Tropenkrankheit

Chikungunya-Fieber

Das Chikungunya-Fieber – eine Tropenkrankheit, die Gelenke und Muskeln entzündet –, erreicht Deutschland. Mit der Klimaerwärmung kommen Mückenarten, die das Virus übertragen. Allerdings könnte es schon bald eine Impfung gegen Chikungunya geben.

Chikungunya wird von tagaktiven Mücken übertragen
Die Tigermücke kann bei ihrem Stich das Chikungunya-Fieber übertragen.
Getty Images/iStockphoto

Hohes Fieber und so starke Schmerzen in den Gelenken und Muskeln, dass der Betroffene kaum noch gehen kann – die Tropenkrankheit mit dem schwierigen Namen Chikungunya (sprich: Tschikungunja, heißt so viel wie „der gekrümmt Gehende“) bedrohte bis vor kurzem ausschließlich Afrika, Asien und Indien. Nun hat sie die Karibik erreicht, wo sich seit Dezember 2013 Hunderttausende mit dem Virus angesteckt haben.

Exotische Krankheiten

In Nordamerika wurden erste Fälle entdeckt und auch Europa wird von Chikungunya bedroht. Medikamente gegen die Viruserkrankung gibt es nicht. Auch eine Impfung war bisher nicht möglich.

Chikungunya-Impfung wirkt, doch wie lange?

Weil sich die Infektionskrankheit aber so rasch ausbreitet, lässt die amerikanische Gesundheitsbehörde am US-Vaccine Research Center aktuell einen Impfstoff gegen Chikungunya-Viren entwickeln. In einer Studie erwies sich das Serum bereits als wirksam, wie das Forscherteam im Fachblatt "The Lancet" berichtet. Nötig seien vermutlich drei Injektionen innerhalb eines halben Jahres.

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Der Impfstoff besteht aus der Virusmembran des Erregers und kann die Krankheit allein nicht auslösen. Die Untersuchung zeigte, dass diese Impfung den Körper dazu anregt, Antikörper gegenüber Chikungunya zu bilden. Das bedeutet, dass eine geimpfte Person Immunität gegenüber den Viren aufbaut. Wie lange diese Wirkung anhält, muss sich jedoch noch zeigen. Die Forscher sind jedoch zuversichtlich, dass sich auf diesem Weg ein sicheres Serum herstellen lässt.

Ansteckung mit Chikungunya

Die Chikungunya-Viren werden durch Stechmücken übertragen, etwa die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) oder die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti). Im Zuge der globalen Klimaveränderung finden diese Mückenarten auch in Deutschland ideale Brutbedingungen.

Bei den Viren handelt es sich um so genannte Togaviridae, die zur Gruppe der Alphaviren gehören. Je nach Region gibt es verschiedene Virenstämme. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist äußerst selten, wurde jedoch in Ausnahmefällen bereits beobachtet. Zwischen Ansteckung und den ersten Symptomen (Inkubationszeit) können zwei bis sieben Tage vergehen.

Symptome einer Chikungunya-Infektion

Zunächst kündigt sich die Infektion wie eine Grippe an: mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Dann folgen, mehr oder weniger ausgeprägt, weitere Krankheitszeichen des Chikungunya-Fiebers:

Verlauf des Chikungunya-Fiebers sehr variabel

In seltenen Fällen kommt es zur hämorrhagischen Form von Chikungunya-Fieber. Dann bilden sich Einblutungen in den Schleimhäuten, manchmal auch in Lunge, Nieren und Leber. Es besteht Lebensgefahr. Bei einer anderen Chikungunya-Form kann es zu lebensgefährlichen Entzündungen kommen, und zwar am Herzen (Myokarditis), der Leber (Hepatitis) oder den Hirnhäuten (Meningitis).

Eine weniger dramatische Komplikation der Infektionskrankheit, aber trotzdem quälend: Die Entzündung der Gelenke kann Jahre bestehen bleiben. Das betrifft bis zu zehn Prozent der Erkrankten.

Im Normalfall sind die Chikungunya-Symptome jedoch nach etwa zehn Tagen vorüber: Das Fieber verfliegt, die Gelenke lassen sich wieder ohne Schmerzen bewegen. Es besteht nun eine lebenslange Immunität gegen Chikungunya-Fieber.

Diagnose von Chikungunya

Anfangs ähneln die Beschwerden denen einer Virusgrippe (Influenza) oder dem ebenfalls in tropischen Gefilden häufigen Dengue-Fieber. Deshalb wird der Arzt einen Bluttest durchführen. Liegt eine Infektion mit Chikungunya-Viren vor, finden sich im Blut die typischen Antikörper. Auch eine Malaria-Erkrankung, die ähnliche Symptome hervorruft, muss bei der Diagnose ausgeschlossen werden.

Therapie des Chikungunya-Fiebers

Eine ursächliche Behandlung ist bei Chikungunya nicht möglich. Es gibt also keine Medikamente, die das Virus abtöten oder seine Vermehrung hemmen. Behandelt werden können deshalb nur die Symptome. Das bedeutet im Detail:

  • Medikamente gegen Schmerzen und Fieber. Allerdings darf bei Chikungunya kein Wirkstoff zum Einsatz kommen, der die Funktion der Blutplättchen beeinflusst. Die Krankheit erhöht das Risiko für Blutungen, das sich mit dem falschen Schmerzmittel zusätzlich erhöht.

  • Bettruhe und falls möglich leichte Bewegungstherapie, um die Gelenke wieder zu mobilisieren. Das ist jedoch erst sinnvoll, wenn das Fieber abgeklungen ist.

Chikungunya vorbeugen durch Mückenschutz

Bis die Impfung gegen Chikungunya-Fieber alle Hürden genommen hat und zugelassen wird, helfen nur die allgemeinen Anti-Mücken-Maßnahmen – also imprägniertes Moskitonetz, langärmelige sowie die Beine bedeckende Kleidung und Mückenschutzmittel (Repellents). Wichtig außerdem: Die meisten Mücken, die das Chikungunya-Virus übertragen, sind nachtaktiv. Die Tigermücke sticht jedoch auch bei Tag und ist äußerst aggressiv. Sie fühlt sich zunehmend auch in Europa wohl und überträgt neben Chikungunya das Dengue-Fieber.

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