Listeriose

Listerien: Welche Symptome verursacht eine Infektion?

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Listerien werden durch verunreinigte Lebensmittel übertragen und können das Krankheitsbild der Listeriose auslösen. Für gesunde Menschen ungefährlich kann sie während der Schwangerschaft sowie bei Säuglingen und immunschwachen Menschen tödlich verlaufen. Wie sich einer Infektion vorbeugen lässt.

Listerien in abgepacktem Salat
© Getty Images/SimpleImages

Immer wieder melden Nachrichtenportale und Zeitungen Lebensmittelskandale rund um mit Listerien verunreinigte Lebensmittel. 2016 war es die bayerische Großmetzgerei Sieber, die wegen kontaminierter Wurstwaren Insolvenz anmelden musste. Ein Jahr zuvor erlitten über 150 Kinder und Mitarbeitende von Kindertagesstätten und einer Grundschule in Paderborn eine Lebensmittelvergiftung: Sie bekamen Brechdurchfall, nachdem sie mit Listerien kontaminierten Milchreis verzehrt hatten.

Auch wenn derartige Nachrichten immer wieder durch die Medien gehen: Für gesunde Menschen stellt eine Infektion eine geringe Gefahr dar. Es kommt entweder erst gar nicht dazu oder sie verläuft harmlos. Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge werden in Deutschland pro Jahr durchschnittlich 453 Fälle der Erkrankung gemeldet.

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Auslöser der Listeriose: Was sind Listerien?

Bei Listerien handelt es sich um stäbchenförmige gramnegative Bakterien, die die Erkrankung Listeriose verursachen. Es gibt mehrere Arten, gefährlich wird vor allem Listeria monocytogenes. Die Bakterienart ist für einen überwiegenden Teil der Erkrankungsfälle verantwortlich.

Der Erreger ist sehr widerstandsfähig: Listerien vermehren sich auch bei Kühlschranktemperaturen, überstehen Trockenheit und sogar Tiefkühlprozesse bei der Lebensmittelherstellung. Auch ein sehr saures oder salziges Milieu halten Listerien aus, wobei sie dann in der Vermehrung gehemmt sind. Aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit werden Listerien auch als Nischenkeime bezeichnet.

Vorkommen des Erregers

Bakterien der Gattung Listeria kommen überall in der Umwelt vor: in der Erde, auf Pflanzen, in Abwässern, im Kompost und in Tierfutter, das in der Landwirtschaft verwendet wird. Darüber hinaus ist der Erreger bei rund zehn Prozent der Bevölkerung im Darm nachweisbar. Sie scheiden Listerien unbemerkt aus und können bei mangelnder Hygiene Nahrungsmittel kontaminieren und womöglich andere anstecken.

Die häufigsten Infektionen erfolgen allerdings über bei der Herstellung kontaminierte und nicht durcherhitzte Lebensmittel wie Salat, Fleisch, Rohwurstprodukte wie Mett- oder Teewurst, Weichkäse, Räucherfisch (insbesondere Räucherlachs) oder Milch. Tierische Produkte können etwa beim Gewinnen der Lebensmittel durch Melken oder Schlachten, aber auch über Fäkalien kontaminiert werden. Die Inkubationszeit, also die Dauer bis zum Ausbruch der Erkrankung nach Kontakt mit dem Erreger, liegt zwischen acht Tagen und acht Wochen.

Grenzwerte und Lebensmittelsicherheit in Deutschland

Lebensmittelunternehmen in Deutschland und anderen EU-Staaten sind verpflichtet, ihre Produkte regelmäßig auf Listerien der Spezies Listeria monocytogenes zu prüfen. So soll die Lebensmittelsicherheit gewährleistet werden. Da Listerien für gesunde Menschen erst in hoher Dosierung gefährlich werden können, wurde ein Grenzwert festgelegt. Dieser liegt bei verzehrfertigen Lebensmitteln während der gesamten Haltbarkeitsdauer bei maximal 100 Keimen pro Gramm.

Risikogruppen: Für wen sind Listerien gefährlich?

Listerien sind für Menschen mit einem gesunden Immunsystem in den meisten Fällen ungefährlich. Bei bestimmten Personengruppen besteht nach einer Ansteckung allerdings das Risiko für einen schweren Verlauf. Die Infektion kann dann lebensbedrohlich werden – sie kann etwa eine Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung zur Folge haben. Sieben Prozent der Infektionen enden tödlich, wobei vor allem körperlich geschwächte Menschen gefährdet sind.

Zur Risikogruppe zählen:

  • Menschen mit schwachem Immunsystem (beispielsweise wegen Vorerkrankungen, Einnahme von Medikamenten, Krankenhausaufenthalt)
  • ältere Menschen ab 60 Jahren
  • Krebspatient*innen
  • HIV-infizierte Personen
  • Menschen mit Diabetes mellitus
  • Patient*innen nach einer Organtransplantation
  • Patient*innen unter Kortison-Therapie
  • Männer (rund 65 Prozent der Betroffenen sind männlich)
  • Schwangere (rund zehn Prozent der gemeldeten Fälle)
  • Neugeborene

Symptome der Listeriose: Fieber bis hin zur Sepsis

Die Symptome einer Listeriose sind vor allem abhängig vom Immunsystem der Betroffenen und der Menge der aufgenommenen Bakterien (Infektionsdosis). Bei einem gesunden Erwachsenen treten meist keine Beschwerden auf, sodass die Lebensmittelinfektion häufig unentdeckt bleibt. In manchen Fällen kommt es zu grippeähnlichen Symptomen, zum Beispiel:

Bei Gesunden klingen die Beschwerden in der Regel von selbst nach wenigen Tagen wieder ab, da ihr Immunsystem die Bakterien schon im Magen-Darm-Trakt bekämpft. Anders bei immungeschwächten Menschen oder Säuglingen, hier halten Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall sowie Kopfschmerzen und Fieber länger an und verschwinden nicht von selbst. Der Erreger kann sich im gesamten Körper ausbreiten. Geht der Keim ins Blut über, droht eine lebensbedrohliche Sepsis. Darüber hinaus können Listerien bei immungeschwächten Menschen die Blut-Hirn-Schranke überwinden und eine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen. Symptome sind dann:

Gelegentlich kommt es zu Krampfanfällen. Treten Lähmungen oder Gangstörungen auf, hat sich die Infektion auf Teile des Gehirns ausgebreitet (Enzephalitis). Auch Gelenkentzündungen (Arthritis) oder Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) können die Folge einer Listerieninfektion sein.

Nach Hautkontakt mit listerienhaltiger Erde oder infizierten Tieren können an der Kontaktstelle kleine Pusteln oder Knoten entstehen.

Listerien-Infektion in der Schwangerschaft: Risiko einer Fehlgeburt

Schwangere sind wie immungeschwächte Menschen anfälliger für eine Infektion mit Listerien. Sie äußert sich häufig durch grippeähnliche Symptome oder verläuft symptomfrei. Auch eine Blasenentzündung und vorzeitige Wehen können Anzeichen sein.

Geht die Listeriose auf das ungeborene Kind über, kann das fatale Folgen haben: Eine Fehlgeburt oder Frühgeburt sind möglich. Oder aber das Kind kommt infiziert und in sehr schlechtem Zustand auf die Welt, da es den Listerien ohne ein funktionsfähiges Immunsystem schutzlos ausgeliefert war. Die Neugeborenen leiden in diesem Fall an Atemnot, Erbrechen, Krämpfen sowie Haut- und Schleimhautgeschwüren. In über 50 Prozent der Fälle versterben sie noch innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt. Im Überlebensfall kann es zu geistigen Entwicklungsstörungen kommen. Säuglinge können sich aber nicht nur im Bauch der Mutter, sondern auch während der Geburt im Geburtskanal infizieren. Diese Kinder entwickeln häufig eine Meningitis.

Diagnose: Wie wird eine Listerien-Infektion festgestellt?

Bei Verdacht auf eine Listeriose werden in einem Anamnesegespräch zunächst die genauen Beschwerden erfragt sowie mögliche Vorerkrankungen erhoben, um mögliche Risikofaktoren für einen schwerwiegenden Verlauf zu ermitteln. Danach folgt die körperliche Untersuchung. Da sich hinter den Symptomen einer Listeriose auch zahlreiche andere Infektionskrankheiten verbergen können, sind zusätzliche Laboruntersuchungen bei der Diagnose unerlässlich.

Listerien lassen sich in verschiedenen Körperflüssigkeiten nachweisen, darunter:

  • Blut
  • Nervenwasser in Hirn und Rückenmark (Liquor)
  • Eiter
  • Vaginalsekret
  • Wochenfluss nach der Geburt
  • Magensaft
  • Fruchtwasser
  • Mekonium (erster Stuhl eines Neugeborenen)
  • Rachenabstrich (Speichel)

In manchen Fällen sind die kurzen, stäbchenförmigen Bakterien bereits unter dem Mikroskop erkennbar. Sichern lässt sich die Diagnose einer Listeriose allerdings erst, nachdem die Proben in mikrobiologischen Labors auf Nährmedien gezüchtet (Kultur) und analysiert wurden. Nach einer Antibiotika-Behandlung ist ein solcher kultureller Nachweis oftmals nicht mehr eindeutig möglich. Dann kann eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um eine Methode, mit der die Erbsubstanz DNA vervielfältigt werden kann. Die PCR wird auch in der Vaterschaftsdiagnostik oder der Diagnose von Erbkrankheiten eingesetzt.

Ein Keimnachweis aus einer Stuhlprobe ist nicht aussagekräftig, da auch gesunde Menschen Listerien im Stuhl haben können. Die Listeriose ist meldepflichtig: Werden die Bakterien im Blut, Nervenwasser oder Abstrichen nachgewiesen, müssen die zuständigen Gesundheitsämter informiert werden.

Therapie: Listerien mit Antibiotika behandeln

Steht die Diagnose Listeriose beispielsweise durch einen positiven Bluttest fest, verschreiben Ärzt*innen in der Regel Antibiotika. Die Mittel erster Wahl sind meist Amoxicillin oder Ampicillin kombiniert mit einem Aminoglykosid (außer in der Schwangerschaft). Bleibt die Heilung aus, erfolgt ein zweiter Versuch mit Cotrimoxazol. Darüber hinaus kann auch Penicillin zum Einsatz kommen, bislang gibt es kaum Antibiotikaresistenzen, die Präparate sind meist sehr wirksam gegen den Erreger. Eine ausreichend lange Therapie über mindestens drei Wochen ist allerdings unbedingt nötig, um einen Rückfall zu vermeiden. Bei einem Hirnabszess oder einer Entzündung der Herzinnenhaut empfiehlt das Robert Koch-Institut sogar eine Antibiotikakur von sechs Wochen.

Da die eindeutige Diagnose einer Listeriose einige Tage in Anspruch nimmt, wird die Therapie häufig erst zeitlich verzögert aufgenommen. Lässt sich ein ernsthafter Verlauf erkennen, kann mit der Therapie auch schon beim bloßen Verdacht auf eine Listeriose begonnen werden, um die Chancen auf eine Heilung zu verbessern. Trotz gezielter Therapie kann eine voll ausgebildete Listeriose sehr gefährlich verlaufen: Etwa 21 Prozent der durch Listerien hervorgerufenen Blutvergiftungen und 13 Prozent der durch Listerien verursachten Hirnhautentzündungen enden im Schnitt tödlich.

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Verlauf einer Infektion mit Listerien

Der Verlauf einer Listeriose ist abhängig vom Immunsystem der Betroffenen. Funktionsfähige Abwehrmechanismen schützen meist vor einer ernsthaften Erkrankung, die Lebensmittelinfektion wird unbemerkt bekämpft. Menschen mit einem deutlich geschwächten Immunsystem hingegen können etwa eine Sepsis oder eine Meningitis (mit bleibenden Schäden wie Lähmungen) entwickeln. In fortgeschrittenen Fällen versterben etwa 30 Prozent der Betroffenen, Neugeborene sogar in über 50 Prozent der Fälle. Somit gehört die Listeriose zu den meldepflichtigen Erkrankungen mit der höchsten Letalität (Fallsterblichkeit) in Deutschland.

Listerien vorbeugen: Welche Maßnahmen schützen?

Durch Kochen, Braten und Pasteurisieren werden Listerien abgetötet. Pasteurisierte Milch wird zum Beispiel für 20 Sekunden auf über 70 Grad Celsius erhitzt. Wer Lebensmittel kocht oder brät, sollte darauf achten, dass für mindestens zwei Minuten eine Temperatur von über 70 Grad Celsius im Kern des Lebensmittels erreicht wird. Ein Fleischthermometer ist hier hilfreich. Lebensmittel mit einem hohen Salz- und Säuregehalt oder Konservierungsstoffen sind eher unbedenklich. Listerien siedeln sich auf ihnen sehr selten an. Vorsicht ist insbesondere bei Tiefkühlprodukten geboten: Listerien überleben das Tiefgefrieren, auch derartige Produkte müssen ausreichend erhitzt werden.

Da Listerien vor allem körperlich angeschlagenen Menschen gefährlich werden können, sollten diese darauf achten, häufig keimbelastete Lebensmittel konsequent zu meiden, außer sie wurden kurz vorher auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzt. Wichtige Regel, um sich nicht mit Listerien anzustecken, ist in erster Linie der richtige Umgang mit Nahrungsmitteln. Listerien können beispielsweise von rohem Fleisch auf andere Lebensmittel übergehen oder aber es kommt zur indirekten Übertragung über Hände, Geräte, Arbeitsflächen oder Messer.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit empfiehlt im Umgang mit Nahrungsmitteln:

  • Fleisch- und Fischgerichte vollständig durchgaren, Hackfleisch nie roh essen

  • Rohmilch und Rohmilchprodukte (etwa Rohmilchkäse) abkochen beziehungsweise auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzen

  • Obst, Gemüse, Blattsalate und frische Kräuter bei der Zubereitung oder vor dem Verzehr gründlich waschen

  • Aufbewahrungszeiten im Kühlschrank kurz halten, rohes Gemüse im untersten Fach des Kühlschranks lagern, damit anhaftende Erde nicht auf andere Lebensmittel fällt

  • Lebensmittel möglichst in geschlossenen Gefäßen lagern oder abdecken

  • frisch gekochte Speisen vor dem Kühlen gut abdecken, um nachträgliche Kontamination zu vermeiden; Reste gegarter Speisen und geöffnete Verpackungen im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von drei Tagen aufbrauchen

  • vor allem bei leicht verderblichen Lebensmitteln aufs Verbrauchsdatum achten, Temperaturempfehlungen auf den Packungen beachten

  • beim Einkaufen auf Frische und Zustand der Ware und Verpackungen achten, insbesondere Lebensmittel in Vakuumverpackungen möglichst zügig nach Einkauf und weit vor Ablauf der angegebenen Mindesthaltbarkeit verbrauchen

  • Hände, Oberflächen und Geräte in der Küche regelmäßig reinigen und desinfizieren

  • gekochte oder erhitzte Speisen nie auf Brettern schneiden, auf denen vorher rohe Lebensmittel geschnitten wurden

  • Küchentücher, Schwämme, Bürsten und Spüllappen regelmäßig wechseln und bei mindestens 60 Grad Celsius waschen

  • Kühlschranktemperatur auf maximal sieben Grad Celsius einstellen (besser unter fünf Grad Celsius), Kühlschrank nicht zu voll packen, damit die kühle Luft zwischen den Lebensmitteln ausreichend zirkulieren kann, außerdem Kühlschrank mehrmals im Jahr von innen reinigen

Auch außerhalb der Küche können Vorsichtsmaßnahmen einer Listeriose vorbeugen. Bei der Gartenarbeit ist es beispielsweise sinnvoll, Handschuhe zu tragen. Der enge Kontakt zu Nutz- und Haustieren kann ebenfalls ein Übertragungsweg sein. Deshalb am besten die Hände danach gründlich waschen.

Immunschwache Menschen und auch Schwangere sollten vorsorglich auf rohe Fleisch-, Fisch- und Milcherzeugnisse verzichten und bei Käse die Rinde entfernen. Abgepumpte Muttermilch sollte im Kühlschrank bei maximal 5 Grad Celsius und im Gefrierschrank zwischen -18 und -22 Grad Celsius aufbewahrt werden. Belegte Brötchen, Salate und frisch gepresste Säfte und Smoothies am besten unter hygienischen Bedingungen aus frischen Zutaten selbst zubereiten – in Kantine oder am Frühstücksbuffet ist nicht klar, wie lange sie schon stehen. Auch bei nicht mehr ganz frischen Backwaren, deren Füllungen wie Sahne, Pudding oder Creme nicht mitgebacken wurde, ist Vorsicht geboten.

Kann man sich bei einer infizierten Person anstecken?

Solange man die Körperflüssigkeiten von infizierten Menschen nicht zu sich nimmt oder sie in eine Wunde gelangen, ist das Risiko sehr gering, sich bei ihnen anzustecken. Infizierte können den Erreger über den Stuhl aber für mehrere Monate ausscheiden. Bei Müttern sind die Erreger im Urin bis etwa sieben bis zehn Tage nach der Entbindung nachweisbar. Eine Impfung gegen die Listeriose gibt es nicht.

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