Kortisonfreie Schmerzmittel

NSAR: Schmerzmittel mit vielen Einsatzgebieten

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NSAR werden als Schmerzmittel in Deutschland sehr häufig verwendet – vor allem im Rahmen der Selbstmedikation. Bei längerer Einnahme kann es aber zu erheblichen Nebenwirkungen kommen. Lesen Sie hier, was es bei der Einnahme zu beachten gilt und wann diese Medikamente nicht eingenommen werden sollten.

nsar
NSAR sind leichte Schmerzmittel, die beispielsweise bei Kopfschmerzen eingenommen werden können.
© Science Photo Library via Getty Images

NSAR ist die Abkürzung für nichtsteroidale Antirheumatika. Dabei handelt es sich um Schmerzmittel, (Analgetike) die steroidfrei sind, also kein Kortison enthalten. Eine weitere Bezeichnung dieser Medikamente lautet nichtsteroidale Antiphlogistika.

Schmerzmittel dieser Gruppe gehören zu den am häufigsten verwendeten und verordneten Medikamenten in Deutschland. Bekannte Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac. NSAR-Medikamente werden allgemein zur Schmerzlinderung eingesetzt sowie zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen.

Im Überblick:

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Wirkung und Anwendungsgebiete von NSAR

NSAR wirken schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend. Sie können allgemein gegen Schmerzen eingenommen werden sowie bei Entzündungen an Muskeln, Sehnen und Gelenken, zum Beispiel durch Überlastung, Reizungen oder entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma.  

Bei der Entstehung von Schmerzen, Entzündungen oder Fieber sind unter anderem die Botenstoffe Prostaglandine beteiligt. Sie sorgen dafür, dass Schmerzrezeptoren empfindlicher werden und Schmerzsignale an das Gehirn schneller weitergeleitet werden. Die Produktion von Prostaglandinen kann mit NSAR-Medikamenten gehemmt werden, indem bestimmt Enzyme im Körper blockiert werden – die sogenannten Cyclooxygenase 1 und 2 (Cox-1 und Cox-2). Dadurch wird erreicht, dass die Produktion der Schmerzbotenstoffe eingestellt wird und damit auch die Weiterleitung an das Gehirn unterbrochen ist. Der Nachteil: Das Enzym Cox-1 hat auch eine Schutzfunktion für die Schleimhaut in Magen und Darm. Wird das Enzym blockiert, mindert das auch die schleimhautschützende Wirkung. Das erklärt, warum Magen-Darm-Beschwerden zu den häufigsten Nebenwirkungen von NSAR-Medikamenten zählen.

Um die unerwünschten Nebenwirkungen für den Magendarmtrakt zu reduzieren, wurde eine neue Generation NSAR-Medikamente entwickelt, sogenannte Cox-2-Hemmer. Diese sollen nur das Cox-2-Enzym blockieren.

NSAR-Medikamente arbeiten je nach Wirkstoff individuell verschieden. Schlägt ein Medikament nicht an, kann der Wechsel zu einem anderen NSAR zum Erfolg führen.

Welche NSAR-Medikamente gibt es?

Wirkstoff/Traditionelle NSAR Anwendungsgebiet
Acetylsalicylsäure (ASS)

Leichte bis mäßige Schmerzen

Migräne

Zur Hemmung der Blutgerinnung

Vorbeugung von Herzinfarkten und Thrombosen

Ibuprofen

Leichte bis mäßig starke Schmerzen

Migräne

Verletzungen und Schwellung an den Weichteilen

Fieber

Akute Arthritis und Gichtanfall

Chronische und rheumatoide Arthritis

Entzündlich rheumatische Erkrankungen der Wirbelsäule, zum Beispiel Morbus Bechterew

Diclofenac

In niedriger Dosierung gegen leichte bis mäßige Schmerzen sowie gegen Fieber

Migräne

Verletzungen und Schwellung an den Weichteilen

Akute Arthritis und Gichtanfall

Chronische und rheumatoide Arthritis

Entzündlich rheumatische Erkrankungen der Wirbelsäule, zum Beispiel Morbus Bechterew

Naproxen

Verletzungen und Schwellung an den Weichteilen

Akute Arthritis und Gichtanfall

Chronische und rheumatoide Arthritis

Entzündlich rheumatische Erkrankungen der Wirbelsäule, zum Beispiel Morbus Bechterew

Unterleibskrämpfe während der Regelblutung

Acemetacin

Arthrose

Rheumatoide Arthritis

Morbus Bechterew

Rückenschmerzen

Scherzbehandlung nach Verletzungen und Operationen

Cox-2-Hemmer

Kurzzeitbehandlung bei Arthrose

Langzeitbehandlung von rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew

Meloxicam

Kurzzeitbehandlung bei Arthrose

Langzeitbehandlung von rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew

Celecoxib

Arthrose

Rheumatoide Arthritis

Morbus Bechterew

Etoricoxid

Rheumatoide Arthritis

Morbus Bechterew

Akute Gichtanfälle

Schmerzlinderung nach Zahnoperation

Je nach Einsatzgebiet werden die Wirkstoffe in unterschiedlichen Darreichungsformen wie Tabletten, Zäpfchen, Tropfen, Spray, Gel, Salben oder Pflaster verwendet. So kann das Analgetika zum Beispiel Ibuprofen zur Schmerzbehandlung als Tablette eingenommen werden oder zur Linderung von Prellungen und Zerrungen äußerlich als Salbe, Spray oder Pflaster auf die Haut aufgetragen werden.  

Nebenwirkungen von NSAR

Wie bei den meisten Arzneimitteln, hängt das Risiko für Nebenwirkungen und Komplikationen vom jeweiligen Wirkstoff, der Dosierung, Dauer der Anwendung und bereits vorhanden Erkrankungen ab. NSAR-Analgetika sollten deshalb immer möglichst niedrig dosiert und nur solange wie nötig eingenommen werden. Bei einer dauerhaften Einnahme über mehrere Monate und einer hohen Dosierung können alle NSAR Schäden verursachen. Die häufigsten Komplikationen betreffen dabei den Magen-Darm-Trakt:

Das Risiko von Magen-Darm-Schädigungen lässt sich durch Medikamente reduzieren, die den Magen schützen. Diese werden häufig Menschen verschrieben, die NSAR-Medikamenten länger einnehmen müssen und ein erhöhtes Risiko für Magengeschwüre oder Schleimhautentzündungen haben.

Eine dauerhafte Anwendung und hohe Dosierungen von NSAR kann auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen. Eine Ausnahme ist dabei Acetylsalicylsäure (ASS), das in niedriger Dosierung zur Vorbeugung von Herzinfarkten eingesetzt wird, da es blutverdünnend wirkt.

Bei der Einnahme von NSAR können zudem zentralen Nervenstörungen wie Ohrensausen, Schwindel, Sehstörungen, Kopfschmerzen oder Müdigkeit auftreten. Auch Allergien gegen einzelne Wirk- oder Inhaltsstoffe sind möglich.


Grundsätzlich gilt: Für jeden einzelnen Wirkstoff gibt es spezielle Hinweise zu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Gegenanzeigen und Warnungen, die beachtet werden müssen.

Wechselwirkungen

Bei der Einnahme von NSAR und anderen Medikamenten bzw. Wirkstoffen kann es zu Wechselwirkungen kommen. Dabei können Wirkungen verstärkt oder abgeschwächt werden oder Komplikationen auftreten. Bei der Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten sollte deshalb immer die Einnahme weiterer Arzneimittel mit dem Arzt abgesprochen werden. Die häufigsten bekannten Wechselwirkungen sind:

  • NSAR und Glukokortikoide: erhöht das Risiko für Komplikationen im Magen-Darm-Bereich

  • NSAR und Thrombozyten-Funktionshemmer und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer: erhöht das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Bereich

  • NSAR und orale Antidiabetika: verstärkt den blutzuckersenkenden Effekt

  • NSAR und harntreibende Mittel: harntreibender Effekt wird abgeschwächt

  • NSAR und Cumarin-Derivate und andere Blutgerinnungshemmer: verstärkt die blutgerinnende Wirkung  

  • NSAR und blutdrucksenkenden Arzneimittel, besonders ACE-Hemmer: verringert die blutdrucksenkende Wirkung

Wann sollten NSAR-Medikamente nicht angewendet werden?

Für alle NSAR wird empfohlen sie nicht einzunehmen:

  • Im letzten Drittel einer Schwangerschaft
  • Bei Magen-Darmgeschwüren

Je nach Wirkstoff des Analgetikums müssen zudem weitere Gegenanzeigen beachtet werden. Die Einnahme von NSAR-Medikamenten sollte besonders mit dem Arzt abgesprochen werden bei Vorerkrankungen wie:

Besonderheit: ASS bei Kindern

Kinder sollten nur ASS-Schmerzmittel erhalten, wenn ein Arzt diese verschrieben oder ausdrücklich empfohlen hat. Acetylsalicylsäure steht unter dem Verdacht bei Kindern das sogenannte Reye-Syndrom auszulösen, vor allem in Verbindung mit einem fieberhaftem Virusinfekt. Die Erkrankung verursacht akute Gehirn- und Leberschäden, die unerkannt zum Tod führen können.

NSAR: Wie oft und wie lange einnehmen?

Es wird empfohlen NSAR nur bei Bedarf und in niedriger Dosierung einzunehmen. Menschen mit chronischen Schmerzen sollten Dauer und Dosierung immer mit dem behandelnden Arzt absprechen.

Wer beispielsweise wegen einer chronischen Erkrankungen oft Schmerzmittel einnimmt, dem wird empfohlen, ein Schmerzmitteltagebuch zu führen, um nicht öfter als an zehn Tagen pro Monat NSAR in der jeweiligen Tageshöchstdosis zu nehmen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu Dauerkopfschmerzen kommt, sogenannten medikamenteninduzierten Kopfschmerzen. Denn auch wenn viele NSAR rezeptfrei erhältlich sind, sind sie in hohen Mengen nicht ungefährlich.

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