Durchblutungsstörung im Gehirn

Schlaganfall: Symptome und Behandlung

Ein Schlaganfall (Apoplex) entsteht durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Ursache kann ein Blutgerinnsel oder ein zerstörtes Blutgefäß sein. Lesen Sie hier, wie sich ein Schlaganfall ankündigt, welche Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Arzt untersucht Hirn Scan
Nach einem Schlaganfall ist eine schnelle Diagnostik angezeigt, um den Ort und die Ursache der Blutung zu klären.
© iStock.com/sudok1

Jede Zelle unseres Körpers braucht Sauerstoff zum Leben – besonders die Nervenzellen. Dieser wird über das Blut bis zu den Zellen geleitet. Ist die Durchblutung der Zellen gestört, sterben sie ab. Das Absterben von Zellen hat je nach Ort der Durchblutungsstörung (im Herzen, in der Lunge, im Gehirn) und der Anzahl der betroffenen Körperzellen sehr unterschiedliche Folgen. Eine "schlagartig" einsetzende Durchblutungsstörung im Gehirn führt zu einem Schlaganfall und damit zu einem Ausfall bestimmter Hirnfunktionen.

Typische Symptome bei Schlaganfall

Alle Funktionsstörungen können einzeln aber auch in Kombination mit weiteren Ausfallerscheinungen auftreten und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Folgende Symptome können auf einen Schlaganfall hinweisen:

  • Lähmungen und Taubheitsgefühle in den Extremitäten: Das Gefühl im betroffenen Körperteil ist vollständig verloren oder zeigt sich in Form leichter Taubheit beziehungsweise "kribbeln". Nicht immer ist eine ganze Extremität beeinträchtigt, zum Beispiel können auch nur einzelne Muskelgruppen eingeschränkt sein. Oftmals betrifft die Lähmung auch Gesichtsmuskeln, sodass der Mundwinkel oder das Augenlid herabhängen und die Bewegung der Zunge beeinträchtigt ist. Die Folge sind Schluckstörungen.

  • Sehstörungen: Sie können in unterschiedlicher Form auftreten. Übersieht der Betroffene plötzlich Gegenstände und Personen, deutet dies auf eine Einschränkung des Gesichtsfeldes hin. Fühlt sich der Patient orientierungslos, besteht möglicherweise eine Störungen des räumlichen Sehens. Auch das Sehen von Doppelbildern ist möglich: Betroffene sehen Gegenstände überlappend und fassen beim Griff nach der Kaffeetasse ins Leere.

  • Sprachstörungen oder Sprachverständnisstörungen: Ein leichter Schlaganfall kann Symptome wie eine stockende, abgehackte Sprache mit sich bringen. Schwere Sprachstörungen zeigen sich durch das Verdrehen von Silben oder Verwenden von falschen Buchstaben. Auch eine verwaschene oder lallende Sprache sind typische Symptome für einen Schlaganfall. Nicht selten treten zudem Sprachverständnisstörungen auf. Durch eine Fehlfunktion im Gehirn kann der Schlaganfallpatient nicht mehr verstehen, was man ihm sagt und Anweisungen sowie Aufforderungen nicht umsetzen. Auch hier ist es wichtig die Art der Sprachstörung genau zu beobachten, um dem behandelnden Arzt die Form der Sprachstörung beschreiben zu können. Die Unterscheidung der Sprachstörungen deutet auf die Region des Gehirns hin, in dem ein Gefäßverschluss oder eine Blutung vorliegt.

  • Drehschwindel: Weitere Schlaganfall-Symptome sind plötzlich auftretender Schwindel, verbunden mit Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen und Koordinationsverlust. Schwindel ist jedoch ein sehr häufiges Symptom, das bei unterschiedlichen Erkrankungen auftritt. Der Schweregrad und die Dauer des Schwindels sind für den untersuchenden Arzt wichtige Hinweise bei der Ursachenklärung.

  • heftiger Kopfschmerz: Ungewöhnlich starke Kopfschmerzen können Anzeichen einer Gehirnblutung sein. Sie sind häufig mit Verwirrtheit des Betroffenen sowie Übelkeit und Erbrechen verbunden. Das Symptom des Kopfschmerzes kann zunächst allein auftreten, aber auch von Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinsverlust begleitet sein.

Schlaganfall: Vorboten und akute Symptome erkennen

Schlaganfall verläuft bei Frauen oft komplizierter

Auch bei Krankheiten gibt es geschlechterspezifische Unterschiede. So ist das Beschwerdebild eines Schlaganfalls bei Frauen meist unspezifischer und der Ausgang oft ungünstiger als bei Männern. Nach den Worten von Prof. Rolf Schneider, wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, tritt zwar auch bei Frauen meist eines der typischen Schlaganfall-Symptome wie eine plötzliche halbseitige Lähmung oder eine Sehstörung auf, doch häufig in Kombination mit weniger eindeutigen Merkmalen wie Bewusstseinstörungen, Schmerzen, Missempfindungen oder Verwirrtheit. Deshalb dauere es oft länger, bis ein Schlaganfall als solcher erkannt und entsprechend behandelt werde, so Schneider.

TIA: Der Vorbote des Schlaganfalls

Ein Vorbote des Schlaganfalls ist die "Transitorische ischämische Attacke (TIA)". Es handelt sich um eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns. Die Symptome des Schlaganfalls bilden sich innerhalb von Minuten oder Stunden vollständig zurück. Die TIA hat in der Notfallmedizin eine große Bedeutung, weil die schnelle Erkennung und Behandlung der Ursache bei vielen Patienten einen "großen" Schlaganfall verhindern kann. Das Risiko, einen vollendeten Schlaganfall zu erleiden, ist in den ersten Tagen nach einer TIA sehr hoch.

Zwei Ursachen können dem Schlaganfall zugrunde liegen

Der Verschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (Thrombus oder Embolus) führt zum Hirninfarkt – Ärzte sprechen dann von einer Ischämie oder einem ischämischen Schlaganfall. Die Folge der Durchblutungsstörung ist eine Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffversorgung, die zu einem Funktionsverlust und später zum Tod der Hirnzellen führt. 80 bis 85 Prozent der Schlaganfälle werden durch eine Ischämie verursacht.

Seltener entsteht der Schlaganfall durch eine Hirnblutung (15 bis 20 Prozent). Dabei reißt die Hirnarterie ein, wodurch der Hirndruck ansteigt und die Nervenzellen eingeengt werden. Diese Blutungen entstehen meist im Inneren des Hirngewebes (intrakranielle und intrazerebrale Blutung) oder zwischen den Hirnhäuten (Subarachnoidalblutung). Hirnblutungen gelten als besonders schwerwiegende Schlaganfälle, von denen häufig auch jüngere Menschen betroffen sind.

Schlaganfall: Symptome erkennen und Leben retten

Dr. Heart / Expertenteam

Wie kommt es zum Verschluss eines Blutgefäßes?

Der Verschluss eines Blutgefäßes kann auf verschiedenen Wegen entstehen. Fast immer ist die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) der Übeltäter. Die Arteriosklerose ist eine krankhafte Veränderung der Blutgefäße, genauer gesagt: der Arterien. Die Beweglichkeit der Gefäßwand ist wichtig, um den Blutstrom aufzunehmen und dem Druck des Blutes standzuhalten. Die Arteriosklerose verursacht eine Verminderung der Wandbeweglichkeit und Verengung des Gefäßes. Außerdem wird die Gefäßwand brüchig. Reißt sie ein, kommt es zu Einblutungen und der Bildung von Blutgerinnseln. Das ohnehin verengte Gefäß kann sich verschließen und das umliegende Gewebe wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Dieser Thrombus kann sich direkt im Gehirn bilden. Ein Blutgefäß kann aber auch durch Einschwemmung eines Thrombus, etwa aus dem Herzen, verschlossen werden – diese Einschwemmung nennt sich Embolie.

So entsteht eine Hirnblutung

Bluthochdruck ist die häufigste Ursache einer Hirnblutung. Der hohe Blutdruck belastet die Blutgefäße und macht sie brüchig. Hält er längere Zeit an, werden die Gefäße so stark beansprucht, dass sie platzen können. Blut strömt dann aus dem Blutgefäß in das umliegende Hirngewebe. Die Gefahr ist besonders im Rahmen einer hypertonen Krise mit exzessiv erhöhten Blutdruckwerten gegeben. Hier genügen bereits Minuten bis Stunden, damit es zu einer Blutung kommen kann. Einige Menschen leiden unter einer säckchenartigen Ausweitung der Gefäßwand (Aneurysma). Platzt diese Aussackung, entsteht die sogenannte Aneurysmablutung. Sie ist in etwa fünf Prozent der Fälle Ursache eines Schlaganfalls. Das wichtigste Symptom der Aneurysmablutung sind plötzlich einsetzende, rasende Kopfschmerzen, ein steifer Nacken und die Eintrübung des Bewusstseins. In beiden Fällen kann das Gehirngewebe durch den entstehenden Druck so stark geschädigt werden, dass es abstirbt.

So mindern Sie Ihr Schlaganfallrisiko

Diese Risikofaktoren begünstigen einen Schlaganfall

Die Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls sind unter anderem Bluthochdruck, Diabetes mellitus, ein erhöhter Cholesterinspiegel und ein ungesunder Lebensstil durch Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht. Hinzu kommen nicht beeinflussbare Faktoren wie das Lebensalter, die genetische Veranlagung und das Geschlecht.

  • Bluthochdruck: Ein chronischer Bluthochdruck (Hypertonie) ist der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall (Apoplex). Von chronisch hohem Blutdruck spricht man, wenn der Wert wiederholt über 140 mmHg systolisch (oberer Wert) und 85 mmHg diastolisch (unterer Wert) liegt. Durch regelmäßige körperliche Bewegung, Abbau von Stress, gesunde Ernährung und salzarme Kost lässt sich ein erhöhter Blutdruck senken. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um einen normalen Blutdruckwert zu erreichen, muss der Arzt Medikamente verschreiben.

  • Cholesterin: Cholesterinhaltige Ablagerungen an den Gefäßwänden führen zur Arteriosklerose. Die häufigste Ursache der Fettstoffwechselstörung ist eine zu fett- und cholesterinreiche Ernährung sowie ein vermehrter Alkoholkonsum. Auch eine genetische Veranlagung kann zu erhöhten Cholesterinwerten führen. Lassen Sie Ihre Cholesterinwerte regelmäßig kontrollieren.

  • Diabetes mellitus: Der Schlaganfall wird bei einem Diabetiker durch Schädigungen der kleinen und großen Blutgefäße (Mikro- und Makroangiopathie) verursacht: Überschüssige Zuckermoleküle im Blut lagern sich an die Gefäßwände und führen zu einer Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose). Deshalb sind ein gesunder Lebensstil und eine konsequente Zuckereinstellung für Diabetiker sehr wichtig. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen und eine angepasste Ernährung können die Spätfolgen der Zuckerkrankheit deutlich reduzieren.

    • zum Test

      Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht ausreichend mit Blut versorgt. Kennen Sie die Symptome im Vorfeld? Testen Sie Ihr Wissen!

    Rauchen: Nikotinkonsum fördert die Arterienverkalkung. Zusätzlich verändern die Substanzen im Zigarettenrauch die Blutgerinnung. Es besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden. Raucher haben ein bis zu fünffach erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Auch das Herzinfarktrisiko und die Gefahr der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (Raucherbein) steigt deutlich. Das Rauchen einzustellen lohnt sich: Innerhalb eines Jahres sinkt das Schlaganfall-Risiko auf das Niveau eines Nichtrauchers.

  • Vorhofflimmern: Eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen ist Vorhofflimmern. Dabei gerät die Abstimmung von Herzvorhof und Herzkammer durcheinander, beide schlagen plötzlich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Durch diese fehlende Abstimmung kann die Herzkammer das Blut nicht mehr effizient weiterpumpen. Das Blut staut sich im Vorhof des Herzens an und ein Blutpfropf (Gerinnsel) kann entstehen. Wenn sich das Blutgerinnsel löst, kann es in die Hirnarterien geschwemmt werden und dort den Blutfluss behindern. Es kommt zu einem Schlaganfall. Ist die Ursache des Vorhofflimmerns nicht zu beseitigen, wird der Arzt ein Blut verdünnendes Medikament verordnen.

Diagnose bei Verdacht auf Schlaganfall

Eine optimale Therapie des Schlaganfallpatienten innerhalb der ersten drei bis sechs Stunden schafft gute Aussichten, dass Symptome wie Lähmung und Sprachstörungen zurückgehen. Der Patient muss daher schnell in eine "Stroke Unit" eingewiesen werden. Angehörige sollten bei Verdacht auf Schlaganfall die FAST-Regel beachten und ohne Zögern den Notarzt rufen.

Schlaganfall-Test bringt schnell Gewissheit bei Verdacht auf Schlaganfall

Ein Schlaganfall-Betroffener nimmt die Symptome selbst nicht immer wahr und ist daher auf die schnelle Reaktion von Angehörigen, Freunden oder Kollegen angewiesen. Es ist wichtig, dass Sie die Schlaganfall-Symptome kennen und richtig handeln. Überprüfen lässt sich der Schlaganfall-Verdacht mit dem sogenannten FAST-Test:

  • F steht dabei für Face (engl. für Gesicht): Helfer sollten den Betroffenen bitten, zu lächeln. Verzieht er nur eine Gesichtshälfte, könnte die andere infolge des Schlaganfalls gelähmt sein.
  • A steht für Arms (Arme) und bedeutet, dass die Person beide Arme nach vorne strecken und die Handflächen nach oben drehen soll. Gelingt das nicht, ist das ebenfalls ein Anzeichen für eine Lähmung.
  • S steht für Speech (Sprache). Schafft es der Betroffene nicht, einen einfachen Satz nachzusprechen oder klingt seine Stimme verwaschen, könnte er eine Sprachstörung haben, die auf einen Schlaganfall hindeutet.
  • T schließlich steht für Time (Zeit) und meint, dass beim Verdacht auf einen Schlaganfall umgehend über den Notruf 112 Hilfe gerufen werden muss. Diese Nummer gilt auch in allen EU-Mitgliedsstaaten.

Diese diagnostischen Maßnahmen stehen dem Arzt zur Verfügung

Nach dem Schlaganfall ist eine schnelle Diagnostik angezeigt. Sie dient dazu, den Ort der Durchblutungsstörung zu lokalisieren und die Ursache der Durchblutungsstörung zu klären. Hierzu wird der Patient zunächst körperlich untersucht. Danach folgen unterschiedliche diagnostische Maßnahmen.

In der Akutphase des Apoplex und während der Versorgung auf einer Stroke-Unit findet zudem eine intensive Überwachung von Atem-, Herzkreislauf- und Stoffwechselfunktion statt. Ergänzt werden die Untersuchungen durch die Kontrolle der Blutwerte. Ausgewertet werden ebenso die Blutgerinnung, der Blutzuckerspiegel und der Sauerstoffgehalt im Blut. Im Verlauf der weiteren Behandlung können, je nach Krankheitsverlauf, weitere diagnostische Maßnahmen angezeigt sein:

  • EKG (Elektrokardiographie): Jeder vierte Apoplex wird durch ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel aus dem Herzen verursacht – Ärzte sprechen dann von einer kardialen Embolie. Daher sollte bei jedem Schlaganfall-Patienten zumindest ein Ruhe EKG durchgeführt werden, um die Herzfunktion zu prüfen.

  • Dopplersonographie: Ein wichtiges Verfahren zur Risikobeurteilung ist die Ultraschalluntersuchung der Hirngefäße. Mit diesem Verfahren können die Strömungsverhältnisse in den Gefäßen dargestellt werden. Engstellen und Verkalkungen der Gefäße, die eine Durchlässigkeit des Blutes erschweren, werden nachgewiesen.

  • Angiographie: Die Röntgendarstellung der Blutgefäße zeigt Gefäße, deren Beurteilung durch eine Dopplersonographie zum Teil nicht möglich ist. Nachdem ein Kontrastmittel in den Kreislauf des Patienten gespritzt wird, erfolgt ein Röntgenbild vom Kopf. Die einzelnen Blutgefäße können sehr genau dargestellt und beurteilt werden. Allerdings kann das Kontrastmittel zu Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten führen, zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen oder im schlimmsten Fall zu allergiebedingten Schockzuständen.

  • Echokardiographie: Besteht der Verdacht, dass ein aus dem Herzen eingeschwemmtes Blutgerinnsel den Schlaganfall verursacht hat, wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt. Dieses Verfahren nennt man Echokardiographie. Reicht die Untersuchung durch das Aufsetzen des Schallkopfes auf dem Brustkorb nicht aus, wird ein kleiner Schallkopf über die Speiseröhre eingeführt. Wie bei einer Magenspiegelung muss der Patient hierbei einen dünnen Schlauch schlucken. Auch nach der Akutbehandlung auf einer Stroke-Unit ist bei vielen Patienten weiterhin eine tägliche Kontrolle der Blutzucker und Blutdruckwerte notwendig. Das Ausmaß notwendiger Untersuchungen richtet sich nach dem individuellen Krankheitsverlauf des Patienten.

Schlaganfall behandeln: Die wichtigsten Maßnahmen

Die entscheidende Therapie in der Akutphase des Schlaganfalls ist die Lysetherapie – auch Thrombolyse genannt. Sie kann nur in einem engen Zeitfenster nach dem Schlaganfall durchgeführt werden und ist am wirkungsvollsten, wenn sie möglichst unmittelbar nach dem Gefäßverschluss erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Blutgerinnsel noch nicht so stark verfestigt und lässt sich am besten auflösen. Je mehr Zeit verstreicht, desto geringer ist die Chance, dass sich das Gefäß wieder öffnet.

Das Lyse-Medikament hemmt die körpereigene Blutgerinnung im gesamten Körper. Daher kann diese Therapieform nicht bei allen Patienten mit einem Schlaganfall eingesetzt werden. Zu Beginn der Lysetherapie muss eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls ausgeschlossen werden – hier darf keine Lysetherapie erfolgen. Bei sehr großen Hirninfarkten besteht die Gefahr einer zusätzlichen Hirnblutung. Daher ist die Lysetherapie auch hier kontraindiziert. Das Lyse-Medikament kann unterschiedlich verabreicht werden:

  • Systemische Lyse: In den ersten drei Stunden nach Beginn des Schlaganfalls wird versucht, den Thrombus beziehungsweise Embolus durch die Gabe von Medikamenten aufzulösen, um das Gefäß wieder zu eröffnen. Dabei werden Enzyme verabreicht, die das körpereigene Abbauenzym aktivieren und das Gerinnsel auflösen. Verwendet werden die Enzyme gewebespezifischer Plasminogenaktivator r-tPA und seltener Urokinase. In Ausnahmefällen kann eine Lyse auch bis zu 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall durchgeführt werden.

  • Lokale Lyse: Bis zu sechs Stunden nach dem ischämischen Hirninfarkt erfolgt die lokale Lysetherapie. Das verschlossene Gefäß im Gehirn wird mithilfe eines Röntgengeräts dargestellt. Ein Katheter wird in das Hirngefäß eingelegt und bis zum verschlossenen Blutgefäß vorgeschoben. So wird das Medikament r-tPA oder Urokinase an Ort und Stelle verabreicht. Diese Form der Lysetherapie erfordert allerdings einen erfahrenen Neuroradiologen und wird daher nur ausgewählten Zentren praktiziert.

Blutdruck im weiteren Verlauf normalisieren

Für die weitere Behandlung und Vorsorge ist eine Normalisierung des Blutdrucks wichtig: Dieser darf einen Wert von 139/89 mmHg nicht überschreiten. Hierfür werden blutdrucksenkende Medikamente (Antihypertensiva) aus unterschiedlichen Medikamentengruppen ausgewählt: Diuretika, Beta-Blocker, Kalziumantagonisten, ACE-Inhibitoren und AT1-Antagonisten. Jede Gruppe hat ihren spezifischen Wirkmechanismus und damit auch jeweils Vor- und Nachteile. Der behandelnde Arzt kann die Therapie auf die Bedürfnisse des Patienten ausrichten. Die gleichzeitige Anwendung mehrerer Medikamente, sogenannte Kombinationstherapien, können eine erhöhte Wirksamkeit bei weniger Nebenwirkungen erzielen.

Blutzuckerkontrolle und Fettstoffwechsel einstellen

Der Blutzucker muss immer im Bereich der Normalwerte liegen. Bei erhöhten Blutzuckerwerten über 200 mg/dl werden blutzuckersenkende Medikamente eingesetzt. Der Nüchtern-Blutzucker muss täglich bestimmt werden. Leidet der Patient unter Fettstoffwechselstörungen, ist nach Abwägung aller vorhandenen Risikofaktoren eine Senkung des Cholesterins durch die Einnahme von Medikamenten notwendig. Die Medikation richtet sich nach der Höhe des Cholesterins und dem individuellen Risikoprofil. Ziel ist eine Senkung des LDL-Cholesterins auf Werte unter 100 mg/dl.

Schlaganfall vorbeugen: Medikamente und viel Wasser trinken

Die Gabe von Thrombozytenaggregationshemmern beeinflusst die Blutgerinnung. Sie lösen ein Blutgerinnsel zwar nicht auf, verhindern aber, dass ein bestehendes Gerinnsel größer wird oder sich neue Blutgerinnsel bilden. Die am häufigsten eingesetzten Thrombozytenaggregationshemmer sind: Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel und Dipyridamol. Ist ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel aus dem Herzen die Ursache des Schlaganfalls, wird häufig eine Behandlung mit Antikoagulantien durchgeführt. Antikoagulantien sind Medikamente, die die Gerinnung des Blutes herabsetzen und einer Gerinnselbildung vorbeugen. Die bekanntesten Medikamente sind Heparine und der Gerinnungshemmer Marcumar.

Auch Wasser spielt in der Prävention von Schlaganfällen eine wichtige Rolle: Eine Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Münster fand heraus, dass Patienten, die viel trinken, ihr Risiko für einen erneuten Schlaganfall um bis zu 25 Prozent reduzieren. Mindestens zwei Liter Wasser pro Tag schützen vor der Wiederholung eines Schlaganfalls. Diese Regel hat jedoch Ausnahmen: Patienten mit einer Herzschwäche oder bestimmten Nierenleiden müssen die tägliche Flüssigkeitszufuhr unbedingt mit ihrem Arzt absprechen. Bei ihnen gilt manchmal: weniger ist mehr.

Die Folgen eines Schlaganfalls sind oft gravierend

Die Schäden, die ein Schlaganfall hinterlassen kann, sind gravierend. Ihr Ausmaß hängt davon ab, in welcher Hirnregion die Blutzufuhr unterbrochen wurde, wie groß das betroffene Areal war und wie lange die Unterbrechung anhielt. Häufigste Folgen sind Lähmungen auf einer Körperseite, Gehstörungen, Empfindungsstörungen, Koordinationsschwierigkeiten, Sprech- und Sprachstörungen, Sehstörungen, Störungen des Schluckvermögens sowie Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit (z.B. gestörtes Erinnern, gestörtes Konzentrationsvermögen). Die daraus resultierenden Behinderungen können oft nur durch eine langwierige Rehabilitation rückgängig gemacht oder gebessert werden.

Lesen Sie mehr zu den Folgen eines Schlaganfalls.

Aktuelle Artikel zum Thema
So mindern Sie Ihr Schlaganfallrisiko
Schlaganfall

Die Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, ein erhöhter Cholesterinspiegel und ein ungesunder Lebensstil durch Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht mehr...

Nach dem Schlaganfall: So geht es zurück ins Leben
Job, Sport, Sex

Die Rückkehr in das alte Leben hängt vom Schweregrad des Schlaganfalls ab. Doch oftmals sind Reisen, Sport und Sex wieder möglich mehr...

Reha nach einem Schlaganfall
Krankheitsfolgen abfedern

Nach einem Schlaganfall kann eine Reha mit Maßnahmen zur Rückkehr in Alltag und Beruf notwendig sein. Das müssen Sie dazu wissen mehr...

Schlaganfall: Vorboten und akute Symptome erkennen
Schlaganfall

Ein Schlaganfall passiert im Inneren des Körpers. Wer die Vorboten erkennt, kann ihn verhindern mehr...

Pflege: Gezielte Unterstützung nach Schlaganfall
Tipps für Angehörige

Der richtige Umgang mit dem Schlaganfall-Patienten ist entscheidend, um Unsicherheiten und ein vermindertes Selbstwertgefühl bei dem Betroffenen zu vermeiden mehr...

Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang