Gallenfarbstoff färbt die Haut

Gelbsucht (Ikterus): Ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen

Gelbsucht ist keine Krankheit, sondern ein Anzeichen, welches verschiedene – mitunter sehr gefährliche – Auslöser haben kann. Nicht selten sind Probleme mit der Leber oder dem Gallensystem schuld an der Gelbfärbung von Haut, Augen und Schleimhäuten. Was genau hinter Ikterus stecken kann und wann man zum Arzt sollte.

Mann mit Gelbsucht, gelbe Augen
Gelbsucht wird am deutlichsten an der Bindehaut im Auge sichtbar.
iStock

Gelbsucht ist ein Symptom, das sich leicht identifizieren lässt: Haut, Schleim- und Bindehäute färben sich gelb. Dafür sorgt die Gallensubstanz Bilirubin, der beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin entsteht.

Normalerweise wandert Bilirubin nicht in die Haut, sondern in die Leber, die es in eine wasserlösliche Form bringt. Der größte Teil gelangt dann über die Galle in den Darm und wird über den Stuhl, dem es die braune Färbung verleiht, aus dem Körper befördert. Ein kleiner Teil des Bilirubins aus der Leber wird nicht zum Darm, sondern zu den Nieren transportiert und über den Urin ausgeschieden. Auch hier begegnet sie uns wieder, die gelbe Farbe des Gallenstoffs. 

Zu viel Bilirubin im Blut: Wie kommt es zur Gelbsucht?

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Bei Ikterus kommt es zur Hyperbilirubinämie, ein komplizierterer Ausdruck für eine erhöhte Konzentration von Bilirubin im Blut, etwa weil zu viel davon gebildet wurde oder weil der Abbau gestört ist. Der Farbstoff tritt ins Blut über und lagert sich im Gewebe ab, wodurch Haut, Augen und Schleimhäute gelb erscheinen. Ein Betroffener sollte sofort den Arzt aufsuchen – denn manche Ursachen der Gelbsucht sind zwar harmlos, andere allerdings lebensgefährlich.

Je nach Ursache wird die Gelbsucht in folgende Kategorien eingeteilt:

Hämolytischer Ikterus: Bei bestimmten Formen der Blutarmut (hämolytische Anämien) werden rote Blutkörperchen vorzeitig oder übermäßig zersetzt. Dadurch fällt mehr Bilirubin an, das ja ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs ist.

Hepatischer Ikterus: Diese Form der Gelbsucht wird durch leberbedingte Erkrankungen ausgelöst, etwa

  • erblich bedingte Stoffwechselstörungen wie Morbus Meulengracht (auch Gilbert-Syndrom) oder Crigler-Najjar-Syndrom

  • infektiöse Hepatitis (Leberentzündung) durch Viren, Bakterien oder Parasiten wie Malariaerreger

  • chronische Hepatitis

  • Leberzirrhose

  • toxische Hepatitis durch Alkohol, Knollenblätterpilz, Aflatoxin B1 aus einem Schimmelpilz, Kokain und andere

  • medikamentös bedingte Hepatitis: Etliche Arzneimittel, darunter bestimmte Antibiotika, Antirheumatika oder Allopurinol zur Behandlung von Gicht, können eine lebensgefährliche Hepatitis auslösen. Manche Medikamente, auch pflanzliche Präparate etwa aus Baldrian oder Schöllkraut, ermöglichen Leberschäden wie Zirrhose oder Verfettung.

  • Stauungsleber: durch Blutstau geschädigte Leber

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Cholestatischer Ikterus, auch Veschlussikterus: Der Gelbsucht liegt hier ein gestörter Gallefluss zugrunde, etwa bei

Eine meist harmlos verlaufende Form ist die Neugeborenengelbsucht. Dieses Symptom kommt bei vielen Babys vor, weil ihre Leber in den ersten Lebenstagen noch nicht vollständig funktioniert. Sie verschwindet in der Regel nach wenigen Tagen von selbst.

Weitere Symptome deuten auf Ursachen der Gelbsucht hin: Diagnose

Krankheiten, die eine Gelbsucht auslösen, werden oft von weiteren Symptomen begleitet. Nicht zur Gelbsucht zählt übrigens die Gelbfärbung der Haut durch übermäßigen Karottengenuss oder nach einer Fluoreszenzangiographie.

Weil teilweise sehr ernste Krankheiten dahinterstecken, sollte man im Falle einer Gelbsucht unbedingt zum Arzt. Er wird den Patienten in Augenschein nehmen und unter anderem nach Beschwerden, Medikamenten, Vorerkrankungen, Alkoholkonsum oder Krankheiten in der Familie befragen.

Eine Blutuntersuchung lässt erkennen, ob es sich um einen hämolytischen Ikterus handelt. Zudem können die Leberwerte bestimmt werden, um eine Hepatitis auszuschließen.

Auch ein Urintest weist den Arzt bei der Diagnose in die richtige Richtung: Ist kein Bilirubin im Urin nachweisbar, deutet das auf hämolytische Gelbsucht hin. Eine geringe Konzentration von Bilirubin im Harn spricht für leberbedingte Erkrankungen, eine hohe für Verschlussikterus.

Das spiegelt sich auch in der Farbe des Urins wieder: Begleiterscheinungen des Verschlussikterus sind bierbrauner Urin, heller Stuhl sowie Juckreiz. Heller Stuhl kann aber auch auf hepatischen Ikterus hinweisen, während dunkler Stuhl Anzeichen einer hämolytischen Gelbsucht ist.

Zehn Warnsignale im Urin

Eine Ultraschalluntersuchung der Leber und Gallenwege kann die möglichen Erkrankungen weiter eingrenzen und etwa Gallensteine sichtbar machen.

Behandlung der Gelbsucht hängt von ursächlicher Erkrankung ab

Da die Gelbsucht lediglich ein Krankheitszeichen und keine eigenständige Erkrankung darstellt, richtet sich der Behandlungsfokus auf die Ursache. Liegen Gallensteine einem Ikterus zugrunde, müssen diese entfernt werden.

Bei einer toxischen oder medikamentös bedingten Hepatitis werden fortan die entsprechenden Auslöser gemieden. Bei anderen Ausprägungen der Hepatitis kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, je nach Art und Stadium der Leberentzündung. Während bestimmte Formen der Hepatitis von allein ausheilen, können andere mit antiviralen Medikamenten behandelt werden.

neugeborenengelbsucht, phototherapie
Bei der Phototherapie werden Babys mit Neugeborenengelbsucht blauem Licht ausgesetzt.

Bei der Neugeborenengelbsucht hingegen ist meist keine Therapie notwendig. Die Symptome verschwinden größtenteils von selbst. Ist das nicht der Fall, hilft die Phototherapie mit blauem Licht. Auch Tageslicht, häufiges Trinken und Spaziergänge an der frischen Luft fördern den Bilirubin-Abbau im Blut.

Gelbsucht lässt sich nur teilweise vorbeugen

Damit es nicht zu einer Gelbsucht kommt, müssen die ursächlichen Erkrankungen verhindert werden. Das ist nur bedingt möglich: Einer Ansteckung mit Hepatitis-Erregern lässt sich in manchen Fällen per Impfung vorbeugen (vor allem Hepatitis A und B). Andere Gelbsucht auslösende Krankheiten sind dagegen erblich bedingt. Ihnen kann – wie auch der Neugeborenengelbsucht – nicht vorgebeugt werden.

Das Risiko für Gallensteine, Leberzirrhose oder Tumoren kann man in gewissem Maß durch einen gesunden Lebensstil, allen voran den Verzicht auf Alkohol, regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung, selbst senken.

Vorsicht! Versteckter Alkohol in Lebensmitteln

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2017
Quellen: Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter. 266. Auflage; Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, Herold; Patientenleitlinien.de der Universität Witten/Herdecke; Hepatologie: Lebererkrankungen durch Arzneimittel und Toxine, Klinikum der Universität München: http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Medizinische-Klinik-und-Poliklinik-II/download/inhalt/downloads/klinikleitfaden/kapitel_34_lebererkrankun.pdf

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