weil die meisten Babys gegen Hepatitis B geimpft werden.

Neben den beiden Hauptrisikofaktoren Hepatitis B und Leberzirrhose können weitere Faktoren zur Entwicklung von Leberkrebs beitragen. Dazu gehören:

  • Hepatitis C

  • eine angeborene oder erworbene Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose)

  • Vergiftungen mit Schimmelpilzgiften (Aflatoxine)

  • Stoffwechselerkrankungen wie Alpha-1-Antitrypsinmangel

Leberkrebs: Symptome

Leberkrebs ist tückisch. Erst wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist, macht sie sich mit den verschiedensten Beschwerden bemerkbar. Weitere Schwierigkeit: Die Symptome von Leberkrebs sind sehr uncharakteristisch. Deshalb werden sie häufig erst sehr spät richtig gedeutet oder mit anderen, harmloseren Ursachen verwechselt. Symptome, die auf Leberkrebs hinweisen können, sind:

  • ständige Bauchkrämpfe, vor allem im Oberbauch

  • Gelbfärbung von Haut und Augen

  • Durchfall

  • schwarzer, stark riechender Stuhl (Teerstuhl)

  • Gewichtsabnahme, häufig trotz zunehmenden Bauchumfangs

  • allgemeines Schwächegefühl

Treten die genannten Beschwerden über einen längeren Zeitraum hinweg dauernd oder immer wieder auf, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen. Zwar können die Symptome auch andere, harmlose Ursachen haben, es ist aber ratsam, die Chance auf eine frühe Diagnose von Leberkrebs zu nutzen.

Diagnose von Leberkrebs

Die Diagnose von Leberkrebs beginnt mit einer ausführlichen Besprechung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Größe und Beschaffenheit der Leber sowie Verfärbungen von Haut und Augen deuten dabei auf eine mögliche Lebererkrankung hin.

Die Untersuchung des Blutes und des Urins spielt bei der Diagnose von Leberkrebs eine wichtige Rolle. Bestimmt werden die Leberwerte, Nierenwerte, das Blutbild und die Gerinnungswerte. Ein wichtiger Tumormarker für Leberzellkrebs ist alfa-Fetoprotein (AFP). Es ist bei etwa 80 Prozent der Betroffenen mit Leberkrebs aus dem asiatischen Raum und bei etwa 60 Prozent der Patienten aus den westlichen Industrienationen erhöht.

Bösartige Tumore in der Leber können mithilfe von Ultraschall (Sonografie), Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) diagnostiziert werden. Wird dabei ein verdächtiger Bereich in der Leber entdeckt, erfolgt die Entnahme von Gewebe (Biopsie), das anschließend mikroskopisch begutachtet wird. Dadurch kann die Diagnose eines bösartigen Tumors abgesichert werden.

Vor Beginn der Therapie wird eine Darmspiegelung durchgeführt, um auszuschließen, dass es sich bei dem Leberkrebs um Metastasen eines Darmkrebs handelt. Dabei kann eine kleine Gewebeprobe des Darms entnommennn (Biopsie) und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden.

Therapie: So wird Leberkrebs behandelt

Das Krankheitsstadium ist ein entscheidendes Kriterium für die Auswahl der Therapie und die Prognose. Die klassische Einteilung erfolgt nach der sogenannten TNM-Klassifikation, die sich nach Größe und Ausbreitungsgrad des Tumors richtet: T = Tumor, N = Befall von organnahen Lymphknoten (Nodi lymphatici), M = Metastasen (Tochtergeschwülste) in anderen Organen.

Klassifikation

Merkmale

T1

Einzelner Tumor ohne Einbruch in ein Blutgefäß

T2

Einzelner Tumor mit Einbruch in ein Blutgefäß oder mehrere Tumoren, von denen keiner > 5 cm ist

T3

Mehrere Tumore mit einer Größe > 5 cm oder Tumor hat einen größeren Ast der Portalvene (Pfortader) befallen

T4

Befall eines angrenzenden Organs mit Ausnahme der Gallenblase oder Durchbruch in das Eingeweidebauchfell

N0

Keine Lymphknoten beteiligt

N1

Regionale Lymphknoten beteiligt

M0

Keine Tochtergeschwülste (Metastasen) in entfernten Organen nachweisbar

M1

Tochtergeschwülste (Metastasen) in entfernten Organen nachweisbar

Stadium

Merkmale

I

T1 N0 M0

II

T2 N0 M0

IIIA

T3 N0 M0

IIIB

T4 N0 M0

IIIC

Jedes T - N1 - M0

IVB

Jedes T - jedes N - M1

Primäre Tumore an der Leber werden in der Regel zunächst operativ entfernt. Je nach Klassifikation des Leberkrebs kann das Organ dabei teilweise oder vollständig entfernt werden.

Bei der Teilentfernung der Leber (Hepatektomie) wird der Leberkrebs mitsamt dem umliegenden gesunden Lebergewebe entfernt. Funktioniert die Leber normal, kann der zurückgebliebene Teil die Funktion der gesamten Leber übernehmen.


Wenn der Leberkrebs bereits über 50 Prozent der Leber eingenommen hat oder wenn eine Leberzirrhose oder Pfortader-Hochdruck (portale Hypertension) vorliegt, wird die Leber vollständig entnommen und durch eine Spenderleber ersetzt. Voraussetzung für eine Lebertransplantation ist allerdings ein guter körperlicher Zustand, da vor allem die Zeit danach für den Körper sehr belastend ist.

Konnten durch die Operation nicht alle Krebsherde entfernt werden, empfiehlt sich der Einsatz von Medikamenten, die die Zellteilung hemmen (Chemotherapie). Diese Zellgifte, die Zytostatika, verändern die Erbinformationen im Zellkern, sodass sich Zellen nicht mehr teilen können. Obwohl die Zytostatika eher auf die sich unkontrolliert teilenden Krebszellen wirken, werden auch gesunde Zellen beeinflusst. Deshalb treten bei einer Chemotherapie eine Reihe von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Magen-Darm-Störungen, Schleimhautentzündungen, Haarausfall und Schwächegefühl auf.

Ist es nicht möglich, den Leberkrebs durch eine Operation zu entfernen, bieten sich verschiedene Verfahren an, um das Wachstum des Leberkarzinoms zu bremsen. Das gängigste Verfahren ist die Verödung mit hochprozentigem Alkohol (perkutane Ethanolinjektion). Dieser wird durch die Bauchdecke direkt in die schmerzunempfindliche Leber gespritzt und soll den Leberkrebs veröden. Auch Wärmebehandlungen lassen sich zur Verödung des Tumors einsetzen. Dies geschieht entweder durch Radiohochfrequenzen (Radiofrequenz-Thermoablation) oder durch heiße Kochsalzlösung. Bei der Lipiocistherapie wird das Kontrastmittel Lipiodol mit radioaktiver Flüssigkeit versetzt und in die Leber gespritzt.

Bei der transarteriellen Chemoembolisation (TACE) handelt es sich um ein minimal-invasives, radiologisches Verfahren, bei dem ein dünner Schlauch durch eine kleine Öffnung in der Leistengegend eingeführt wird. Über diesen Schlauch wird dann ein Chemotherapeutikum in die die Leber versorgenden Blutgefäße geleitet, das dadurch direkt zu dem Lebertumor gelangt. Zusätzlich werden bei dem Eingriff die Blutgefäße, die für die Durchblutung des Tumors zuständig sind, gezielt verschlossen. Auf diese Weise werden dem Krebsgewebe Sauerstoff und Nährstoffe entzogen, sodass das Wachstum gehemmt wird. Eingesetzt wird die transarterielle Chemoembolisation vor allem bei großen Tumoren, die nicht operiert oder mit einem perkutanen Verfahren behandelt werden können.

Bei Leberkrebs, der auf die Leber begrenzt ist, aber weder operativ noch mithilfe der Radiofrequenzablation oder Thermotherapie entfernt werden kann, steht mit der selektiven internen Radiotherapie (SIRT) ein neues wirksames Behandlungsverfahren zur Verfügung. Dabei wird die Leber von innen bestrahlt. Kleinste Kügelchen, die eine radioaktive Substanz (90-Yttrium) mit kurzer Reichweite enthalten, werden über einen in der Leiste des Patienten liegenden Katheter in die Leberarterie eingespritzt. Sie gelangen auf diesem Weg in das Tumorgewebe, das gut durchblutet ist und dadurch einer hohen örtlich begrenzten Strahlendosis ausgesetzt wird. Gleichzeitig werden Blutgefäße, die den Tumor versorgen, gezielt verschlossen. Neuere Untersuchungen belegen die gute Wirksamkeit der SIRT bei lokal begrenzten, nicht-operablen Leberzelltumoren.

Leberkrebs: Verlauf und Prognose

Die meisten Fälle von Leberkrebs werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium oder gar im Endstadium erkannt. Je früher der Tumor allerdings diagnostiziert wird, desto besser sind die Heilungschancen von Leberkrebs. Hat der Leberkrebs noch keine Metastasen gebildet, sind die Aussichten gut.

Die Zahlen zeigen jedoch, dass 80 Prozent aller Fälle von Leberkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits so weit fortgeschritten sind, dass eine Operation nicht mehr möglich ist. Nur etwa zwölf Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer, bei denen Leberkrebs diagnostiziert wurde, überleben die ersten fünf Jahre.

Kann der Leberkrebs noch operiert werden, steigt die Lebenserwartung stark an: Rund 50 Prozent der Patienten leben dann noch mehr als fünf Jahre nach der Diagnose.

Für alle Patienten mit Leberkrebs gilt jedoch: Engmaschige Nachuntersuchungen sind wichtig, um eine Rückkehr des Tumors so früh wie möglich zu erkennen.

Vorbeugung von Leberkrebs

Um die Belastung der Leber möglichst gering zu halten, wird eine ausgewogene, fettarme Ernährung, allenfalls mit mäßigem Alkoholgenuss empfohlen. Besonders wichtig sind viel frisches Obst und Gemüse zur Deckung des Vitaminbedarfs sowie Getreide und Vollwertprodukte, die reichlich Ballaststoffe enthalten. Fettleibigkeit und Tabakkonsum sollten unbedingt vermieden werden. Regelmäßige körperliche Aktivität (mindestens 30 Minuten pro Tag) dient nicht nur der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch der Verringerung des Krebsrisikos.

Eine Infektion mit Hepatitis B lässt sich durch eine Impfung ganz einfach vermeiden. Seit einigen Jahren werden Kinder routinemäßig im Rahmen des normalen Impfprogrammes dagegen geimpft. Besonders gefährdete Erwachsene können sich ebenfalls impfen lassen. Bei medizinischem Personal, Personen mit vielen Sexualpartnern und Drogenabhängigen wird die Impfung empfohlen.

Liegt bereits eine Leberzirrhose, eine Hepatitis-Infektion oder eine Fettlebererkrankung vor, sollten die Betroffenen alle sechs Monate zum Arzt gehen. Mittels Ultraschall untersucht er, ob sich die Leber verändert hat und legt fest, ob ein Verdacht auf Leberkrebs besteht.

Für die allgemeine Bevölkerung ist eine Früherkennungsuntersuchung auf Leberkrebs nicht Teil der gesetzlichen Screening-Angebote. Um Leberbelastungen jedoch möglichst früh aufzudecken, fordern Ärzte, den Lebertest in den allgemeinen Gesundheits-Check ab 35 Jahren aufzunehmen.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland
Bestellen Sie den Newsletter

Meistgeklickt zum Thema
Zungenkrebs (Zungenkarzinom): Symptome und Prognose
Mundhöhlenkrebs

Bei Zungenkrebs bildet sich an oder unter der Zunge eine bösartige Geschwulst aus entarteten Zellen mehr...

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
Krankheiten

Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind meist bösartig mehr...

Hautpilz: Ursachen, Behandlung und Hausmittel
Häufige Hautkrankheit

Hautpilz ist besonders hartnäckig und lästig, aber meistens harmlos. Was hilft und ob auch Hausmittel empfehlenswert sind mehr...

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Artikel zum Thema
Adventskalender: Tolle Gewinne warten!

Wir versüßen das Warten auf Weihnachten: Öffnen Sie jeden Tag ein Türchen und gewinnen Sie tolle Preise

mehr lesen...
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.