Infektionskrankheiten

Pfeiffersches Drüsenfieber – krank durch Küssen

Pfeiffersches Drüsenfieber ist eine Infektionskrankheit, die durch das Epstein-Barr-Virus verursacht wird. Meist infizieren sich Menschen über den Speichel, beispielweise beim Küssen. Typisch sind geschwollene Lymphknoten und Fieber – meist verläuft die Krankheit jedoch mild.

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Pfeiffersches Drüsenfieber: Oftmals wird die Erkrankung für einen grippalen Infekt gehalten.
© iStock.com/KatarzynaBialasiewicz

Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist eine häufige Viruserkrankung, die durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird. Das EBV zählt zu den Herpesviren. Benannt wurde das Pfeiffersche Drüsenfieber nach dem deutschen Kinderarzt Emil Pfeiffer (1846–1921), der die Krankheit als Erster beschrieb. Der Begriff ist abgeleitet von den beiden Hauptsymptomen, der Drüsenschwellung und dem Fieber. Das Pfeiffersche Drüsenfieber verläuft in der Regel mild und harmlos. Nur selten beobachten Ärzte einen schweren Krankheitsverlauf und Folgeerkrankungen. Wer das Pfeiffersche Drüsenfieber einmal durchgemacht hat, bildet Antikörper gegen das Virus und ist meist lebenslang immun.

Kusskrankheit wird von Mund zu Mund übertragen

Die Erkrankung heißt auch infektiöse Mononukleose, Kusskrankheit (kissing disease), Studentenfieber oder Studentenkrankheit. Diese Namen deuten schon auf den Verbreitungsweg und die hauptsächlich Betroffenen hin: Das Epstein-Barr-Virus wird in erster Linie über Tröpfcheninfektion durch infizierten Speichel und Mundkontakt übertragen. Aber auch eine Ansteckung beim Husten oder Niesen ist möglich. Gehäuft infizieren sich junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. Ärzte schätzen, dass etwa 95 Prozent der erwachsenen Mitteleuropäer bis zu ihrem 30. Lebensjahr mit dem Epstein-Barr-Virus in Kontakt gekommen sind und Antikörper gegen den Erreger gebildet haben.

Pfeiffersches Drüsenfieber: Diese Symptome verursacht das Epstein-Barr-Virus

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Infektionskrankheit (Inkubationszeit) beträgt etwa zehn Tage bei Kindern und 30 bis 50 Tage bei Jugendlichen und Erwachsenen. Bei Kindern bleibt die Krankheit oft unentdeckt, weil sie nur schwache Symptome entwickeln, die schnell wieder abklingen. Bei Erwachsenen kündigt sich die infektiöse Mononukleose oft mit grippeähnlichen Beschwerden an. Die Symptome sind individuell unterschiedlich schwer ausgeprägt.

Anzeichen für eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus sind:

  • Fieber (38 bis 39 Grad)

  • Lymphknotenschwellung, besonders im Halsbereich, aber auch in Nacken und Achseln, an Brust oder Bauch; die Lymphknoten schmerzen bei Druck

  • Entzündungen des Rachens und geschwollene Rachenmandeln, oft mit weiß-gelbem Belag (Monozyten-Angina); die Folgen sind Schluckbeschwerden, Heiserkeit und Mundgeruch

  • Halsschmerzen

  • Kopfschmerzen

  • Gliederschmerzen, Muskelschmerzen

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit

  • Lebervergrößerung (bei etwa zehn Prozent) und Milzschwellung (bei etwa 50 Prozent), wenn das EBV auf diese Organe übergreift; Übelkeit und Bauchschmerzen

  • manchmal Lichtscheue

  • manchmal Hautausschlag

  • bei Kindern: ein nahezu symptomloser Verlauf ist möglich

Das Pfeiffersche Drüsenfieber hält gewöhnlich zwei bis drei Wochen an. Bis ein Mensch aber wieder voll leistungsfähig ist, können Wochen oder sogar Monate vergehen. Sehr selten wird die Infektionskrankheit chronisch und die Symptome dauern länger als sechs Monate an.

Ursachen der Kusskrankheit

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht, das zur Familie der Herpesviren zählt. Es wurde 1964 in Zellkulturen eines bösartigen Oberkiefergeschwürs – des Burkitt-Lymphoms – entdeckt. Die Übertragung erfolgt vorwiegend durch direkten Kontakt, vor allem mit dem Speichel. Kinder stecken sich oft durch die Küsse ihrer Eltern an.

Das Epstein-Barr-Virus vermehrt sich zunächst in den Schleimhautzellen des Nasen-Rachen-Raums. Dann befällt es bestimmte Immunzellen, die Lymphozyten vom Typ B. Diese infizierten B-Lymphozyten verhalten sich wie Tumorzellen, die sich permanent teilen. Über die Lymphwege und die Blutbahnen verbreiten sich die Viren im gesamten Körper. Man findet sie in der Folge in allen lymphatischen Organen, aber auch in der Leber und anderen Geweben. Sie sind die Verursacher der Organschwellungen.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber verläuft bei Personen mit einem schlagkräftigen Immunsystem fast immer mild und harmlos. Spezielle Abwehrzellen beseitigen die infizierten B-Lymphozyten Schritt für Schritt. Bei Menschen mit dauerhaft geschwächten Abwehrkräften, etwa bei chronischen Krankheiten oder nach einer Organtransplantation, können allerdings Komplikationen auftreten.

So läuft die Diagnose beim Arzt ab

Suchen Sie auf jeden Fall Ihren Hausarzt auf, wenn Sie Lymphknotenschwellungen, Fieber oder Rachenentzündungen entwickeln. Der Arzt wird zunächst die Beschwerden und Krankengeschichte erfragen (Anamnese). Er tastet die Lymphknoten ab und prüft, ob sie geschwollen sind und bei Druck schmerzen. Mit einem Spiegel lassen sich die Rachenmandeln beurteilen und Beläge gut erkennen.

Eine Blutuntersuchung kann die Diagnose Pfeiffersches Drüsenfieber erhärten. Einige Tage nach dem Ausbruch der Infektionskrankheit ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) stark erhöht. Auch lässt sich ein hoher Anteil an mononukleären Zellen (mononukleär = mit einem Zellkern ausgestattet) nachweisen. Daher stammt auch der Name infektiöse Mononukleose.

Selten folgen weitere Untersuchungen. So lassen sich im Blut Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus nachweisen. Wichtig ist es, das Pfeiffersche Drüsenfieber von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen. Beispiele sind Zytomegalie (Infektion mit dem Cytomegalievirus), Hepatitis, Diphtherie und Leukämie.

Behandlung des Pfeifferschen Drüsenfiebers: Welche Therapie eignet sich

Es gibt keine Behandlung, die direkt an der Ursache des Pfeifferschen Drüsenfiebers – dem Epstein-Barr-Virus – ansetzt (ursächliche Therapie). Ärzte können lediglich die Symptome und Beschwerden lindern (symptomatische Therapie).

Medikamente bei Pfeifferschem Drüsenfieber

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bei der Kusskrankheit:

  • Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac helfen bei Fieber und Schmerzen.

  • Antibiotika wirken nicht gegen Viren, sondern nur gegen Bakterien. Ärzte setzen sie nur ein, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion vorhanden ist. Ein Beispiel für ein wirksames Antibiotikum ist der Wirkstoff Doxycyclin.

  • Kortikosteroide, zum Beispiel Kortison, wirken abschwellend und werden nur in schweren Fällen angewendet, etwa bei Atemnot aufgrund der Schwellungen im Rachen.

  • Bei schwerem Verlauf verkürzt die Entfernung der Mandeln die Krankheitsdauer; der Eingriff ist aber nicht grundsätzlich beim Pfeifferschem Drüsenfieber ratsam.

Hausmittel bei Pfeifferschem Drüsenfieber – das können Sie selbst tun!

  • Wenn Sie Fieber haben, sollten Sie unbedingt Bettruhe einhalten und sich körperlich schonen.

  • Das Fieber lässt sich mit einem bewährten Hausmittel senken: Kalte Wadenwickel sorgen für Abkühlung.

  • Bei einer Mandelentzündung mit Halsschmerzen helfen heiße oder kalte Halswickel, etwa Quark- oder Kartoffelwickel.

  • Mundspülungen, zum Beispiel mit Salbei und Kamillentee, und Lutschpastillen lindern die Halsschmerzen.

  • Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich, am besten Wasser, Fruchtsaftschorlen oder ungesüßten Kräutertee. Trinken Sie 1,5 bis zwei Liter pro Tag.

Verlauf und Dauer der Virusinfektion

Nach ein bis drei Wochen haben die meisten Menschen das Pfeiffersche Drüsenfieber überstanden. Gelegentlich können weitere Wochen bis Monate vergehen, bis die ursprüngliche Leistungsfähigkeit wiederhergestellt ist. Schwere und chronische Verläufe werden vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem beobachtet. Dies ist zum Beispiel bei HIV-Patienten oder nach einer Organtransplantation der Fall. Patienten mit einem Spenderorgan müssen lebenslang starke Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva).

Nachdem das Pfeiffersche Drüsenfieber überstanden ist, besteht meist eine lebenslange Immunität gegenüber dem Epstein-Barr-Virus (EBV).

Pfeifferschem Drüsenfieber vorbeugen: Wie schützt man sich vor der Kusskrankheit?

Dem Pfeifferschen Drüsenfieber vorbeugen können Sie eigentlich nicht. Denn das Virus überträgt sich sehr leicht durch Küssen, weshalb sich eine Ansteckung kaum vermeiden lässt. Das gilt auch für Eltern, die ihre Kinder herzen und küssen. Auch eine Impfung existiert nicht. Grundsätzlich können Sie Ihr Immunsystem durch eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen, ausreichend Bewegung oder wenig Stress stärken. So haben Erreger aller Art weniger leichtes Spiel.

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