Sinnvolle Abwehrreaktion

Gutes Fieber, schlechtes Fieber: Senken ist nicht immer richtig!

Wozu eine erhöhte Körpertemperatur gut ist und wieso es manchmal ratsam ist, auf Wadenwickel zu verzichten

Hohe Körpertemperaturen ängstigen viele Betroffene. Wir erklären, warum es trotzdem sinnvoll sein kann, die Abwehrreaktion auszuhalten.

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Die Körpertemperatur wird häufig im Gehörgang ermittelt, die Fiebermessung dort ist aber ungenau.
iStock

Die Glieder schmerzen, man fühlt sich schlapp, schwitzt und friert im Wechsel. Das sind typische Begleiterscheinungen akuten Fiebers. Häufigste Ursache ist ein Infekt. "Zur Bekämpfung der Erreger verteilt der Körper die Energiereserven um und steckt sie ins Immunsystem", erklärt Professor Martin Fleck, Immunologe am Uniklinikum in Regensburg. Die Energie, die gewöhnlich der Muskulatur und dem Gehirn zur Verfügung steht, schwindet also.

Ohr, Po oder Mund: Der gewählte Fiebermessort ist entscheidend

Es gibt keine einheitliche Definition für Fieber. Allgemein gilt: "38,5 Grad Celsius rektal oder oral gemessen wird als Fieber eingeordnet", sagt der Experte. Zum Messen eignen sich Digital- ebenso wie Glasthermometer.

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Wer aber die Körpertemperatur unter der Achsel oder mit einem Ohrthermometer im Gehörgang misst, sollte beachten, dass die Temperaturwerte bei diesen beiden Verfahren bis etwa 1,5 Grad niedriger ausfallen können.

"Die Höhe des Fiebers sagt nichts über die Schwere einer zugrunde liegenden Krankheit aus", erläutert Professor Fleck. Außerdem kann man nicht unmittelbar vom Fieber auf die Ursache schließen. "Deshalb gestaltet sich manchmal die Suche nach dem Grund äußerst schwierig", so der Immunologe. Der Fieberspezialist forscht bei Patienten, die unter chronischen Fieberverläufen mit unbekannter Ursache leiden, nach dem tatsächlichen Auslöser.

Fieber-Ursachen: Nicht immer steckt ein Infekt dahinter

Dauert das Fieber nur ein bis zwei Tage, ist es meist eine Reaktion auf eine akute Infektion mit Viren oder Bakterien. Hinter immer wiederkehrenden Fieberschüben steckt oft eine Autoimmunerkrankung oder seltener ein Tumor. Auslöser können aber auch eine Vergiftung oder Medikamentennebenwirkungen sein.

Diente früher der Fieberverlauf den Ärzten oft als Hinweis auf mögliche Krankheiten, spielt er heutzutage in der Diagnose keine große Rolle mehr. Die Labordiagnostik gibt schneller Aufschluss über die Erkrankung. Eine Ausnahme, bei der Höhe und Typ des Fiebers einen Rückschluss auf die Krankheit erlauben, ist das wechselnde Fieber bei Malaria. Je nachdem, ob die Körpertemperatur an jedem zweiten oder dritten Tag erhöht ist, liegt eine Malaria tertiana oder quartana vor.

Fieber senken oder nicht? Lieber ruhen als das Symptom "wegbügeln"

Fieber hilft dem Körper, Infektionen zu bekämpfen. Doch greifen viele Betroffene zu fiebersenkenden Arzneien. Eine aktuelle Studie bei schwer erkrankten Patienten auf Intensivstationen zeigte aber, dass die frühzeitige Behandlung mit fiebersenkenden Mitteln keinen relevanten Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung hatte. Fleck rät: "Ansonsten gesunde Menschen brauchen keine fiebersenkenden Medikamente nehmen. Sinnvoller ist es, sich zu schonen, den Infekt in Ruhe auszukurieren."

Da aber die erhöhte Körpertemperatur Herz und Kreislauf belastet, sollten Patienten mit schwachem Herz, Nieren- oder Lungenerkrankungen fiebersenkende Maßnahmen anwenden. Eine sehr bewährte Alternative zu Medikamenten sind Wadenwickel. Dazu ein Baumwolltuch in kaltes Wasser tauchen, leicht auswringen und um die Waden wickeln. Darüber ein trockenes Handtuch wickeln. Den Wadenwickel so lange angelegt lassen, bis er sich erwärmt hat, und den Vorgang bis zu vier Mal wiederholen.

Hält das Fieber länger als 48 Stunden an, übersteigt es 40 Grad Celsius oder liegen weitere Symptome wie etwa Husten mit eitrigem Auswurf vor, dann heißt es: ab zum Arzt!

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Letzte Aktualisierung: 29. Februar 2016
Quellen: mit freundlicher Genehmigung entnommen aus dem TV-Magazin "Gong" (Ausgabe 04/16)

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