Riskante Kinderkrankheit

Masern: So gefährlich kann die Infektion verlaufen

Masern oder Morbilli, so der wenig bekannte medizinische Fachbegriff, zählen zwar zu den klassischen Kinderkrankheiten. Zunehmend stecken sich aber auch Jugendliche und junge Erwachsene damit an. Masern werden durch Viren hervorgerufen und sind hochansteckend. Da es im Krankheitsverlauf zu schwerwiegenden Komplikationen kommen kann, sollten Eltern nicht versäumen, ihre Kinder impfen zu lassen.

impfung gegen masern
Ab dem 15. Lebensmonat sollte die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) erfolgen.
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Masern sind weltweit verbreitet und gelten als eine der klassischen Kinderkrankheiten. Jedoch können auch Jugendliche und Erwachsene an Morbilli erkranken, wie die Infektionskrankheit im medizinischen Fachjargon heißt.  Zusammen mit den Windpocken gehört sie zu den ansteckendsten Erkrankungen überhaupt: Die Viren besitzen die Fähigkeit, eine Distanz von mehreren Metern zu überwinden.

Sie werden per Tröpfcheninfektion übertragen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen. Säuglinge bis zu einem Alter von etwa einem halben Jahr können sich mit dem Virus nicht infizieren, wenn die Mutter die Masern durchgemacht hat oder dagegen geimpft ist. Denn so lange haben Säuglinge die Abwehrstoffe der Mutter im Blut.

Erst verursachen Masern grippeähnliche Anzeichen

Die Masern machen sich zunächst mit grippeähnlichen Symptomen bemerkbar. Acht bis zehn Tage nach Kontakt mit dem Masern-Virus, bevor die typischen roten Flecken sichtbar werden, fühlt sich der Betroffene abgeschlagen, leidet unter Reizhusten, Fieber (nicht über 39 Grad Celsius) und Kopfschmerzen. Kleinkinder entwickeln zusätzlich Bauchschmerzen.

Tränende Augen, Lichtempfindlichkeit, aufgedunsenes Gesicht und rauer Hals sind weitere typische Vorboten. Zusätzlich zeigen sich am zweiten bis dritten Tag nach Krankheitsausbruch kleine weißliche Flecken an der inneren Wangenschleimhaut in Höhe der unteren und oberen Backenzähne (Koplik'sche Flecken).

Masern
Bis zu den Fußsohlen kann sich der maserntypische Ausschlag ausbreiten.
(c) Rosmarie Voegtli

Etwa am vierten bis fünften Tag beginnt dann das Hauptstadium der Infektionskrankheit: Jetzt schießt das Fieber bis über 40 Grad Celsius, oft treten Fieberkrämpfe auf. Der Husten verschlimmert sich. Schließlich taucht ein hellroter, leicht erhabener Hautausschlag hinter den Ohren und später im Gesicht auf: Anfangs klein-, später großfleckig überzieht er schnell den ganzen Körper bis zu den Fußsohlen und färbt sich dunkel. Dieses Stadium dauert etwa eine Woche oder länger. Mit Abklingen des Fiebers geht zugleich der Ausschlag zurück.

Solange der Ausschlag noch nicht abgeklungen ist, gilt der Masern-Patient als ansteckend. Auch ist nach Abklingen der Symptome noch eine Erholungsphase von etwa zwei Wochen notwendig, bevor der Genesene wieder leistungsfähig ist – sofern es nicht zu Komplikationen kommt.

Masern-Symptome im Überblick

  • Fieber (charakteristische Fieberkurve bei Masern)
  • Schnupfen
  • Halsschmerzen
  • trockener, bellender Husten
  • gerötete, tränende Augen, Lichtempfindlichkeit (Bindehautentzündung)
  • Entzündung der Mundschleimhaut
  • Koplik'sche Flecken
  • aufgedunsenes Gesicht
  • Kopfschmerzen
  • Hautausschlag
  • Lymphknotenschwellung
  • bei Säuglingen möglicherweise Durchfall

Das Masern-Virus tritt über die Atemwege ein

Wie beschrieben, wird das Masern-Virus per Tröpfcheninfektion übertragen. Infizierte scheiden die Viren beispielsweise beim Husten, Niesen und  beim Sprechen aus. Personen in der näheren Umgebung können sich anstecken, indem sie die Viren einatmen. Dabei ist das Virus äußerst mobil: Hustet ein Erkrankter, besteht für Personen in der Umgebung selbst auf eine Distanz von fünf Metern noch ein Infektionsrisiko – und zwar über bis zu zwei Stunden hinweg. Solange kann das Virus in der Atemluft aktiv bleiben. Auch über die Augenbindehaut kann der Erreger in den Blutkreislauf gelangen. Ein weiterer Übertragungsweg ist das Verwenden des gleichen Bestecks oder Geschirrs.

Bereits etwa fünf Tage, bevor der maserntypische Ausschlag erscheint, also im Prinzip mit Einsetzen der ersten Symptome, ist ein Masern-Patient ansteckend. Ungefähr vier Tage nach Erscheinen des Ausschlags klingt die Ansteckungsgefahr wieder ab.

Woran Sie Kinderkrankheiten erkennen

 

Labor-Untersuchung sichert Masern-Diagnose

Da Masern oder Morbilli zunächst mit unspezifischen Symptomen beginnen, führt Eltern der Weg meist erst nach Erscheinen der typischen Haut-Symptome zum Arzt. Dieser wird die Diagnose "Masern" durch eine Blick- und Tastdiagnose stellen und diese eventuell durch eine Laboruntersuchung sichern, da andere Kinderkrankheiten wie Scharlach oder Röteln mit ähnlichen Symptomen einhergehen. Dabei wird meist nach dem virusspezifischen Antikörper im Blut gefahndet. Das Virus selbst kann ebenfalls in Blut, Urin und Rachenschleim nachgewiesen werden, was jedoch mit höherem labortechnischen Aufwand verbunden ist.

Behandlung der Masern: Bettruhe ist ein Muss!

Wurden bei Ihrem Kind Masern diagnostiziert, besteht die Therapie wie bei den meisten Viruserkrankungen in erster Linie in der Linderung der Symptome. Wichtig ist Bettruhe – sie sollte, wenn möglich, bis drei Tage nach dem Abklingen des Fiebers eingehalten werden, empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Das Zimmer sollte abgedunkelt und gut gelüftet sein. Bei sehr hohem Fieber oder Fieberkrämpfen sollte das Fieber medikamentös gesenkt werden.

Ansonsten können Hausmittel wie kalte Wadenwickel helfen, das Fieber zu senken. Gegen den Husten helfen hustenstillende Mittel, auch Schleimlöser können eingesetzt werden, aber nicht gemeinsam mit hustenstillenden Medikamenten. Welche Mittel Sie wie einsetzen können, sprechen Sie am besten mit dem behandelnden Haus- oder Kinderarzt ab. Augenwaschungen mit lauwarmem Kamillentee lösen die Verkrustungen an den Augenlidern.

Wichtig ist es, bei Fieber für ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Stellen Sie also sicher, dass Ihr Kind genügend trinkt. Bei der Ernährung gilt, dass mehrere leichte Mahlzeiten, verteilt über den Tag, den Körper weniger belasten als die üblichen größeren Hauptmahlzeiten.

Komplikationen bei bis zu einem Fünftel der Patienten

Zwar verlaufen die Masern meist ohne Komplikationen. In zehn bis 20 Prozent der Fälle kommt es jedoch zu Komplikation, vor allem bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen über 20. Meist handelt es sich um bakterielle Infektionen, die aufgrund des durch die Masern geschwächten Immunsystems leichteres Spiel haben. Das kann zum Beispiel eine Mittelohrentzündung, Durchfall, eine bakterielle Bronchitis oder Lungenentzündung sein. Dann werden Antibiotika erforderlich, weshalb auf jeden Fall der Arzt kontaktiert werden sollte.

Die gefährlichste Komplikation, die bleibende Schäden hinterlassen oder tödlich sein kann, ist die Gehirnentzündung oder Enzephalitis. Sie tritt drei bis neun Tage nach Erscheinen des Hautausschlags auf, allerdings nur etwa in einem von 1.000 Fällen. Dann aber ist umgehend der Notarzt zu rufen. Zu den Symptome, die auf eine Gehirnentzündung hindeuten können, zählen hohes Fieber, Krampfanfälle, Fieberkrämpfe, starke Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen.

masern ausschlag
Der charakteristische Hautausschlag ist das deutlichste Masernsymptom. Bei etwa jedem fünften Infizierten aber kommt es zu Komplikationen.
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Noch seltener, aber immer tödlich verlaufend ist die subakute sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE). In etwa sieben von 100.000 Fällen tritt sie sechs bis acht Jahre nach einer Maserninfektion auf.

Ohne Komplikationen klingt eine Maserninfektion etwa vier bis sieben Tage nach Auftreten des Ausschlags wieder ab. Danach sind Betroffene lebenslang immun gegen den Masern-Virus. Der Ausschlag hinterlässt vorübergehend feine Schuppen auf der Haut, die bald verschwinden. Erst nachdem alle Symptome verschwunden sind, darf ein Kind nach überstandener Maserninfektion wieder die Schule oder den Kindergarten besuchen. Der Verband der Kinder- und Jugendärzte rät Eltern allerdings, damit noch ein bis zwei Wochen zu warten und dem Kind die Chance zu geben, sich erst vollständig zu erholen.

Gerade bei Masern gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen

Immer noch hält sich bei vielen Eltern hartnäckig die Vorstellung, dass es sich bei Masern um eine harmlose Kinderkrankheit handelt. Dem ist aber nicht so: Masern sind eine schwere und belastende Infektionskrankheit mit einer nicht zu unterschätzenden Komplikationsrate.

Vorbeugen lässt sich dagegen zuverlässig durch eine Impfung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt die erste Masern-Impfung zwischen dem vollendeten 11. und 14. Lebensmonat, in Ausnahmefällen (zum Beispiel Kontakt mit einem Masern-Kranken) ist die Impfung bereits ab dem Alter von neun Monaten ratsam.

Eine Folgeimpfung sollte zwischen dem vollendeten 15. und 23. Monat vorgenommen werden, bei vorgezogener Erstimpfung entsprechend früher. Meist wird bei beiden Impfungen ein Kombinationsimpfstoff verwendet, der gleichzeitig auch gegen Masern und Röteln (MMR) immunisiert.

Die Stiko empfiehlt, einen versäumten Impfschutz nachzuholen. Allerdings gibt es auch noch die Möglichkeit, sich direkt nach Kontakt mit Masern-Kranken noch impfen zu lassen, wenn der Impfstatus nicht klar ist.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 24. Oktober 2016
Durch: sba

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