Auslöser und Behandlung

Stimmungsschwankungen: Ganz normal?

Ob vor der Periode, in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren: Stimmungsschwankungen sind etwas ganz Natürliches und lassen sich meist klar von Depressionen abgrenzen. Bei extremer Launenhaftigkeit sollte man allerdings stutzig werden.

Frau sitzt traurig auf Sofa/Couch
Normale Stimmungsschwankungen lassen sich meist klar von einer Depression abgrenzen.
iStock

Stimmungsschwankungen gehören zum Leben dazu und haben meist keine besorgniserregenden Ursachen. In bestimmten Lebensphasen, vor allem während hormoneller Veränderungen, sind rasch wechselnde Launen ganz normal und gehen meist von selbst vorüber.

Bei starken Stimmungsschwankungen sollte allerdings ein Arzt ausschließen, dass es sich nicht etwa um eine psychische Erkrankung wie eine Depression handelt.

Ursachen von Stimmungsschwankungen

Stimmungsschwankungen können körperliche oder psychische Gründe haben. Häufig stecken Phasen hormoneller Umbrüche dahinter – auch beim Mann. Von Depressionen lassen sich die normalen Stimmungsschwankungen meist ganz klar abgrenzen.

Hormonelle Ursachen für Stimmungsschwankungen

Pubertät

In der Pubertät erleben Jugendliche eine der heftigsten Entwicklungskrisen ihres Lebens. Viele leiden dann unter Stimmungsschwankungen und sogar Aggressionen. Kein Grund zur Sorge: Es handelt sich dabei um eine normale Phase.

Pille

Bei der häufig verwendeten Mikropille kommt es in der Regel selten und wenn dann nur zu geringen Nebenwirkungen. Allerdings braucht der Körper anfangs eine gewisse Zeit, um sich an die hormonelle Umstellung zu gewöhnen. Die ersten Zyklen nach Beginn der Einnahme können daher durch Stimmungsschwankungen, aber auch Kopfschmerzen, Übelkeit oder Zwischenblutungen geprägt sein.

Alternativen zur Pille

Auch andere hormonelle Verhütungsmethoden wie die Drei-Monats-Spritze, das Verhütungspflaster oder das Verhütungsstäbchen können Stimmungsschwankungen als Nebenwirkung haben.

Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Einige Frauen leiden in der Zeit vor der Periode unter diversen Beschwerden, andere wiederum merken gar nichts. PMS beginnt bis zu 14 Tage vor der Menstruation. Neben körperlichen Beeinträchtigungen wie Kopf- oder Bauchschmerzen treten mitunter auch seelische Symptome auf, zum Beispiel Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme und Reizbarkeit.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt, was nicht nur die Entwicklung des Embryos vorantreibt, sondern auch Einfluss auf Körper und Gemüt der werdenden Mutter ausüben. Stimmungsschwankungen sind nicht selten, können jedoch auch andere Ursachen haben, zum Beispiel die sich verändernden Lebensumstände.

Wochenbett

Noch verbreiteter ist ein Stimmungstief nach der Geburt des Kindes. Im Wochenbett, das bis zu acht Wochen nach der Entbindung anhält, kommt es bei der Hälfte der Frauen zum sogenannten Baby Blues. Der rasante Abfall der Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron kann bei der frisch gebackenen Mutter eine depressive Verstimmung verursachen, die jedoch schnell vorübergeht. In zehn bis 15 Prozent der Fälle tritt allerdings eine psychische Störung ein, die Wochenbettdepression (postpartale Depression).

Wechseljahre

Ein Drittel der Frauen ist in den Wechseljahren von Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen (leichte Depressionen) betroffen.

Mehr zum Thema Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren erfahren Sie hier.

Wechseljahre: Die ersten Symptome

Lifeline/Wochit

Stimmungsschwankungen beim Mann

Zwar sind vor allem Frauen von Phasen der hormonellen Umstellung betroffen. Dennoch können auch Männer an Stimmungsschwankungen leiden. So kommt es beim Mann ebenfalls zu Wechseljahren (Klimakterium virile), die sich aufgrund von Testosteronmangel durch Stimmungsschwankungen äußern können.

Stimmungsschwankungen durch Krankheiten

Bei starken Stimmungsschwankungen  – ob beim Mann oder bei der Frau – sollten bestimmte Krankheiten vom Arzt ausgeschlossen werden:

Depression

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Vielen Betroffenen kommen bei häufig getrübter Laune sofort depressive Störungen als Ursache in den Sinn. Doch normale Stimmungsschwankungen lassen sich laut Robert-Koch-Institut trennscharf und zuverlässig von einer Depression abgrenzen. Antriebslosigkeit, verminderte Fähigkeit zur Freude sowie geringes Interesse und Konzentration, ausgeprägte Müdigkeit, Schlafstörungen und verminderter Appetit sind Symptome der Depression.

Die gedrückte Stimmung verändert sich kaum und reagiert nicht auf Lebensumstände. Bei leichten Depressionen sind zwei oder drei dieser Symptome vorhanden, bei schweren depressiven Episoden dagegen mehrere, die zudem von Suizidgedanken begleitet werden können. Bei Verdacht auf eine depressive Störung sollte man sich unbedingt ärztlichen Rat einholen.

Bipolare affektive Störung

Extrem wechselhafte Stimmung kann auf eine bipolare affektive Störung hindeuten. Bei dieser psychischen Erkrankung sind Stimmung und Aktivitätslevel laut dem Diagnoseschlüssel ICD-10 deutlich gestört. Es kommt zu Episoden mit gehobener Stimmung und erhöhtem Antrieb und Aktivität (Hypomanie oder Manie), die sich abwechseln mit Stimmungstiefs und vermindertem Antrieb und Aktivität (Depression). Dieses ernste Krankheitsbild wird auch als manisch-depressiv bezeichnet.

Demenz (Morbus Alzheimer)

Bereits am Anfang einer Alzheimererkrankung, der häufigsten Form der Demenz, können Stimmungsschwankungen auftreten. Hinzu kommen diverse weitere Anzeichen wie leichte Gedächtnislücken und abnehmende Lern- und Reaktionsfähigkeit. Im weiteren Verlauf haben Demenzkranke Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu kontrollieren, es kommt verstärkt zu plötzlichen Stimmungsschwankungen und Aggressionen. Auch Depressionen nehmen zu.

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Auch eine Hyperthyreose kann Stimmungsschwankungen auslösen. Die Überproduktion von Schilddrüsenhormonen geht außerdem mit Symptomen wie Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Hyperaktivität und erhöhter Wärmeempfindlichkeit und Schweißproduktion einher.

Weitere Ursachen für Stimmungsschwankungen sind:

  • Alkohol- oder Drogensucht
  • Medikamente
  • bestimmte Formen der Schizophrenie und andere psychische Erkrankungen wie die emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Diagnose: Woher kommen die Stimmungsschwankungen?

Am Anfang der Diagnose durch den Arzt steht die Anamnese, also das Patientengespräch über dessen Krankengeschichte. Der Arzt wird hier unter anderem die Häufigkeit der Stimmungsschwankungen und deren Schwere erfragen. Er klärt, ob weitere Symptome, Vorerkrankungen oder Risikofaktoren vorliegen.

Je nach Krankengeschichte können weiterführende Untersuchungen notwendig sein, um die Ursache für die Stimmungsschwankungen einzugrenzen, zum Beispiel eine Blutuntersuchung oder ein Schwangerschaftstest.

Therapie: Was tun gegen Stimmungsschwankungen?

Bei gesunden Menschen müssen Stimmungsschwankungen nicht zwangsläufig ärztlich behandelt werden. Leiden Betroffene dennoch unter der eigenen Launenhaftigkeit, können pflanzliche Präparate eine gute Wirkung erzielen. Bei erhöhter Reizbarkeit durch Stress sind auch Entspannungsübungen wie MeditationAutogenes Training oder Yoga hilfreich.

Steckt hingegen eine Erkrankung dahinter, muss diese behandelt werden. Beispielsweise bei psychischen Krankheiten wie einer Depression wird der Arzt zu einer Psychotherapie raten, die je nach Schwere der Erkrankung durch Antidepressiva unterstützt wird.

Die bipolare affektive Störung muss in der Regel ein Leben lang behandelt werden, um die Stimmungslage des Patienten stabil zu halten. Dafür sind neben psychotherapeutischen Verfahren meist Medikamente notwendig. 

Bei Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren können Hormongaben helfen. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Hier gilt es, genaue Ursachenforschung zu betreiben. Denn nicht immer sind die wechselhaften Launen auf die Hormonumstellung zurückzuführen, sondern mitunter auch auf sich ändernde Lebensumstände oder andere Faktoren.

Ob und wie Sie Ihre Stimmungsschwankungen behandeln sollten, darüber gibt Ihnen Ihr Arzt gerne Auskunft.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. April 2016
Quellen: Bundesministerium für Gesundheit; Robert-Koch-Institut: "Depressive Erkrankungen", Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 51; Berufsverband der Frauenärzte e.V./Frauenärzte im Netz; Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS)

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