Vorbeugung relativ einfach

HIV-Infektion und Aids: Symptome und Therapie

Eine HIV-Infektion wird durch das Humane Immundefizienzvirus ausgelöst. Die Symptome einer Infektion können jenen eines grippalen Infekts ähneln, was die Diagnose der Immunschwäche erschwert. Nicht jeder, der vom HI-Virus befallen ist, hat automatisch Aids, jedoch kann eine HIV-Infektion in die Krankheit Aids übergehen – manchmal erst nach mehreren Jahren.

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Eine rote Schleife ist weltweit das Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten. Noch immer ist die daraus entstehende Immunschwäche Aids nicht heilbar.
© iStock.com/4421010037

HIV-Infizierte werden als HIV-positiv bezeichnet. Betroffene fühlen sich oftmals gesund und bemerken weder physische noch psychische Symptome. Dies fördert die Verbreitung von HIV, weil HIV-positive Menschen oft lange nichts von ihrer Infektion wissen und so beispielsweise weiterhin ungeschützten Geschlechtsverkehr haben.

Was genau ist Aids?

Aids steht für Acquired Immunodeficiency Syndrome, was übersetzt "erworbenes Immunschwäche-Syndrom" heißt. Das HI-Virus befällt die T-Helferzellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind und bleibt zunächst über längere Zeit in den Zellen verborgen. Mit der Zeit werden aber immer mehr Zellen zerstört und die Krankheit Aids bricht aus. Die Zahl der T-Zellen im Blut ist dann von 8.000 bis 10.000 Zellen pro Milliliter Blut auf etwa 200 pro Milliliter abgesunken.

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Aids-Zahlen und Fakten: Wie viele Menschen in Deutschland haben Aids?

Deutschland ist eines der Länder mit der geringsten Verbreitung von HIV und Aids. 2017 infizierten sich nach Schätzungen des Robert Koch Instituts (RKI) bundesweit rund 2.700 Menschen mit dem HI-Virus. Ende 2017 lebten insgesamt etwa 86.100 Menschen mit dem Aidserreger HIV in Deutschland. Das RKI schätzt, dass etwa 11.000 von ihnen jedoch nichts von ihrer Infektion wissen. Im gleichen Jahr starben etwa 450 HIV-infizierte Bundebürger.

Welche Länder sind am stärksten von HIV betroffen?

Mangelnde Aufklärung und kulturelle Barrieren erleichtern die Ausbreitung von Aids. Weltweit waren 2017 mehr als 36,9 Millionen Menschen mit HIV infiziert, darunter 1,8 Millionen Neuinfizierungen. Der Großteil davon lebt in Afrika südlich der Sahara. Je weiter man dort gen Süden geht, desto dramatischer wird die HIV-Rate, zeigt die Weltkarte der Aids-Organisation der Vereinten Nationen (Unaids). Die meisten HIV-Infizierten gibt es folglich in Südafrika, wo das Virus speziell in den Slums ein erhebliches Problem darstellt. Im benachbarten Königreich Swasiland ist etwa jeder Vierte HIV-positiv.

13 Fakten über HIV und Aids

Erste Aids-Fälle traten in den 80er-Jahren auf

Die ersten Aids-Fälle wurden Anfang der 80er-Jahre bekannt: 1983 gelang dem Virologen Luc Montagnier vom Institut Pasteur in Paris die erstmalige Isolierung des HI-Virus. Über die Frage, woher das Virus kam, ist viel geforscht und noch mehr spekuliert worden. Als sicher gilt, dass das HI-Virus ein Abkömmling des SI-Virus (Simian Immunodeficiency Virus) ist, das Menschenaffen befällt.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich Aids zu einer globalen Epidemie (Pandemie) mit enormen gesellschaftspolitischen Konsequenzen entwickelt. Seit der Entdeckung des HI-Virus sind bereits mehr als 35 Millionen Menschen gestorben. Jedes Jahr infizieren sich etwa drei Millionen Menschen mit dem Virus und über zwei Millionen erliegen Krankheiten, die durch ihr von der HIV-Infektion geschwächtes Immunsystem hervorgerufen werden. Dank der neuen Therapien kann jedoch die Entwicklung von HIV im Körper – und damit der Ausbruch von Aids – gebremst werden.

HIV-Übertragung und Aids: Ursachen der Immunschwäche

Das HI-Virus, das eine HIV-Infektion und damit in Folge die Infektionskrankheit Aids auslösen kann, ist nur schwer übertragbar. Nur Blut- und Sexualkontakte ermöglichen eine Übertragung.

Die HIV-Infektion wird in erster Linie übertragen durch:

  • ungeschützten Geschlechtsverkehr
  • infizierte Blutprodukte
  • getauschtes, verunreinigtes Drogenbesteck

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr ist das Risiko, sich mit dem HIV-Virus anzustecken, nach wie vor am größten. Der Gebrauch von Kondomen ist daher der beste Schutz vor einer HIV-Infektion. Die Übertragung ist durch vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr möglich. Das Virus ist im Sperma und der Vaginalflüssigkeit der HIV-Infizierten nachweisbar. Durch kleinste Verletzungen der Schleimhäute kann es übertragen werden. Da die Viruskonzentration im Blut und den anderen Körperflüssigkeiten der Infizierten schwankt, variiert auch das Risiko einer Ansteckung durch Sexualkontakte. Auch das Mehrfachverwenden von Spritzen birgt ein sehr hohes Infektionsrisiko.

Kinder von HIV-positiven Frauen können sich beim Stillen, während der Schwangerschaft oder bei der Geburt anstecken. Durch vorbeugende Maßnahmen kann das Übertragungsrisiko von etwa 30 Prozent auf unter fünf Prozent gesenkt werden.

Was macht der Virus im Körper?

Das HI-Virus gehört zur Gruppe der Retroviren. Das Erbgut dieser Viren besteht aus RNA (Ribonukleinsäure, zuständig für den Transport der Erbinformation). Erst in der befallenen Wirtszelle wird die RNA in DNA (Deoxyribonukleinsäure, Träger der Erbinformation) umgewandelt und in das Wirtsgenom – das genetische Material der menschlichen Zelle – integriert. Der Eintritt in die Zellen ist nur über bestimmte spezifische Rezeptor-Moleküle auf der Oberfläche der Zellen möglich. CD4-Lymphozyten, die zu den weißen Blutzellen gehören, sind das Hauptangriffsziel der Viren. Sie werden auch Helferzellen genannt und spielen eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Krankheitserregern.

Symptome der HIV-Infektion

Wenige Tage bis sechs Wochen nach der HIV-Infektion kommt es bei etwa 70 Prozent der Infizierten zur akuten HIV-Phase (Stadium A), während der sich die Viren im Körper schnell vermehren und so eine Immunantwort hervorrufen. Der symptomatische Abschnitt nach der Ansteckung dauert in der Regel eine Woche, in Ausnahmefällen zwei Wochen.

Symptome einer HIV-Infektion

Geschwollene Lymphknoten bis Hautausschlag: HIV-Symptome im Überblick

Treten eines oder mehrerer der folgenden Symptome über einen längeren Zeitraum auf, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen, um eine HIV-Neuinfektion auszuschließen beziehungsweise behandeln zu können. Wichtig ist es auch, den behandelnden Arzt nach einem Risikokontakt gezielt auf einen Aidstest anzusprechen.

Diese Symptome kann eine HIV-Infektion nach wenigen Tagen bis Wochen auslösen:

Die häufigsten und deutlichsten Symptome für eine vor kurzem erworbene HIV-Infektion sind Fieber (bei rund acht von zehn Betroffenen) und der charakteristische Hautausschlag, von dem etwa jeder zweite Betroffene in der akuten Phase berichtet. Rund 45 Prozent der neu HIV-Infizierten weisen eine Kombination dieser beiden Hauptsymptome auf.

Auch allgemeine Abgeschlagenheit, Appetitverlust und Gliederschmerzen sind sehr häufig, danach folgen Muskelschmerzen, Entzündungen im Mund-Rachenraum sowie ein deutlicher Gewichtsverlust. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es dabei nicht.


Medikamente verlängern symptomfreie Phasen

Nach der akuten HIV-Infektion folgt das krankheitsfreie Intervall, das meist wenige Monate, aber auch mehrere Jahre andauern kann. Während dieser Phase gelingt es dem Immunsystem, die HIV-Erreger in Schach zu halten. Durch antiretrovirale Medikamente gelingt es heute, diese Phase zu verlängern.

Extrem anfällig für Infektionen durch Aids

Ist das Immunsystem so weit geschwächt, dass es sich gegen Erreger, die für gesunde Menschen kein Problem darstellen, nicht mehr wehren kann, wird – nach der oft (jahre-)langen symptomfreien Phase – von Aids gesprochen. Die Symptome sind ebenfalls unspezifisch, treten also auch bei anderen, meist harmloseren, Erkrankungen wie der Grippe (Influenza) auf. Typisch sind in diesem Stadium bestimmte Formen der Lungenentzündung (Pneumocystis-Pneumonie), Tuberkulose oder Infektionen von Mund und Speiseröhre mit dem Hefepilz Candida albicans. Man spricht bei diesen begleitenden Erkrankungen auch von opportunistischen Infektionen.

Häufig kommt es durch die HIV-Infektion außerdem zu bestimmten Krebserkrankungen, die durch eine Infektion mit Viren ausgelöst werden, beispielsweise das Kaposi-Sarkom, Gebärmutterhalskrebs oder Lymphome.

Diagnose: Wie erkenne ich, ob ich Aids habe?

Die HIV-Infektion kann relativ unkompliziert und sicher durch einen kostenlosen Bluttest (HIV-Test) nachgewiesen werden. Am häufigsten kommt ein Testverfahren zum Einsatz, das Antikörper gegen das Virus aufzeigt. Antikörper gegen HIV können allerdings erst vier bis zwölf Wochen nach einer HIV-Infektion zuverlässig nachgewiesen werden.

HIV-Test: Kostenlos in Gesundheitsämtern

Besteht der Verdacht einer HIV-Infektion, kann jeder Arzt einen HIV-Test veranlassen. Die Kosten übernimmt die zuständige Krankenkasse. Darüber hinaus gibt es bei vielen Gesundheitsämtern die Möglichkeit, anonyme HIV-Tests kostenlos durchführen und sich beraten zu lassen. Die Testergebnisse – negative wie positive – dürfen nur persönlich mitgeteilt werden. Wer sich tatsächlich infiziert hat, würde das Testergebnis "positiv" erhalten.

Wie kann man AIDS behandeln?

Eine HIV-Infektion lässt sich mit den heutigen Mitteln der Medizin nicht heilen. Die extreme Wandlungsfähigkeit des HI-Virus macht die Suche nach Medikamenten sehr schwierig. Dennoch kann durch die Kombination mehrerer antiviraler Medikamente die Viruskonzentration im Körper für lange Zeit so niedrig gehalten werden, dass es nicht zum vollen Ausbruch der Krankheit kommt.

Für HIV-Infizierte bedeutet das, dass sie über Jahre hinweg jeden Tag konsequent mehrere Medikamente einnehmen müssen. Obwohl diese HIV-Therapie sehr teuer ist, kann sie in Deutschland von jedem HIV-Infizierten in Anspruch genommen werden. In vielen anderen Ländern haben Patienten diese Chance nicht.

Kombinationstherapie bei HIV

Zur HIV-Therapie wird üblicherweise eine Kombination aus mindestens drei verschiedenen antiviralen Medikamenten angewendet. Diese aggressive Kombinationstherapie nennen die Fachleute auch "highly active antiretroviral therapy" (HAART). Da die Wirkstoffe aus drei verschiedenen Medikamentenklassen mit unterschiedlichen Wirkprinzipien stammen, ist die Gefahr, dass sich resistente Virusstämme bilden, deutlich reduziert. Heutige Medikamente haben deutlich weniger schwere Nebenwirkungen und führen viel seltener zu Komplikationen und Langzeitschäden als noch in den 90er Jahren.

Verlauf und Prognose

Der Aids-Erreger ist nach wie vor nicht heilbar. Aber es gibt Einzelfälle, die Grund zur Hoffnung geben: Etwa 20 Fälle einer sogenannten funktionellen Heilung seien bekannt, bei der Infizierte nach einer HIV-Therapie, die nach Jahren abgesetzt wurde, das Virus gut kontrollieren können, sagt der Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe, Armin Schafberger.

Wie alt kann ein Patient mit HIV werden?

Durch eine Reihe moderner Medikamente gelingt es heute aber, den Ausbruch der Erkrankung zu verzögern und die Lebensqualität aidskranker Menschen zu verbessern. Bei konsequenter Therapie können HIV-Infizierte in Ländern wie Deutschland ein normales Alter erreichen. "Wer rechtzeitig anfängt und gut therapiert wird, hat wahrscheinlich eine normale Lebenserwartung", sagt Schafberger von der Deutschen Aids-Hilfe. Dabei handle es sich aber nur um Hochrechnungen.

Wird Aids eines Tages komplett besiegt sein?

Das ist fraglich. Die verfügbaren Medikamente können zwar die Vermehrung des Virus in Schach halten, es aber nicht aus dem Körper entfernen. Einen Impfstoff wird es Experten zufolge auch in den kommenden Jahren nicht geben, weil das HI-Virus zu vielfältig ist und der Aids-Auslöser zudem sehr schnell mutiert.

Aids vorbeugen mit einfachen Maßnahmen

Sich vor einer HIV-Infektion zu schützen, ist relativ einfach. Überall, wo sich der Kontakt mit Körperflüssigkeiten von möglicherweise infizierten Personen nicht vermeiden lässt, ist Vorsicht geboten. Zur eigenen Sicherheit: Verzichten Sie unbedingt auf ungeschützten Geschlechtsverkehr, wenn Sie häufiger den Partner wechseln. Im Mittelpunkt aller Präventionsmaßnahmen steht die Aufklärung der Bevölkerung – insbesondere der Risiko-Gruppen: Drogenabhängige und Homosexuelle.

Die Prävention ist heute vielen Regierungen als eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe bewusst. Neben staatlichen gibt es eine Vielzahl nichtstaatlicher Organisationen, die sich in diesem Bereich engagieren.

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