Grippeähnliche Symptome

Coronavirus verbreitet sich in Europa: Wie gefährlich ist die Lage?

Das Coronavirus verbreitet sich schneller als erwartet, in Italien stehen tausende von Menschen unter Quarantäne. An welchen Symptomen erkennt man die Erkrankung Covid-19 und welche Schutzmaßnahmen können das Risiko für eine Ansteckung verringern?

Coronavirus
Experten schätzen das Tragen eines Mundschutzes gegen das Coronavirus nicht als sinnvoll ein.
© iStock.com/Jun

Abgeriegelte Gemeinden, Hamsterkäufe und menschenleere Straßen: In Italien herrscht mit mehr als 230 bestätigten Fällen der Ausnahmezustand. Die italienischen Behörden bestätigten bereits mehrere Todesfälle. Wie schätzen Experten die Lage ein und wie kann man sich schützen?

Artikelinhalte im Überblick:

Sicherheit auf Reisen: Hier lauert Infektionsgefahr

Live-Karte zeigt Verbreitung des Coronavirus

Weltweit sind bereits über 79.300 Fälle offiziell bekannt – von ihnen starben bislang mehr als 2.620 Menschen. In Deutschland wurde das Virus bisher bei 16 Menschen nachgewiesen (Stand: 24.02.2020). Innerhalb Europas ist Italien bislang am stärksten betroffen.

Den aktuellen Stand der Verbreitung des Virus zeigt eine Live-Karte der John Hopkins Universität Baltimore (Maryland, USA). Nahezu in Echtzeit gibt die Karte genaue Informationen über alle bisher bestätigten Fälle, Todesopfer sowie geheilte Personen.

Die meisten Infektionen und fast alle Todesfälle konzentrieren sich nach wie vor auf die Stadt Wuhan, von wo sich das Coronavirus im Dezember 2019 ursprünglich ausbreitete. Das Virus wurde dort auf einem Markt von Wildtieren auf den Menschen übertragen.

Welche Symptome bei Coronavirus-Infektion?

Die Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus ähneln weitestgehend denen eines grippalen Infektes. Auftreten können unter anderem hohes Fieber bei allgemein starkem Krankheitsgefühl. Bei über 80 Prozent der Coronavirus-Infizierten treten nur milde Symptome auf.

Wie lässt sich aber eine Infektion mit dem Coronavirus von einem grippalen Infekt unterscheiden? Charakteristisch für das Coronavirus sind starke Atembeschwerden mit Husten und Kurzatmigkeit, da die Infektion hauptsächlich die Atemwege angreift.

Bei den Coronavirus-Fällen in Deutschland wurden außerdem folgende Symptome beschrieben:

Sobald die beschriebenen Symptome vorliegen, gilt vor allem ein direkter beziehungsweise indirekter Kontakt zur Region Wuhan als Indiz für eine mögliche Coronavirus-Infektion. Vor allem Reiserückkehrer aus China und Italien sowie deren Bezugspersonen sollten grippeähnliche Symptome deshalb frühzeitig abklären lassen.

Im schlimmsten Fall kann das Coronavirus lebensbedrohlich werden durch einen septischen Schock, Multiorganversagen oder Atemstillstand.

Erste Coronavirus-Fälle in Deutschland

Am 27.01.2020 wurde der erste Coronavirus-Fall in Deutschland bestätigt. Der 33-jährige Coronavirus-Patient steckte sich bei einer Frau aus China an. Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt, dass dies der erste bekannte Fall einer Coronavirus-Übertragung von Mensch zu Mensch außerhalb Asiens sei. Bislang haben sich in Deutschland insgesamt 16 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, zwölf von ihnen sind geheilt. Laut dem RKI sind alle 16 Fälle auf ein Infektionsgeschehen zurückzuführen.

Wie gefährlich ist das Coronavirus für Europa?

Am Abend des 30. Januar 2020 rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgrund der schnellen Verbreitung des Coronavirus offiziell eine weltweite gesundheitliche Notlage aus, um schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie einzuleiten.

In Norditalien hat sich das Virus überraschend schnell ausgebreitet. Etwa 50.000 Menschen wurden angewiesen, zu Hause zu bleiben und befinden sich unter Quarantäne. Menschen, welche die elf abgesperrten Gemeinden unerlaubt verlassen oder betreten, drohen Strafen. Die Bevölkerung der betroffenen Orte soll mit Lebensmitteln und Medikamenten beliefert werden. Öffentliche Einrichtungen sollen bis zum 01. März in weiteren Regionen Italiens geschlossen bleiben.

Die drastischen Maßnahmen sollen dazu dienen, eine weitere Verbreitung des Coronavirus möglichst zu verhindern. Bislang ist unklar, wo der Ursprung der Infektionen in Italien liegt und was die Kontrolle über die Ausbreitung des Virus erschwert. Aufgrund der langen Inkubationszeit könnte die Dunkelziffer Infizierter entsprechend hoch sein. Um infizierte Personen ausfindig zu machen, wurden in den letzten Tagen bereits mehrere tausend Menschen untersucht.

Gleichzeitig ruft Ministerpräsident Giuseppe Conte die Bevölkerung dazu auf, Ruhe zu bewahren und den Gesundheitsbehörden zu vertrauen. Eine Schließung der Grenzen sei vorerst nicht geplant, erklärt er.

Auch die Nachbarländer Italiens sind beunruhigt, es besteht erhöhte Wachsamkeit. Die deutsche Regierung steht nach Informationen des Auswärtigen Amtes mit den italienischen Behörden im engen Austausch.


Auch Experten des Robert Koch-Instituts beobachten die Lage kontinuierlich. Weltweit sei die Situation "ernst zu nehmen". Das Institut erklärt, dass in Deutschland mit weiteren Fällen gerechnet werden müsse. Für genauere Aussagen seien die vorliegenden Daten allerdings nicht ausreichend (Stand: 21.02.2020).

Das europäische Präventionszentrum ECDC schätzt das Risiko einer ähnlichen Ausbreitung des Virus wie in Norditalien für andere Länder Europas als moderat bis hoch ein (Stand: 23.02.2020).

Verbreitung wegen langer Inkubationszeit begünstigt

Das neuartige Coronavirus ist noch relativ unerforscht. Deshalb ist auch unklar, wie schnell es sich in verschiedenen Regionen der Welt verbreiten könnte. Zapf erklärt, dass beispielsweise auch die Wohnverhältnisse einen Einfluss haben. Bei besonders starkem Populationsdruck, wie dies etwa im chinesischen Wuhan der Fall ist, kann also das Risiko für die Verbreitung des Coronavirus höher sein.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass eine infizierte Person etwa zwei bis drei weitere Menschen mittels Tröpfcheninfektion ansteckt. Dies liegt auch an der relativ langen Inkubationszeit. Bis erste Symptome nach einer Infizierung mit dem Coronavirus auftreten, kann es von einem bis zu maximal 14 Tage dauern.

Schutzmaßnahmen: Ansteckungsgefahr minimieren

Dr. Martin Hoch, Leiter der "Taskforce Infektiologie" des Landesamts für Gesundheit und des Robert Koch-Instituts erklärt folgende Schutzmaßnahmen für sinnvoll, um das Infektionsrisiko durch den Coronavirus zu minimieren:

  • regelmäßiges und gründliches Händewaschen

  • Kontakt mit offensichtlich kranken Personen meiden

  • mit den Fingern nicht in Mund, Nase oder Augen fassen

  • regelmäßig lüften

  • Husten und Niesen in die Armbeuge oder in ein Taschentuch und dieses sofort entsorgen

  • keine Reisen in die zentralchinesische Provinz Hubei, in deren Hauptstadt Wuhan das Virus Ende 2019 erstmals auf den Menschen übertragen wurde. Das Auswärtige Amt empfiehlt außerdem, nicht erforderliche Reisen nach China generell zu verschieben.

Diese Maßnahmen schützen nicht nur den Einzelnen, sondern mindern auch die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Virus. Das Tragen eines Mundschutzes hingegen wird derzeit von Experten für die deutsche Bevölkerung als nicht sinnvoll oder notwendig eingeschätzt.

Diagnose einer Coronavirus-Infektion

Um das Coronavirus nachzuweisen, werden Abstriche aus den oberen Atemwegen sowie Material aus den unteren Atemwegen mittels DNA-Sequenzierung (Polymerase-Kettenreaktion, kurz PCR) untersucht. Dank dieser neuen Untersuchungsmethode ist eine Diagnose bereits nach vier bis fünf Stunden möglich.

"Erst wenn sich Symptome zeigen, ist es sinnvoll, Menschen auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus zu testen", so Dr. Martin Hoch, Leiter der "Taskforce Infektiologie" noch am Tag des ersten bestätigten Coronavirus-Falles in Deutschland. Er erklärt, dass das Virus erst nachgewiesen werden könne, wenn die Viruslast (Konzentration des Virus im Blut) hoch genug ist. Dies sei während der Inkubationszeit oft noch nicht der Fall. Der Test könne demnach bei symptomfreien Personen fälschlicherweise negativ ausfallen und Entwarnung geben, obwohl eigentlich eine Infektion besteht.

Mittlerweile werden allerdings auch symptomlose Verdachtsfälle überprüft, weil sich das Virus schneller als angenommen ausbreitet.

Behandlung bei Coronavirus-Infektion

Eine spezifische Therapie gegen eine Infektion mit dem Coronavirus existiert aber bislang nicht. Forscher aller Welt arbeiten mit Hochdruck daran, ein Mittel gegen das Coronavirus zu finden.

Die Behandlung einer Coronravirus-Infektion beschränkt sich daher zum jetzigen Stand auf die Linderung der Symptome in Abhängigkeit von deren Schwere. Gut zu behandeln ist vor allem möglicherweise auftretendes Fieber. Bei einer starken Beeinträchtigung der Lungenwege ist teilweise eine intensivmedizinische Überwachung notwendig.

Krankheitsverlauf und Prognose

Es ist noch nicht genau einzuschätzen, wie gefährlich eine Infektion für Betroffene tatsächlich ist und wie diese verläuft. Bekannt ist, dass der Erreger eine Lungenentzündung mit beidseitigen Lungeninfiltraten auslösen kann, die tödlich enden kann.

Besonders Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und bestehenden Vorerkrankungen der Lunge, zum Beispiel Asthma oder COPD, sind anfälliger für Infektionen mit dem Coronavirus und daraus resultierenden Komplikationen. Die Krankheit verläuft in den meisten Fällen milde und kann vor allem bei jungen gesunden Menschen nahezu symptomlos ausheilen.

Bisher beschränken sich die Todesfälle fast gänzlich auf Menschen mit einem von vornherein geschwächten Immunsystem, also auf Infizierte mit Vorerkrankungen und ältere Menschen. Doch weil Coronavirus-Infektionen aufgrund leichter oder fehlender Symptomatik oft unerkannt bleibt, bedeutet das auch ein höheres Verbreitungsrisiko.

Aufgrund der Fälle in China wurde eine Sterblichkeitsrate von insgesamt 2,3 Prozent errechnet, wobei von den zehn bis 39 Jahre alten Infizierten nur 0,2 sterben und von den über 80 Jährigen etwa 15 Prozent.

Telefon-Hotline bei Fragen zum Coronavirus

Wer verunsichert ist oder befürchtet, sich angesteckt zu haben, kann über die Coronavirus-Hotline des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) unter der Telefonnummer 09131/6808-5101 Fragen stellen.

Auch die Berliner Gesundheitsverwaltung ist zwischen 08:00 und 20:00 Uhr unter 030/90282828 für besorgte Bürgerinnen und Bürger erreichbar.

Weitere Informationen über das Coronavirus und dessen Verbreitung finden Sie außerdem auf der Internetseite des bayerischen Gesundheitsministeriums.

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