Wassertabletten bei Herzkrankheiten

Diuretika: Harntreibende Medikamente bei Herzproblemen

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Diuretika sind harntreibende Medikamente. Die auch Wassertabletten genannten Medikamente werden bei verschiedenen Herzproblemen und Nierenfunktionsstörungen eingesetzt. Wann sollten Diuretika nicht eingenommen werden und welche Nebenwirkungen sind möglich?

Frau nimmt Medikament ein
Bei Herzproblemen und Nierenfunktionsstörungen können Diuretika verschrieben werden.
© Getty Images/PeopleImages

Artikelinhalte im Überblick:

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Was sind Diuretika?

Neben ACE-Hemmern, Kalziumantagonisten und Betablockern zählen auch Diuretika zu den Medikamenten gegen Bluthochdruck (Antihypertensiva). Sie fördern die Ausscheidung von Wasser und Elektrolyte durch die Nieren. Damit erreichen die Wirkstoffe eine veränderte Menge und Zusammensetzung des Harns, was man sich bei verschiedenen Erkrankungen des Herzens und der Nieren zunutze macht. Auch das Blutvolumen verringert sich durch den Entzug von Wasser, in der Folge sinkt der Blutdruck.

Innerhalb der Diuretika gibt es verschiedene Wirkstoffgruppen, die den Nierenstoffwechsel unterschiedlich beeinflussen:

  • Osmodiuretika: Sie werden nicht in die Nierenzellen aufgenommen und entziehen durch einen osmotischen Gradienten dem Blut Wasser.

  • Carboanhydrasehemmer: Sie hemmen in den Nieren das Enzym Carboanhydrase, wodurch weniger Wasser in die Hinterkammer des Auges strömt. Deshalb werden diese Diuretika hauptsächlich bei einem Glaukom eingesetzt. Gleichzeitig steigern sie die Phosphatausscheidung.

  • Thiaziddiuretika: Sie fördern die Ausscheidung von Natrium und erhöhen die Menge an Primärharn.

  • Schleifendiuretika: Sie verhindern die Rückresorption von Natrium und Kalium im schleifenförmigen Abschnitt der Niere ("Henle-Schleife"). Dadurch werden die Mineralstoffe mit Wasser zusammen ausgeschieden.

  • Aldosteronantagonisten: Diese Diuretika blockieren den Aldosteronrezeptor, sodass weniger Natrium-Kanäle in der Niere gebildet werden, worüber der Mineralstoff in die Zellen gelangt.

  • Vasopressinantagonisten: Sie verhindern den Einbau von bestimmten Transportproteinen in die Wände der Sammelrohre in der Niere. Folglich kann Wasser nicht in die Zellen gelangen und wird vermehrt ausgeschieden.

  • Kaliumsparende Diuretika: Diese Arzneimittel hemmen die Ausscheidung von Kalium, während sie die von Natrium und Wasser fördern. Als Nebenwirkung kann es deshalb zu einem Kaliumüberschuss kommen.

Bei welchen Krankheiten Diuretika eingesetzt werden

Wassertabletten werden bei verschiedenen Erkrankungen von Herz und Nieren verordnet. Mit dem Alter steigt das Risiko für solche Krankheiten, weshalb Diuretika häufig ältere Menschen verschrieben bekommen.

Indikationen für Diuretika:

Da je nach Wirkstoffgruppe und abhängig von der gesundheitlichen Verfassung der Betroffenen und der zugrunde liegenden Krankheit mitunter schwere Nebenwirkungen auftreten können, muss das Risiko-Nutzen-Verhältnis individuell abgewogen werden.

Kontrainidikationen für die Gabe von Wassertabletten

In bestimmten Fällen ist eine Behandlung mit Diuretika nicht möglich oder wird nicht empfohlen. Dazu zählen ein sehr niedriger Blutdruck, verminderte Blutmenge (Hypovolämie), schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen sowie des Elektrolythaushalts. Weitere Gegenanzeigen für die Einnahme von Diuretika sind Schwangerschaft, Stillzeit sowie eine bekannte Arzneimittelallergie.

Diuretika können Nebenwirkungen haben

Da Diuretika die Ausscheidung von Wasser im Körper erhöhen, wird folglich das Blut dickflüssiger. Es können sich leichter Blutgerinnsel (Thromben) bilden, sodass durch die Einnahme von Wassertabletten die Gefahr für eine Thrombose steigt. Vor allem Schleifendiuretika sorgen für eine kurzfristig erhöhte Harnausscheidung, deren Folge ein starkes Durstgefühl, Wadenkrämpfe und schmerzhafter Harndrang sein können.

Bei Menschen mit Diabetes mellitus kann sich durch eine langfristige Einnahme von Diuretika die Stoffwechselsituation verschlechtern. Auch ein bisher unbemerkter Diabetes kann sich durch Wassertabletten manifestieren.

Durch die Einnahme von Diuretika kann es zu Störungen im Elektrolythaushalt auftreten, insbesondere bei Kalium, Natrium, Magnesium und Kalzium. Folgen können Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfe, Schwindel oder Magen-Darmbeschwerden sein. Das Risiko für einen niedrigen Magnesiumwert (Hypomagnesiämie) sowie erhöhte oder erniedrigte Kaliumwerte (Hyper- oder Hypokaliämie) kann durch die kombinierte Einnahme von verschiedenen kaliumneutralen Diuretika reduziert werden.

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Worauf bei der Einnahme von Wassertabletten achten?

Eine Behandlung mit Diuretika verändert den Wasser- und Elektrolythaushalt des Körpers. Deshalb wird die Mineralstoffkonzentration im Blut je nach Präparat regelmäßig ärztlich kontrolliert. Auch das Gewicht und der Blutdruck sollten zu Beginn der Einnahme täglich, später wöchentlich gemessen werden. Um den Schlaf nicht durch einen erhöhten Harndrang zu stören, sollten Wassertabletten möglichst morgens oder in der ersten Tageshälfte genommen werden.

Während der Behandlung sollte man auf mögliche Nebenwirkungen wie Herzstolpern, Muskelkrämpfe oder andere unerwartete körperliche Reaktionen achten – bei Unsicherheiten sollten Betroffene ihre hausärztliche Praxis aufsuchen. Wer stark schwitzt, Fieber hat oder unter Durchfall leidet, sollte während der Einnahme von Wassertabletten darauf achten, genügend zu trinken. Andernfalls wird dem Körper zu viel Wasser entzogen. Die gleichzeitige Zufuhr von kaliumhaltigen Präpaten sollte ärztlich abgeklärt werden. Menschen mit Ödemen und einer Herzinsuffizienz sollten dagegen die ärztlich angeordnete Trinkmenge einhalten und nicht überschreiten.


Menschen mit Diabetes sollten ihren Blutzucker sorgfältig kontrollieren, da Diuretika den Blutzuckerspiegel erhöhen können. Nahrungsergänzungsmittel mit Kalium und Vitamin D sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden, um den Elektrolythaushalt nicht zusätzlich zu belasten oder stören. Auch Lakritze sollte nicht verzehrt werden, da die Süßigkeit aus Süßholzwurzel harntreibend wirkt und die Ausscheidung von Kalium fördert.

Diuretikaresistenz: Wenn die Wassertabletten nicht wirken

Eine Diuretikaresistenz liegt vor, wenn Menschen nicht adäquat auf eine Behandlung mit Diuretika ansprechen. Die Ursachen können sehr vielfältig sein: Von einer nicht geeigneten Dosierung der Wassertabletten über eine fehlerhafte Einnahme durch Betroffene bis hin zu verschiedenen gesundheitlichen Störungen. Dazu zählen zum Beispiel ein niedriger Blutdruck (Hypotonie), chronische Nierenerkrankungen oder ein verminderter Gehalt an Proteinen im Blutplasma (Hypoproteinämie).

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