Vorbeugung relativ einfach

HIV-Infektion und Aids: Symptome und Therapie

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Eine HIV-Infektion wird durch das Humane Immundefizienzvirus ausgelöst. Die Symptome können einem grippalen Infekt ähneln, was die Diagnose der Immunschwäche erschwert. Nicht jeder, der vom HI-Virus befallen ist, hat automatisch Aids, jedoch kann HIV in die Krankheit Aids übergehen – manchmal erst nach mehreren Jahren.

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HIV-Infizierte werden als HIV-positiv bezeichnet. Betroffene fühlen sich oftmals gesund und bemerken weder physische noch psychische Symptome. Dies fördert die Verbreitung von HIV, weil HIV-positive Menschen oft lange nichts von ihrer Ansteckung wissen und so beispielsweise weiterhin ungeschützten Geschlechtsverkehr haben.

Artikelinhalte im Überblick:

13 Fakten über HIV und Aids

Was genau ist Aids?

Aids steht für Acquired Immunodeficiency Syndrome, was übersetzt "erworbenes Immunschwäche-Syndrom" heißt. Das HI-Virus befällt die T-Helferzellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind und bleibt zunächst über längere Zeit in den Zellen verborgen. Mit der Zeit werden aber immer mehr Zellen des Immunsystems zerstört und die Krankheit Aids bricht aus. Die Zahl der T-Zellen im Blut ist dann von 8.000-10.000 Zellen pro Milliliter Blut auf etwa 200 pro Milliliter abgesunken.

HIV-Ansteckung: Ursachen der Immunschwäche Aids

Das HI-Virus, das HIV und damit in Folge die Infektionskrankheit Aids auslösen kann, ist nur schwer übertragbar. Nur Blut- und Sexualkontakte ermöglichen eine Ansteckung.

HIV wird in erster Linie übertragen durch:

  • ungeschützten Geschlechtsverkehr
  • infizierte Blutprodukte
  • getauschtes, verunreinigtes Drogenbesteck

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr ist das Risiko für eine Ansteckung mit HIV nach wie vor am größten. Der Gebrauch von Kondomen ist daher der beste Schutz. Die Übertragung ist durch vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr möglich. Das Virus ist im Sperma und der Vaginalflüssigkeit der HIV-Infizierten nachweisbar. Durch kleinste Verletzungen der Schleimhäute kann es übertragen werden. Da die Viruslast im Blut und anderen Körperflüssigkeiten schwankt, variiert auch das Risiko einer Ansteckung durch Sexualkontakte.

Kinder von HIV-positiven Frauen können sich beim Stillen, während der Schwangerschaft oder bei der Geburt anstecken. Durch vorbeugende Maßnahmen kann das Risiko einer Ansteckung von etwa 30 Prozent auf unter fünf Prozent gesenkt werden.

Was macht das Virus im Körper?

Das HI-Virus gehört zur Gruppe der Retroviren. Das Erbgut dieser Viren besteht aus RNA (Ribonukleinsäure, zuständig für den Transport der Erbinformation). Erst in der befallenen Wirtszelle wird die RNA in DNA (Deoxyribonukleinsäure, Träger der Erbinformation) umgewandelt und in das Wirtsgenom – das genetische Material der menschlichen Zelle – integriert. Der Eintritt in die Zellen ist nur über bestimmte spezifische Rezeptor-Moleküle auf der Oberfläche der Zellen möglich. CD4-Lymphozyten, die zu den weißen Blutzellen gehören, sind das Hauptangriffsziel der Viren. Sie werden auch Helferzellen genannt und spielen eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Krankheitserregern.

Symptome einer HIV-Infektion

Symptome der HIV-Infektion

Wenige Tage bis sechs Wochen nach der Ansteckung mit HIV kommt es in etwa 70 Prozent der Fälle zur akuten HIV-Phase (Stadium A), während der sich die Viren im Körper schnell vermehren (hohe Viruslast) und so eine Antwort des Immunsystems hervorrufen. Der symptomatische Abschnitt nach der Ansteckung dauert in der Regel eine Woche, in Ausnahmefällen zwei Wochen.

Geschwollene Lymphknoten bis Hautausschlag

Treten eines oder mehrere der folgenden Symptome über einen längeren Zeitraum auf, sollten Betroffene unbedingt ärztliche Hilfe aufsuchen, um eine Neuinfektion mit HIV auszuschließen beziehungsweise eine Behandlung einzuleiten. Wichtig ist es auch, in der Praxis nach einem Risikokontakt gezielt nach einem Aidstest zu fragen, um eine Ansteckung auszuschließen.

Häufige Anzeichen für HIV nach wenigen Tagen bis Wochen:

Die häufigsten und deutlichsten Anzeichen für eine vor kurzem erworbene HIV-Infektion sind Fieber (bei rund acht von zehn Betroffenen) und der charakteristische Hautausschlag, von dem etwa jeder zweite Betroffene in der akuten Phase berichtet. Rund 45 Prozent der Menschen mit Neuinfektionen weisen eine Kombination dieser beiden Hauptsymptome auf.

Medikamente verlängern symptomfreie Phasen

Nach der akuten HIV-Infektion folgt das krankheitsfreie Intervall, das meist wenige Monate, aber auch mehrere Jahre andauern kann. Während dieser Phase gelingt es dem Immunsystem, die HIV-Erreger in Schach zu halten. Durch eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten gelingt es heute, diese Phase zu verlängern.

Geschwächtes Immunsystem durch Aids

Ist das Immunsystem so weit geschwächt, dass es sich gegen Erreger, die für gesunde Menschen kein Problem darstellen, nicht mehr wehren kann, wird – nach der oft (jahre-)langen symptomfreien Phase – von Aids gesprochen. Die Symptome sind ebenfalls unspezifisch, treten also auch bei anderen, meist harmloseren, Erkrankungen wie der Grippe (Influenza) auf. Typisch sind in diesem Stadium bestimmte Formen der Lungenentzündung (Pneumocystis-Pneumonie), Tuberkulose oder Infektionen von Mund und Speiseröhre mit dem Hefepilz Candida albicans.

Häufig kommt es durch HIV außerdem zu bestimmten Krebserkrankungen, die durch eine Infektion mit Viren ausgelöst werden, beispielsweise das Kaposi-Sarkom, Gebärmutterhalskrebs oder Lymphome.


Diagnose: Wie erkenne ich, ob ich Aids habe?

Die HIV-Infektion kann relativ unkompliziert und sicher durch einen kostenlosen Bluttest (HIV-Test) nachgewiesen werden. Am häufigsten kommt ein Testverfahren zum Einsatz, das Antikörper gegen das Virus aufzeigt. Antikörper gegen HIV können allerdings erst vier bis zwölf Wochen nach einer Ansteckung zuverlässig nachgewiesen werden.

HIV-Test: Kostenlos in Gesundheitsämtern

Besteht der Verdacht auf HIV, kann jede*r Ärztin*Arzt einen HIV-Test veranlassen. Die Kosten übernimmt die zuständige Krankenkasse. Darüber hinaus gibt es bei vielen Gesundheitsämtern die Möglichkeit, anonyme HIV-Tests kostenlos durchführen und sich beraten zu lassen. Die Testergebnisse – negative wie positive – dürfen nur persönlich mitgeteilt werden. Wer sich tatsächlich infiziert hat, würde das Testergebnis "positiv" erhalten.

Therapie: Welche Behandlung gibt es für HIV?

Die extreme Wandlungsfähigkeit des HI-Virus macht die Suche nach Medikamenten sehr schwierig. Dennoch kann durch die Kombination mehrerer antiviraler Medikamente die Viruskonzentration im Körper für lange Zeit so niedrig gehalten werden, dass es nicht zum vollen Ausbruch der Krankheit kommt.

Für HIV-Infizierte bedeutet das, dass sie über Jahre hinweg jeden Tag konsequent mehrere Medikamente einnehmen müssen. Obwohl diese HIV-Therapie sehr teuer ist, kann sie in Deutschland von jedem HIV-Infizierten in Anspruch genommen werden. In vielen anderen Ländern haben Patient*innen diese Chance nicht.

Kombinationstherapie bei HIV

Zur HIV-Therapie wird üblicherweise eine Kombination aus mindestens drei verschiedenen antiviralen Medikamenten angewendet. Diese aggressive Kombinationstherapie nennen Fachleute auch "highly active antiretroviral therapy" (HAART). Da die Wirkstoffe aus drei verschiedenen Medikamentenklassen mit unterschiedlichen Wirkprinzipien stammen, ist die Gefahr, dass sich resistente Virusstämme bilden, deutlich reduziert. Heutige Medikamente haben deutlich weniger schwere Nebenwirkungen und führen viel seltener zu Komplikationen und Langzeitschäden als noch in den 1990er Jahren.

Kann eine Knochenmark-Transplantation HIV heilen?

Im Juli 2022 wurde in den USA ein 66-jähriger Patient, der 31 Jahre lang mit dem HI-Virus lebte, als geheilt erklärt. Er gilt somit als vierte Person, die nach einer Infektion wieder komplett frei von HI-Viren geworden ist. Der Patient, dem 2019 eine Leukämie diagnostiziert wurde, erhielt eine Knochenmark-Transplantation mit Stammzellen einer nicht verwandten Person. Diese Stammzellen wiesen eine seltene Mutation auf, denen ein Teil des CCR5-Gens fehlten. Menschen, die dieses Gen nicht haben, sind weitgehend vor HIV geschützt. Der wissenschaftliche Erfolg dieser Entdeckung könne Fachleuten zufolge vor allem älteren HIV-Patient*innen, die ebenfalls an Krebs leiden, Hoffnung bieten.

Für die meisten Erkrankten stellt eine Knochenmark-Transplantation allerdings keine Option dar, da die Behandlung sehr risikoreich und mit starken Nebenwirkungen verbunden ist. Bei der Krebsbehandlung wird die körpereigene Immunabwehr durch Medikamente oder Bestrahlung komplett zerstört. Eine weitere Schwierigkeit: Es müssen passende Spender*innen gefunden werden. Daher kommt eine Knochenmark-Transplantation bei den meisten Menschen nicht infrage, zumal wirksame Medikamente – auch wenn diese die Erkrankung nicht heilen können – HIV-Betroffenen ein nahezu normales Leben ermöglichen.

Verlauf und Prognose: Mit HIV leben

Durch eine Reihe moderner Medikamente gelingt es heute, den Ausbruch der Erkrankung zu verzögern und die Lebensqualität aidskranker Menschen zu verbessern. Bei konsequenter Therapie können HIV-Infizierte in Ländern wie Deutschland ein normales Alter erreichen. "Wer rechtzeitig anfängt und gut therapiert wird, hat wahrscheinlich eine normale Lebenserwartung", sagt Schafberger von der Deutschen Aids-Hilfe. Dabei handle es sich aber nur um Hochrechnungen.

Wird Aids eines Tages komplett besiegt sein?

Das ist fraglich. Die verfügbaren Medikamente können zwar die Vermehrung des Virus in Schach halten, es aber nicht aus dem Körper entfernen. Einen Impfstoff wird es Experten zufolge auch in den kommenden Jahren nicht geben, weil das HI-Virus zu vielfältig ist und der Aids-Auslöser zudem sehr schnell mutiert.

Aids vorbeugen mit einfachen Maßnahmen

Sich vor einer HIV-Infektion zu schützen, ist relativ einfach. Überall, wo sich der Kontakt mit Körperflüssigkeiten von möglicherweise infizierten Personen nicht vermeiden lässt, ist Vorsicht geboten. Zur eigenen Sicherheit: Verzichten Sie unbedingt auf ungeschützten Geschlechtsverkehr, wenn Sie häufiger den Partner wechseln. Im Mittelpunkt aller Präventionsmaßnahmen steht die Aufklärung der Bevölkerung – insbesondere der Risiko-Gruppen: Drogenabhängige und Homosexuelle.

Die Prävention ist heute vielen Regierungen als eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe bewusst. Neben staatlichen gibt es eine Vielzahl nichtstaatlicher Organisationen, die sich in diesem Bereich engagieren.

Zahlen und Fakten: Wie viele Menschen in Deutschland haben Aids?

Deutschland ist eines der Länder mit der geringsten Verbreitung von HIV und Aids. 2020 gab es nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) bundesweit rund 2.000 Neuinfektionen. Ende 2020 lebten insgesamt etwa 91.400 Menschen mit HIV in Deutschland. Das RKI schätzt, dass etwa 9.500 von ihnen jedoch nichts von ihrer Infektion wissen. Im gleichen Jahr starben etwa 380 HIV-infizierte Bundesbürger.

Welche Länder sind am stärksten von HIV betroffen?

Mangelnde Aufklärung und kulturelle Barrieren erleichtern die Ausbreitung von Aids. Weltweit waren 2020 mehr als 38 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Der Großteil davon lebt in Afrika südlich der Sahara. Je weiter man dort gen Süden geht, desto dramatischer wird die HIV-Rate, zeigt die Weltkarte der Aids-Organisation der Vereinten Nationen (Unaids). Die meisten HIV-Infizierten gibt es folglich in Südafrika, wo das Virus speziell in den Slums ein erhebliches Problem darstellt. Im benachbarten Königreich Swasiland ist etwa jeder Vierte HIV-positiv.

Erste Fälle traten in den 80er-Jahren auf

Die ersten Aids-Fälle wurden Anfang der 1980er-Jahre bekannt: 1983 gelang dem Virologen Luc Montagnier vom Institut Pasteur in Paris die erstmalige Isolierung des HI-Virus. Über die Frage, woher das Virus kam, ist viel geforscht und noch mehr spekuliert worden. Als sicher gilt, dass das HI-Virus ein Abkömmling des SI-Virus (Simian Immunodeficiency Virus) ist, das Menschenaffen befällt.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich Aids zu einer Pandemie mit enormen gesellschaftspolitischen Konsequenzen entwickelt. Seit der Entdeckung des HI-Virus sind bereits mehr als 36,3 Millionen Menschen gestorben. Jedes Jahr gibt es etwa drei Millionen Neuinfektionen und über zwei Millionen Menschen sterben an Krankheiten, die durch ihr von HIV geschwächtes Immunsystem hervorgerufen werden.

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