Meist eine Alterserkrankung

Arthrose: Was tun bei schmerzhaftem Gelenkverschleiß?

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Arthrose ist eine durch Abnutzungserscheinungen hervorgerufene Gelenkkrankheit. Diese Abnutzung des Gelenkknorpels kann im Rahmen des normalen Alterungsprozesses oder durch Verletzungen entstehen. Wird die Arthrose nicht frühzeitig behandelt, können Gelenkentzündungen folgen, die bis hin zu Instabilität des betroffenen Gelenks und dem Verlust der Beweglichkeit führen. Damit es nicht soweit kommt, können Sie einiges tun.

Knie,arthrose
Arthrose ist eine typische Alterserkrankung. Frauen sind vom Gelenkverschleiß häufiger betroffen.
© iStock.com/Suriyawut Suriya

Arthrose macht die Gelenke steif und verursacht starke Schmerzen. Sie zählt zu den rheumatischen Erkrankungen. Insgesamt werden mehr als hundert verschiedene Krankheitsbilder, die zu übermäßigen Abbauprozessen im Gelenk führen, unter dem Sammelbegriff Arthrose zusammengefasst. Im Anfangsstadium ist nur der Gelenkknorpel betroffen. Die Gelenke sind die Verbindungsstelle zwischen zwei benachbarten Knochen. Damit diese nicht aufeinander reiben, sind sie von einer Knorpelschicht umgeben – sie wirkt wie ein Stoßdämpfer. Nimmt die Knorpelmasse ab, geht auch ihre Gleit- und Pufferfunktion zunehmend verloren. Im weiteren Verlauf der Arthrose werden auch Knochen und Gelenkflächen in Mitleidenschaft gezogen.

Schmerzen lindern bei Arthrose

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung

Arthrose ist eine typische Alterserscheinung und die häufigste Gelenkerkrankung. Frauen leiden häufiger daran als Männer. Bei fast jedem Menschen über 70 Jahren ist sie insbesondere im Hüft- und Kniegelenk feststellbar – aber nicht jeder bemerkt sie. Denn eine Arthrose muss nicht immer Schmerzen oder eine spürbare Bewegungseinschränkung für den Betroffenen bedeuten. Meistens verursacht sie jedoch diese Beschwerden.

Arthrose ist zu unterscheiden von der rheumatoiden Arthritis. Bei ersterer tritt in erster Linie eine Abnutzung der Gelenke auf, während bei der rheumatoiden Arthritis eine entzündliche Erkrankung für die Gelenkbeschwerden verantwortlich sind. Diese entzündlichen Veränderungen können neben den Gelenken auch die umgebenden Muskeln, Bänder und Sehnen betreffen.

Formen von Arthrose

Nicht alle Gelenke sind in gleicher Weise gefährdet. Besonders häufig betroffen sind Hände, Knie und Hüftgelenke. Je nachdem, welches Gelenk betroffen ist, wird die Arthrose medizinisch unterschiedlich bezeichnet. Die wichtigsten Formen sind

Ursachen: Wie Arthrose entsteht und was sie begünstigt

Jeder, der Arthrose bekommt, stellt sich die Frage, was schuld ist an dieser schmerzhaften Erkrankung. Bei den Ursachen muss man zwischen einer anlagebedingten (primären) und erworbenen (sekundären) Arthrose unterscheiden.

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Oft kommen mehrere Arthrose-Ursachen zusammen

Die primäre Form entsteht durch eine genetische Veranlagung und den natürlichen Alterungsprozess. Mit fortschreitendem Alter nutzt sich nämlich bei jedem Menschen die Knorpelmasse in den Gelenken mehr oder weniger stark ab.

Das Knorpelgewebe ist sehr empfindlich. Es wird nicht von Blutgefäßen durchzogen, sondern bekommt alle Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit (Synovia). Störungen in diesem Versorgungssystem ziehen Knorpelschäden nach sich. Auch kleine Schädigungen oder Verletzungen summieren sich im Laufe der Jahre.

Eine Arthrose – egal in welchem Gelenk – wird oft durch übermäßige Belastung (Fehlstellung, vermehrte Inanspruchnahme des Gelenks) ausgelöst. Der Knorpel verliert seine Elastizität, er wird dünner. Teilweise werden kleinste Anteile abgeschilfert und in die Gelenkflüssigkeit abgestoßen. Dort führen sie zu einer schmerzhaften Entzündungsreaktion, die sich zudem durch Schwellung, Überwärmung, Rötung und eingeschränkte Gelenkfunktion äußert. In diesem Fall spricht man von aktivierter Arthrose. Von einer ruhenden Arthrose ist die Rede, wenn zwar der Gelenkknorpel abgebaut ist, aber keine Entzündungszeichen vorliegen.

Wurde Gelenkknorpel abgerieben, wird der entstandene Defekt zwar wieder repariert, allerdings nicht mehr mit dem sehr gleitfähigen ursprünglichen Glasknorpel, sondern mit einem derberen Faserknorpel.

Die Gleiteigenschaften des Gelenks verschlechtern sich, durch die nun rauere Oberfläche beschleunigt sich der Verschleiß. Als Ausgleich lagert der unter dem Knorpel liegende Knochen vermehrt Mineralstoffe ein und verdickt sich – die Form wird plumper, wodurch die optimale Gelenkbeweglichkeit weiter eingeschränkt wird.

Risikofaktoren: Unfälle, Gicht, Diabetes und Übergewicht

Ursachen für eine sekundäre Arthrose können sein

  • Unfälle,
  • Fehlstellungen (zum Beispiel X-Beine), falsches Schuhwerk
  • Übergewicht
  • eine starke einseitige Belastung oder
  • bestimmte Vorerkrankungen wie Gicht oder Diabetes mellitus

Oft hat die Arthrose auch mehrere Ursachen, wenn beispielsweise ein übergewichtiger Diabetiker zudem Fehlstellungen der Beine aufweist. Dann kann die Gelenkerkrankung besonders schnell voranschreiten.

Typische Symptome der Arthrose

Die Anzeichen einer Arthrose können ganz unterschiedlich ausfallen. Typische Symptome, die auf eine Arthrose in einem Gelenk hinweisen, sind

  • Schmerzen: Anlaufschmerz oder Dauerschmerz
  • Druckempfindlichkeit
  • Überwärmung
  • Verformung
  • Verdickung
  • Bewegungseinschränkung

Verschleiß-Anzeichen: zuerst Anlaufschmerz, später Dauerschmerz

Kommt es bei einer Arthrose zu Beschwerden, handelt es sich hierbei anfangs um Schmerzen, die bei Belastung, Ermüdung oder bei Beginn einer Bewegung im Gelenk auftreten. Das ist der typische Anlaufschmerz. Später kann sich daraus ein Dauer- oder Muskelschmerz entwickeln. Häufig kommt es auch zu nächtlichen Schmerzen und Wetterfühligkeit. Zunehmend wird die Beweglichkeit eingeschränkt.

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Bei Arthrose verändern sich die Gelenke

Entsteht die Arthrose durch eine Entzündung im Gelenk, spricht man von einer sogenannten aktivierten Arthrose. Dabei ist das betroffene Gelenk überwärmt, schmerz- und druckempfindlich. Außerdem kann ein Gelenkerguss mit Schwellung auftreten. In diesem fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer krankhaften Veränderung des Gelenks wie einer Verdickung oder Verformung. Das Gelenk wird dadurch unbeweglich und ist nicht mehr stabil. Verletzungen können infolge der Arthrose schneller auftreten.

Wichtig: Es müssen nicht zwangsläufig Symptome auftreten. Häufig wird Arthrose zufällig entdeckt, etwa beim Röntgen. Denn jeder zweite Betroffene bemerkt nichts von der Erkrankung (sogenannte klinisch stumme Arthrose).

Verlauf der Arthrose: Von der Entzündung zur Gelenksteife

Arthrose beginnt meist unbemerkt. Erst wenn Schmerzen auftreten, wird in der Regel eine Gelenkschädigung festgestellt. Die Knorpelschicht kann dann schon so weit abgetragen sein, dass die Knochenenden freiliegen und direkt aufeinander reiben.

Gelenkinnenhaut entzündet sich

Dadurch wird die empfindliche Innenhaut gereizt, Schmerzen entstehen. Auch abgeriebene Knorpel- oder Knochenhaut kann diesen Effekt haben. Die Folge in diesem fortgeschrittenen Stadium ist häufig eine Entzündung der Gelenkhaut oder ein Gelenkerguss (aktivierte Arthrose).

Knorpel, der einmal zerstört ist, baut sich nur unwesentlich wieder von selbst auf. Stattdessen bildet der Körper häufig verstärkt Knochensubstanz, die Knochenausläufer rund um das Gelenk bilden (Osteophyten). Dadurch kommt es zu Verformungen und Verdickungen der betroffenen Gelenke.

Verletzungen treffen instabile Gelenke

Im Endstadium einer Arthrose sind Gelenke wenig bis gar nicht mehr beweglich und werden letztlich instabil. Dann können Verletzungen schneller auftreten, die typisch für das fortgeschrittene Stadium der Erkrankung sind.

Wie der Arzt die Arthrose feststellt

Ansprechpartner bei Gelenkbeschwerden ist der Hausarzt oder der Orthopäde. Als ersten Schritt der Arthrose-Diagnose wird er ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese). Wichtig ist dabei, dass Sie Ihre Beschwerden genau beschreiben: wann sie auftreten, unter welchen Bedingungen, wann sie leichter und schwerer sind. Außerdem sollten sie bestehende Grunderkrankungen nennen.

Mit Ultraschall Gelenkverschleiß aufdecken

Danach wird der Arzt das möglicherweise betroffene Gelenk untersuchen. Dabei überprüft er den Bewegungsumfang und kontrolliert das Gelenk auf mögliche Schwellungen. Schädigungen im Gelenk können durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie) Röntgenuntersuchung, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar gemacht werden. Die Diagnose von Arthrose ist meist nicht schwierig.

Möglichkeiten, auch kleine Gelenkveränderungen festzustellen

Manchmal nutzt der Arzt jedoch zur genaueren Abklärung weitere Untersuchungsmöglichkeiten:

  • Blutuntersuchung, um zu erkennen, ob Arthrose oder doch womöglich Rheuma vorliegt.
  • Gelenkpunktion – mit einer Nadel wird Gelenkflüssigkeit entzogen und untersucht.
  • Gelenkspiegelung (Arthroskopie), um frühzeitig bereits kleinere Knorpelveränderungen festzustellen, die auf dem Röntgenbild nur schwer identifizierbar sind.

Behandlung von Arthrose

Arthrose ist nicht heilbar. Es gibt also keine Therapie, mit der die Gelenkerkrankung rückgängig gemacht werden kann. Deshalb ist es so wichtig, mit der Behandlung möglichst früh zu beginnen. Auf diese Weise können Gelenkschäden eingegrenzt und die Lebensqualität der Betroffenen weitestgehend wiederhergestellt werden. Die Therapie von Gelenkverschleiß hat die Ziele,

  • das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen oder zu verzögern,
  • die Schmerzen zu lindern,
  • eventuelle Entzündungen zu heilen und
  • die Funktion des Gelenks zu verbessern oder zu erhalten.

Welche Therapie hilft gegen Gelenkverschleiß?

Ist die Arthrose aufgrund anderer Erkrankungen oder Verletzungen entstanden, werden im Rahmen der Therapie diese Ursachen behandelt. Welche Behandlungsmethode der Arzt wählt, hängt vom Stadium und der Form der Arthrose ab. Grundsätzlich können physikalische, medikamentöse, orthopädische, physiotherapeutische und operative Maßnahmen erforderlich sein.

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    Arthrose ist ein Verschleiß der Gelenke, der mit Schmerzen verbunden ist. Besteht bei Ihnen die Gefahr? Testen Sie sich!

  • Physikalische Therapie bei Arthrose: Die physikalischen Therapiemaßnahmen unterscheiden sich je nach Art des Gelenkverschleißes. Bei der aktivierten Arthrose, bei der eine Entzündung im Gelenk aufgetreten ist, werden Kälteanwendungen, Elektro- und Ultraschalltherapie eingesetzt. Begleitet keine Entzündung die Gelenkerkrankung, eignen sich Wärmeanwendungen, beispielsweise in Form von Salben, Pflastern, Rotlicht oder Fango.

  • Medikamentöse Therapie der Arthrose: Gegen die Schmerzen, die bei einem Gelenkverschleiß auftreten, können leichte Schmerzmittel (zum Beispiel Paracetamol) eingenommen werden. Bei einer aktivierten Arthrose werden entzündungshemmende Präparate gegeben, die sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR).

  • Alternative Mittel bei Gelenkverschleiß: Da Arthrose-Medikamente in der Regel über einen langen Zeitraum eingenommen werden müssen, sind Nebenwirkungen nicht selten, zum Beispiel im Magen-Darm-Trak. Als Alternative oder zur kombinierten Therapie bieten sich pflanzliche Mittel an. Vor allem für Hagebuttenpulver und Ingwer wiesen Studien eine Wirksamkeit bei Arthrosebeschwerden nach: Die Schmerzen wurden reduziert, die Beweglichkeit des Gelenks verbessert.

  • Hyaluronsäure: Sie wird normalerweise in den Gelenkknorpeln produziert und fungieren dort als Schmiermittel. Injektionen mit Hyaluronsäure bewirken bei manchen Arthrose-Patienten – teilweise über Jahre hinweg – eine Besserung der Beschwerden. Laut Ärzten der Orthopädischen Gelenk-Klinik Sindelfingen fallen Therapieerfolge jedoch sehr unterschiedlich aus. Auffrischungsinjektionen finden etwa alle neun bis zwölf Monate statt, sollten jedoch nur durchgeführt werden, wenn sich die Erstbehandlung als wirksam erwiesen hat.

  • Orthopädische Therapie: Um die geschädigten Gelenke möglichst zu schonen, gibt es eine Reihe orthopädischer Hilfsmittel. Sind Knie- oder Fußgelenke betroffen, kann festes Schuhwerk mit Pufferabsätzen, Fußbettung oder Abrollhilfen empfehlenswert sein. Sogenannte Orthosen helfen dabei, die Gelenke zu stabilisieren.

  • Physiotherapie: Durch Physiotherapie (Krankengymnastik) soll die Beweglichkeit der Gelenke verbessert werden. Zudem regt Bewegung die Nährstoffversorgung des Knorpels an. Dadurch kann das Fortschreiten der Arthrose verlangsamt werden.

  • Bewegung: Auch Sport hilft gegen Schmerzen durch Arthrose. Allerdings ist nicht jede Sportart geeignet: Ruckartige Bewegungen wie beim Tennis oder Squash sollten vermieden werden. Günstig wirken sich dagegen Sportarten mit sanften und regelmäßigen Bewegungsabläufen aus.

  • Operation: Ob bei einer Arthrose eine Operation notwendig ist, hängt davon ab, wie stark die Erkrankung die Lebensqualität des Betroffenen einschränkt, wie alt er ist und ob Begleiterkrankungen vorliegen. Eine Operation kann dazu dienen, das Gelenk zu erhalten oder bei starken Schädigungen ein künstliches Gelenk einzusetzen.

  • Fehlstellungen korrigieren: Bei einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) werden Knochenpartikel, die durch Abrieb entstanden sind, ausgespült. Gleichzeitig kann das Knorpelgewebe durch verschiedene Techniken im Rahmen der Arthroskopie zur Selbstheilung angeregt werden. Ist die Arthrose durch Fehlstellungen wie X-Beine (gelenknahe Osteotomien) entstanden, kann diese Fehlstellung operativ behoben werden.

  • Kunstgelenke (Prothesen) als Ersatz: Bleibt keine andere Möglichkeit, müssen zerstörte Gelenkanteile durch künstliche Gelenkteile oder durch komplette künstliche Gelenke (Endoprothesen) ersetzt werden. Da künstliche Gelenke trotz modernster Technik und Fertigungsmaterialien nicht ein Leben lang halten, wird man bei jüngeren Patienten versuchen, den Gelenkersatz so lange wie möglich aufzuschieben. Allerdings gibt es bei Kunstgelenken neue Operationstechniken, die minimal invasiv vorgehen und deshalb besonders schonend sind – für Patienten mit Gelenkverschleiß eine gute Option.

Vorbeugen: Das können Sie zum Schutz vor Arthrose tun

Das Entstehen einer Arthrose können Sie nicht gänzlich verhindern – vor allem, wenn eine Veranlagung dafür besteht. Aber Sie können einiges tun, damit der natürliche Abbauprozess im Gelenk verlangsamt wird.

Die besten Tipps gegen Gelenkverschleiß

  • Abwechslungsreiche Bewegung: Achten Sie darauf, sich ausreichend zu bewegen. Bewegung fördert die Verteilung von Gelenkflüssigkeit, die den Knorpel mit Nährstoffen versorgt. Tägliches Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen ist sehr empfehlenswert. Vermeiden sollten Sie dagegen Sportarten, bei denen es zu Stoßbelastungen auf die Gelenke oder zu Extrembewegungen kommt. Dazu zählen zum Beispiel Tennis, Squash, Volleyball oder Fußball. Außerdem sollten Sie einseitige Belastungen (zum Beispiel im Beruf) vermeiden.

  • Arthrose und Übergewicht: Zu viele Kilos auf den Rippen belastet die Gelenke zusätzlich und macht eine Arthrose wahrscheinlicher als bei Normalgewicht. Vermeiden Sie deshalb Übergewicht und achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

  • Ernährung: Vermeiden Sie fettreiche Speisen, die eine Arthrose begünstigen können.

  • Vorerkrankungen behandeln: Bereits bestehende Krankheiten, die den Verschleiß der Gelenke zusätzlich vorantreiben könnten, sollten möglichst gut therapiert werden. Das bedeutet: Gicht und Diabetes sollte bei Gelenkproblemen besonders beachtet und sorgfältig behandelt werden.

Rat und Hilfe bei Gelenkverschleiß

Das Internet bietet einige seriöse Anlaufstellen für Menschen, die Gelenkbeschwerden und Arthrose haben. Auf folgenden Seiten finden Sie im Internet Rat und Hilfe bei Arthrose:

Zwei Übungen gegen Hüftschmerzen durch Arthrose

Liebscher & Bracht / YouTube

Bakerzyste: Schwellung und Schmerzen in der Kniekehle

Die Bakerzyste im Knie wird auch Poplitealzyste genannt. Es handelt sich um eine Ausstülpung der Gelenkkapsel des Kniegelenks, die mit Gelenkflüssigkeit (Synovialflüssigkeit) gefüllt ist. Benannt wurde die Bakerzyste nach ihrem Erstbeschreiber Dr. William Baker im Jahr 1877.

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Was ist eine Bakerzyste?

Eine Bakerzyste im Knie entsteht durch Ansammlung von Gelenkflüssigkeit (Synovia), die sich durch eine Ausstülpung in der Kniekehle bemerkbar macht.

Wenn im Kniegelenk zum Beispiel aufgrund von Reizungen dauerhaft vermehrt Gelenkflüssigkeit gebildet wird, entsteht ein Überdruck innerhalb der Gelenkkapsel. Dann kann es zu einer Aussackung der Gelenkkapsel nach außen kommen, die über einen sogenannten Zystenstiel weiterhin mit der Gelenkhöhle verbunden bleibt.

Es kann auch passieren, dass die Synovialflüssigkeit in den Schleimbeutel in der Kniekehle hineinfließt und so zu einer Ausweitung des Schleimbeutels führt. Auch der flüssigkeitsgefüllte Schleimbeutel dehnt die Gelenkkapsel aus und bildet eine Bakerzyste.

Es werden zwei Klassen von Bakerzysten unterschieden:

  • Primäre Bakerzysten werden bereits in der Kindheit sichtbar, treten aber sehr selten auf. Sie gelten als angeboren und bereiten größtenteils keine Beschwerden.

  • Sekundäre Bakerzysten entstehen infolge anderer Kniegelenkserkrankungen, wie beispielsweise Gelenkverschleiß (Arthrose) oder Strukturschäden durch Verletzungen. Sekundäre Bakerzysten treten hauptsächlich in mittlerem bis höherem Lebensalter auf. Es können aber auch schon junge Erwachsene betroffen sein.

Ursachen: Wie entsteht eine Bakerzyste?

Es gibt zahlreiche Ursachen, die für die vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit und damit für die Entstehung von Bakerzysten verantwortlich sein können. In der Regel kann bei Menschen mit einer Bakerzyste ein Knieschaden nachgewiesen werden.

Typische Ursachen für Bakerzysten sind:

  • Rheumatoide Arthritis (Rheuma)
  • Arthrose (Gelenkverschleiß)
  • Läsionen der Kreuzbänder (wie ein Kreuzbandriss)
  • Chronische Meniskusschäden
  • Entzündungen und Reizungen im Kniegelenk

Personen mit erhöhtem Risiko für Verletzungen und Verschleißerscheinungen im Knie laufen besonders Gefahr, eine Bakerzyste zu entwickeln. Dazu zählen neben Sportler*innen insbesondere Menschen mit Berufen, welche die Knie stark belasten, wie beispielsweise Fliesenleger.

Gelegentlich sind auch vorausgegangene Knieoperationen wie Knieprothesen oder Kreuzbandrekonstruktionen Auslöser für die Entstehung von Poplitealzysten. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Gefahr von Abnutzungserscheinungen innerhalb der Kniegelenke und somit auch die Gefahr, eine Bakerzyste zu entwickeln.

Symptome: Welche Beschwerden macht eine Bakerzyste?

In vielen Fällen ist eine Bakerzyste völlig schmerzlos. Schmerzen in der Kniekehle und eine Schwellung treten erst ab einer Größe von etwa zwei Zentimetern auf. Erst dann wird die Poplitealzyste unter der Haut der Kniekehle auch sichtbar.

Weitere mögliche Anzeichen einer Bakerzyste sind:

  • Spannungsgefühl und Druck in der Kniekehle, was sich meist nur bei Bewegung oder ganz gebeugtem oder durchgestrecktem Knie bemerkbar macht
  • Spürbare Flüssigkeit unter der Haut (Fluktuation)
  • Ausstrahlung der Beschwerden bis in die Wade
  • Eingeschränkte Beweglichkeit des Knies
  • Taubheitsgefühl oder leichte Lähmungen vom Knie abwärts

Die Beschwerden, die eine Bakerzyste auslöst, werden durch starke Belastung des Knies meist deutlich schlimmer. Besonders auffällig ist die zunehmende Schwellung bei Bewegung. Wird das Knie über eine gewisse Zeit geschont, kann sich die Zyste wieder deutlich verkleinern.

Diagnose: Wie kann man eine Bakerzyste nachweisen?

Die Diagnose einer Poplitealzyste ist meist sehr einfach und geschieht durch das Betrachten und das Abtasten der Kniekehle. Im Allgemeinen ist das Betasten der Kniekehle schmerzhaft. Der Verdacht kann durch gezielte Fragen, wie etwa nach der Entwicklung der Schwellung, etwaigen Vorerkrankungen des Knies und der Zunahme der Beschwerden durch Belastung, schnell erhärtet werden. Weitere Untersuchungsmethoden können sein:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
  • Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Röntgenuntersuchung

Kann eine Bakerzyste platzen?

Ist eine Poplitealzyste mit sehr viel Flüssigkeit prall angefüllt und wird diese dann großem Druck ausgesetzt, kann sie platzen (Ruptur). Auslöser dieser Bakerzysten-Rupturen sind meist längeres Sitzen oder heftiges Beugen des Knies. Wenn die Beschwerden in der Kniekehle vorher sehr massiv waren, kommt es nach der Ruptur schnell zu einer Besserung von Spannungsgefühl, Druck und Bewegungseinschränkung.

Ist eine Bakerzyste geplatzt, ergießt sich der Zysteninhalt in das umliegende Gewebe. Dort kommt es manchmal zu einer Entzündung und Schmerzen. Der Schwerkraft folgend fließt die Gelenkflüssigkeit dann in die Unterschenkelmuskulatur oder bis in die Region der Knöchel. Es kann zu teilweise schmerzhaften Schwellungen im Bereich des Knies und der Wade kommen. Die Symptome ähneln oft denen einer Beinvenenthrombose und sollten in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.

Bakerzyste geplatzt: Was tun?

Ist eine Zyste in der Kniekehle geplatzt, sollte umgehend ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Fachleute können beurteilen, ob es sich tatsächlich um eine Ruptur handelt.

Die Therapie einer rupturierten Bakerzyste ist in der Regel konservativ:

  • Hochlagern des betroffenen Beins
  • Kühlen von Kniekehle und Unterschenkel
  • Gabe von sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen
Zehn Tipps gegen Gelenkschmerzen

Vielfältige Möglichkeiten der Therapie

Eine Bakerzyste, die keine Beschwerden verursacht, muss nicht behandelt werden. Frühzeitig erkannt, reicht bei einer geringgradigen Bakerzyste Physiotherapie oft aus.

Bestehen aber Schmerzen, so stehen zahlreiche Therapien zur Verfügung.

  • Medikamente: Zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung werden nicht-steroidale Antirheumatika sowie COX-2-Hemmer eingesetzt. So können Schmerzen und Entzündungsprozesse im Zusammenhang mit einer Bakerzyste behandelt werden. Nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung kommt auch Kortison zur Anwendung. In den meisten Fällen wird das Kortison direkt ins Kniegelenk gespritzt.

  • Physiotherapie: Durch individuell ausgewählte physiotherapeutische Maßnahmen kann die Muskulatur rund um das Kniegelenk gekräftigt und somit die Reizsituation samt Beschwerden reduziert werden. Mithilfe von Physiotherapie werden auch die auslösenden Knieerkrankungen gelindert und so die Bakerzyste mitbehandelt.

  • Bakerzyste tapen: Bei manchen Betroffenen zeigt eine Kinesio-Tape-Lymphanlage gute Wirkung. Sie kann das Volumen der Poplitealzyste zeitweise reduzieren und dadurch die Beschwerden und Schmerzen lindern. Stabilisierende Tape-Verbände können beim Sport die Belastung des Kniegelenkes vermindern.

  • Punktion (Absaugen des Zysteninhalts): Die Punktion der Zyste ist nur bei starker Füllung sinnvoll. Sie führt zu einer zeitweisen Entlastung. Es besteht aber eine starke Tendenz, dass sich die Bakerzyste wieder füllt.

  • Verödung: Findet man den Übergang zwischen Zyste und Gelenk (Zystenstiel), kann dieser vernäht oder verödet werden. Auf diese Weise kann keine Gelenkflüssigkeit mehr nachfließen, nachdem sie abgesaugt wurde. Die Beschwerden bessern sich.

  • Operation: Als Therapie sind offene OP-Methoden über die Kniekehle oder arthroskopische Operationen (Arthroskopie, Kniespiegelung) möglich. Ziel einer Operation ist in erster Linie die Behandlung der ursprünglichen Verletzung, die zur Bildung der Zyste führt. Ist diese beseitigt, bildet sich die Bakerzyste oft von selbst zurück.

  • Strahlentherapie: Seit 2019 laufen Studien, ob der Einsatz von Strahlentherapie die Größe von Bakerzysten reduzieren kann. Bei Untersuchungen am Universitätsklinikum Regensburg konnte so bei 75 Prozent der Versuchspersonen eine Größenreduzierung der Zyste um 25 Prozent erreicht werden.

Damit es zu keinem erneuten Auftreten (Rezidiv) der Zyste kommt, muss immer die zugrundeliegende Ursache im Knie mitbehandelt werden.

Vorbeugung einer Bakerzyste

Die einzige Möglichkeit einer Bakerzyste vorzubeugen, besteht darin, die Knie vor Gelenkschäden zu schützen. Dazu beitragen kann:

  • Eine gut trainierte Muskulatur
  • Regelmäßige Bewegung
  • Frühzeitige Behandlung von Verletzungen der Kniegelenke
  • Vollständige Ausheilung von Verletzungen vor erneuter Belastung

Wenn schon Knieprobleme bestehen, sollten bei einer Bakerzyste Sportarten wie Radfahren bevorzugt und die Gelenke in den Knien vor übermäßiger Belastung geschützt werden.

Besonders die Muskulatur der Oberschenkel sowie der Waden verursachen eine erhöhte Spannung in der Kniekehle und sollten durch regelmäßige Übungen entspannt und gedehnt werden. Vor allem Personen, die sehr viel sitzen, profitieren von diesen Übungen.

Kinesio Tapes: Typische Anwendungen
Zusammenfassung

Arthrose ist eine durch Abnutzungserscheinungen hervorgerufene Gelenkkrankheit. Diese Abnutzung des Gelenkknorpels kann im Rahmen des normalen Alterungsprozesses oder durch Verletzungen entstehen. Wird die Arthrose nicht frühzeitig behandelt, können Gelenkentzündungen folgen, die bis hin zu Instabilität des betroffenen Gelenks und dem Verlust der Beweglichkeit führen.

Typische Symptome, die auf eine Arthrose in einem Gelenk hinweisen, sind Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Überwärmung, Verdickung und Bewegungseinschränkung.

Arthrose ist nicht heilbar. Es gibt keine Therapie, mit der die Gelenkerkrankung rückgängig gemacht werden kann aber der Verlauf der Krankheit kann positiv beeinflusst werden.

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