Entnahme von Nervenwasser

Lumbalpunktion: Sind bleibende Schäden möglich?

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Bei einer Lumbalpunktion wird Nervenwasser aus dem Wirbelkanal entnommen. Veränderungen in der Zusammensetzung dieser Flüssigkeit liefern wichtige Hinweise auf Erkrankungen des Nervensystems. Wie gefährlich ist die Untersuchung und sind bleibende Schäden möglich?

Lumbalpunktion
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Kurzübersicht: Lumbalpunktion

Was ist eine Lumbalpunktion? Bei einer Lumbalpunktion handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren der Neurologie. Dabei wird mithilfe einer Hohlnadel Nervenflüssigkeit im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen.

Welche Krankheiten kann man mithilfe einer Lumbalpunktion finden? Mithilfe der Lumbalpunktion können verschiedene Krankheiten wie eine Hirnhautentzündung, Hirnblutungen oder Alzheimer-Demenz festgestellt werden.

Sind bleibende Schäden durch eine Lumbalpunktion möglich? Das Risiko einer Lumbalpunktion ist gering, bleibende Schäden sind sehr selten.

Wie lange ist man nach einer Lumbalpunktion krankgeschrieben? In der Regel erholen sich Personen innerhalb von ein bis zwei Tagen.

Im Überblick:

Multiple Sklerose: 10 Symptome, die bei MS auftreten können

Was ist eine Lumbalpunktion?

Die Lumbalpunktion ist die am häufigsten angewendete Methode zur Entnahme von Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) aus dem Liquorraum der Lendenwirbelsäule.

Bei Liquor handelt es sich um eine klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült und hauptsächlich der Abfederung bei Erschütterungen dient. Bei entzündlichen Erkrankungen oder Tumoren im Nervensystem verändert sich die Zusammensetzung und oftmals auch die Farbe der Nervenflüssigkeit. Nachweisbar sind zudem etwa Bakterien, Antikörper, Blut und bestimmte Eiweiße.

Eine Laboruntersuchung des Nervenwassers liefert daher wichtige Hinweise für die Diagnose derartiger Krankheiten. Bei einer Lumbalpunktion wird im Lendenwirbelbereich eine dünne Hohlnadel durch den Wirbelzwischenraum in den Rückenmarkskanal (Spinalkanal) eingeführt. Durch die Kanüle fließt dann tröpfchenweise Nervenwasser ab, das in Probenröhrchen aufgefangen wird und untersucht werden kann.

Wann wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?

Die Entnahme von Liquor gehört zu den wichtigsten Verfahren zur Diagnostik in der Neurologie, sie gibt Auskunft über verschiedene Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems. Darüber hinaus können weitere Krankheiten wie etwa bestimmte Krebsformen durch eine Lumbalpunktion und Liquordiagnostik im Labor festgestellt werden.

Folgende Krankheiten kann man mittels einer Lumbalpunktion feststellen:

Am häufigsten wird die Lumbalpunktion eingesetzt, um eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung nachzuweisen. Sie gehört außerdem zum Standard in der Diagnostik von Multipler Sklerose.

Das Verfahren kann aber auch therapeutisch genutzt werden. So werden bestimmte Medikamente über das Nervenwasser eingebracht. Beispielsweise verabreicht man das Narkosemittel bei einer Spinalanästhesie, bei der im Gegensatz zur Vollnarkose nur bestimmte Körperregionen betäubt werden, mittels einer Lumbalpunktion.

Kann es zu bleibenden Schäden kommen?

Insgesamt ist die Nervenwasserentnahme aus dem Rückenmarkskanal ein risikoarmer Eingriff. Verletzungen sind bei fachgerechter Liquorentnahme nahezu auszuschließen, da das Rückenmark nur bis zum ersten oder zweiten Lendenwirbel reicht, aber erst unterhalb des dritten Lendenwirbels punktiert wird.

Trotzdem kann es infolge der Untersuchung zu Beschwerden und Nebenwirkungen kommen, darunter:

  • Schmerzen an der Punktionsstelle
  • Nervenreizungen mit in die Beine ausstrahlenden Schmerzen
  • Blutungen
  • postpunktionelles Syndrom

Das postpunktionelle Syndrom entsteht durch einen Unterdruck aufgrund der verringerten Menge an Liquor. Dabei sind Symptome wie Nackensteifigkeit, Hörstörungen und Kopfschmerzen, die sich bei Lageänderung verschlimmern, möglich. Im Liegen bessert sich der Schmerz. Daneben sind auch Übelkeit und Erbrechen möglich. Die Beschwerden setzen in der Regel rund 24 bis 72 Stunden nach der Untersuchung ein und verschwinden innerhalb von zwei Wochen wieder.

Schwere Komplikationen sehr selten

Zu den seltenen Problemen, die auftreten können, zählen Infektionen an der Einstichstelle, die sich aber mit Antibiotika oder Salben gut behandeln lassen. Wird ein Nerv bei der Punktion getroffen, können Lähmungserscheinungen oder ein taubes Gefühl die Folge sein.

Des Weiteren kann es zu vorübergehenden Störungen einzelner Hirnnerven, Hirnhautblutungen oder Flüssigkeitsansammlungen unterhalb der harten Hirnhaut kommen, die sich aber in der Regel wieder völlig zurückbilden. Bei Menschen mit Migräne oder Epilepsie kann eine Lumbalpunktion außerdem eine Attacke auslösen.

Anhaltende Schädigungen, beispielsweise durch Entzündungen der Rückenmarkshäute oder Einblutungen, sind dagegen extrem selten. Kreislaufprobleme mit Atemstörungen treten nur in Ausnahmefällen auf, beispielsweise bei einem nicht erkannten erhöhten Hirndruck, der an sich ein Ausschlusskriterium für eine Lumbalpunktion wäre.

Lumbalpunktion: Ablauf der Untersuchung

Vor der Untersuchung ist ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem*der Arzt*Ärztin über mögliche Risiken und Komplikationen der Lumbalpunktion erforderlich. Es ist zudem wichtig, dass ein erhöhter Druck im Inneren des Schädels sowie erhöhte Blutungsneigung ausgeschlossen werden, da beides gegen eine Lumbalpunktion spricht. Werden gerinnungshemmende Medikamente eingenommen, ist im Vorfeld darauf hinzuweisen.

Entzündungen oder starke Hautunreinheiten im Bereich der geplanten Einstichstelle sind ebenfalls eine Kontraindikation bei einer Lumbalpunktion. Liegt etwa ein Abszess im Lendenbereich vor, so kann keine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Ist eine Liquoranalyse trotzdem notwendig, kann hingegen eine subokzipitale Punktion erfolgen. Dabei wird Nervenflüssigkeit aus der Wirbelsäule unterhalb des Hinterkopfs entnommen.

Eine Lumbalpunktion dauert nur etwa 20 Minuten und kann inzwischen ambulant in einer neurologischen Praxis vorgenommen werden. Manchmal ist jedoch ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig.

Gekrümmter Rücken erleichtert die Untersuchung

Die Untersuchung wird hierfür etwa im Sitzen durchgeführt oder im seitlichen Liegen in Embryonalstellung, also mit angezogenen Armen und Beinen und auf die Brust gesenktem Kinn. Für eine Lumbalpunktion sollten Patient*innen idealerweise einen "Katzenbuckel" machen, ihren unteren Rücken also so weit wie möglich krümmen. Dadurch vergrößern sich die äußeren Abstände zwischen den Wirbeln.

Die gekrümmte Haltung erleichtert es dem medizinischen Fachpersonal, eine geeignete Stelle für den Einstich zwischen den Wirbeln zu finden. Die Dornfortsätze der Wirbelsäule stehen dann deutlich heraus und sind leicht zu ertasten. Punktiert wird zwischen drittem und vierten oder zwischen viertem und fünften Lendenwirbel.

Lokale Betäubung ist möglich

Die geeignete Stelle an der Lendenwirbelsäule wird markiert, danach wird die Haut rundherum gründlich desinfiziert. Falls nötig und gewünscht erfolgt eine lokale Betäubung. Dann beginnt die eigentliche Liquorpunktion: Hierfür wird eine spezielle, dünne Hohlnadel an der markierten Stelle zwischen den Wirbeln hindurch in den Spinalkanal geschoben.

Um das Risiko für postpunktuelle Schmerzen zu verringern, werden heutzutage keine abgeschrägten spitzen Nadeln mehr verwendet, sondern sogenannte sehr feine, atraumatische Nadeln, mit abgerundeter Spitze.

Wie schmerzhaft ist eine Lumbalpunktion?

Eine Lumbalpunktion wird von einigen Patient*innen als wenig schmerzhaft beschrieben, sodass eine örtliche Betäubung nicht immer nötig ist. Allerdings kann es zu einem kurzen, an Ischiasbeschwerden erinnernden Schmerz kommen, wenn die Punktionsnadel eine Nervenwurzel berührt. Wird die Nadelführung korrigiert, lässt dieser aber in der Regel sehr schnell wieder nach.

Aus der Punktionsnadel beginnt nun Nervenwasser zu tropfen, das in Untersuchungsröhrchen aufgefangen wird. Für eine Liquordiagnostik im Labor werden zehn bis fünfzehn Milliliter der Nervenflüssigkeit benötigt. Nachdem eine ausreichende Menge Nervenwasser gewonnen wurde, wird die Nadel vorsichtig entfernt und die Wunde mit einem Verband oder Pflaster abgedeckt.

Was nach der Lumbalpunktion zu beachten ist

Nach der Nervenwasserentnahme ist für rund ein bis zwei Stunden Bettruhe einzuhalten, um Kreislaufproblemen und postpunktionellen Kopfschmerzen vorzubeugen. Eine Bauchlage verhindert, dass weiterer Liquor abfließt und fördert einen schnellen Wundverschluss des Punktionskanals. Je nach Befinden und ärztlicher Anweisung, die es unbedingt zu befolgen gilt, kann eine längere Bettruhe nach der Untersuchung angebracht sein.

Kommt es nach der Lumbalpunktion zu Kopfschmerzen, helfen eine erhöhte Trinkmenge, Schmerzmittel, Koffein sowie die Wirkstoffe Theophyllin und Gabapentin. In manchen Fällen kann auch Hydrokortison verabreicht werden.

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