Bakterielle und virale Infektionskrankheit

Meningitis: Symptome der Hirnhautentzündung und ob eine Impfung schützt

Bei einer Meningitis entzünden sich die Hirnhäute: bindegewebsartige Hüllen, die das Hirn umgeben. Eine Hirnhautentzündung äußert sich oft anhand typischer Anzeichen wie Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen, aber auch unspezifische Symptome kommen vor. Meningitis wird mitunter durch Bakterien oder Viren verursacht. Gegen manche davon ist eine Impfung möglich, die aber nicht in jedem Fall empfohlen wird.

frau mit grippe und fieber
Bei einer Hirnhautentzündung sind grippeähnliche Symptome typisch. Die Meningitis kann auch auf das Gehirn selbst übergreifen.
© iStock.com/CentralITAlliance

Unter einer Meningitis versteht man eine ernste Erkrankung, bei der sich die Hirnhäute (Meningen) entzünden. Bei den Hirnhäuten handelt es sich um drei dünne Schichten, die aus Bindegewebe bestehen. Sie befinden sich innerhalb des knöchernen Schädels und umgeben das Gehirn wie eine schützende Hülle. Die Entzündung kann sich leicht auf das Gehirn ausbreiten, was als (Meningo-) Enzephalitis bezeichnet wird. Es ist auch möglich, dass sich die Hirnhautentzündung auf Rückenmarkshäute und Rückenmark fortsetzt.

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Wie kann man sich mit Hirnhautentzündung anstecken?

Eine Hirnhautentzündung kann verschiedene Ursachen haben, wie Infektionen mit Bakterien, Viren, seltener auch Parasiten oder Pilzen. Meistens stecken sich Menschen im direkten Kontakt zu Infizierten mit Meningitis-Erregern an, entweder über Tröpfcheninfektion (Keime gelangen über das Sprechen, Niesen oder Husten in die Luft und werden von anderen über die Schleimhäute aufgenommen) oder über Schmierinfektionen (direkte Berührung von keimbehafteten Stellen wie Hände, oder Türklinken). Sowohl die Behandlung als auch der Verlauf einer Meningitis hängen von der jeweiligen Ursache ab.

Bakterielle Meningitis

Bakterien verursachen meist eine eitrige Hirnhautentzündung. Je nach Alter des Betroffenen und seines individuellen Gesundheitszustandes finden sich besonders folgende Bakterien als Ursache einer Meningitis:

  • Bei Säuglingen kommen vor allem E. coli, Streptokokken (Typ B) und Listerien als Ursache der Hirnhautentzündung infrage.

  • Kleinkinder mit einer Meningitis sind in über der Hälfte der Fälle mit Meningokokken infiziert, auch Pneumokokken zählen zu den häufigen Auslösern sowie Haemophilus influenzae (sofern das Kind über keinen Impfschutz verfügt).

  • Bei etwa jedem zweiten Erwachsenen mit einer Hirnhautentzündung sind Pneumokokken die Ursache, bei ungefähr jedem Dritten sind es Meningokokken. Listerien können besonders bei Menschen mit schwachem Immunsystem eine Meningitis verursachen.

Bakterielle Hirnhautentzündungen kommen auf der Welt unterschiedlich häufig vor. Meningokokken-Infektionen sind zwar rund um den Erdball verbreitet, besonders oft treten sie jedoch im sogenannten Meningitis-Gürtel auf – hierzu zählen Zentralafrika, Saudi-Arabien, sowie viele Länder Asiens und Südamerikas. Die Mehrzahl der Hirnhautentzündungen durch Meningokokken betrifft Kinder und Jugendliche.

Manche Bakterien verursachen auch eine nicht-eitrige Hirnhautentzündung. Hierzu zählen zum Beispiel die Erreger der Borreliose, Brucellose, Leptospirose, Syphilis sowie der Tuberkulose. Diese Erkrankungen gehen nicht grundsätzlich mit einer Hirnhautentzündung einher; Ärzte sprechen in diesen Fällen auch von einer Begleitmeningitis.

Virale Meningitis

Es gibt eine Vielzahl von Viren, die eine Hirnhautentzündung hervorrufen können. Zu den häufigsten Viren im Zusammenhang mit einer Meningitis zählen:

Meningitis durch Parasiten und Pilze

Neben Bakterien und Viren kommen auch bestimmte Parasiten, zum Beispiel die Erreger der Toxoplasmose, sowie in seltenen Fällen auch Pilzinfektionen als Ursache einer Hirnhautentzündung infrage.

Symptome der Hirnhautentzündung

Manchmal verläuft die Meningitis symptomlos, nicht selten ist sie aber mit allgemeinen, oft grippeartigen Krankheitssymptomen verbunden. Betroffene einer Hirnhautentzündung klagen häufig über folgende Beschwerden:

  • Fieber;
  • Schlappheit;
  • Gliederschmerzen;
  • Übelkeit und Erbrechen;
  • Kopfschmerzen;
  • Nackensteifigkeit (Meningismus), vor allem, wenn das Kinn in Richtung Brust gezogen wird;
  • Lichtempfindlichkeit;
  • Rückenschmerzen;
  • Geräuschempfindlichkeit;
  • Brudzinski-Zeichen: Hebt der Arzt den Kopf des Patienten an, beugt dieser reflexartig die Knie;
  • Lasège-Zeichen: Schmerzen im Bein, Gesäß und/oder unteren Rücken, wenn der Arzt das gestreckte Bein des liegenden Patienten anhebt;
  • Kernig-Zeichen: Hebt der Arzt das gestreckte Bein des liegenden Patienten an, beugt dieser die Knie;

Meningitis manchmal ohne typische Symptome

Bei einer Hirnhautentzündung untermauern diese Symptome den Verdacht, die typischen Anzeichen einer Meningitis können jedoch auch fehlen – dies gilt insbesondere für alte Menschen oder Babys.

Zusätzlich können im Rahmen einer Hirnhautentzündung auch neurologische Symptome, wie Schwindel, Benommenheit, Schläfrigkeit oder epileptische Krampfanfälle auftreten. Bei schwerem Verlauf können Erkrankte auch das Bewusstsein verlieren und ins Koma fallen. Sind Meningokokken die Ursache der Hirnhautentzündung kommt es in manchen Fällen zu Hauteinblutungen, die als dunkelrote Hautflecken in Erscheinung treten. Dieses Symptom kann ein Hinweis auf eine beginnende, lebensbedrohliche Meningokokken-Sepsis (Blutvergiftung durch Meningokokken) sein.

Diagnose: Wie wird eine Meningitis festgestellt?

Eine Hirnhautentzündung lässt sich meist schnell erkennen, wenn die Symptome charakteristisch sind. Um die Diagnose der Meningitis zu sichern, erfolgen Untersuchungen von Blut- und Rückenmarksflüssigkeit sowie bildgebende Verfahren.

Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung überprüft der Arzt die Meningismuszeichen. Dazu beugt er zunächst den Kopf des liegenden Patienten nach vorne (mit dem Kinn auf die Brust). Meist löst diese Bewegung im Falle einer Meningitis Schmerzen aus (Nackensteifigkeit).

Beugt der Betroffene außerdem gleichzeitig reflexartig die Knie, ist das sogenannte Brudzinski-Zeichen positiv und liefert einen wichtigen Hinweis auf eine Meningitis. Anschließend hebt der Arzt das gestreckte Bein des liegenden Patienten. Treten dadurch Schmerzen im Bein oder Rücken auf (Lasègue-Zeichen), beziehungsweise beugt der Erkrankte gleichzeitig das Kniegelenk (Kernig-Zeichen), erhärtet sich der Verdacht einer Hirnhautentzündung. Bei Babys und älteren Menschen können diese typischen Meningitis-Zeichen jedoch auch fehlen.

Bestimmung der Ursachen im Krankenhaus

Die Ursache der Hirnhautentzündung – also ob Bakterien, Viren oder andere Erreger hinter der Erkrankung stecken – lässt sich nicht anhand der Beschwerden erkennen. Daher sind weiterführende Untersuchungen notwendig, um die Diagnose der Meningitis zu sichern und eine gezielte Therapie einzuleiten. In der Regel erfolgen diese Untersuchungen im Krankenhaus. In jedem Fall entnimmt der Arzt eine Blutprobe sowie eine Probe des Nervenwassers (Liquor cerebrospinalis) und lässt diese auf die entsprechenden möglichen Erreger, sowie auf Anzeichen einer Entzündung im Labor untersuchen. 

Bildgebende Verfahren zeigen Ausmaß der Hirnhautentzündung

Mithilfe bildgebender Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) können Mediziner das Ausmaß der Hirnhautentzündung genauer bestimmen. In manchen Fällen zeigt auch eine Aufzeichnung der Hirnströme mithilfe eines EEG (Elektroenzephalogramm) krankhafte Veränderungen.

Da bestimmte Formen von Hirnhautentzündung lebensbedrohlich sein können, ist für den Arzt rasches Handeln gefragt. Deshalb leitet er bereits die Therapie ein, bevor alle Diagnoseergebnisse vorliegen.

Therapie der Hirnhautentzündung je nach Ursache

Die Behandlung einer Meningitis hängt maßgeblich von ihrer Ursache. Wichtig ist, dass die Therapie schnell beginnt.

Behandlung der bakteriellen Meningitis

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Bei Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung verabreichen Ärzte sofort ein Antibiotikum, das der Patient über eine Infusion (Venentropf) erhält. Die Therapie erfolgt auch dann, wenn noch keine genauen Ergebnisse über die Art der Erreger vorliegen, denn eine bakterielle Meningitis ist ein lebensbedrohlicher Notfall.

Bestätigt sich der Verdacht einer Hirnhautentzündung durch Meningokokken, muss der Erkrankte auf einer Isolierstation behandelt werden, um eine weitere Verbreitung der Bakterien zu verhindern. Es ist es außerdem wichtig, dass auch alle Kontaktpersonen vorbeugend mit einem Antibiotikum behandelt werden. Zum Einsatz kommen meist Wirkstoffe aus der der Gruppe der sogenannten Cephalosporine und Penicilline. Abhängig vom individuellen Fall setzten Ärzte auch Kortison zur Meningitis-Therapie ein.

Behandlung der viralen Meningitis

Auch wenn Ärzte vermuten, dass Herpesviren für die Hirnhautentzündung verantwortlich sein könnten, leiten sie umgehend die Behandlung ein. In diesem Fall setzen sie ein Antivirenmittel (Virostatikum) ein, mit einen Wirkstoff der sich gegen Herpesviren richtet (meist Aciclovir). Bei einer Hirnhautentzündung durch andere Viren ist hingegen keine ursächliche Therapie möglich. Hier beschränkt sich die Meningitis-Behandlung in erster Linie darauf, Symptome wie Kopfschmerzen mithilfe von Schmerzmitteln zu lindern.

Prognose bei viraler Meningitis meist gut

Bei einer Hirnhautentzündung hängt der Verlauf in erster Linie von der Krankheitsursache ab. Im Gegensatz zur bakteriellen Meningitis, die tödlich verlaufen kann, ist die Prognose bei virusbedingten Formen oft gut. Die Beschwerden bilden sich nach einiger Zeit mitunter von selbst zurück, bleibende Schäden des Gehirns sind eher selten.

Eine Ausnahme ist die Meningitis durch Herpesviren. Etwa sieben von zehn Erkrankten sterben daran, wenn keine Behandlung erfolgt. Erfolgt die Therapie mit einem Antivirenmittel (meist Aciclovir) sehr früh, steigen die Überlebenschancen. Oft führen die Herpesviren auch zu einer Gehirnentzündung (Herpesenzephalitis), durch die mitunter neurologische Schäden zurückbleiben wie geistige Defizite oder Lähmungen.

Bei einer bakteriellen Hirnhautentzündung hängt der Verlauf von verschiedenen Faktoren ab, wie:

  • Art der Bakterien
  • Behandlungszeitpunkt
  • Alter des Betroffenen
  • Vorerkrankungen

Unbehandelt ist die Sterblichkeit bei einer bakteriellen Meningitis recht hoch. Erfolgt die antibiotische Behandlung frühzeitig, ist der Verlauf der Hirnhautentzündung oft günstig mit Chancen auf eine vollständige Heilung. Folgeschäden, wie Schwerhörigkeit, Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten, treten  bei einigen Kindern als Folge einer bakteriellen Meningitis auf.

Meningokokken-Impfung kann Hirnhautentzündung vorbeugen

Nicht allen Formen der Meningitis lässt sich vorbeugen, gegen manche Erreger gibt es aber Impfungen.

Meningokokken und Pneumokokken zählen zu den häufigen Auslösern einer Hirnhautentzündung. Gegen diese Bakterien stehen Impfungen zur Verfügung.

  • Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken standardmäßig für Kinder ab dem 12. Lebensmonat sowie für Menschen die beruflich einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind (wie Krankenhauspersonal, Betreuer von Gemeinschaftseinrichtungen). Auch wenn Sie in gefährdete Regionen reisen wollen, kann eine Impfung gegen Meningokokken sinnvoll sein.

  • Gegen können Sie Ihr Kind ab dem zweiten Lebensmonat impfen lassen, empfehlenswert ist die Impfung außerdem für ältere Erwachsene ab 60 Jahren.

Um einer weiteren Verbreitung einer Hirnhautentzündung durch Meningokokken vorzubeugen, gelten besondere Bestimmungen:

  • Behandlung erfolgt auf einer Isolierstation

  • Alle Kontaktpersonen erhalten zur Vorbeugung der Hirnhautentzündung ein Antibiotikum und eine Meningokokken-Impfung

  • Ärzte müssen bereits den Verdacht einer Meningokokken-Meningitis dem Gesundheitsamt melden (Meldepflicht)

FSME-Impfung schützt vor Hirnhautentzündung durch Zecken

Vor einer Hirnhautentzündung durch den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können Sie sich ebenfalls durch eine Impfung schützen. Experten empfehlen die Impfung jedoch nicht generell. Zum einen kommt es durch den Biss einer infizierten Zecke nicht in jedem Fall zu einer Infektion, zum anderen hat nicht jede Infektion eine Meningitis zur Folge. Wenn Sie sich in Verbreitungsgebieten der FSME aufhalten, können Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt abwägen, ob eine Impfung für Sie sinnvoll ist. Grundsätzlich bieten Antizeckenmittel und eine entsprechende Kleidung einen guten Schutz vor Zecken.

Die wichtigsten Impfungen

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