Häufige Hautkrankheit

Neurodermitis: Was hilft gegen das atopische Ekzem?

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Nässende Hautentzündungen, rote Flecken, unerträglicher Juckreiz – Neurodermitis hat zahlreiche Symptome, die Betroffene teilweise sehr stark belasten. Welche Beschwerden sind möglich und wie lässt sich die Hauterkrankung behandeln?

Frau mit Neurodermitis kratzt sich am Arm
© Getty Images/iStock

Artikelinhalte im Überblick:

Neurodermitis in Bildern: So sieht Neurodermitis aus

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche, schubweise auftretende Hauterkrankung mit Hauttrockenheit, einer Neigung zu Ekzemen (Entzündungen der Oberhaut) und Juckreiz. Anstelle von Neurodermitis wird in der modernen Dermatologie bevorzugt von der atopischen Dermatitis oder dem atopischen Ekzem gesprochen. Unter einer Dermatitis oder einem Ekzem versteht man allgemein eine Entzündung der Haut, unabhängig von der Ursache.

Bei Menschen mit einer atopischen Disposition können neben typischen Ekzemherden auch sogenannte Minimalvarianten der Neurodermitis auftreten. Insbesondere im Erwachsenenalter bleiben diese geringfügigen Hautveränderungen oft die einzigen Anzeichen der Erkrankung.

Häufig betroffene Stellen sind:

  • Lippen – Bei Menschen mit atopischer Disposition besteht eine starke Neigung zur Austrocknung der Lippen. Insbesondere in der kalten Jahreszeit kommt es, begünstigt durch Lecken der trockenen Lippen, zum sogenannten Leckekzem, einer Lippenentzündung (Cheilitis). Unter Umständen kommt Perlèche (Entzündung der Mundwinkel mit Rötung, Brennen und kleinen Hautrissen) hinzu.

  • Augenlider – Ein Ekzem an den Augenlidern tritt insbesondere im Frühjahr oder Sommer auf, wenn die Gesichtshaut von Patient*innen in Kontakt mit in der Luft fliegenden Pollen kommt.

  • Gesicht und Arme – Unter Pityriasis alba (pityron = Kleie; alba = weiß) versteht man münzgroße helle Hautflecken mit feiner, kleieförmiger Schuppung. Diese finden sich insbesondere bei Kindern im Gesicht oder an den Armen und besitzen keinen eigenen Krankheitswert.

Oft kommt es auch zu schmerzhaften Hautrissen (Rhagaden) am Ansatz des Ohrläppchens, den Fingerkuppen, Zehen oder in den Fingerzwischenräumen. Die Hautveränderungen (Rötung, Schuppung, Hautrisse) können auch auf Handflächen und Fingerrücken übergreifen und zur Entstehung eines atopischen Handekzems führen.

Neurodermitis häufig betroffene Hautstellen
@ iStock.com/Sudowoodo

Neurodermitis an Händen und Füßen

Eine besondere Variante der atopischen Dermatitis ist das dyshidrosiforme atopische Ekzem. Es ist gekennzeichnet durch viele kleine, oft nur stecknadelkopfgroße, stark juckende Bläschen mit klarem Inhalt an den Seitenflächen der Finger und/oder der Zehen, an Handflächen und/oder Fußsohlen.

Bei Neurodermitis treten diese Symptome auf

Die Symptome einer Neurodermitis hängen vom Krankheitsstadium ab und reichen von entzündlichen Veränderungen der Haut bis hin zur Entstehung von Knötchen und Flechten. Bei Babys kann der Milchschorf die Erstmanifestation der Hautkrankheit sein, auch an den Wangen und auf der behaarten Kopfhaut können Ekzemherde in diesem Alter vorkommen.

Beim älteren Kind und auch bei erwachsenen Patient*innen sind gerötete, trockene, schuppende und juckende Ekzemherde an den Ellenbeugen und Kniekehlen typische Symptome.

Drei Stadien der Neurodermitis

In der Entwicklung eines Ekzemherds lassen sich drei Stadien beobachten: die akute Entstehungsphase, die chronische Phase und als Endzustand eine Verdickung der Hornschicht mit einer Vergröberung der Hautoberfläche.

1. Stadium: In der akuten Entstehungsphase eines Ekzems bei atopischer Dermatitis stehen entzündliche Veränderungen wie

  • Rötung,
  • Schwellung,
  • Juckreiz,
  • Nässen und
  • Krustenbildung durch Eintrocknen des Sekrets im Vordergrund.

2. Stadium: Wenn diese akute Entzündungsreaktion nicht rechtzeitig behandelt wird, zum Beispiel durch kurzfristige Anwendung eines schwach wirksamen Glukokortikoids (Kortisonpräparat), geht das Ekzem in der Regel in die chronische Phase über. In diesem Stadium können Symptome wie stark juckende, rote Knötchen auftreten.

3. Stadium: Bestehen entzündliche Herde an der Haut über längere Zeit, kann es zu einer Verdickung der Oberhaut aufgrund einer erhöhten Zellteilungsrate in der Basalzellschicht kommen. Insbesondere die Hornschicht ist verdickt und macht sich als weißliche Schuppung bemerkbar. Im Bereich eines chronischen Ekzems wirkt außerdem das Muster der Felder an der Hautoberfläche gröber.

Kratzen fördert die Chronifizierung

Außerdem führt das Kratzen zu einer Schädigung der Hornschichtbarriere mit dem Eindringen von Bakterien in die Haut und der Folge einer verstärkten Entzündungsreaktion und noch intensiveren Juckreizes. Häufiges Kratzen und eine fehlende Behandlung können die Abheilung der Entzündung behindern und dazu führen, dass die Entzündungsreaktion chronisch wird.

Neurodermitis: Wichtige Symptome im Überblick

Behandlung: Was hilft bei Neurodermitis?

Die Therapie der Neurodermitis setzt sich aus äußerlicher und innerlicher Behandlung zusammen. Sie beginnt bereits bei der täglichen Hautpflege: Betroffene sollten ihre Haut gut pflegen und durch eine Basispflege vor Austrocknung schützen:

  • Benutzen von seifenfreien, pH-neutralen Hautreinigungsmitteln

  • regelmäßiges Eincremen der Haut mit wirkstofffreien Salben, Cremes, Körpermilch oder Lotionen nach dem Duschen und darüber hinaus ein- bis zweimal täglich (je nach Hautzustand)

Ausführliche Pflegetipps bei Neurodermitis für Körper, Gesicht, Hände lesen Sie hier.

Behandlung häufig betroffener Hautstellen:

  • Lippen: Im Falle einer Infektion wird örtlich mit Antibiotika behandelt, ansonsten mit Fettsalben, gegebenenfalls mit Zusatz eines Glukokortikoids zur Beschleunigung der Abheilung.

  • Augenlider: Feuchte Umschläge können die Beschwerden durch ein Ekzem an den Augenlidern lindern.

  • Pityriasis alba: Wenn die hellen, schuppigen Hautflecken kosmetisch stören, kann eine Lösung der Schuppen mithilfe harnstoffhaltiger Salben versucht werden.

  • Rhagaden: Die schmerzhaften Hautrisse werden mit einer Fettsalbe (gegebenenfalls unter Folienverband) behandelt.

Innerliche Therapie der Neurodermitis

Durch die Einnahme von Antihistaminika kann der Juckreiz beim atopischen Ekzem gelindert werden. Bei sehr schweren Ekzemschüben werden insbesondere erwachsenen Patient*innen im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts Glukokortikoide (Kortison) als Medikament verabreicht. Liegt zusätzlich eine bakterielle Infektion der betroffenen Hautareale vor, kann eine Therapie mit Antibiotika notwendig sein.

Der in Tablettenform verabreichte Histamin-4-Rezeptor-Blocker lindert Juckreiz und unterbricht den Entzündungsprozess.

Juckreiz bei Neurodermitis lindern: Die besten Tipps für die Hautpflege

Hausmittel bei Neurodermitis

Bei nässenden, akuten Ekzemen können kühle, feuchte Umschläge lindernd wirken. Für feuchte Umschläge können

  • Leitungswasser,
  • eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung,
  • kalter schwarzer Tee oder
  • eine Gerbstofflösung aus der Apotheke benutzt werden.

Gerbstoffe, die im schwarzen Tee enthalten sind, sowie künstlich hergestellte Gerbstoffe, wirken entzündungshemmend. Auch Extrakte aus Kamillenblüten können zur Linderung der Beschwerden beitragen, doch sollte ihr Einsatz insbesondere an entzündeter Haut vermieden werden: Die Blüten von Kamille und anderen Korbblütlern (wie zum Beispiel Arnika oder Ringelblume) enthalten zahlreiche Substanzen, die unter Umständen Kontaktallergien auslösen können.

Neuodermitis: 12 bewährte Hausmittel, die Sie kennen sollten

Ursachen für den Ausbruch der Neurodermitis

Die Bereitschaft (Disposition), ein atopisches Ekzem zu entwickeln, wird vererbt und geht häufig mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen und Asthma bronchiale einher. Atopisches Ekzem, Heuschnupfen und Bronchialasthma werden daher auch als Erkrankungen des atopischen Formenkreises bezeichnet.

Weil Neurodermitis im Wesentlichen auf einer erblichen Veranlagung beruht, können Ekzemschübe auch ohne erkennbare äußere Ursache, etwa eine Kontaktallergie, auftreten. Umweltfaktoren beeinflussen den Ausbruch der Erkrankung. Beispielsweise kann der Beginn der kalten Jahreszeit oder ein Infekt zum Auftreten eines Schubs führen oder ein bestehendes Ekzem verschlimmern.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle: So kann der Genuss von Zitrusfrüchten wie Orangen und Zitronen oder von bestimmten Obstsäften die Haut reizen. Dem liegt im Allgemeinen keine allergische Reaktion mit Freisetzung des Botenstoffs Histamin zugrunde, sondern eine unspezifische Reizung der Haut durch nicht näher bestimmte Inhaltsstoffe dieser Lebensmittel. Scharf gewürzte Speisen, Kaffee, Tee und Alkohol können über eine erhöhte Hautdurchblutung den Juckreiz bei atopischem Ekzem verstärken.

Erhöhte Allergieneigung bei Neurodermitis

Bei Menschen mit atopischer Veranlagung bestehen Besonderheiten bezüglich der Funktion des Immunsystems. Diejenigen Reaktionen des Abwehrsystems, die die Haut vor Infektionen durch Bakterien und Viren schützen, verlaufen bei Menschen mit atopischer Disposition im Allgemeinen abgeschwächt.

Daneben besteht bei atopischer Dermatitis die erhöhte Bereitschaft, auf den Kontakt mit einer eigentlich harmlosen Substanz allergisch zu reagieren. Etwa 75 Prozent aller Patient*innen zeigen beim Prick-Test positive Reaktionen auf unterschiedliche Allergene.

Verschlechterung bei seelischer Belastung

Häufig beobachten die Betroffenen eine sichtbare Verschlechterung ihres Hautzustands bei Konflikten innerhalb der Familie sowie bei schulischem und beruflichem Stress. Auf welchem Wege genau die Psyche das Auftreten sichtbarer Hautveränderungen beeinflussen kann, ist nicht bekannt. Doch seelische Belastung scheint den subjektiv empfundenen Juckreiz zu verstärken oder die Aufmerksamkeit der Betroffenen verstärkt auf den vorhandenen Juckreiz zu lenken.

Frau mit Neurodermitis kratzt sich am Arm
Selbsttest
Selbsttest: Ist es Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine meist in Schüben verlaufende Hauterkrankung, die mit Juckreiz einhergeht. Andere Namen für die chronische Hautkrankheit sind atopische Dermatitis, atopisches oder endogenes Ekzem. Oft beginnt eine Neurodermitis bereits im Säuglingsalter, sehr viel seltener erkranken Erwachsene neu.

Könnten Sie oder Ihr Kind an Neurodermitis leiden? Machen Sie den Test und finden Sie es heraus. Er kann den Besuch einer hautärztlichen Praxis jedoch nicht ersetzen.

Diagnose: Wie ein atopisches Ekzem festgestellt wird

Zur sicheren Diagnose einer Neurodermitis müssen verschiedene Krankheitsmerkmale nachweisbar sein. Dazu zählen unter anderem:

  • Ekzeme an charakteristischen Stellen, zum Beispiel Ellenbeugen, Kniekehlen, Nacken, Hals und Gesicht

  • starker Juckreiz

  • chronischer Verlauf (länger als sechs Monate) und wiederholte Rückfälligkeit

  • atopisches Ekzem, Heuschnupfen oder Bronchialasthma in der Familie

  • doppelte Lidfalte am Unterlid

  • verstärkte Handlinienzeichnung an den Handflächen

  • weißer Dermographismus: Festes Streichen auf der Haut mit der Spitze eines Gegenstandes führt in der Regel zur Erweiterung der Blutgefäße und zu einer streifenförmigen Rötung der Haut. Diese rote Linie wird bei den meisten Patient*innen mit atopischer Disposition nach etwa 15 bis 60 Sekunden aufgrund einer Engstellung der Gefäße durch einen weißen Streifen ersetzt.

Kann man Neurodermitis vorbeugen?

Bei entsprechender erblicher Veranlagung ist es nicht möglich, das Auftreten eines atopischen Ekzems grundsätzlich zu verhindern. Doch bestimmte Maßnahmen können das Risiko reduzieren. Wenn eine Veranlagung zur atopischen Dermatitis besteht, mindert regelmäßige Hautpflege mit rückfettenden Cremes, Körpermilch oder Lotionen die Gefahr eines Ausbruchs.

Neurodermitis-Ausbruch beim Baby vorbeugen

Säuglinge sollten in den ersten sechs Monaten ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden. Das kann der Entstehung einer Nahrungsmittelallergie vorbeugen, die wiederum den Ausbruch von Neurodermitis begünstigen kann. Sollte dies nicht möglich sein, empfiehlt sich der Gebrauch von hypoallergener, das heißt in ihrem Allergengehalt reduzierter, Säuglingsnahrung. Diese Vorsichtsmaßnahme ist bei allen Kindern zu empfehlen, die mindestens einen nahen Verwandten mit einem atopischen Ekzem, Heuschnupfen oder Asthma bronchiale haben.

Vermeiden von Allergiebildung beugt atopischem Ekzem vor

Patient*innen mit Neurodermitis neigen zu Allergien, insbesondere gegenüber Allergenen in der Luft wie Pollen, Haare und Hautschüppchen von Tieren sowie Allergenen der Hausstaubmilbe. Daher sollte besonders im Kindesalter der Kontakt mit den genannten Allergenen (soweit es möglich ist) gemieden werden. Dies kann durch Verzicht auf die Haltung eines Haustieres sowie durch eine geeignete Gestaltung des Wohnraums geschehen.

Der Gebrauch von Kosmetika mit Duftstoffen, Farbstoffen und Konservierungsmitteln kann einen Neurodermitisschub auslösen, daher sollten diese nicht verwendet werden.

Auf das Rauchen sollte vollständig verzichtet werden, da durch Nikotin die Hautdurchblutung reduziert wird. Dieses Merkmal haben die meisten Menschen mit atopischer Disposition als Grundkonstitution und bei zusätzlichem Nikotingenuss würde sich die daraus resultierenden Probleme verstärken.

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