Blasenentzündung: Symptome und Hausmittel bei Zystitis

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Eine Blasenentzündung kann starke Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen verursachen. Auch häufiger Harndrang und trüber Urin sind typische Symptome. Warum Frauen häufiger betroffen sind, welche Hausmittel helfen und die richtige Therapie bei Zystitis.

Frau mit Blasenentzündung auf dem Bett
Eine Blasenentzündung äußert sich durch verschiedene Symptome, zum Beispiel Brennen beim Wasserlassen, oder Schmerzen im Unterbauch.
© iStock.com/evrim ertik

Die Blasenentzündung (untere Harnwegsinfektion, Zystitis) zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Jede zweite Frau erkrankt mindestens einmal in ihrem Leben daran, in der Schwangerschaft treten Blasenentzündungen besonders oft auf. Bei einer Blasenentzündung beschränken sich die Beschwerden auf den unteren Harntrakt im Gegensatz zur Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), bei der sich die Infektion auf die oberen Harnwege ausdehnt.

Artikelinhalte im Überblick:

Blasenentzündung: Was die Beschwerden lindert

Wie entsteht eine Blasenentzündung?

Warum eine Blasenentzündung beim Mann so viel seltener vorkommt als bei Mädchen und Frauen: Die weibliche Harnröhre ist sehr viel kürzer als die männliche, sodass Bakterien – die häufigsten Auslöser von Blasenentzündungen – schneller in die Blase gelangen und dort die Schleimhaut entzünden können.

Außerdem liegen bei der Frau Harnröhre und Darmausgang relativ nah beieinander. Kolibakterien aus dem Darm gelangen also leicht in die Harnröhre. In über 75 Prozent der Fälle werden Blasenentzündungen durch Bakterien der Art Escherichia coli (E. coli) ausgelöst. Die Übertragung der Erreger aus dem Darm in die Blase zählt zu den häufigsten Infektionsgründen. Meist ist ein falsche Intimhygiene schuld: Wird nach dem Stuhlgang fälschlicherweise von hinten nach vorne gesäubert, können Bakterien vom After in die Harnröhre und von dort in die Blase gelangen.

Auch andere Bakterienarten, zum Beispiel Klebsiellen, Proteus mirabilis oder Staphylokokken, gehören zu den Auslösern. In selteneren Fällen können Pilze oder Viren für die Zystitis verantwortlich sein.

Was tun bei einer Blasenentzündung? Tipps und Hausmittel

Die meisten Harnwegsinfekte sind unkompliziert und mit der richtigen Behandlung relativ schnell in den Griff zu bekommen. Jedoch besteht bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung bereits Handlungsbedarf, um einen komplizierten Verlauf zu verhindern.

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung können diese Tipps und Hausmittel, die Genesung bei einer Blasenentzündung fördern:

  • Viel trinken: Geeignete Getränke sind ungesüßte Kräutertees und Wasser. Am besten täglich 1,5-2 Liter trinken. Auf Alkohol, Kaffee oder Zitrussäfte besser verzichten, da sie die Blase reizen können. Auch stark zuckerhaltige Getränke vermeiden.

  • Viel Wasser lassen: Der Toilettengang sollte nicht zu lange hinausgezögert werden, da sich sonst Bakterien im Harntrakt konzentrieren können. Pflanzliche, aquaretisch (harntreibend) wirkende Präparate können die Ausscheidung unterstützen. Auch begleitend zu einer möglicherweise notwendigen Antibiotikabehandlung bei Blasenentzündung haben sich diese pflanzlichen Arzneien zur Durchspülung der Harnwege bewährt.

  • Wärmezufuhr: Kälte vermindert die Durchblutung, auch im Intimbereich, Wärme fördert dagegen die Durchblutung und wirkt krampflösend bei Schmerzen. Am besten hilft eine Wärmflasche oder ein heißes Bad. Darüber hinaus warme Kleidung anziehen (zum Beispiel Baumwollunterwäsche) und besonders die Füße stets warm halten.

  • Ruhe und Entspannung: Das gibt dem Körper Gelegenheit, seine Abwehrkräfte neu aufzutanken.

  • Hygiene: Den Genitalbereich gründlich waschen, damit nicht erneut Bakterien in die Blase gelangen. Keine Intimsprays benutzen, da diese die natürliche Schutzfunktion der Scheide beeinträchtigen können. Lieber sanfte, pH-neutrale Waschlotionen verwenden.

  • Kein Sex: Bis die Blasenentzündung überstanden ist, empfiehlt es sich, mit dem Geschlechtsverkehr zu warten.

Unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfektion

Die meisten akuten Blaseninfektkionen bei Frauen werden als unkompliziert eingestuft, bei der Behandlung haben sich pflanzliche Wirkstoffe bewährt. Eine Blasenentzündung gilt als unkompliziert, wenn sich keine funktionellen oder anatomischen Anomalien im Harntrakt finden und keine Risikofaktoren für einen schweren Verlauf wie Vorerkrankungen (zum Beispiel Diabetes oder Autoimmunerkrankungen) oder eine Schwangerschaft vorliegen.

Bei Männern dagegen sind Harnwegsinfektionen in der Regel kompliziert und sollten vom Arzt abgeklärt werden, da etwa die Hoden in Mitleidenschaft gezogen werden könnten oder mitunter eine Grunderkrankung der Prostata vorliegt.

Wichtig: Starke Beschwerden, Schmerzen in der Rücken-, Nieren- oder Flankengegend, Fieber oder Blut im Urin deuten auf einen komplizierten und schweren Verlauf einer Harnwegsinfektion hin (etwa eine Nierenbeckenentzündung) und sollten bei Frauen und Männern unbedingt vom Arzt abgeklärt und behandelt werden.

Wird ein Harnwegsinfekt nicht erkannt oder falsch behandelt, kann das schwerwiegende Folgen haben:

  • Aus der akuten Blasenentzündung kann ein chronischer Infekt werden.

  • Die Bakterien können aufsteigen und eine Nierenbeckenentzündung verursachen, mit Symptomen wie Fieber, Flankenschmerz und Schüttelfrost.

  • Bei einem oberen Harnwegsinfekt besteht die Möglichkeit, dass Keime in die Blutbahn gelangen, was zu einer Blutvergiftung führen kann.

  • Häufige Blasenentzündungen können das Blasen- und Nierengewebe dauerhaft schädigen.

  • Chronische Harnwegsinfekte können auch für eine Harninkontinenz verantwortlich sein, bei der ein willentliches Zurückhalten des Urins nur noch teilweise möglich ist.

Brennen beim Wasserlassen: Typische Symptome einer Blasenentzündung

Wenn Sie bereits von einer Zystitis betroffen waren, ist das Erkennen eines Infekts der Blase relativ leicht. Sollte es Sie zum ersten Mal erwischt haben, sprechen folgende Beschwerden für eine Blasenentzündung:

  • Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)
  • verstärkter Harndrang (Pollakisurie): Sie müssen bei nur kleinen Urinmengen öfter auf die Toilette als üblich
    • zum Selbsttest

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  • krampfartige Schmerzen im Bereich der Blase (Unterbauchschmerzen)
  • Probleme, den Harn halten zu können
  • streng riechender, trüber Urin

Erfahren Sie hier mehr über Symptome und mögliche Komplikationen eines Harnwegsinfekts.

Risikofaktoren für Blasenentzündungen

Unter anderem erhöhen folgende Faktoren das Risiko für Blasenentzündungen:

  • Geschlechtsverkehr (Honeymoon-Zystitis): Bakterien gelangen durch die Bewegung in die Blase. Wasserlassen nach dem Sex kann das Risiko mindern, da die Bakterien dadurch ausgespült werden.

  • Verwendung von Verhütungsmitteln wie Diaphragma oder Spermiziden. Dadurch wird die Scheidenflora verändert und Infektionen werden begünstigt.

  • vorangegangene asymptomatische Bakteriurie (Keime werden im Urin nachgewiesen, ohne jedoch Beschwerden zu verursachen)

  • vorangegangene Harnwegsinfektionen

  • jugendliches Alter bei der ersten Blasenentzündung

  • Vorkommen von Harnwegsinfektionen in der Familie

  • Stress, zu wenig Schlaf, ungesunde Ernährung oder andere Faktoren, die das Immunsystem schwächen

  • Unterkühlung durch nasse Badekleidung nach dem Schwimmen

  • Übertriebene Intimhygiene: Die Verwendung von zu viel Seife oder Intimwaschlotion kann die natürliche Schutzfunktion der Schleimhäute beeinträchtigen. Deshalb sind sanfte, pH-neutrale Waschlotionen vorzuziehen.

  • Harnstau oder Restharn in der Blase: Durch einen Harnstein beispielsweise können die Harnwege eingeengt werden, der Urin kann nicht vollständig abfließen. Staut sich der Harn, finden Bakterien darin einen idealen Nährboden.

Außerdem treten Harnwegsinfektionen bei ansonsten gesunden Schwangeren gehäuft auf, vor allem im letzten Trimester. Wird eine Blasenentzündung während der Schwangerschaft nicht bemerkt, kann die Entzündung unbehandelt weiter aufsteigen und die Nierenbecken befallen. Die Infektion gefährdet auch das Ungeborene: Eine Früh- oder Fehlgeburt kann die Folge sein.

Auch ältere Frauen in den Wechseljahren (vor allem in der Postmenopause, also einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahre nach der letzten Regelblutung) sind stärker gefährdet, weil sich die Scheidenflora in dieser Phase ändert und eine verminderte Besiedelung mit Laktobazillen einen Infekt begünstigen kann.

Krankheiten, beispielsweise Diabetes mellitus, können das Risiko für eine Blasenentzündung ebenfalls steigern. Bei Diabetikern ist der Zuckergehalt im Urin erhöht, was die Vermehrung von Bakterien fördert. Ein Arztbesuch ermöglicht es, zugrundeliegende Erkrankungen auszuschließen oder zielgerichtet zu behandeln.

Vorsicht, Bakterien: Ist eine Blasenentzündung ansteckend?

Eine Zystitis entsteht, indem Keime in die Harnröhre und von dort in die Blase gelangen. Das kann über verschiedene Wege geschehen, häufig etwa über Geschlechtsverkehr, wenn Erreger aus dem Darmbereich regelrecht in die Scheide und Harnröhre einmassiert werden.

Auch die gemeinschaftliche Benutzung von Toiletten kann ein gewisses Risiko darstellen. Dieses geht von Gegenständen aus, die üblicherweise vor und nach dem Toilettengang angefasst werden, etwa Türklinken. Gelangen Bakterien von dort auf die Finger und dann in die Vagina, zum Beispiel beim Einführen eines Tampons, können die Keime in die Harnröhre wandern und dort zu einer Blasenentzündung führen.

Eine direkte Infektion auf dem Weg von einem Erkrankten auf einen Gesunden ist dagegen eher unwahrscheinlich. Die Blasenentzündung innerhalb der Familie weiterzugeben, etwa über die gemeinsame Benutzung der Toilette, stellt kein gesondertes Risiko dar und braucht daher nicht befürchtet zu werden.

"Eine klassische Blasenentzündung ist per se nicht ansteckend", erklärt Eliane Sarasin Ricklin, Gynäkologin und Sexualmedizinerin. Sexuell übertragbar sei eine Blasenentzündung ebenfalls nicht. Ohnehin hätten "wenige Frauen mit einer Blasenentzündung Lust auf Sex, weil es Schmerzen bereitet".

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Zystitis kann chronisch werden

Haben Sie bereits eine akute Blasenentzündung hinter sich, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass diese im selben Jahr erneut auftritt. In manchen Fällen kommt es sogar zu einer chronisch wiederkehrenden (rezidivierenden) Blasenentzündung.

Erkrankungen und Lebensumstände, die eine chronische Blasenentzündung begünstigen:

  • Harnwegsinfekt des Geschlechtspartners
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus und Gicht
  • Krankheiten der Niere
  • Entzündung der Prostata beim Geschlechtspartner
  • Blasensteine, Nierensteine
  • Verengte Harnwege
  • Rauchen, Alkohol, Stress, falsche Ernährung
  • Abnahme der Hormonproduktion in und nach den Wechseljahren
  • geschwächtes Immunsystem

In etwa 90 Prozent der Fälle wird eine wiederkehrende Blasenentzündung durch den gleichen Erreger ausgelöst. Ein möglicher Grund kann sein, dass eine vorangehende Entzündung nicht gründlich auskuriert wurde. Daher kommt auch der Nachsorge einer akuten Blasenentzündung und der gründlichen Ausspülung möglichst aller Erreger eine besonders wichtige Rolle zu.

Therapie ausreichend lange durchführen

Auch über das Andauern der akuten Symptome hinaus sollte eine Durchspülungstherapie fortgesetzt werden. Geeignet sind dazu neben einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr pflanzliche Arzneimittel mit Orthosiphon, Goldrute und Hauhechel. Auch wenn ein Antibiotikum zum Einsatz kommt, ist eine Durchspülung der Harnwege – sowohl begleitend als auch einige Zeit darüber hinaus – empfehlenswert, um die Erreger auszuschwemmen.

Bei einer Behandlung mit Antibiotika sollten Sie die Medikamente zudem unbedingt nach den Vorgaben des Arztes einnehmen. Ein zu frühes, eigenmächtiges Absetzen des Antibiotikums, beispielsweise weil Nebenwirkungen auftreten oder die Beschwerden bereits abgeklungen sind, kann das Wiederaufflammen der Blasenentzündung begünstigen, da noch nicht alle Bakterien abgetötet wurden. Auch das Risiko für Antibiotikaresistenzen steigt: Nehmen Betroffene zu häufig Antibiotika ein oder wenden sie es falsch an, können diese Resistenzen entstehen. Hinzu kommt, dass 15 Prozent der Erreger von Blasenentzündungen bereits resistent gegen Antibiotika sind, die als Standardtherapie gelten.

Tritt ein unkomplizierter Harnwegsinfekt nicht mehr als dreimal pro Jahr auf, sind aber keine weiteren Komplikationen für die beteiligten Organe wie Harnwege oder Nieren zu befürchten. Kehrt eine Infektion immer wieder, sollten Sie das mit ihrem behandelnden Arzt besprechen und weitere Untersuchungen beim Frauenarzt/Urologen vornehmen lassen, um organische Ursachen auszuschließen.

Prophylaxe: Der Blasenentzündung zuvorkommen

Egal ob gelegentlich auftretende oder wiederholte Blasenentzündung: Besser als einen vorliegenden Harnwegsinfekt zu behandeln ist die Vorbeugung. Natürlich ist das nicht immer möglich. Denn: Nicht jeder auslösende Faktor ist vermeidbar. Doch wer sein persönliches Risiko kennt sowie mögliche Prophylaxe-Maßnahmen, ist besser vor einer Blasenentzündung geschützt.

  • Viel trinken: Wer seine Blase und die ableitenden Harnwege gut und regelmäßig durchspült, kann verhindern, dass sich dort Bakterien festsetzen können.

  • Pflanzliche Wirkstoffe: Insbesondere Zubereitungen aus der Hauhechel sorgen für eine gute Durchspülung der Blase, ohne dass dem Körper Mineralstoffe entzogen werden.

  • Regelmäßig Wasserlassen: Die Blase regelmäßig und vollständig entleeren – nicht erst dann, wenn sie prall voll ist.

  • Warme Kleidung: Am besten Baumwollunterwäsche tragen und diese bei 60° C waschen. Das allein hält viele Keime ab. Nasse Badekleidung gleich nach dem Baden gegen trockene warme Kleidung austauschen. Warme Socken tragen.

  • Richtige Intimhygiene: Besonders nach dem Geschlechtsverkehr den Intimbereich von Bakterien säubern. Den Schambereich am besten nur mit warmem Wasser beziehungsweise mit pH-neutralen Waschlotionen waschen. Auf Intimsprays verzichten, da sie die natürliche Schutzfunktion der Schleimhaut in der Scheide beeinträchtigen können. Um eine Schmierinfektion zu vermeiden, sollten Sie nach dem Stuhlgang immer von vorne nach hinten wischen.

  • Auswahl des Verhütungsmittels: Für Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen, sind bestimmte Verhütungsmittel empfehlenswert. So schützen zum Beispiel Kondome sehr gut vor Bakterien, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Abzuraten ist von spermiziden Cremes und mechanischen Verhütungsmitteln wie der Spirale.

Neun natürliche Hilfen für eine starke Blase
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