Herz-Kreislauf-Risiko

Metabolisches Syndrom: Das "tödliche Quartett"

Treten Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz oder Diabetes mellitus gleichzeitig auf, sprechen Ärzte vom metabolischen Syndrom. Diese Kombination von Risikofaktoren kann schwerwiegende Folgen haben: Weil das "tödliche Quartett" Arteriosklerose begünstigt, treten Erkrankungen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle viel häufiger auf. Was kann man dagegen tun?

mann mit metabolischem syndrom
Mehr als 94 Zentimeter? Der Bauchumfang gilt als wichtiger Indikator für das metabolische Syndrom. Bei Frauen gelten Werte über 80 Zentimeter als Risikofaktor, bei Männern sind es 94 Zentimeter. Zusätzlich werden bei der Diagnose einige Blutwerte bestimmt.
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"Metabolisch" bedeutet so viel wie "den Stoffwechsel betreffend". Das metabolische Syndrom ist ein Sammelbegriff für Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen. Um diese vier Bausteine handelt es sich:

Für die Diagnose eines metabolischen Syndroms müssen mindestens drei dieser Faktoren gleichzeitig vorliegen. Eine allgemein akzeptierte Definition gibt es bisher zwar nicht. Dennoch sind sich Experten weltweit einig, dass die Kombination aus Fettleibigkeit, Störungen des Stoffwechsels und der Blutdruckregulation höchst gefährlich ist.

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Negative Folgen für Herz und Hirn

Wegen seiner schwerwiegenden Folgen wird das metabolische Syndrom auch als "tödliches Quartett" bezeichnet. Denn die Blutgefäße sind dabei aufgrund der Stoffwechsellage verengt oder steifer als bei Gesunden, der Fachausdruck hierfür lautet Arteriosklerose.

Das Blut muss dann mit mehr Druck durch die Blutbahnen gepumpt werden. Manchmal kann sich eine Fettablagerung von der Gefäßwand ablösen und eine Arterie gänzlich verstopfen. Geschieht dies im Herzen, kommt es zum Myokardinfarkt: Der Bereich des Herzmuskels, der hinter dem Gefäßpfropf liegt, wird dabei nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und stirbt ab.

Eine Studie zeigte außerdem, dass durch das metabolische Syndrom nicht nur das Herz in Gefahr schwebt, sondern auch das Gehirn. Die Folgen: Aufgrund des metabolischen Syndroms sind Hirnfunktionen wie Sprache, abstraktes Denkvermögen, Handlungsplanung sowie Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung oder Wahrnehmungsfähigkeit beeinträchtigt.

Diagnose: Körpermaße und Blutwerte verraten das metabolische Syndrom

Heute gilt nicht der erhöhte Blutdruck, sondern der Taillenumfang als wichtigstes Erkennungszeichen. Denn es kommt nicht nur darauf an, wie viel Übergewicht jemand mit sich herumträgt, sondern vor allem darauf, wo es sitzt. Haben sich die überflüssigen Pfunde um die Taille herum angelagert, spricht man von viszeraler Adipositas, also einer bauchbetonten Fettleibigkeit.

Sie ist besonders ungesund, denn dieses Bauchfett entwickelt ein Eigenleben: Es bildet Botenstoffe, die Einfluss auf den Zucker- und Fettstoffwechsel nehmen. Fettstoffwechselstörungen und ein Typ-2-Diabetes sind über kurz oder lang die Folge. Bei Frauen wird es ab einem Bauchumfang von 80 Zentimetern riskant, bei Männern ab 94 cm.

Insulinresistenz und Diabetes mellitus

Neben dem erhöhten Bauchumfang ist das schlechtere Ansprechen auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin ein wichtiges Merkmal des metabolischen Syndroms. Durch das konstante Überangebot an Nährstoffen im Blut verändern die Körperzellen ihren Stoffwechsel. Sie reagieren immer weniger auf Insulin, das normalerweise den Zucker (Glukose) in die Zellen schleust.

Dieser Zustand wird als Insulinresistenz bezeichnet. Da die Zellen aber Glukose benötigen, muss die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse immer weiter gesteigert werden. Im Laufe der Jahre verausgabt sich das Organ, bis es kein Insulin mehr produziert und der Blutzuckerspiegel entgleist. Das lebenswichtige Hormon muss dann gespritzt werden.

Wichtige Laborwerte, um das metabolische Syndrom festzustellen

Um ein metabolisches Syndrom zu diagnostizieren, misst der Arzt bei Patienten mit bauchbetonter Fettleibigkeit üblicherweise den Blutdruck. Liegt der obere (systolische) Wert über 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) und der untere (diastolische) über 90 mmHg, spricht man von Bluthochdruck (Hypertonie).

Um sich ein Bild von der Stoffwechselsituation zu machen, bestimmt der Arzt außerdem die Zusammensetzung der Blutfettwerte und den Blutzuckerspiegel. Bei den Fetten kommt es vor allem auf die Triglyzeride an. Liegt ihr Wert über 150 Milligramm pro Deziliter (mg/dl), ist dies ein weiterer Hinweis. Kommt dann noch ein im nüchternen Zustand gemessener Blutzuckerwert von mindestens 100 mg/dl hinzu, ist das tödliche Quartett komplett – höchste Zeit, gegenzusteuern!

Behandlung des metabolischen Syndroms: Weniger essen, mehr bewegen

Die Behandlung des metabolischen Syndroms gestaltet sich im Prinzip ganz einfach und nebenwirkungsfrei: Durch eine verringerte Nahrungszufuhr und stärkere körperliche Aktivität lassen sich alle Faktoren, auch erhöhter Blutdruck, gleichzeitig günstig beeinflussen.

Der Schlüssel heißt regelmäßige körperliche Bewegung: An fünf Tagen der Woche sollten mindestens 30 Minuten, besser noch eine Stunde Sport auf dem Programm stehen. Welche Art der Bewegung ein Patient wählt, sollte sich an seinen Vorlieben orientieren, aber auch mit dem Arzt abgesprochen werden. Denn der positive Effekt der Aktivität darf nicht auf Kosten der Gelenke gehen.

Diese Sportarten eignen sich auch bei Übergewicht

Prinzipiell sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking oder auch Wassergymnastik empfehlenswert. Die Kalorienzufuhr sollte eine negative Bilanz haben, also etwa 500 bis 800 Kilokalorien (kcal) unter dem errechneten täglichen Bedarf liegen. Empfehlenswert ist darüber hinaus, die Fettmenge auf unter 30 Prozent der Kalorienzufuhr zu verringern. Die aufgenommenen Kohlenhydrate sollten möglichst aus Gemüse, Obst und Vollkornprodukten stammen.

Auch Milch kann die Wahrscheinlichkeit, am metabolischen Syndrom zu erkranken, offenbar reduzieren. Das ergab eine brasilianische Studie, die 2015 im "Journal of Nutrition" erschien. Demnach senken gerade die früher nicht empfohlenen, vollfetten Milchprodukte das Risiko.

Eine Analyse aus Japan ergab zudem vor einigen Jahren, dass eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori das Risiko für das metabolische Syndrom erhöht. Wer an einer solchen Entzündung leidet, sollte sie ärztlich behandeln lassen. Meist geschieht das mit Antibiotika.

Autor:
Letzte Aktualisierung:27. Mai 2016
Durch: Sarah Wagner
Quellen: Hanefeld M: Das metabolische Syndrom: Definitionen, common soil für Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen, Konsequenzen für die Therapie, Adipositas Spektrum 2006; 3, S. 7-10; Eckel R: Das Metabolische Syndrom, bearb. Janssen OE, Jannsen OH, in: Harrison Innere Medizin, 2009, 17. Auflage, Kapitel 236; Rödder D: Metabolisches Syndrom definiert, Ärzte Zeitung vom 22.10.2009; Alberti K et al. Harmonizing the metabolic syndrome. Circulation 2009, 120: 1640-1645

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