Was der Verdauungstrakt leistet

Hilfe für Magen und Darm

Bereitet Ihnen gerade etwas Bauchschmerzen? Unser Magen ist ein sehr empfindliches Organ: Sodbrennen, Übelkeit, Reizmagen und Völlegefühl sind häufige Probleme. Meist ziehen sich die Beschwerden bis in den Darm oder entstehen auch erst dort: Blähungen, Durchfall oder gar ein Reizdarmsyndrom? Hier finden Sie schnelle Hilfe bei Erkrankungen von Magen und Darm.

Illustration des Magens
Der Magen ist mehr als nur ein Speicher für den Speisebrei. Hier beginnt die Verdauung.
© iStock.com/pixologicstudio

Der Verdauungstrakt beim Menschen umfasst mehr als nur Magen und Darm. Die Verdauung – oder zumindest die Vorbereitung dazu – beginnt bereits im Mund: Wenn wir Essen zerkauen erleichtern wir Magen und Darm die spätere Arbeit bei der Gewinnung von Nährstoffen aus der Nahrung. Zusätzlich mischen sich im Speichel enthaltene Enzyme bei, die für die Verdauung wichtig sind.

So umfasst der Verdauungstrakt also Mund und Rachenraum, gefolgt von der Speiseröhre als Verbindung zum Magen, bevor es dann in den Darm geht, der aus Dünndarm mit Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse und dem Dickdarm besteht.

Diese verschiedenen Organe werden in der Medizin zusammen als Gastrointestinaltrakt bezeichnet – vom griechischen "Gaster" für Bauch oder Magen und "Intestinum", der lateinischen Bezeichnung für den Darm.

Probleme mit dem Verdauungstrakt behandeln der Hausarzt oder der Gastroenterologe als Facharzt.

Im Verdauungstrakt sitzt die Gesundheit

Die Verdauung funktioniert im Idealfall von ganz alleine, denn willkürlich ist sie nicht beeinflussbar. Damit der komplexe Prozess zum Gewinn von Nährstoffen aber wirklich funktioniert, ist ein kompliziertes Zusammenspiel von Reizen aus dem vegetativen Nervensystem nötig. Dabei spielen Sinnesorgane, Nerven und Hormone eine wichtige Rolle. Sie halten den Grundumsatz aufrecht, stellen also die Kalorienmenge zur Verfügung, die wir zur Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Körperfunktionen brauchen. Zusätzlich sorgen sie dafür, dass weitere Energie für Bewegung oder Denkprozesse zur Verfügung steht.

Einer normalen, geregelten Verdauung wirken innere und äußere Stressoren entgegen, also Belastungssituationen im Alltag, die verdauungshemmende Hormone wie Adrenalin freisetzen. Auch Psychostress stört die Verdauung – er schlägt uns also wortwörtlich auf dem Magen. Langfristig führen diese Faktoren zu Erkrankungen im Verdauungssystem: Zum einen verändern wir unsere Ernährung oftmals zugunsten "Glück liefernder" Lebensmittel wie Junkfood oder Süßigkeiten, also der total Fehlernährung (Malnutrition). Oder aber können wir auch gesunde Lebensmittel nicht mehr richtig verdauen (Maldigestion) oder die Nährstoffe nicht mehr ausreichend verwerten, wenn durch einen gereizten Darm der Speisebrei verfrüht ausgeschieden wird (Malabsorption).

Dann drohen die bekannten Beschwerden wie Völlegefühl, Bauchschmerzen oder stressbedingter Durchfall und der Körper entwickelt Mangelerscheinungen mit den begleitenden Symptomen wie einer Neigung zu blauen Flecken beim Mangel der Vitamine K und B, Muskelkrämpfen beim Magnesiummangel oder Müdig- und Mattigkeit beim Eisenmangel.

Aber auch Viren und Bakterien können Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Brechdurchfall etwa, wie eine Magen-Darm-Grippe auch bezeichnet wird, entsteht meist durch eine Infektion mit Noro-, Rota-, Astro- oder Adenoviren. Dabei entzündet sich der Verdauungstrakt (Gastroenteritis). Die Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind heftig, dauern in der Regel aber nicht lange an.

Was der Magen alles leistet

Wird der im Mund zerkleinerte Speisebrei geschluckt, gelangt er über die Speiseröhre in den Magen. Der Magen ist ein durchschnittlich 1,5 Liter fassendes Hohlorgan, das aus Muskeln und Drüsen besteht. Die Drüsen des Magens bilden:

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  • Salzsäure: Sie säuert den Speisebrei an, leitet die Eiweißverdauung ein und tötet Mikroorganismen ab.

  • Magenschleim: Er schützt die Magenwand vor der Salzsäure im Inneren, damit sich der Magen nicht selbst verdaut.

  • Eiweißspaltende Enzyme

  • Intrinsic-Faktor: Er ist für die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm notwendig.

Die Muskulatur des Magens ist im Verdauungsprozess ständig aktiv und durchmischt durch Ihre wellenartigen Bewegungen den Speisebrei mit den Flüssigkeiten aus den Drüsen Magenwand. So verbleibt die anverdaute Nahrung für eine gewisse Zeit im Magen, bevor er portionsweise zur weiteren Verdauung in den Darm abgegeben wird. Diese Funktion steuert ein Ringmuskel zwischen Magen und Zwölffingerdarm (Duodenum), der medizinisch als Pylorus bezeichnete "(Magen-)Pförtner".

So wird der Magen gesteuert

Wie lange der Speisebrei im Magen verbleibt hängt davon ab, wie gut er vorgekaut wurde und aus welchen Stoffen er besteht: leichtverdaulichen Lebensmitteln wie Flüssigkeiten oder zuckerreiche Nahrungwerden schneller durchgeschleust,  eher schwerverdaulichen Speisen mit Eiweiß (Fleisch, Wurst) und Fetten müssen länger auf die Darmpassage vorbereitet werden.

Auch die Tageszeit ist für die Funktion des Magens entscheidend: Der Magen ist eines der wenigen Organe, die nachts "schlafen". In den Abendstunden werden die Bewegungen der Magenwand langsamer und die Drüsen geben weniger Verdauungsflüssigkeiten ab. Wenn wir schlafen, stellt auch der Magen seinen Betrieb komplett ein. Der Speisebrei bleibt dann bis zum nächsten Morgen im Magen, belastet beim Schlafen und kann zu gären beginnen, was zu Magenschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen und Aufstoßen führt.

Der Darm ist ein faszinierendes Organ

Der Darm ist unser Verdauungszentrum, spielt jedoch auch eine wichtige Rolle im Immunsystem und reagiert sehr sensibel auf äußere und psychosomatische Einflüsse. Was der Darm alles leistet, ist erstaunlich.

Schöner Bauch mit Darmproblemen
Ein gesunder Darm ist wichtig fürs Wohlbefinden
© Getty Images / iStock.com / Piotr Marcinski

Beim erwachsenen Menschen ist der gesamte Darm acht Meter lang. Die Darmoberfläche beträgt in die Fläche gebreitet 400 bis 500 Quadratmeter, das entspricht der Grundfläche von fünf geräumigen Drei-Zimmer-Wohnungen.

Der Darm untergliedert sich in drei wesentliche Bestandteile: den Dünndarm, den Dickdarm und den Mastdarm. Der Dickdarm beginnt genau dort, wo sich auch der Blinddarm befindet. Die letzten 15 bis 20 Zentimeter des Darms werden als das Rektum bezeichnet (Mastdarm). An dessen Ende sitzt der Schließmuskel, der den Darm nach außen abschließt.

Der gesamte Dickdarm umrahmt in seiner Länge von eineinhalb bis zwei Metern den Dünndarm wie ein Fensterrahmen. Er steigt vom rechten Rand des Bauches bis unter den Rippenbogen, zieht dort bis auf die linke Seite herüber und steigt hier im rechten Winkel herab, um im Enddarm (Rektum) zu enden. Im Dickdarm werden durch Wasserentzug nicht verdaute Teilchen eingedickt. Eine zunehmende Füllung des Darms löst schließlich reflexartig die Entleerung aus.

Für ein stabiles Immunsystem ist auch eine gute und eine geregelte Verdauung wichtig. Denn ein träges Verdauungssystem oder eine Verstopfung können das Wachstum von schädlichen Darmbakterien fördern. Zudem ist regelmäßiger Stuhlgang unerlässlich, um Stoffwechselprodukte oder giftige Stoffe aus dem Körper zu befördern.

Fakten über den Mastdarm

  • Er ist das 15 bis 20 Zentimeter lange Endstück des Darms.
  • Er ist mit dem After verbunden.
  • Er wird unterteilt in die Ampulle und den Analkanal, an dessen Ende sich der innere und äußere Schließmuskel befindet.

Fakten über den Dickdarm – auch "Grimmdarm"

  • Er bildet das Endstück der Verdauung.
  • Sein Durchmesser beträgt sieben bis zehn Zentimeter.
  • Er ist eineinhalb bis zwei Meter lang.
  • Seine äußere Oberfläche weist Einbuchtungen auf.
  • Seine Hauptaufgabe: Eindicken des Darminhalts.
  • Der Dickdarm ist die Kläranlage für alle unverbrauchten Essensreste.
Zehn faszinierende Fakten über den Darm

Der Darm als Gesundheitspolizei

Der Darm ist jedoch nicht nur für die Verdauung zuständig, sondern spielt eine wichtige Rolle im körpereigenen Immunsystem. Deshalb nennt man ihn auch die Gesundheitspolizei des menschlichen Körpers. Auf der Darmwand siedelt die unvorstellbare Zahl von 100 Billionen Bakterien. Sie haben so wichtige Funktionen wie unverdauliche Nahrungsreste aufzuspalten oder schädliche Keime abzuwehren. Ist der Darm nicht gesund, verliert das gesamte Immunsystem des Körpers an Stärke und wir werden krank.

Der Darm ist eine hoch komplexe Schaltzentrale

Mehr als 100 Millionen Nervenzellen umspannen den Verdauungstrakt wie ein dünnes Netz. Dieses autonome Nervensystem besitzt zahlreiche Übereinstimmungen mit dem Zentralen Nervensystem. So finden sich etwa die gleichen Zelltypen, Neurotransmitter und Rezeptoren. Damit ist der Darm nicht nur eine hoch komplexe Fabrik zur Analyse und Verdauung von Nahrung, sondern obendrein in der Lage, psychoaktive Substanzen zu bilden.

Hormone, die im so genannten Darmhirn ausgeschüttet werden, können auf direktem Weg das Gehirn beeinflussen. So kann es passieren, dass sich biochemische Prozesse, die im Darm ablaufen, unmittelbar auf die Gefühls- und Stimmungslage auswirken. Der Informationsfluss funktioniert jedoch auch in umgekehrter Richtung. Im Gehirn gebildete Hormone wie das Glückshormon Serotonin oder auch Stresshormone können über das Darmhirn die Darmtätigkeit beeinflussen und so für die sprichwörtlichen "Schmetterlinge im Bauch" oder aber auch für Durchfall und Blähungen verantwortlich sein.

Eine weitere beeindruckende Fähigkeit des Darmhirns ist die Steuerung von Nachbarorganen und Muskelkontraktionen und die Koordination der Erregerabwehr. Außerdem konnten einige Studien belegen, dass auch der Darm nicht vor degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson gefeit ist.

Die Verteidigungslinie in unserem Bauchraum

Damit der Darm seine Verdauungsfunktion erfüllen kann, ist er auf ein Heer von Billionen unterschiedlicher Bakteriengattungen angewiesen, die zusammen die Darm-Flora bilden. Vor allem Bakterien, die ohne Sauerstoff - so genannte Anaerobier - auskommen, tummeln sich hier. Nur zehn Prozent der Bakterien gehören zu den sauerstoffabhängigen Aerobiern. Starke Medikamente wie Antibiotika und Hormone können die Darm-Flora schädigen. Sie bringen damit nicht nur die Verdauung aus dem Gleichgewicht, sondern schränken darüber hinaus die Erregerabwehr des Körpers ein. Der Grund: Darm-Bakterien unterstützen neben Zersetzungsprozessen auch das darmassoziierte Immunsystem.

Etwa 70 Prozent der Immunzellen des Körpers sind im Darm aktiv, wobei ein Viertel der Darmschleimhaut rund um die Uhr damit beschäftigt ist, potenzielle Krankheitserreger zu bekämpfen. Mithilfe der darmassoziierten Immunabwehr kann der Körper direkt auf die Bedrohung reagieren, die von den zahllosen Mikroorganismen ausgehen, die tagtäglich den Darm passieren. Die Darm-Flora unterstützt außerdem die mechanische Barriere gegen Eindringlinge, indem sie die Darmschleimhaut versorgt und verhindert, dass sich krankmachende Keime ansiedeln können.

Gerät das Ökosystem Darm aus dem Gleichgewicht, ist das ganze Immunsystem geschwächt. So genannte Probiotika können die angeschlagene Darm-Flora wieder ins Lot bringen. Sie enthalten probiotische Keime, die eine günstige Umgebung für die Darm-Bakterien schaffen und auf diesem Weg Immunsystem und Verdauung auf Trab bringen.

Der Darm als "Zweithirn"

Haben Sie auch manchmal "so ein Gefühl im Bauch"? Kein Wunder - rund 100 Millionen Nervenzellen sind in der Darm - Innenwand zu einem Netz verflochten. Das sind mehr Zellen, als das gesamte Rückenmark besitzt. Dies erklärt, warum der Darm sehr sensibel auf äußere und psychosomatische Einflüsse reagiert. Der Darm hat entscheidenden Anteil an dem, was wir als Intuition bezeichnen. Er fungiert als unser Zweithirn, das über Nervenzellen Informationen aus dem Körper aufnimmt und weiß, wann wir Angst, Stress und Sorgen haben.

Der Bauch informiert den Kopf, ob er sich gut oder schlecht fühlt, lässt sich aber umgekehrt von diesem nichts sagen. Die Erklärung ist einfach: Es führen weit mehr Nervenstränge von der Körpermitte zum Gehirn als umgekehrt.

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