Bauchfellentzündung: Bei Peritonitis ist schnelles Handeln gefordert

Bei einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) ist die Haut im Inneren des Bauchraums entzündet. Für diese Entzündung sind fast immer andere Erkrankungen verantwortlich. Es handelt sich bei einer Peritonitis um einen Notfall, der schnelles Handeln erfordert.

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Bei einer Bauchfellentzündung handelt es sich um einen Notfall, der immer im Krankenhaus behandelt werden muss.
© iStock.com/alvarez

Eine Bauchfellentzündung geht fast immer auf andere Erkrankungen zurück, zum Beispiel auf einen Blinddarmdurchbruch oder das Platzen eines Magen- oder Darmgeschwürs. Dadurch gelangen Erreger in den Bauchraum und es droht im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung. Auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Ausstülpungen des Darms (Divertikulitis) können an einer Peritonitis schuld sein. Nur äußerst selten geraten Keime direkt über die Blutbahn in den Bauchraum oder steigen über die Beckenorgane auf und lösen die Bauchfellentzündung direkt aus. Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine glatte Haut, die das Innere des Bauchraums auskleidet und ihn luftdicht abschließt. Es besteht aus zwei Gewebeschichten: Die innere Schicht (Peritoneum viscerale) liegt den Bauchorganen wie Milz, Leber oder Magen direkt auf. Die äußere Schicht (Peritoneum parietale) bekleidet die Wände der Bauchhöhle wie eine Tapete.

Artikelinhalte im Überblick:

Unterleibsschmerzen – das sind die Ursachen

Bauchfellentzündung: Ursachen sind vielfältig

In 99 Prozent der Fälle ist eine Peritonitis die Folge einer anderen Krankheit, Mediziner nennen sie daher eine sekundäre Peritonitis. Die Peritonitis als eigenständige Krankheit (primäre Peritonitis) kommt äußerst selten vor.

Ursache der primären Bauchfellentzündung sind Keime, die sich auf dem Bauchfell ansiedeln. Die Erreger gelangen entweder über die Blutbahnen dorthin oder sie steigen von den Beckenorganen in die Bauchhöhle auf. So kann beispielsweise eine unerkannte Eileiterentzündung bei Frauen eine Bauchfellentzündung auslösen. Über die Blutbahnen verbreiten sich am häufigsten Streptokokken. Die kugelförmigen Bakterien gelten vor allem bei Kindern – meist bei Mädchen - als Ursache der Peritonitis. Sehr selten rufen Tuberkulose-Bakterien (Mycobacterium tuberculosis, Mykobakterien) eine Entzündung des Bauchfells hervor. Normalerweise lösen sie die Lungenkrankheit Tuberkulose aus.

Bei sekundären Peritonitis werden Keime aus dem Verdauungstrakt freigesetzt und besiedeln das Bauchfell. Am häufigsten kommen Escherichia coli, die Gattung Bacteroides und Enterokokken vor. Folgende Krankheiten und Schädigungen kommen als Ursachen in Frage:

  • Durchbruch eines Magengeschwürs

  • Platzen eines Darmgeschwürs

  • Blinddarmdurchbruch

  • Divertikulitis: Es bilden sich Ausstülpungen der Darmwand, die sich entzünden. Platzt eine dieser Ausstülpungen, ergießt sich der Darminhalt in den Bauchraum.

  • Morbus Crohn, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung: Die entzündeten Bereiche im Darm können sich öffnen und Keime in den Bauchraum entlassen.

  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): Die Erreger können sich ausbreiten und in andere Bereiche verschleppt werden, zum Beispiel zum Bauchfell.

  • Eine Leberzirrhose, zum Beispiel durch chronischen Alkoholmissbrauch, führt zur Bauchwassersucht (Aszites). Diese Flüssigkeit ist anfällig für Infektionen und bietet Bakterien und Pilzen ideale Lebensbedingungen, um sich zu vermehren und auszubreiten.

  • Darmverschluss

  • Eine schwere Verletzung der Magen- und Darmwand (etwa mit einem Messer), über die Bakterien ins Bauchfell eindringen können

Auch chirurgische Eingriffe oder medizinische Therapien können eine Peritonitis verursachen. Dazu gehören unter anderem:

  • Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse): Im Rahmen dieser Dialyseart können Erreger in den Bauchraum gelangen. Mangelnde Hygiene oder verunreinigte Gegenstände, die Betroffene für die Dialyse verwenden, sind oft die Gründe.

  • Undichte Nähte nach einer Operation, zum Beispiel am Darm.

  • Bei einem chirurgischen Eingriff werden versehentlich Keime aus dem Darm in die Bauchhöhle verschleppt.

  • Bauchorgane werden bei Untersuchungen und medizinischen Eingriffen verletzt, zum Beispiel bei einer Magenspiegelung oder Darmspiegelung.

Heftige Bauchschmerzen als wichtigstes Symptom

Auf die Entzündung des Bauchfells reagiert der Körper mit verschiedenen Symptomen, etwa heftigen Bauchschmerzen, Fieber und Herz-Kreislauf-Problemen. Die Peritonitis kann lebensgefährlich sein und ist meist ein Notfall: Ohne schnelle und ausreichende Behandlung drohen eine lebensbedrohliche Blutvergiftung und ein Organversagen.

Folgende Symptome bei Peritonitis sind charakteristisch:

  • Bauchschmerzen sind das wichtigste Symptom. Bei einem Magengeschwür tritt zum Beispiel meist ein sehr kurzer, heftiger Schmerz auf (Vernichtungsschmerz bei Durchbruch des Magengeschwürs), gefolgt von eher dumpfen, anhaltenden Bauchschmerzen im Zeitraum danach.

  • Der Bauch ist angespannt und extrem empfindlich gegenüber Berührungen; schon ein Beklopfen löst stärkste Schmerzen aus (Peritonismus).

  • Betroffene ziehen instinktiv die Beine an und liegen in gekrümmter Körperhaltung im Bett.

  • Übelkeit und Erbrechen bis hin zum Erbrechen von Stuhl bei Darmverschluss

  • Störungen der Magen-Darm-Funktion, zum Beispiel Verstopfung und fehlender Stuhlgang (Stuhlverhalt), eventuell Darmverschluss

  • Anzeichen der Austrocknung (Dehydrierung), zum Beispiel trockene Schleimhäute

  • Blutvergiftung (Sepsis) mit Fieber über 38 Grad, Schüttelfrost, schneller Herzschlag, beschleunigte Atmung, Unruhe

  • Septischer Schock mit Herz-Kreislauf-Problemen wie massivem Blutdruckabfall, rasendem Herzschlag, Blässe, kaltem Schweiß

Bei solchen Symptomen immer den Hausarzt oder die Notfallambulanz einer Klinik kontaktieren beziehungsweise einen Notarzt unter 112 verständigen. Je schneller die Bauchfellentzündung behandelt wird, desto besser stehen die Heilungschancen.

Diagnose einer Bauchfellentzündung

Wichtig für die Wahl der Therapie ist es, die Ursache der Bauchfellentzündung zu kennen, zum Beispiel bestehende Krankheiten oder einen vorausgegangenen chirurgischen Eingriff. Daher befragt der Arzt den Betroffenen ausführlich zu seinen Beschwerden und seiner Krankengeschichte (Anamnese). Wichtig sind zum Beispiel folgende Fragen:

  • Wann haben die Bauchschmerzen eingesetzt?

  • Können Sie die Bauchschmerzen genauer lokalisieren?

  • Als wie stark würden Sie die Bauchschmerzen beschreiben?

  • Leiden Sie unter Übelkeit oder Erbrechen?

  • Sind Krankheiten bei Ihnen bekannt, etwa ein Magen- oder Darmgeschwür?

  • Hatten Sie vor kurzem Eingriffe, etwa eine Magen- oder Darmspiegelung?

  • Wurden Sie kürzlich am Magen-Darm-Trakt operiert?

Menschen mit einer Bauchfellentzündung sind oft in einem sehr schlechten Allgemeinzustand aufgrund von Bauchschmerzen, Übelkeit und anderen Symptomen. Sie können dann schlecht Auskunft geben. Angehörige oder Freunde sind in diesem Fall eine wichtige Unterstützung für den Arzt.

Körperliche Untersuchung

Anhand der körperlichen Untersuchung kann sich der Arzt ein Bild über den Zustand des Betroffenen und der inneren Organe machen. Dazu zählen:

  • Abtasten des Bauches: Feststellen der schlimmsten Schmerzpunkte (diese geben Hinweise auf die zugrunde liegende Organerkrankung), Beurteilung des Spannungszustandes der Bauchdecke (Abwehrspannung bis zum brettharten Bauch bei fortgeschrittenem Krankheitsstadium)

  • Abhören des Bauches mit dem Stethoskop: Feststellen von Darmgeräuschen. Sind keine hörbar, könnte eine Darmlähmung vorhanden sein.

  • Rektale Untersuchung: Der Arzt untersucht den Enddarm mit dem Finger und ertastet Geschwulste, Blutungen oder einen Stuhlverhalt.

  • Kontrolle der Schleimhäute (Mund, Zunge) zur Orientierung, ob und wie stark der Erkrankte unter Flüssigkeitsmangel leidet

  • Messung der Körpertemperatur mit dem Fieberthermometer, am besten im After (genaueste Messung)

  • Puls- und Blutdruckmessung

  • Abhören von Herz und Lunge

Ultraschalluntersuchung (Sonographie) bei Bauchfellentzündung

Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums (Abdomen-Sonographie) zeigt Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle, zum Beispiel zwischen Leber und rechter Niere. Sie können sich beispielsweise nach Magen- oder Darmverletzungen bilden.

Röntgenuntersuchung

Normalerweise befindet sich zwischen den Organen in der Bauchhöhle keine Luft. Die Röntgenuntersuchung zeigt, ob sich im Bauchraum Luft angesammelt hat. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Magen verletzt ist und Luft aus dem Verdauungsorgan entweicht. Bei einer Darmlähmung sind dagegen stark geblähte Darmschlingen im Röntgenbild sichtbar, weil Flüssigkeit im Darm stehen bleibt und sich darüber ein Luftraum bildet. Die Röntgenaufnahmen werden möglichst im Stehen durchgeführt. Ansonsten liegt der Betroffene auf der linken Seite.

Blutuntersuchung

Einige Blutwerte sind bei einer Entzündung verändert. Beispiele sind:

  • C-reaktives Protein (CRP): Ein erhöhter CRP-Wert zeigt ganz allgemein, dass im Körper eine Entzündung vorliegt, aber nicht an welcher Stelle.
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten): Die Zahl der Leukozyten steigt massiv an (Leukozytose), weil der Körper die Krankheitserreger zu bekämpfen versucht. Der Organismus produziert also mehr „Schutzpolizisten“ gegen die Eindringlinge.
  • Hämatokrit-Wert: Er zeigt, wie hoch der Anteil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) am Blutvolumen ist. Bei einer Bauchfellentzündung erleiden Betroffene einen zunehmenden Flüssigkeitsverlust. Aus den Blutgefäßen wird verstärkt Flüssigkeit abtransportiert und das Verhältnis verschiebt sich zugunsten der festen Bestandteile – der Hämatokrit-Wert steigt an.

Urinuntersuchung

Auch bestimmte Urinwerte helfen dem Arzt bei der Diagnose der Bauchfellentzündung weiter. Beispiele sind:

  • Nierenwerte wie Kreatinin oder Harnstoff: Steigende Nierenwerte zeigen an, dass die Funktion der bohnenförmigen Organe beeinträchtigt ist.
  • Elektrolyte wie Natrium und Kalium: Sind sie aus dem Ruder geraten, kann schlimmstenfalls die Herztätigkeit beeinträchtigt werden.

Bauchpunktion (Aszites-Punktion)

Mithilfe einer dünnen Hohlnadel entnimmt der Arzt eine Probe des Wassers im Bauch. Diese Flüssigkeit untersuchen Mediziner im Labor auf Bakterien und andere Erreger. Um die Keime genau zu identifizieren, legen sie eine Bakterienkultur an. Auch die Anzahl der weißen Blutkörperchen wird bestimmt. Eine erhöhte Anzahl deutet auf eine Infektion oder Entzündung hin. Die Bauchpunktion ist eine wichtige Untersuchung, um eine primäre Bauchfellentzündung zu diagnostizieren.

Bauchfellentzündung muss meistens operiert werden

Primäre Bauchfellentzündungen werden mit Antibiotika behandelt, welche die Bakterien gezielt bekämpfen. Um eine ausreichend hohe Dosierung zu erreichen, werden sie nicht als Tabletten, sondern als Infusion im Krankenhaus verabreicht. Auch wirken sie schneller, wenn sie direkt in die Blutbahn gelangen und nicht erst den Umweg über den Magen-Darm-Trakt nehmen müssen. Die Antibiotikatherapie dauert meist einige Tage.

Menschen mit einer Bauchfellentzündung aufgrund einer Krankheit oder Schädigung eines Bauchorgans (sekundäre Peritonitis) müssen in der Regel operiert werden. Ziel ist es, die Ursache der Bauchfellentzündung schnellstmöglich zu beheben, denn es besteht Lebensgefahr. So operieren Ärzte ein durchgebrochenes Magen- oder Darmgeschwür oder einen Blinddarmdurchbruch immer. Das gilt auch bei einem Darmverschluss. Je nach Krankheit kommen verschiedene Operationsverfahren zum Einsatz.

Bei der Operation werden jedoch nicht nur undichte Stellen verschlossen, sondern auch Keime, Blutreste und andere schädliche Stoffe aus dem Bauchraum beseitigt. Die Bauchhöhle wird mehrfach mit einer Kochsalzlösung oder einer desinfizierenden Lösung gespült – so lange, bis die Spülflüssigkeit vollständig klar ist.

Bevor der Bauchschnitt wieder verschlossen wird, legen Ärzte weiche Kunststoffschläuche (Drainagen) in das Operationsgebiet. So können Eiter und Flüssigkeit aus dem Bauchraum abfließen und die Entzündung heilt leichter ab. Die Menge an Flüssigkeit in den Flaschen mit den Drainageschläuchen zeigt dem Arzt, wie gut die Heilung voranschreitet.

Zudem werden Antibiotika eingesetzt, um die Erreger einzudämmen. Bis das Bakterium genauer im Labor bestimmt ist, bekommen die Erkrankten Breitbandantibiotika, die gegen eine Vielzahl verschiedener Bakterien wirken. Erst wenn der Erreger feststeht, steigen Ärzte auf ein Antibiotikum um, das gezielter wirkt.

Peritonitis: Wie gut sind die Heilungschancen?

Frühe Stadien der Bauchfellentzündung besitzen gute Heilungsaussichten. Je weiter die Entzündung des Bauchfells allerdings fortgeschritten ist, desto stärker wird der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen. Damit sinken die Aussichten auf baldige Genesung von der Peritonitis.

Einer Bauchfellentzündung lässt sich nicht wirklich vorbeugen. Die einzige Maßnahme, um das Ausmaß der Peritonitis einzudämmen, ist der rasche Gang zum Arzt. Plötzlich einsetzende oder nicht mehr vergehende Bauchschmerzen sind immer ein Alarmsignal – die richtigen Ansprechpartner sind in diesem Fall der Hausarzt oder die Notfallambulanz einer Klinik. Bei heftigen Bauchschmerzen sollte immer der Notarzt gerufen werden. So ist die Chance höher, dass Ärzte die Bauchfellentzündung rechtzeitig behandeln können.

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

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