Mundhöhlenkrebs

Zungenkrebs (Zungenkarzinom): Symptome und Prognose

Bei Zungenkrebs bildet sich an oder unter der Zunge eine bösartige Geschwulst aus entarteten Zellen, meist den sogenannten Plattenepithelzellen. Ärzte bezeichnen diese Form von Mundhöhlenkrebs auch als Zungenkarzinom.

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Jeder vierte Fall von Mundhöhlenkarzinomen ist ein Zungenkrebs.
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Zungenkrebs gehört zu den Krebsformen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich. Bei etwa jedem vierten Mundhöhlenkrebs ist speziell die Zunge betroffen. Dabei bildet sich am Rand oder an der Unterseite der Zunge eine Wucherung aus bösartigen (malignen) Zellen, die sich unkontrolliert teilen – so kommt es zu einem Zungenkarzinom. Das kann geschehen, wenn bei der normalen Zellteilung ein Fehler passiert und die Zellen entarten.

In neun von zehn Fällen sind dies bei Zungenkrebs sogenannte Plattenepithelzellen, also Zellen aus der Zungenoberfläche. Wer raucht, viel Alkohol trinkt und/oder Verletzungen an der Zunge hat, steigert sein Risiko für Zungenkrebs.

Mehr Männer als Frauen erkranken an Zungenkrebs

Etwa drei Viertel der Betroffenen sind Männer, und die meisten davon sind über 60 Jahre alt. Grundsätzlich kann Zungenkrebs aber auch in jüngeren Jahren auftreten. Meist beginnt er mit einer kleinen, nicht verheilenden Wunde, einem "Knubbel" oder einem weißlich belegten Fleck an der Zunge. Im weiteren Verlauf wächst das Zungenkarzinom dann weiter heran und führt zu Schmerzen, Schluckstörungen und weiteren Komplikationen.

Eine frühe Diagnose und Therapie ist bei dieser Form von Mundhöhlenkrebs besonders wichtig. Meist ist die einzige Möglichkeit der Behandlung eine Operation, bei welcher der Chirurg das betroffene Stück der Zunge entfernen muss. Je früher dies geschieht, desto besser sind die Heilungschancen. Eine Strahlentherapie kann unterstützend dafür sorgen, dass der Zungenkrebs nicht wieder auftritt.

Zungenkrebs-Symptome: Diese Anzeichen sind möglich

Bis bei Zungenkrebs erste spürbare Symptome auftreten, vergehen oft einige Monate. Anfangs fällt meist nur eine verhärtete Stelle an der Zunge auf, später wird der Zungenkrebs von weiteren Symptomen begleitet.

Ein Tumor an der Zunge kann im Anfangsstadium sehr unterschiedlich aussehen: Bei einigen Betroffenen äußert er sich als kleine Wunde, die einfach nicht verheilen will, bei anderen als verhärteter "Knubbel" oder weißlicher Fleck auf der Schleimhaut. Wie Zungenkrebs aussieht und welche Symptome er verursacht, hängt unter anderem von der genauen Stelle ab, an der er sich entwickelt. Die meisten Karzinome entstehen am Rand oder der Unterseite der Zunge; selten kann auch die Zungenspitze betroffen sein.

Erste Symptome eines Zungenkrebses

Bereitet ein Tumor an der Zunge den meisten Betroffenen anfangs noch keine Beschwerden, so wächst die Geschwulst mit der Zeit immer weiter heran. Dann kann der Zungenkrebs folgende Symptome verursachen:

  • „Kloßgefühl“ im Bereich der Zunge
  • Zungenschmerzen
  • Halsschmerzen 
  • Schluckstörungen  
  • Sprechbehinderung (verwaschene Sprache)
  • verstärkter Speichelfluss

Ob und wie stark die Zunge in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt ist, kommt ganz auf die genaue Lage und Größe der Wucherung an. Ein weiteres für Zungenkrebs typisches Symptom ist ein weißlich-gelber, nicht abwischbarer Belag. Dieser zeigt sich allerdings nicht bei allen Betroffenen.

Zungenkrebs-Bilder zum Erkennen

Meist sind typische Veränderungen auf der Zunge ein Symptom von Zungenkrebs. Ein ausgeprägter, weißer Zungenbelag sieht zwar sehr dramatisch aus, ist jedoch meist kein Krebs-Anzeichen, sondern spricht eher für einen Pilz (Soor). Im Seitenbereich der Zunge ist Zungenkrebs dagegen besonders häufig lokalisiert; Veränderungen hier können auf Zungenkrebs hindeuten.

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Ein für Zungenkrebs typisches Symptom ist ein weißlich-gelber, nicht abwischbarer Belag.
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Zungenkrebs: Ursachen, Auslöser und Risikofaktoren

Zungenkrebs gehört zu den Krebsformen, für die verschiedene Risikofaktoren bekannt sind. Unter anderem stehen Alkohol- und Tabakkonsum ganz oben auf der Liste der Ursachen.

Nicht bei allen Krebsformen ist klar ersichtlich, welche Mechanismen für eine Entartung der Zellen sorgen. Bei Zungenkrebs jedoch gibt es eine Reihe typischer Ursachen, die sich bei den meisten Patienten in der Vorgeschichte finden. Dazu gehören:

  • Rauchen
  • starker Alkoholkonsum
  • mangelnde Mundhygiene
  • wiederholte mechanische Reizungen
Vorsicht! Versteckter Alkohol in Lebensmitteln

Alkohol- und Tabakkonsum gelten für alle Mundhöhlenkarzinome als Risikofaktoren

Unter anderem können ein schlecht sitzendes Gebiss oder ein abgebrochener Zahn bestimmte Stellen an der Zunge immer wieder reizen und verletzen. Solche Wunden verheilen oft gar nicht mehr richtig und sind prädestinierte Stellen für Zungenkrebs. Weitere Ursachen wie Tabakrauch und Alkohol gelten generell als Risikofaktoren für alle Formen von Krebs im Mund- und Rachenbereich. Besonders schädlich sind filterlose Zigaretten und hochprozentige alkoholische Getränke wie Schnaps.

Für verschiedene Krebsarten – nicht nur Zungenkrebs – werden als mögliche Ursachen auch Virusinfektionen diskutiert, zum Beispiel mit Humanen Papillomaviren (HPV). Schließlich gibt es Fälle, in denen der Auslöser völlig unklar ist. Das Risiko für Zungenkrebs steigt generell mit zunehmendem Lebensalter.

Krebs: Die größten Risikofaktoren

So läuft die Zungenkrebs-Diagnose beim Arzt ab

Bei Zungenkrebs kann die Diagnose durch einen Zahnarzt, Hautarzt, Kieferorthopäden oder Allgemeinmediziner erfolgen. Meist lässt sich aber nicht auf den ersten Blick feststellen, ob es sich um eine bösartige Geschwulst handelt.

Um eine Wucherung an der Zunge richtig einzuordnen, stellt der Arzt zunächst einige Fragen zur Krankengeschichte (Anamnese). So erkundigt er sich beispielsweise, welche Beschwerden sie verursacht und wann die Geschwulst Ihnen erstmals aufgefallen ist. Wichtig ist zudem, ob und wie viel Sie rauchen und  Alkohol trinken, ob Sie Vorerkrankungen haben und welche Medikamente Sie aktuell einnehmen. Diese Angaben bilden die Grundlage, auf welcher der Arzt bei Zungenkrebs letztlich die Diagnose stellt.

Anschließend unterzieht der Arzt die Zunge und die Mundhöhle einer genauen Untersuchung. Dabei tastet der Arzt die Wucherung und die Umgebung vorsichtig mit den Fingern ab, um festzustellen, welche Stellen sich hart anfühlen und ob die Verhärtungen beweglich sind. Gegebenenfalls tastet er ebenso nach den Lymphknoten am Hals, da sich hier bei Zungenkrebs schnell Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden.

Diagnose des Zungenkarzinoms per CT oder MRT

Um zu ermitteln, wie groß der vermutete Zungenkrebs tatsächlich ist, können für die Diagnose verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Die genausten Aufnahmen liefern dabei eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Letztlich kann allerdings nur eine Gewebeprobe (Biopsie) bei Zungenkrebs die Diagnose sichern. Diese entnommenen Zellen werden im Labor auf krebstypische Veränderungen untersucht. In den meisten Fällen schafft dieser Schritt die Gewissheit, ob es sich um Zungenkrebs handelt.

Therapie: Behandlungsmaßnahmen bei Zungenkrebs

Bei Zungenkrebs ist die einzige sinnvolle Therapie normalerweise eine Operation. Dabei entnimmt der Chirurg das entartete Gewebe und alle Tochtergeschwulste.

Bauchspiegelung-Endometriose
Eine Operation lässt sich bei Zungenkrebs nur in den seltensten Fällen vermeiden.
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Sobald die Diagnose Zungenkrebs feststeht, wird der Arzt mit Ihnen zusammen die Therapie planen. Häufig ist eine Behandlung in einem spezialisierten Zentrum sinnvoll, da die Ärzte dort sehr viel Erfahrung mit Tumoren der Zunge und Mundhöhle haben.

Eine Operation lässt sich bei Zungenkrebs nur in den seltensten Fällen vermeiden. Je kleiner der Tumor noch ist, desto schonender geht die OP vonstatten – deswegen ist es wichtig, dass bei Zungenkrebs die Therapie so früh wie möglich erfolgt. Anderenfalls kann es sein, dass größere Teile der Zunge entfernt werden müssen (Glossektomie). Wenn der Verdacht besteht, dass der Krebs bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) entwickelt hat, müssen die Ärzte gegebenenfalls auch einen oder mehrere Lymphknoten am Hals entnehmen.

Kombinationstherapie bei Mundhöhlenkrebs

Häufig kombinieren die behandelnden Ärzte bei Zungenkrebs die Operation mit einer Strahlentherapie. Nach einer OP besteht immer ein Restrisiko, dass nicht alle bösartigen Zellen entfernt wurden. Mit den Strahlen lassen sich die möglichen restlichen Tumorzellen bekämpfen, sodass sie sich nicht wieder vermehren und zu einem Rückfall (Rezidiv) führen.

In manchen Fällen von Zungenkrebs ist eine Therapie durch eine Operation nicht möglich oder die Geschwulst lässt sich dabei nicht ganz entfernen. Dann kann eine Radio-Chemotherapie zum Einsatz kommen, also eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie.

Verlauf und Prognose bei Zungenkrebs-Patienten

Bei Zungenkrebs hängt der Verlauf von unterschiedlichen Faktoren ab. Je nachdem, wo der Tumor sitzt und wie früh er behandelt wird, kann die Prognose erheblich schwanken.

Wenn ein Arzt die bösartige Wucherung frühzeitig entdeckt und eine Behandlung einleitet, nimmt Zungenkrebs in der Regel einen guten Verlauf. Wichtig dabei ist, dass alle Krebszellen entfernt werden und die Betroffenen bestimmte Risikofaktoren ausschalten, das heißt zum Beispiel nicht mehr rauchen, keinen Alkohol trinken und auf gründliche Mundpflege achten. Allgemein haben Tumoren am Zungenrand eine etwas günstigere Prognose als solche unter der Zunge.

Unbehandeltes Zungenkarzinom: Gefahr für Komplikationen

Bleibt der Zungenkrebs jedoch längere Zeit unbehandelt, kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Die Geschwulst wächst stetig weiter und greift nicht selten auf den Mundboden über. Im fortgeschrittenen Stadium behindert der Zungenkrebs die Betroffenen beim Schlucken und Essen, sodass sie stark abmagern und austrocknen (dehydrieren) können.

Zudem handelt es sich um einen bösartigen Tumor, der Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden kann. Umso wichtiger sind eine frühzeitige Therapie oder – noch besser – vorbeugende Maßnahmen, damit der Zungenkrebs erst gar nicht auftritt.

Zungenkrebs vorbeugen mit Rauchstopp und maßvollem Alkoholkonsum

Obwohl sich einer Krebserkrankung nicht zu hundert Prozent vorbeugen lässt, können Sie durchaus einige Maßnahmen ergreifen, mit denen Sie Ihr Zungenkrebs-Risiko stark verringern.

Mit folgenden Maßnahmen können Sie Zungenkrebs weitgehend vorbeugen:

  • Verzichten Sie auf Tabakkonsum – neben Zigaretten gilt das auch für Zigarren, Pfeifen und alle anderen Formen des Rauchens.

  • Trinken Sie Alkohol nur in Maßen. Verzichten Sie vor allem auf Hochprozentiges wie Schnäpse und andere Spirituosen.

  • Achten Sie auf eine gründliche Mundhygiene: Putzen Sie zweimal am Tag gründlich die Zähne. Zahnseide, Interdental-Bürstchen und Mundspülungen können die Zahnpflege sinnvoll ergänzen.

  • Wenn Sie Probleme mit den Zähnen haben, etwa einen abgebrochenen Zahn oder eine drückende Zahnprothese, suchen Sie auf jeden Fall zeitnah Ihren Zahnarzt auf. Gehen Sie auch mindestens einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung.

  • Fragen Sie Ihren Arzt oder Zahnarzt um Rat, sobald Sie einen "Knubbel" oder andere auffällige Veränderungen an der Zunge oder der Mundschleimhaut feststellen. In den seltensten Fällen handelt es sich tatsächlich um Zungenkrebs. Wenn Sie einem schweren Verlauf vorbeugen wollen, sind Sie so jedoch auf der sicheren Seite.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Autor:
Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2017
Durch: Sarah Baumann
Quellen: Bork, K., Burkdorf, W., Hoede, N.: Mundschleimhaut- und Lippenkrankheiten: Klinik, Diagnostik und Therapie. Schattauer Verlag, Stuttgart 2008 Mödder, U. et al.: Pareto-Reihe Radiologie. Kopf/Hals. Thieme Verlag, Stuttgart 2006 Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 265. Auflage, Berlin 2013

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