Ursachen und Behandlung

Juckreiz (Pruritus): Woher kommt er und was hilft?

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Juckreiz kann am ganzen Körper vorkommen: Vor allem am After, im Genitalbereich oder an Handflächen und Fußsohlen ist das als Pruritus bezeichnete Symptom äußerst unangenehm. Welche Erkrankungen als Ursachen infrage kommen, wann ärztlicher Rat sinnvoll ist und was hilft, den Juckreiz zu lindern, lesen Sie hier.

Juckreiz
© Getty Images/Science Photo Library

Juckreiz (Pruritus) ist eine Empfindung der Haut oder Schleimhaut, die Kratzen, Reiben, Kneten und ähnliche Reaktionen hervorruft. Betroffen können einzelne begrenzte Hautbereiche sein. Aber auch Juckreiz am ganzen Körper (generalisierter Juckreiz) kommt vor.

Der Artikel im Überblick:

Neurodermitis: Die besten Tipps für die Hautpflege

Schutzmechanismus Juckreiz: Warum juckt es?

Die Empfindung des Juckreizes wird über ein eigenes System von Rezeptoren in der Haut und Nervenbahnen ans Gehirn übertragen. Entwicklungsgeschichtlich wird vermutet, dass Jucken einen Schutzmechanismus gegen Parasiten wie Flöhe oder Zecken darstellt. Kratzen als Reaktion auf einen Juckreiz ist demnach der unbewusste Versuch, die Haut von lästigen Tieren zu befreien.

Wenn es am Körper quälend juckt, ist es nahezu unmöglich, diesen Juckreiz für längere Zeit zu unterdrücken. Dazu werden oft die Fingernägel, aber auch Gegenstände verwendet. Zwar gilt die Empfehlung, bei Juckreiz nicht zu kratzen. Häufig kann das aber nicht dauerhaft ausgehalten werden. Oft entwickelt sich daher ein Kreislauf aus:

  • Jucken
  • Kratzen, bis es zu einer Wunde und einem Schmerzreiz kommt, der das Jucken vorübergehend blockiert
  • Entzündungsreaktion
  • Verstärkung des Pruritus

Dadurch wird der Krankheitsverlauf verlängert und oft durch Infektionen oder andere Komplikationen erschwert. Geht der Juckreiz auf eine Infektion zurück, kann die Erkrankung durch das Kratzen unter Umständen auf weitere Körperregionen übertragen werden.

Was hilft gegen Juckreiz?

Tritt Juckreiz als allergische Reaktion des Körpers auf bestimmte Allergene auf, gilt es primär, den Kontakt der Haut mit dem jeweiligen Allergen zu meiden. Bei einer Nickelallergie sollte also beispielsweise auf nickelhaltigen Schmuck verzichtet werden, bei einer Nahrungsmittelallergie sollte man die betreffenden Lebensmittel vom Speiseplan streichen. Im akuten Fall können Antihistaminika helfen.

Handelt es sich bei Juckreiz um ein Symptom einer Grunderkrankung, wird die Erkrankung durch geeignete Medikamente und andere Behandlungen therapiert. Gegen Hauterkrankungen wie Neurodermitis werden bei akuten Schüben teilweise Kortisoncremes eingesetzt.

Hausmittel bei Juckreiz

Um das Symptom Juckreiz zu lindern und so auch den Teufelskreis aus Jucken – Kratzen – Jucken zu durchbrechen, können verschiedene Hausmittel und Maßnahmen Linderung verschaffen:

  • Kühlung der Haut mit feuchten Tüchern oder kalt duschen

  • Umschläge mit Joghurt, Schwarztee, Heilerde oder Essig (anschließend eincremen!)

  • Körperpflege mit rückfettenden Basiscremes beziehungsweise anderen geeigneten Hautpflegeprodukten

  • Cremes oder Salben gegen Juckreiz (etwa mit Harnstoff oder Johanniskraut)

  • Verzicht auf parfümhaltige Hautpflegeprodukte, Nutzung von milden Seifen

  • Abbau von Stress, Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training erlernen und regelmäßig durchführen

  • Verzicht auf scharf gewürztes, heißes Essen

  • Vermeidung von direktem Hautkontakt mit Wolle oder synthetischen Stoffen, die die Haut reizen

  • Tragen von Baumwollhandschuhen, um sich vor nächtlichem Kratzen zu schützen

Woher kommt der Juckreiz?

Juckreiz tritt häufig dann auf, wenn bestimmte Botenstoffe wie Histamin im Körper freigesetzt werden. Die Auslöser sind vielfältig und reichen von Insektenstichen über Allergien (zum Beispiel auf Pollen oder Nahrungsmittel) bis hin zu Nebenwirkungen bestimmter Medikamente und Hauterkrankungen.

Doch nicht immer sind es äußere Einflüsse, die Juckreiz hervorrufen. So können die Beschwerden auch Symptom einer Erkrankung wie beispielsweise eines Infekts, Neurodermitis oder auch von Windpocken oder Schizophrenie sein. Trockene Haut kann oft ebenfalls Juckreiz hervorrufen.

Ursachen für Juckreiz mit Hautausschlag/Hautveränderungen

  • allergische Hautreaktion (Nesselsucht/Urtikaria) beispielsweise durch Medikamente oder Nahrungsmittel; gegebenenfalls Quincke-Ödem bei Medikamentenallergie
  • Kontakt mit Brennnesseln oder anderen reizenden Pflanzen
  • Neurodermitis (atopisches Ekzem)
  • Ekzem zum Beispiel bei Kontaktallergie auf Nickel
  • "Lichtallergie" (polymorphe Lichtdermatose)
  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Hämorrhoiden – es kann zu Jucken am After kommen
  • Krätze (Skabies) – durch Milbenbefall hervorgerufen
  • Prurigo simplex (Hauterkrankung)
  • bestimmte Krebsformen – etwa kutanes T-Zell-Lymphom, Leukämie
  • Pilzinfektionen (Mykosen)
  • Herpes simplex, Gürtelrose (Herpes zoster)
  • Windpocken
  • Infektion mit Eitererregern (Pyodermien) – zum Beispiel Pickel, Furunkel, flächige Hautinfektionen (Phlegmone)
  • Sonnenallergie
  • chronische Arzneimittelallergie
  • Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Lichen ruber

Ursachen für Juckreiz ohne anfängliche Entzündung der Haut

  • Reaktion auf bestimmte Blutdruckmedikamente (ACE-Hemmer)
  • Reaktion auf bestimmte Medikamente gegen Psoriasis (Fumarate)
  • trockene Haut, besonders im Alter (Pruritus senilis) oder im Winter (Puritus hiemalis)
  • chronische Niereninsuffizienz
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Lebererkrankungen – zum Beispiel Leberentzündung (Hepatitis), Gallengangsverschluss
  • Diabetes mellitus
  • Bandwurmbefall
  • Kopfläuse, Filzläuse oder Kleiderläuse
  • Multiple Sklerose
  • Gürtelrose (Herpes zoster)
  • Depression
  • Schizophrenie

Je nach Ursache erstreckt sich der Juckreiz dann auf den ganzen Körper oder erfasst nur bestimmte Hautstellen.

Je nachdem, wo der Juckreiz am Körper auftritt, kommen andere Ursachen infrage:

  • Juckende Kopfhaut: trockene, schuppende Kopfhaut, Allergie, Hautpilz, seborrhoisches Ekzem (Ausschlag auf Kopfhaut und Gesicht), Befall mit Parasiten wie Kopfläusen, Flöhen, Milben

  • Jucken am ganzen Körper (generalisierter Juckreiz): Allergie, Diabetes, Lebererkrankungen, Niereninsuffizienz, neurologische Störungen, Nebenwirkung von Medikamenten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Tumorerkrankung

  • Afterjucken (Pruritus ani): Hämorrhoiden, Feigwarzen, Analfissur (Riss in der Schleimhaut des Afters), mangelnde Hygiene, mechanische Reizungen (zum Beispiel durch raues Toilettenpapier), Pilzinfektion, Diabetes, Nierenfunktionsstörung, Darmtumoren, Parasitenbefall (zum Beispiel mit Madenwürmern)

  • Jucken an der Scheide/im Intimbereich (Pruritus genitalis, bei Frauen Pruritus vulvae): Herpes, Scheidenpilz, Wechseljahre, Parasiten wie Filzläuse, Gonorrhö

  • Juckende Augen oder Augenlider: Allergie, zum Beispiel gegen Pollen (Heuschnupfen), Bindehautentzündung, Neurodermitis, Kontaktekzem, Infektionskrankheiten wie Masern, Gerstenkorn, Diabetes, Überlastung der Augen zum Beispiel durch Bildschirmarbeit

  • Juckreiz an den Handflächen: Kontaktdermatitis, zum Beispiel allergisches Handekzem, Schuppenflechte (Psoriasis), Nebenwirkung verschiedener Medikamente

  • Juckende Fußsohlen/Füße: Diabetes, Durchblutungsstörungen, Überanstrengung der Füße, Allergie, zum Beispiel gegen Waschmittel oder Kosmetika, Pilzerkrankung (Fußpilz)

  • Juckende Brustwarzen: gereizte Haut zum Beispiel durch Kleidung oder Stillen, Allergie, zum Beispiel gegen Waschmittel, Parfüm oder Kosmetika, Entzündung der Brustdrüsen, Hormonumstellung, zum Beispiel in der Pubertät, in den Wechseljahren oder durch hormonelle Verhütungsmittel, Wachstum der Brust in der Pubertät, Brustkrebs

  • Juckreiz an den Ohren/im Ohr: Frühstadium der Mittelohrentzündung, Entzündung des Gehörgangs, verbunden mit Schmerzen, Psoriasis, Neurodermitis und andere Ekzeme, Allergie, zum Beispiel gegen Shampoo oder Haarspray

  • Jucken im Hals: Erkältung, Grippe, Allergie, zum Beispiel Heuschnupfen

  • Juckender Rücken und Rumpf: Schuppenflechte, Neurodermitis, trockene Haut, Notalgia paraesthetica (chronischer Juckreiz am Rücken), Gürtelrose, Follikulitis, Kontaktekzem, Krätze

  • Juckreiz am Unterschenkel: Stauungsekzem, Neurodermitis (Kniekehle), trockene Haut, Dermatitis

Diese Liste ist nicht vollständig. Die genauen Ursachen gilt es ärztlich abklären zu lassen.

Juckreiz: Wann ist ärztlicher Rat notwendig?

Sollte Juckreiz länger anhalten, aus unklarer Ursache oder auch häufiger und im Zusammenhang mit weiteren Beschwerden auftreten, ist es wichtig, eine*n Hautärztin*Hautarzt (Dermatologie) für die exakte Diagnose aufzusuchen. Folgende Fragen helfen die Ursache zu finden:

  • Wann trat der Juckreiz erstmals auf?
  • Tritt der Juckreiz am ganzen Körper oder nur in bestimmten Bereichen auf?
  • Besteht der Juckreiz kontinuierlich oder kommt er schubweise?
  • Gibt es bestimmte Reize oder Auslöser, die ihn hervorrufen oder verstärken?
  • Lässt der Juckreiz durch bestimmte Maßnahmen wieder nach?

In der ärztlichen Sprechstunde werden auch andere Beschwerden wie Schmerzen oder Schlafstörungen erfasst. Über Fragebögen und die Einordnung auf Skalen kann zudem die genaue Art und Stärke des Juckreizes festgestellt werden.

Bei der körperlichen Untersuchung wird nicht nur das direkt betroffene Hautareal, sondern immer die gesamte Körperoberfläche inklusive Haaren, Nägeln und Schleimhäuten inspiziert. Hautveränderungen werden vom Hautarzt oder der Hautärztin genau erfasst, da sie oft entscheidende Hinweise auf die korrekte Diagnose liefern.

Abstriche aus den betroffenen Hautbereichen geben Aufschluss über Infektionen, Entzündungen oder auch Parasitenbefall. Bei der Blutuntersuchung werden neben Basiswerten, die über den allgemeinen Gesundheitszustand Auskunft geben, vor allem solche Werte erfasst, die auf Krankheiten innerer Organe hindeuten. Das sind unter anderem Nierenwerte, Leberwerte, der Zuckerstoffwechsel, Hormonspiegel und Vitaminwerte. Die Bauchorgane werden in der Regel mittels Ultraschall in Augenschein genommen. Speziellere Untersuchungen schließen sich an, wenn Hinweise auf entsprechende Erkrankungen vorliegen.

Ärztliche Therapie bei Juckreiz

Allgemein lindernde Maßnahmen wie das Vermeiden der Auslöser und lokale Medikamente als Salben, Lotionen, Tinkturen oder Cremes können helfen, den Kreislauf aus Jucken und Kratzen zu durchbrechen. Darüber hinaus geht es darum, die Ursache des Juckreizes auszuschalten (zum Beispiel durch eine medikamentöse Therapie der Grunderkrankung), was teilweise langwierig sein kann. Wird die zugrundeliegende Erkrankung erfolgreich behandelt, bessert sich in der Regel aber auch der Juckreiz.

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