Rote Punkte auf der Haut

Petechien: Einblutungen in die Haut

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Wie Ausschlag sehen sie aus: Doch mit einer Dermatose haben die kleinen roten Punkte auf der Haut nichts zu tun. Was sind Petechien, woher kommen sie und sind sie gefährlich?

Mikro-Bluterguss auch ohne Verletzung: Petechien
Petechien sind kleine Einblutungen in die Haut. Sie sind Symptom einer Gerinnungsstörung und sollten nicht mit Ausschlag verwechselt werden.
© Getty Images/bozhdb

Petechien sind eine Form der Purpura: Blutungen der feinen Kapillargefäße, die sich durch kleine rote Punkte an der Hautoberfläche äußern. Auch die Schleimhäute können betroffen sein. Petechien können verschiedene Ursachen haben, wie eine Blutgerinnungsstörung oder ein mechanisches Trauma. Meist sind Petechien harmlos, es können allerdings gefährliche Erkrankungen dahinterstecken. Sie treten vorwiegend an den Armen und Beinen auf, kommen aber auch an anderen Körperstellen vor.

Artikelinhalte im Überblick:

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Petechien erkennen: Das sind die Merkmale

Kleine rote Punkte auf der Haut halten die meisten Menschen zunächst für einen Ausschlag oder eine andere Hauterkrankung. Auf den ersten Blick ist es nicht so leicht, festzustellen, was die Hautrötung bedeutet. Doch schaut man genauer hin, lassen sich Petechien gut von anderen Hautphänomenen abgrenzen.

So lassen sich Petechien erkennen:

  • Stecknadelkopfgroße Punkte auf der Haut
  • Kommen meist in Ansammlungen vor
  • Kein Juckreiz
  • Keine Schmerzen
  • Farbveränderung von rötlich, über violett-bläulich bis hin zu einem dunkelrot-bräunlichen Farbton – ähnlich wie bei einem Bluterguss (Hämatom)

Die Farbänderung der petechialen Einblutungen entsteht dadurch, dass der Körper die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) abbaut und den Blutfarbstoff Hämoglobin spaltet.

Um Petechien von einer Hauterkrankung abzugrenzen, hilft ein einfacher Test: Einen Glasspatel oder auch ein durchsichtiges Trinkglas auf die betroffene Stelle drücken. Ein Ausschlag verblasst durch den Druck, Petechien bleiben gut sichtbar: Kleine Mengen Blut treten aus den Kapillaren aus und sammeln sich in der Haut an – das ausgetretene Blut lässt sich nicht wegdrücken. Bei einem Ausschlag befindet sich das Blut noch in den Gefäßen, durch Druck verschwindet die Rötung.

Petechien: Was sind häufige Ursachen?

Petechien sind ein Symptom – hinter den punktförmigen Einblutungen können viele Auslöser stecken.

Petechien können durch kleine mechanische Gefäßverletzungen entstehen, beispielsweise durch das Tragen einer schweren Tasche, wenn die Gurtriemen in die Haut einschneiden und lokalen Druck ausüben. Auch ein schlecht sitzender BH-Träger kann die Einblutung verursachen. Kurzzeitig erhöhter Druck in den Gefäßen kann zu Petechien führen, zum Beispiel durch starkes Husten, häufiges Erbrechen oder nach einer Entbindung. In der Rechtsmedizin dienen Petechien im Bereich der Augen als Indiz für eine Strangulation.

Blutplättchen-Mangel: Thrombozytopenie als Ursache

Petechien treten vor allem im Zuge von Blutgerinnungsstörungen auf. Befinden sich im Blut zu wenig Blutplättchen (Thrombozyten), kann es zu den flohstichähnlichen Einblutungen kommen, da die Gefäße nicht mehr ausreichend abgedichtet werden. Kleine Sickerblutungen in das umliegende Gewebe sind dann auch ohne Verletzung möglich. Die Blutungsneigung ist erhöht. Es kommt häufig zu Hämatomen nach minimalsten Stößen und Verletzungen – auch Nasen- und Zahnfleischbluten sind ein häufiges Symptom der Thrombozytopenie. Bei Frauen kann es zu einer anhaltenden Periodenblutung kommen. Diese kann durch Erkrankungen des Knochenmarks ausgelöst werden.

Ursachen für eine Thrombozytopenie können sein:

  • Leukämie: Im Zuge des weißen Blutkrebses werden zu viele Leukozyten (weiße Blutkörperchen) gebildet, aber zu wenig Blutplättchen und Erythrozyten (rote Blutkörperchen).

  • Bösartige Lymphome: Auch eine Krebserkrankung des lympathischen Systems wie Morbus Hodgkin können die Thrombozytopenie verursachen.

  • Multiples Myelom (Plastozytom): Bei dieser Krebsform ist das Knochenmark betroffen und infolgedessen kann es zu einer verminderten Bildung der Blutplättchen kommen.

  • Chemotherapie und Bestrahlung: Im Rahmen der Krebstherapie werden neben den Krebszellen auch die blutbildenden Stammzellen abgetötet, sodass der Körper keine Blutzellen mehr bildet.

  • Immunthrombozythopenie (Morbus Werlhof): Thrombozyten haben eine verkürzte Lebensdauer, weil der Körper gegen sie Antikörper bildet.

Auch Medikamente können Petechien auslösen:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Antibiotika (Sulfonamid, Penicillin, Nitrofurane)
  • Warfarin und Heparin
  • Antiepileptika
  • Antidepressiva

Verletzungen und Entzündungen der Gefäße

Bei einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) insbesondere der feinen Gefäße kann es zu Petechien kommen. In der Regel handelt es sich bei Vaskulitiden um Autoimmunerkrankungen, bei denen die Gefäße vom Immunsystem angegriffen werden.


Purpura Schönlein-Henoch ist eine Form der Vaskulitis, die insbesondere bei (Klein-)Kindern vorkommt. Sie tritt meist nach einem Infekt auf. Antikörper lagern sich an den Gefäßwänden ab und rufen eine Immunreaktion hervor, durch die die Gefäße angegriffen werden. Die Folge sind Petechien.

Auch altersbedingte Verschleißerscheinungen und erworbene Gefäßschäden zum Beispiel durch Diabetes mellitus können Petechien verursachen.

Infektionskrankheiten als Auslöser von Petechien

Einige Infektionskrankheiten kommen als Ursache von Petechien infrage. Sie sind ein häufiges Symptom bei Tropenkrankheiten. Treten nach einem Auslandsaufenthalt Petechien auf, ist besondere Vorsicht geboten und der behandelnde Arzt sollte über den Reiseort informiert werden, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Petechien nach Corona-Impfung

Geimpfte Personen, die Petechien oder Blutergüsse nach der Impfung gegen COVID-19 entwickeln, sollen sofort ärztlichen Rat einholen. Auch Symptome wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Arm- oder Beinschwellungen müssen abgeklärt werden. Kopfschmerzen, die über einen Zeitraum von mehreren Tagen innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen nach der Corona-Impfung anhalten und sich nicht mit frei erhältlichen Schmerzmitteln lindern lassen, gehören ebenso genauer untersucht.

Petechien können auf eine Thrombose hinweisen. In sehr seltenen Fällen sind nach einer Impfung gegen COVID-19 mit dem Impfstoff von AstraZeneca Thrombosen und Thrombozytopenien aufgetreten. Eine gefährliche Folge ist das Auftreten einer Sinusvenenthrombose, bei der Hirnvenen verstopfen, den Blutabfluss verhindern und den Druck im Gehirn steigen lassen.

Da meist gleichzeitig eine Thrombozytopenie vorlag, gehen Wissenschaftler*innen von einem immunologischen Geschehen als Ursache der Thrombose aus. Wie und ob die Impfung Auslöser der Thrombosen ist, muss noch abschließend geklärt werden. Laut der Stellungnahme Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. vom März 2021 kam es bei den Vorfällen vermutlich zur Bildung von Antikörpern gegen Blutplättchen-Antigenen, woraufhin eine Aktivierung der Thrombozyten aktiviert wurde. Dennoch deuten aktuell keine Daten daraufhin, dass nach der Impfung häufiger derartige Fälle im Vergleich zu nicht-geimpften Person auftraten.

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Petechien: So stellt der Arzt die Diagnose

Zunächst wird der Arzt die betroffene Stelle genau untersuchen, um sicherzustellen, dass es sich um Petechien handelt und nicht doch eine Hautkrankheit die Rötung verursacht. Ein großes Blutbild und andere Laborwerte können Hinweise auf die Ursache geben. Auch der Urin kann zur Abklärung untersucht werden.

Fragen nach weiteren Symptomen, eingenommenen Medikamenten, körperliche Belastung und Verletzungen sowie kurz zurückliegende Fernreisen gehören zu einer umfassenden Diagnose: Findet der Arzt die Ursache der kleinen Einblutungen kann er eine geeignete Behandlung einleiten. Diese richtet sich nach der Ursache, nicht nach dem Symptom.

Petechien: Wann zum Arzt?

Treten Petechien auf, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Zwar sind die kleinen roten Punkte auf der Haut meist harmlos, es kann jedoch auch eine behandlungsbedürftige Erkrankung zugrundeliegen.

Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt, aber auch ein Dermatologe sein. Falls Auffälligkeiten des Hämatokritwerts festzustellen sind, also in der Zusammensetzung der festen Bestandteile des Blutes, kann ein Hämatologe die weitere Behandlung und Untersuchung übernehmen.

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