Akut oder chronisch

Leberversagen: Symptome, Ursachen und Prognose

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Ohne eine gezielte Behandlung führt ein Leberversagen (Leberinsuffizienz) schnell zum Tod. Das Organ ist in seiner Funktion gestört und kann den Körper nicht mehr entgiften. Welche Symptome sind typisch, wie kann eine Leberinsuffizienz behandelt werden und wie stehen die Heilungschancen?

Leberversagen kann akut oder chronisch sein
© Getty Images/Natali_Mis

Bei einem Leberversagen verschlechtert sich die Leberfunktion drastisch. Leberversagen kann chronisch verlaufen, also über einen langen Zeitraum hinweg entstehen oder akut. Die Ursachen für die Leberinsuffizienz sind vielfältig.

Artikelinhalte im Überblick:

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Leber: Funktion im Körper

Welche Aufgaben erfüllt die Leber im Körper? Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ, kann es nicht mehr richtig arbeiten, führt das zu einer Vielzahl von Symptomen und unbehandelt in Folge zum Tod.

Die Leber ist ein Stoffwechselorgan, sie ist unter anderem an der Speicherung von Vitaminen und Kohlenhydraten beteiligt. Mithilfe von Vitamin K stellt die Leber Eiweiße her, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Auch in den Fettstoffwechsel ist das Organ eingebunden.

Zudem filtert die Leber das Blut und unterstützt den Körper bei der Entgiftung. Medikamente und schädliche Stoffwechselprodukte laufen über den Blutkreislauf dort ein und werden zu ungefährlichen Stoffen umgebaut. So wird etwa giftiges Ammoniak in Harnstoff umgewandelt, der dann über die Nieren ausgeschieden wird.

Leberversagen: Symptome einer Leberinsuffizienz

Bei einem Leberversagen handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung, es treten typischerweise heftige Symptome auf. Zentral für das Leberversagen sind drei Symptome:

  • Gelbsucht (Ikterus): Es kommt zu einer Gelbfärbung der Haut, Schleimhäute und Augen.

  • Blutgerinnung: Die Leberinsuffizienz geht mit Gerinnungsstörungen und in Folge mit einer Blutungsneigung einher, das wird auch als hämorrhagische Diathese bezeichnet. Oft treten im Zuge dessen punktuelle Einblutungen in die Haut auf (Petechien). Auch größere Hämatome können vorkommen.

  • Bewusstsein: Durch das Leberversagen kommt es zu neurologischen Symptomen. Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Verwirrtheit, Lidflattern und -zucken, Schläfrigkeit und im schlimmsten Fall Koma sind typisch, wenn das Gehirn und Nervensystem durch Stoffwechselprodukte wie Ammoniak vergiftet wird. Dieser Zustand wird als hepatische Enzephalopathie bezeichnet.

Zu der klassischen Symptomtrias gesellen sich oftmals noch weitere Beschwerden und Hinweise auf die Leberinsuffizienz. Beispielsweise kommt es im Verlauf häufig zu einer Schwellung und Wasseransammlung im Bauchraum, der sogenannten Aszites. Auch Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) können im Zuge der Erkrankung auftreten. Zudem kann das fortschreitende Organversagen zu einem Foetor hepaticus führen: Dabei riecht die Atemluft Betroffener nach roher Leber.

In etwa der Hälfte der Fälle weitet sich das Organversagen auf die Nieren aus, dies wird als hepatorenales Syndrom bezeichnet.

Formen von Leberversagen: Akut oder chronisch

Leberversagen kann je nach Verlauf in verschiedene Formen unterteilt werden. Akutes Leberversagen tritt plötzlich auf und kann bei Menschen ohne Vorerkrankungen unbehandelt innerhalb weniger Tage zum Tod führen. Chronisches Leberversagen entwickelt sich hingegen über einen langen Zeitraum hinweg.

Verschlechtert sich der Zustand von Menschen mit einer chronischen Leberinsuffizienz plötzlich, sprechen Fachleute zudem von einem akut-auf-chronischen Leberversagen.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Meist entwickelt sich die Leberinsuffizienz chronisch, also schleichend über Jahre hinweg. Die Ursachen können vielfältig sein, in der Regel ist eine bestehende Erkrankung Grund für das Leberversagen. Beispielsweise kann eine Leberzirrhose ursächlich sein, diese entsteht etwa durch starken Alkoholmissbrauch. Auch einige Medikamente wie Paracetamol können das Organ über Jahre hinweg belasten und großen Schaden anrichten.

Weitere mögliche Ursachen von chronischem Leberversagen:


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Akutes Leberversagen (ALV) entsteht plötzlich und ohne eine vorherige Schädigung und Erkrankung der Leber. ALV ist selten, in Deutschland erkranken jährlich nur etwa 200 bis 500 Menschen. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall, unbehandelt führt die akute Leberinsuffizienz innerhalb kürzester Zeit zum Tod. In den allermeisten Fällen ist eine Virusinfektion der Auslöser, etwa durch Hepatitis A, B, D und E. Seltener sind andere Viren der Grund für das akute Leberversagen, darunter:

In sehr seltenen Fällen ist eine Autoimmunhepatitis die Ursache für das akute Leberversagen, dabei richtet sich das eigene Immunsystem gegen Leberzellen. Manchmal löst auch die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson die akute Insuffizienz aus. Auch eine Schwangerschaft stellt ein Risiko dar, beim HELLP-Syndrom (Schwangerschaftsvergiftung) droht akutes Lebersagen.

Daneben kann auch eine Vergiftung zu ALV führen: Der Verzehr von Knollenblätterpilzen führt zu Leberversagen.

Diagnose: Wie wird das Leberversagen festgestellt?

Treten Gelbsucht, hepatische Enzephalopathie sowie eine Gerinnungsstörung auf, liegt meist ein Leberversagen vor. Laboruntersuchungen des Blutes helfen dann, die Diagnose zu festigen. Relevante Laborwerte sind unter anderem:

Manchmal wird eine Gewebeprobe der Leber entnommen und auf Veränderungen hin untersucht (Leberbiopsie). Antikörpertests können Hinweise auf bestehende Virusinfektionen geben, manchmal werden Alkohol oder Medikamente im Blut bestimmt, um die Ursache für das Leberversagen feststellen zu können. Das ist insbesondere notwendig, wenn Betroffene im Koma liegen und keine Frage zu Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch beantworten können. Bei Verdacht auf Morbus Wilson können zusätzlich Kupferwerte im Blut bestimmt werden.

Auch die Urinfarbe kann für die Diagnosestellung eine Rolle spielen: Ist der Urin dunkel verfärbt, deutet das auf Nierenversagen hin.

Neben der Labordiagnostik können bildgebende Verfahren und eine Tastuntersuchung zeigen, ob die Leber vergrößert oder verkleinert und ob der Bauch geschwollen ist beziehungsweise ob sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle angesammelt hat.

Wie wird Leberversagen behandelt?

Leberversagen, insbesondere akute Formen, müssen schnellstmöglich behandelt werden. Die Therapie richtet sich in erster Linie nach der Ursache. Ist eine Viruserkrankung der Auslöser, kann beispielsweise eine antivirale Therapie gegen ein Fortschreiten der Erkrankung helfen.

Ist eine Vergiftung durch den Knollenblätterpilz die Ursache für das Leberversagen, werden Aktivkohle und Silibinin eingesetzt, um das Gift zu neutralisieren. Zudem werden Pilzreste aus dem Magen entfernt, etwa durch eine Magenspülung.

Darüber hinaus müssen Komplikationen, Symptome und Folgen des Leberversagens eingedämmt und behandelt werden. Ist der Hirndruck im Zuge der hepatischen Enzephalopathie erhöht, können Medikamente helfen, diesen zu senken. Die Gabe von Elektrolyten, Vitamin K oder Gerinnungsfaktoren kann den Zustand stabilisieren.

Eine Leberdialyse kann die unzureichende Leberfunktion kompensieren, das Blut entgiften und kurzfristig die Leberfunktion verbessern. Die Dialyse kann helfen, die Zeit zu überbrücken, in der auf ein Spenderorgan gewartet wird: Denn in sehr schwerwiegenden Fällen hilft nur noch eine Lebertransplantation.

Prognose: Wie stehen die Heilungschancen bei Leberversagen?

Die Heilungschancen bei Leberversagen sind von vielen Faktoren abhängig, generell gilt: Je früher die Behandlung einsetzt, desto günstiger ist die Prognose. Auch das Alter spielt eine Rolle, Kinder unter 10 Jahren und Erwachsene über 40 Jahren sind besonders gefährdet.

Auch der Ausprägungsgrad der hepatischen Enzephalopathie ist entscheidend für die Heilungschancen, je stärker das zentrale Nervensystem betroffen ist, desto schlechter ist die Prognose von Betroffenen.

Leberversagen führt unbehandelt oft zum Tod, in den letzten Jahren hat sich die Prognose durch den medizinischen Fortschritt jedoch deutlich verbessert. Wichtig ist es, bei Symptomen schnellstmöglich ärztliche Hilfe einzuholen und eine Behandlung zu beginnen.

Vorbeugen: Wie kann man seine Leber schützen?

Wichtig ist, vor allem bestehende Grunderkrankungen wie etwa Diabetes mellitus zuverlässig zu behandeln, um eine Schädigung der Leber zu vermeiden.

Auch ein mäßiger Konsum beziehungsweise der Verzicht auf Alkohol helfen, das Stoffwechselorgan zu entlasten. Medikamente sollten nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden, auch freiverkäufliche Wirkstoffe können der Leber schaden. Arzneien wie Paracetamol belasten die Leber stark.

Auch die Überdosierung von Vitamin A kann einen Leberschaden anrichten, deshalb sollten Vitaminpräparate nicht ohne vorherige Bestimmung der Blutwerte eingenommen werden.

Hepatitis: So schützen Sie sich

Es gibt verschiedene Stämme der Virus-Hepatitis. Gegen Hepatitis A und B kann man sich durch eine Impfung schützen, die beispielsweise vor Reisen in Risikogebiete empfohlen wird. Daneben gibt es noch die Formen Hepatitis C, D und E.

Die Viren haben verschiedene Übertragungswege etwa über verunreinigte Nahrung und Wasser (Hepatitis A, E), aber auch Körperflüssigkeiten und Sexualkontakte.

Hepatitis-Infektionen vorbeugen:

  • Safer Sex: Kondome schützen nicht nur vor einer Schwangerschaft, auch reduzieren sie das Risiko sich mit Hepatitis (B, C) anzustecken.

  • Impfung: Vor einer Reise ins Ausland sollte geprüft werden, ob eine Impfung gegen Hepatitis notwendig ist und diese durchgeführt werden.

  • Lebensmittel: Vorsicht ist vor allem bei rohen Lebensmitteln und Trinkwasser geboten. Gemüse und Meeresfrüchte sollten in Risikogebieten lieber nicht oder nur durchgegart verzehrt werden, besonders anfällig sind Muscheln. Auch Leitungswasser kann nicht überall gefahrlos getrunken werden, deshalb empfiehlt es sich auf Reisen gekauftes Mineralwasser zu trinken. Fleisch sollte generell nur durchgegart verzehrt werden.

  • Drogen: Da bestimmte Hepatitis-Viren durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen werden kann, ist auf besondere Hygiene zu achten, falls Drogen konsumiert werden (keine Injektionsnadeln teilen). Daneben ist im Hinblick auf die allgemeine Gesundheit von Drogenkonsum generell Abstand zu nehmen.

  • Piercings/Tattoos: Auch über unsterile Piercing- und Tätowiernadeln kann eine Infektion erfolgen. Vor dem Stechen sollte sich über Hygienestandards in dem jeweiligen Studio informiert werden.

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