Ammoniak im Körper
© Getty Images/TEK IMAGE/SCIENCE PHOTO LIBRARY
Laborwerte A - Z

Ammoniak im Körper: Das sagt der Laborwert (AMMO) aus

Von: Olivia Romano (Medizinredakteurin und Biologin)
Letzte Aktualisierung: 17.07.2023

Ammoniak ist ein Stoffwechselprodukt und entsteht durch den Abbau von Eiweiß. Es wird über die Nieren ausgeschieden oder in der Leber zu Harnstoff umgewandelt. Was bedeuten erhöhte Werte im Blut?

Häufige Fragen und Antworten

Was ist Ammoniak? Ammoniak ist ein stickstoffhaltiges Gas, das beim Abbau von Proteinen im Körper freigesetzt wird. In hoher Dosierung schädigt es die Zellen, insbesondere im Gehirn.

Was bedeuten zu hohe Werte? Hohe Ammoniak-Werte sind häufig auf Lebererkrankungen wie eine Leberzirrhose zurückzuführen. Steigen die Werte weiter an, ist eine Vergiftung möglich, die sich etwa als sogenanntes Leberkoma äußern kann. Darüber hinaus können hohe Werte (Hyperammonämie) durch eine angeborene Stoffwechselstörung entstehen.

Leberentzündung: Die richtige Ernährung bei Hepatitis 

Was ist Ammoniak?

Ammoniak ist ein stickstoffhaltiges Gas mit der chemischen Formel NH 3. Ammoniak wird im Körper vorwiegend im Darm freigesetzt, wenn Bakterien Eiweiße in ihre Bestandteile (Aminosäuren) zersetzen. Ammoniak aus dem Darm wird ins Blut aufgenommen und im Körper verteilt. Die Substanz wirkt zellschädigend und muss deshalb unschädlich gemacht werden. Der Abbau des giftigen Stoffwechselprodukts erfolgt in der Leber. Dabei wird Ammoniak zu ungefährlichem Harnstoff umgewandelt, der über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden wird.

Im Zuge von Leberproblemen kann NH 3 oftmals nur noch unzureichend abgebaut werden: Dann verbleibt zu viel Ammoniak im Körper. Es drohen Zellschäden, insbesondere das Gehirn ist dabei oft betroffen. Fachleute sprechen auch von einer hepatischen Enzephalopathie. Mögliche Anzeichen der Ammoniakvergiftung sind etwa:

  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Verwirrung
  • Apathie
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • kognitive Defizite
  • Zuckungen

Im schlimmsten Fall kommt es zum Koma.

Wann und wie wird der Ammoniak-Wert bestimmt?

Bei Verdacht auf Lebererkrankungen, Nierenfunktionsstörungen (etwa akutes Nierenversagen) oder bei Koma mit unklarer Ursache wird Ammoniak (AMMO-Wert) im Blutplasma bestimmt.

Normalwert für Ammoniak

Der Normalwert für Ammoniak ist abhängig vom Geschlecht, er wird je nach Labor in Mikrogramm pro Deziliter (µg/dl) oder in Mikromol pro Liter (µmol/l) angegeben.

Geschlecht(µg/dl)(µmol/l)
Männlich25 bis 9416 bis 60
Weiblich19 bis 8211 bis 51

Ursachen für einen erhöhten Ammoniak-Wert

Wenn die Leber das Ammoniak nicht mehr in den Harnstoff umwandeln kann, dann erhöht sich im Blutspiegel der Wert des Ammoniaks. Ursache ist meist eine Lebererkrankung, darunter etwa:

  • Leberkrebs,
  • Leberzirrhose,
  • Leberversagen sowie
  • bei Kindern das Reye-Syndrom (Leberschaden durch Einnahme von Acetylsalicylsäure nach Viruserkrankungen).

Auch Nierenkrankheiten wie eine Niereninsuffizienz gehen oftmals mit einer erhöhten Ammoniakkonzentrstion im Blut einher. Daneben können erblich-bedingte Stoffwechselerkrankungen den Abbau von Ammoniak hemmen, wodurch die Werte drastisch ansteigen. Mögliche Folgen sind etwa Entwicklungsstörungen des Gehirns.

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente sowie eine Chemotherapie können ursächlich für einen sehr hohen AMMO-Wert sein.

Bedeutung eines niedrigen Ammoniak-Werts

Ein niedriger Ammoniakspiegel im Blut hat keinen Krankheitswert und ist unbedenklich.