Häufige Sportverletzung bei Fußballern

Leistenzerrung: Symptome, Dauer und Behandlung

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Beim Fußball ist die Leistenzerrung, auch Adduktorenzerrung genannt, eine der häufigsten Verletzungen – und kommt nicht nur bei Profis vor. Auch Freizeitsportler*innen sind betroffen. An welchen Symptomen man die Leistenzerrung erkennt, welche Therapie sinnvoll ist und was Sie über die Dauer der Erkrankung wissen müssen, lesen Sie hier.

Mann hält sich Oberschenkel
Bei der Leistenzerrung ist häufig die Oberschenkelmuskulatur betroffen, die Adduktoren.
© iStock.com/m-gucci

Ein Ausfallschritt oder eine Grätsche, dann stürzt der*die Fußballspieler*in mit schmerzverzerrtem Gesicht. Diagnose: Leistenzerrung, medizinisch Adduktorenzerrung genannt. Dabei handelt es sich um die typische Sportverletzung im Fußball, Eishockey und Sprinten. Pro Saison verletzt sich laut Statistik jede*r Spieler*in zweimal. Die Verletzung betrifft aber nicht nur Profis, sondern auch Freizeitsportler*innen beim Training – Männer wie Frauen.

Im Überblick:

Leistenzerrung: Das beschleunigt die Heilung

Symptome: So erkennen Sie eine Leistenzerrung

Eine Leistenzerrung kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. So gibt es eine akute Verletzung, die plötzlich nach einem Grätschen, Ausrutschen oder einem Hürdensprung auftritt. Ihre Anzeichen:

  • plötzliche, stechende Schmerzen in der Innenseite des Oberschenkels oder
  • plötzliche, scharfe Schmerzen in der Leiste
  • in den Bauchraum ausstrahlende Schmerzen
  • Blutergüsse in Leiste und Innenseite der Oberschenkel

Daneben gibt es die Leistenzerrung, die sich langsam einschleicht – etwa durch ständige, aber moderate Überbelastung und falsche Bewegungen. Ihre Anzeichen sind weniger massiv. Man erkennt sie zum Beispiel an einem leichten Ziehen in der Leiste, das sich steigern kann. Hinzu kommen weitere mögliche Symptome:

  • Der Schmerz wird schlimmer bei Druck auf das Schambein
  • Der Schmerz wird schlimmer bei Druck auf den Muskel
  • Der Schmerz wird schlimmer beim Zusammendrücken der Beine sowie Abspreizen

Schweregrade der Adduktorenzerrung

Je nach Ausprägung unterscheidet die Sportmedizin und Orthopädie zwischen drei Schweregraden der Leistenzerrung:

1. Grad: Dabei handelt es sich um eine Überdehnung. Weniger als fünf Prozent der Muskelfasern der Adduktoren sind hier überbeansprucht. Die Symptome sind nicht sehr stark. Das Bein seitwärts drehen schmerzt etwas.

2. Grad: Hier sind mehr als fünf Prozent der Muskelfasern bereits gerissen. Diese Verletzung verursacht bereits starke Schmerzen, die Beinrotation ist eingeschränkt.

3. Grad: Sind mehr Adduktorenfasern gerissen, handelt es sich um eine Adduktorenzerrung dritten Grades. Die Schmerzen sind heftig, Blutergüsse (Hämatome) können auftreten. Das Bein zu drehen ist kaum noch möglich. Die Schmerzen halten auch dann an, wenn das Bein nicht bewegt oder belastet wird.

Was tun? Erste Hilfe bei Leistenzerrung

Jede Bewegung, die schmerzt, sollte jetzt vermieden werden. Auch Dehnen gehört dazu. Am besten ist es, die Beine hoch zu lagern. Das entlastet die überbeanspruchten Adduktoren. Eis und kalte Kompressen helfen dabei, den Schmerz zu lindern und zu verhindern, dass es Einblutungen und damit große Hämatome gibt. Bei einer Leistenzerrung ersten Grades reichen diese Maßnahmen oft schon aus, dass sich die Überdehnung löst und nach zwei bis drei Tagen keine Beschwerden mehr auftreten. Handelt es sich um eine ausgeprägtere Leistenzerrung, sollte das auf jeden Fall der*die Orthopäd*in abklären.

Ursachen für eine Leistenzerrung

In einem Drittel der Fälle von Leistenzerrung im Fußball ist die Oberschenkelmuskulatur betroffen, die Adduktoren. Diese Muskelgruppe beginnt im Becken und erstreckt sich in die Innenseite der Oberschenkel.

Die Adduktoren sind die Gegenspieler der Gesäßmuskeln, wechseln sich mit diesen beim Laufen ständig ab. Sie werden vor allem beim Beschleunigen und bei plötzlichem Abbremsen stark beansprucht. Zusätzlich ermöglichen die Muskeln das Abspreizen und wieder Heranführen des Beins zur Körpermitte. Diese aus sechs Muskeln bestehende Gruppe wird vor allem beim Fußball, Eishockey, Hürdenlauf, Sprinten sowie Skifahren und Eislaufen intensiv belastet.

Bei dauerhafter Überbelastung oder plötzlicher zu starker Beanspruchung können ein bis mehrere Muskeln der Adduktorengruppe gezerrt werden. Meist tritt die Leistenzerrung im Übergang zwischen Muskel und Sehne oder Schambein und Sehne auf.


Sportlerleiste betrifft vor allem Fußballer*innen

Eine spezielle Form der Leistenzerrung ist die sogenannte "Sportlerleiste". Dabei handelt es sich um chronische Beschwerden und Schwäche im Leistenkanal. Das betrifft vor allem Fußballer*innen. Wenn sie von der Innenseite des Fußes den Ball abspielen, belasten sie dabei die Bänder und Muskeln der Adduktoren extrem.

Daneben gibt es eine ganze Reihe von weiteren Ursachen für die Leistenzerrung. Manchmal ist es die nur geringfügige, aber immer wieder auftretende Überbelastung, etwa bei Fußballer*innen das Ballführen über lange Strecken. Meist liegen der Verletzung jedoch plötzliche Bewegungen zugrunde, die Sehnen oder Muskel der Adduktoren überlasten und damit zerren. Dabei entstehen Mikroverletzungen in Sehne und Muskeln bis hin zu Rissen. Sie schmerzen stark, können Einblutungen und Schwellungen auslösen.

Diagnose: So stellt der Arzt eine Leistenzerrung fest

Der*die Arzt*Ärztin, in der Regel ein*e Sportmediziner*in oder Orthopäd*in, prüft Leiste und Oberschenkel vorsichtig in ihrer Funktion. Oft reicht die Beschreibung der Schmerzen und die Form der Bewegungseinschränkung bereits aus, um die Diagnose zu stellen.

Ultraschall-, Röntgen- oder Kernspinuntersuchung stellt den Schaden dann in allen Details fest. Darüber hinaus lässt sich damit klären, ob ein Beckenschiefstand oder Hüftgelenkfehlstellungen mit eine Rolle spielen. Derartige Veränderungen überlasten die Adduktoren nämlich dauerhaft. Es besteht ein hohes Risiko für Leistenzerrungen.

Wie die Behandlung der Leistenzerrung abläuft

Physiotherapie und Krankengymnastik sind die Mittel der Wahl bei der Therapie einer Leistenzerrung. Die Überbeanspruchung wird gemildert, die überstrapazierten Adduktoren werden langsam wieder an ihre normale Funktion gewöhnt.

Bei Leistenzerrungen des Stadiums zwei und drei empfehlen sich häufig Schmerzmedikamente, um die vor allem zu Beginn massiven Schmerzen zu lindern. Zum besseren Abheilen der Adduktorenzerrung haben sich außerdem folgende Maßnahmen bewährt:

  • Wärmetherapie
  • Reizstromtherapie
  • Salbenverbände, etwa mit Zink
  • medizinische Salben gegen Schmerz und Entzündung
  • Lymphdrainage

Dauer der Leistenzerrung: Längere Sportpause ist wichtig

Je nach Ausprägung der Leistenzerrung dauert der Heilprozess bis zu drei Monate, manchmal sogar länger. Geduld ist also wichtig. Während dieser Zeit sollten alle Sportarten, die die Adduktoren beanspruchen, vermieden werden.

Für Fußballprofis bedeutet das meist: wochenlanges Ausfallen. Während dieser Zeit können sie jedoch Krafttraining durchführen – selbstverständlich nur unter ärztlicher Kontrolle und nach fachlicher Anweisung. So vermeiden Sportler*innen, dass ihre Leistung total abfällt.

Erst wenn alles gut verheilt ist, dürfen die Adduktoren langsam wieder an Belastung gewöhnt werden. Wer diese Muskeln wieder zu schnell strapaziert, muss mit einem Rückfall rechnen und dem Risiko, eine Sportlerleiste mit chronischen Beschwerden zu entwickeln.

Vorbeugen: Leistenzerrung vermeiden

Bis zu einem gewissen Maß lässt sich eine Leistenzerrung verhindern. Zu den Vorbeugemaßnahmen gehört etwa das richtige Aufwärmen vor dem Sport. Werden nämlich kalte Muskeln und Sehnen abrupt belastet, können Verletzungen entstehen. Ebenso wichtig ist nach dem Sport eine langsame Abkühlphase, in der die Muskeln nach und nach weniger belastet werden (Cool-down).

Nicht zuletzt spielen auch die Schuhe eine wichtige Rolle, wenn es um Vorbeugung einer Leistenzerrung geht. Gute Sportschuhe, die der jeweiligen Sportart angepasst sind, sorgen dafür, dass Gelenke, Sehnen und Muskeln nicht falsch belastet werden.

Wer bereits mehr als einmal eine Leistenzerrung hatte oder sogar unter einer Sportlerleiste leidet, sollte vor allem bei Trainingsbeginn besonders vorsichtig sein. Hier sind manchmal in ärztlicher Absprache spezielle Kompressions- oder Wärmehosen sinnvoll. Sie entlasten die Adduktoren und schützen sie vor Verletzungen.

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