Antibiotika: Einnahme, Risiken und Nebenwirkungen

Antibiotika werden zur Behandlung von bakteriellen Infektionen eingesetzt. Wann Antibiotika wirken und was man bei der Einnahme zusammen mit Alkohol oder Milch beachten sollte.

Antibiotika: Einnahme mit Wasser
Antibiotika immer nach Vorschrift des Arztes einnehmen.
© iStock.com/FotoDuets

Antibiotika (Einzahl: Antibiotikum) sind Medikamente, die ausschließlich bei Erkrankungen wirken, die durch Bakterien verursacht werden. Gegen Viren, Pilze und andere Erreger können sie nichts ausrichten. Spricht der Arzt von Antibiose, meint er eine Behandlung mit einem Antibiotikum.

Artikelinhalte im Überblick:

Krankheiten, bei denen Antibiotika überflüssig sind

So wirken Antibiotika

Anti-bios bedeutet wörtlich "gegen das Leben". Im Gegensatz zu Bakterien sind Viren keine Lebewesen. Deshalb sind Antibiotika gegen Bakterien wirksam und können gegen Viren nichts ausrichten. Ein Antibiotikum wirkt in der Regel sehr schnell. Sie töten dabei entweder die Bakterien ab (bakterizide Wirkung) oder aber sie hemmen ihre Vermehrung so stark, dass der Körper die Bakterien mit seinem Immunsystem selbst abwehren kann (bakteriostatische Wirkung).

Bis heute haben Forscher etwa 7.000 unterschiedliche, antibiotisch wirksame Substanzen gefunden – doch nur etwa 80 Antibiotika kommen tatsächlich bei Erkrankungen therapeutisch zum Einsatz. Antibiotika gehören weltweit zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten.

Wechselwirkungen: Antibiotika und Alkohol oder Milch

Antibiotika können je nach Wirkstoff zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln führen. Manche Antibiotika hemmen den Abbau von Koffein in der Leber. Man sollte deshalb während der Einnahme auf Kaffee verzichten, da es ansonsten zu Herzklopfen und Schwindel kommen kann.

Antibiotika einnehmen und Alkohol trinken?

Die Kombination von Antibiotika und Alkohol ist nicht empfehlenswert, da beides über die Leber abgebaut wird und das Organ deshalb belasten. Darüber hinaus führt Alkohol bei manchen antibiotischen Wirkstoffen zu einer toxischen Reaktion. Diese sind alle Mittel aus der Gruppe der Cephalosporine, die häufig gegen Streptokokken und Staphylokokken eingesetzt werden, sowie Antibiotika aus der Gruppe der Nitroimidazole (Metronidazol), die unter anderem gegen Trichomonaden-Infektion gegeben werden.

Alkohol: Vorsicht mit diesen Medikamenten

Antibiotika und Milch

Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline und Chinolone vertragen sich nicht mit Milch und Milchprodukten. Sie werden durch das in Milch, Joghurt oder Käse enthaltene Kalzium unwirksam und sollten. Auch zwei Stunden vor oder nach der Einnahme der Antibiotika sollten keine Milch und Milchprodukte konsumiert werden.

Antibiotika und die Pille

Antibiotika können die Wirksamkeit der Pille und anderer hormoneller Verhütungsmittel herabsetzen. Durch die Abtötung der Darmbakterien wird die Aufnahme des Östrogens in den Körperkreislauf behindert und die Wirkung der Pille deshalb herabgesetzt. Dies gilt in erster Linie für Penicilline, Cephalosporine, Tetrazykline, Neomycin, Chloramphenicol, Fusidinsäure, Sulfonamide, Nitrofurantoin oder Metronidazol. Wer einen dieser Wirkstoffe einnimmt, sollte zusätzlich mit Kondom verhüten.

Sport trotz Antibiotika?

Verschreibt der Arzt ein Antibiotikum auf Rezept, stellen Patienten häufig die Frage, ob sie während der Therapie weiterhin Sport treiben können. Davon ist jedoch abzuraten: Bei einer Infektion ist der Körper geschwächt und durch Antibiotika wird auch die Darmflora angegriffen, die das Immunsystem unterstützt Ärzte empfehlen deshalb, dass Patienten besser eine Trainingspause einlegen und erst wieder Sport treiben, wenn sie vollständig gesund sind.

Antibiotika: Was darf man nicht essen und trinken?

Neben Alkohol sowie Milch- und Milchprodukten raten Ärzte während einer Behandlung mit Antibiotika vom Verzehr von Grapefruits  und Calcium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln ab. Beide können sich negativ auf die Aufnahme und Verstoffwechslung des Medikaments auswirken. Einen positiven Effekt haben dagegen Probiotika: Sie bauen die Darmflora wieder auf, die während einer antibiotischen Therapie ebenfalls angegriffen wird. Durch ballaststoffreiche Lebensmittel werden die Darmbakterien zusätzlich unterstützt, da sie ihnen als Nahrung dient (Präbiotika).

Antibiotika und Sonne

Die meisten Antibiotika vertragen sich schlecht mit Sonne. Es kann zu einer phototoxischen Reaktion kommen, die sich wie ein Sonnenbrand äußern kann. Ohnehin sollte man aber den Körper keiner starken Sonneneinstrahlung aussetzen, während er mit einer Infektion zu kämpfen hat.

Antibiotikaresistenz und ihre Ausbreitung verhindern

© BAH – Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V.

Penicillin: Das erste Antibiotikum

Alexander Flemming entdeckte das erste Antibiotikum: Nachdem er jahrelang vergeblich nach einem körpereigenen Medikament gegen Bakterien geforscht hatte, entdeckte er das Antibiotikum Penicillin zufällig. Er vergaß Petrischalen mit Versuchsbakterien im Waschbecken und bemerkte einige Wochen später, dass sich in einer Schale ein kreisrundes Feld gebildet hatte, in welchem die Bakterien abgetötet waren. Als Ursache identifizierte er Schimmelpilze, die sich angesiedelt hatten.

Sinusitis behandeln: Welche Antibiotika für was?

Schmalspektrum-Antibiotika wirken nur gegen bestimmte Bakterienstämme, während Breitband-Antibiotika ein breites Spektrum von verschiedenen Erregern abdecken. Das bekannteste Antibiotikum Penicillin zählt zu beiden Arten: Bei einer Lungenentzündung kann zum Beispiel ein Schmalspektrum-Penicillin eingesetzt werden, bei einer Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) dagegen ein Breitspektrum-Penicillin.

Bei folgenden Erkrankungen ist die Behandlung mit Antibiotika sinnvoll:

Antibiotika bei Superinfektion

Angezeigt ist die Einnahme von Antibiotika außerdem, wenn sich auf einen anfänglich rein viralen Infekt eine Infektion mit Bakterien entwickelt. Diese sogenannte Superinfektion (auch Sekundärinfektion) entsteht zum Beispiel, wenn das Immunsystem durch die Erkältung sehr geschwächt ist. Symptome, die auf eine Superinfektion hindeuten, sind hohes Fieber, Atemnot und starke Hals- oder Ohrenschmerzen. Der Arzt testet, ob eine bakterielle Infektion vorliegt, und entscheidet, ob ein Antibiotikum benötigt wird.

Überblick über häufige Wirkstoffe und ihre Einsatzgebiete

Penicilline


  • Schmalspektrumpenicilline wie Penicillin V wirken vor allem auf Streptokokken, Meningokokken und Pneumokokken.

  • Haupteinsatzgebiete: eitrige Angina, eitrige Hirnhautentzündung, Lungenentzündung.

  • Breitspektrumpenizilline wie Ampicillin werden häufig bei Mittelohrentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung, eitriger Bronchitis und Harnwegsinfekten verordnet.

  • Gut verträglich sofern keine Penicillin-Allergie vorliegt. Auch bei Kleinkindern und Schwangeren einsetzbar.

Cephalosporine

  • Breitband-Antibiotika gegen grampositive und gramnegative Erreger

  • Sind ebenfalls meist gut verträglich

  • Kommen vor allem bei Penicillin-Allergie zum Einsatz

Makrolide

  • Schmales Wirkspektrum, neuere Makrolide wie Azithromycin und Roxithromycin sind teilweise etwas breiter wirksam.

  • Erythromycin ist ein weiteres Ersatzpräparat bei Penizillinallergie
  • Clarithromycin wirkt gegen Helicobacter pylori, wird bei Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren eingesetzt

Chinolone

  • Wirken gegen viele verschiedene Bakterien
  • vor allem bei Atem- und Harnwegsinfekten verordnet

Tetrazycline

  • Früher häufig eingesetzt bei Akne und Borreliose, inzwischen seltener verwendet

Sulfonamide

  • Der Wirkstoff Cotrimoxazol  aus der Gruppe der Sulfonamide ist das Mittel der Wahl bei Salmonellen-Infektion

Aminoglykoside

  • Wirksam gegen Enterobacter, Staphylococcus aureus, Klebsiella, Serratia, E. coli und Proteus

  • Vor allem bei schweren Infektionen im Krankenhaus eingesetzt

Natürliche Antibiotika

Obwohl Antibiotika heute synthetisch im Labor hergestellt werden, haben sie ihren Ursprung in Pilzkulturen oder anderen natürlichen Quellen. Zu den Pflanzen, die antibiotisch wirksame Substanzen enthalten, zählen unter anderem: Ingwer, Meerettich, verschiedene Kräuter, Cranberries, Kurkuma, Grüntee. Auch Honig gilt als natürliches Antibiotikum, da ihm antimikrobielle und antibiotische Wirkungen zugesprochen werden.

19 natürliche Antibiotika gegen Bakterien

Verordnung von Antibiotika: so gezielt wie möglich

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt, vor Beginn einer Antibiotika-Therapie immer ein Antibiogramm durchzuführen. Dazu wird eine bakterielle Kultur angelegt, um herauszufinden, welcher Erreger vorliegt. Anschließend wird gegen diese Bakterien ein gezielt wirksames Antibiotikum verordnet, um der Bildung von Resistenzen entgegenzuwirken.

In der Praxis ist es jedoch oft nicht möglich, auf das Ergebnis der Kultur zu warten, da es ein paar Tage dauert und sich in dieser Zeit die Bakterien bereits bedrohlich vermehren können. Deshalb greifen Ärzte zum Mittel der kalkulierten Therapie. Hierbei wird versucht, das angenommene Erregerspektrum so weit wie möglich mit einem Breitband-Antibiotikum abzudecken, ohne vorheriges Antibiogramm oder die Auswertung abzuwarten. Sobald das Ergebnis des Antibiogramms vorliegt, kann man kontrollieren, ob das richtige Antibiotikum gewählt wurde und das Mittel gegebenenfalls anpassen.

Einnahme der Medikamente: Empfehlung vom Arzt beachten

Meist wird das Antibiotikum als Tablette eingenommen oder eventuell vom Arzt per Spritze verabreicht. Für Kinder stehen außerdem Antibiotika-Säfte zur Verfügung. Bei schweren Infektionen wird das Medikament häufig zunächst als Infusion im Krankenhaus gegeben und die Behandlung anschließend auf Tabletten umgestellt.

Folgendes sollte man bei der Einnahme von Antibiotika beachten:

  1. Antibiotika nur bei bakteriellen Infekten einnehmen. Deshalb sind Antibiotika die falsche Wahl bei Virusinfektionen wie Erkältung und Grippe.

  2. Antibiotika nur dann nehmen, wenn es wirklich sein muss. Bei intaktem Immunsystem kann der Körper eine Vielzahl von Bakterien abwehren.

  3. Antibiotika immer nach Vorschrift des Arztes einnehmen. Wichtig ist die Dauer der Einnahme. Wird das Mittel zu früh abgesetzt, bleiben im Körper Bakterien übrig, sodass die Infektion erneut auftritt.

  4. Nach der Antibiose die Darmflora wieder aufbauen: Stichwort Darmsanierung.

    Infografik wichtige Fakten zu Antibiotika
    © Sascha Weingartz

Wie nimmt man Antibiotika ein?

Antibiotika sollte man stets nach Packungsbeilage und entsprechend der ärztlichen Verordnung einnehmen. Einige Antibiotika nimmt man beispielsweise besser zum Essen oder nach einer Mahlzeit ein, da sie so verträglicher für den Magen sind. Andere sollten hingegen auf nüchternen Magen eingenommen werden. Am bestenwird ein Antibiotikum mit einem Glas Wasser eingenommen.

Wie lange sollte man ein Antibiotikum einnehmen?

Verschriebene Antibiotika sollten so lange eingenommen, bis die krankmachenden Bakterien abgetötet sind und das Immunsystem die restlichen Keime entfernen kann. Dennoch so kurz wie möglich, da man sonst die Bildung einer Antibiotikaresistenz sogar fördern kann. Das bedeutet für Patienten jedoch nicht, dass sie die Antibiotika in Eigenregie absetzen dürfen, sobald die Symptome abklingen, sondern nur in Absprache mit dem Arzt.

Lange galt die Empfehlung, das Antibiotikum auch nach Abklingen der Symptome weiter einzunehmen, bis alle Bakterien beseitigt sind. Mittlerweile weiß man, dass es bei vielen harmloseren Infektionen, wie beispielsweise unkomplizierten Harnwegsinfekten, besser ist, das Antibiotikum nur in Kurztherapie einzunehmen – unter Umständen sogar nur als Einmaldosis. So können sich weniger resistente Keime bilden, gleichzeitig wird die Darmflora geschont.

Risiken und Nebenwirkungen von Antibiotika

Die Nebenwirkungen der einzelnen Antibiotika sind vom Wirkstoff abhängig. Nebenwirkungen können sein:

  • Magen-Darm-Beschwerden, wie Durchfall (häufig)
  • Hautausschläge
  • allergische Reaktionen
  • Darminfektion mit Clostridien (sehr selten)
  • Pilzinfektionen mit Hefepilz Candida albicans in Darm oder Scheide

Vor allem Breitband-Antibiotika können sich negativ auf die Darmflora auswirken. Vorbeugend kann man bereits während der Antibiose Probiotika einnehmen und sollte anschließend für einen Wiederaufbau der Darmflora mit gesunden Darmbakterien sorgen. Vorbeugend hilft bei Frauen auch ein Aufbau der Scheidenflora mit Milchsäurebakterien.

Sonderfall Penicillin-Allergie

Allergische Reaktionen, die meistens in Form eines Hautausschlages auftreten, sind grundsätzlich bei allen Antibiotika möglich, kommen aber ausgerechnet beim Wirkstoff Penicillin besonders häufig vor. Eine Penicillin-Allergie tritt fast immer als Typ-1-Allergie auf, das heißt, die Symptome entwickeln sich innerhalb der ersten Stunde nach der Einnahme. Dabei kann es zu verschiedenen Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen.

Antibiotika in der Schwangerschaft: Was sollte man beachten?

Viele Antibiotika sind in der Schwangerschaft kontraindiziert, das heißt, man darf sie nicht einnehmen, weil sie eventuell das Baby schädigen könnten. Sollten Sie unter der Einnahme von Antibiotika schwanger werden, ist es deshalb ratsam mit Ihrem Arzt zu sprechen. Dennoch besteht normalerweise keine Gefahr für Ihr Baby.

Antibiotikaresistenz: Wenn Antibiotika nicht mehr wirken

Antibiotika sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Seit Jahrzehnten werden sie jedoch unnötigerweise gegen Viren und in unkontrollierten Mengen bei Mensch und Tier eingesetzt. Die Konsequenz ist, dass immer mehr Bakterien eine Antibiotikaresistenz entwickelt haben: Die Erreger haben sich so weiterentwickelt, dass ihnen das Antibiotikum nichts mehr anhaben kann. Ein besonders großes Problem ist die Entstehung von multiresistenten Keimen wie MRSA, die häufig in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen vorkommen und vor allem für Personen mit geschwächtem Immunsystem lebensbedrohlich sein können.

Hände waschen: Bester Schutz vor Bakterien und Viren

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