An Händen, Achseln oder Gesicht

Hyperhidrose: Übermäßiges Schwitzen in den Griff bekommen

Der menschliche Organismus verfügt über bis zu vier Millionen Schweißdrüsen, die über beinahe die gesamte Körperoberfläche verteilt sind. Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) ist es dann, wenn der Körper mehr Schweiß bildet als für die Temperaturregulation erforderlich. Das kommt vor allem im Gesicht, an den Händen, Füßen oder unter den Achseln vor.

Mann benutzt Deo
Anti-Transpirantien, die als DEO-Spray verwendet werden, können die Schweißproduktion etwas unterdrücken.
(c) George Doyle

Schwitzen ist ein normaler Vorgang im Rahmen der Wärmeregulation des Körpers. Spezialisierte Drüsen geben ein wässriges Sekret ab, das auf der Haut verdunstet und dadurch den Körper kühlt. Übermäßiges Schwitzen stellt eine Störung dar, die durch bestimmte Medikamente hervorgerufen wird oder im Rahmen anderer Gesundheitsstörungen auftritt, etwa durch Infektionserkrankungen wie zum Beispiel Tuberkulose, Hormonerkrankungen (beispielsweise Schilddrüsenüberfunktion), Krebserkrankungen wie Leukämie oder bedrohliche Körperzuständen (etwa Schock, Unterzuckerung).

Hyperhidrose kann in die Isolation führen

Der menschliche Organismus verfügt über bis zu vier Millionen Schweißdrüsen, die über beinahe die gesamte Körperoberfläche verteilt sind. Schweißproduzierende Drüsen kommen in drei Formen vor:

  • Drei Viertel aller Drüsen sind reine Schweißdrüsen (ekkrine Schweißdrüsen), die ausschließlich Schweiß abgeben.

  • Ein Viertel sind Duftdrüsen (apokrine Schweißdrüsen), die für den typischen Körpergeruch eines Menschen verantwortlich sind. Duftdrüsen finden sich vor allem unter den Achseln und in Genital- sowie Afterbereich. Während reine Schweißdrüsen durch Nervenfasern aktiviert werden, reagieren Duftdrüsen auf Hormone.

  • Außerdem gibt es Schweißdrüsen vom gemischten Typ, deren Rolle beim übermäßigen Schwitzen bisher nicht geklärt ist.

Mittel gegen starkes Schwitzen

Als übermäßiges Schwitzen wird Schwitzen bezeichnet, bei dem vom Körper mehr Schweiß gebildet wird als für die Temperaturregulation erforderlich ist. Hyperhidrose ist eine relativ häufige Störung. Es kann sowohl herdförmig auftreten, also auf einzelne Körperregionen begrenzt sein (vor allem Achselhöhlen, Fußsohlen, Handflächen und Gesicht), als auch den gesamten Körper betreffen. Für örtlich begrenztes, übermäßiges Schwitzen sind ausschließlich reine Schweißdrüsen verantwortlich. Duftdrüsen sind an herdförmigen Hyperhidrosen nicht beteiligt.

Hält übermäßiges Schwitzen über einen längeren Zeitraum an, kann es bei fehlender Behandlung zur sozialen und beruflichen Isolation sowie einer starken Einschränkung der Lebensqualität kommen. Außerdem kann es in den beständig feuchten Hautarealen zu Pilzinfektionen, Warzenbildung und anderen Hautveränderungen kommen.

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

Symptome der Hyperhidrose

Bei den einen sind die Hände so schwitzig, dass jedes Händeschütteln peinlich wird. Bei anderen bilden sich regelmäßig große Schweißflecken unter den Achseln – obwohl es gar nicht heiß ist. Betroffene empfinden die Hyperhidrose als sehr unangenehm und störend. Das Hauptsymptom ist übermäßiger Schweißfluss, der sich beispielsweise in dunklen Flecken auf der Kleidung äußert. Bei starkem Handschweiß wellt sich außerdem beispielsweise das Papier beim Schreiben.

Ursachen: Warum kommt es zum übermäßigen Schwitzen?

Normales Schwitzen, das der Regulation der Körpertemperatur dient, stellt keine Krankheit dar, sondern ist eine natürliche Reaktion auf eine Überwärmung des Körpers. Schwitzen gilt zudem insbesondere in Zusammenhang mit Fieber ein typisches Symptom und tritt so etwa bei Infekten wie einer Erkältung oder auch einer Echten Grippe (Influenza) auf.

Hyperhidrose tritt dagegen völlig unabhängig von Temperatur und Gemütszustand auf. Das übermäßige Schwitzen kann sowohl den gesamten Körper betreffen (generalisierte Hyperhidrose) als auch auf Teilgebiete der Haut begrenzt sein (fokale Hyperhidrose). Die Ursachen reichen von einer entsprechenden Veranlagung über Hormon-, Nerven-, Krebs- und Infektionserkrankungen bis zu akuten Herzbeschwerden und der Einnahme von bestimmten Medikamenten oder Drogen.

Mögliche Ursachen der generalisierten Hyperhidrose

Hormonstörungen und hormonelle Einflüsse

Nervenerkrankungen und psychische Faktoren

Krebserkrankungen

  • bestimmte Nebennierentumoren (Phäochromozytom)
  • Karzinoidsyndrom bei neuroendokrine Tumoren (NET)
  • knochenmarkvermehrende Erkrankungen (bestimmte Leukämieformen)
  • Hodgkin-Lymphom

Infektionserkrankungen

Akute Herz-Kreislauf-Beschwerden

Medikamente und Drogen

  • bestimmte Wirkstoffe gegen Depressionen (Antidepressiva)
  • Kortison
  • Alkohol

Mögliche Ursachen für örtlich begrenzte (fokale) Hyperhidrose:

  • Veranlagung (primäre idiopathische Hyperhidrose)
  • Gustatorische Hyperhidrose (Frey-Syndrom) – verstärktes Schwitzen in Teilgebieten von Kopf und Hals, das bei Nahrungsverzehr auftritt
  • Nervenstörungen
  • Rückenmarksverletzungen

Primäre Hyperhidrose entsteht während der Pubertät

Die primäre Hyperhidrose bezeichnet übermäßiges Schwitzen ohne zugrunde liegende Erkrankung. Die genauen Ursachen dieser Form der Hyperhidrose sind noch nicht geklärt, allerdings scheint die Veranlagung eine wichtige Rolle zu spielen. Typisch dafür ist vermehrtes Schwitzen, das häufig in der Pubertät auftritt und sich charakteristischerweise bei Stress oder Angst verstärkt.

Die Betroffenen fühlen sich in ihrer Lebensqualität oft stark beeinträchtigt, da die übermäßige Schweißproduktion sich nach außen hin kaum verbergen lässt – Stichwort Schweißflecken. Insbesondere die Achselhöhlen, aber auch die Handflächen und Fußsohlen sind von der vermehrten Schweißproduktion betroffen.

Hyperhidrose-Diagnose: Wie wird übermäßiges Schwitzen festgestellt?

Entscheidende Hinweise für die Diagnose einer Hyperhidrose liefert die Krankengeschichte, die Messung der Schweißmenge hat dagegen nur geringe Bedeutung. Generalisiertes Schwitzen tritt als Symptom beinahe ausschließlich im Rahmen anderer Erkrankungen auf, was auch als sekundäre Hyperhidrose bezeichnet wirde. Fokales Schwitzen kann auch eine eigenständige Gesundheitsstörung ohne zugrunde liegende Krankheit darstellen (primäre Hyperhidrose).

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Experten empfehlen heute, jedes Schwitzen abzuklären, das von den Betroffenen als Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität angesehen wird. Zu Beginn der Diagnose werden im Gespräch wichtige Fragen geklärt:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden? (Typisch bei Hyperhidrose als eigenständiges Krankheitsbild ohne zugrunde liegende, andere Erkrankung: Übermäßiges Schwitzen besteht seit der Pubertät und wird als sehr belastend empfunden)

  • Wie lange halten die Schwitzattacken an?

  • Ist das Schwitzen auf bestimmte Körperregionen beschränkt oder betrifft es den ganzen Körper?

  • Tritt das Schwitzen in bestimmten Situationen beziehungsweise zu bestimmten Zeiten verstärkt auf?

  • Liegen weitere Symptome vor (zum Beispiel Schlafstörungen und Nervosität in den Wechseljahren; Gewichtsverlust, Nervosität und Unruhe bei Schilddrüsenüberfunktion; Fieber)?

  • Werden Medikamente eingenommen? Wenn ja, welche?

  • Werden oder wurden Drogen konsumiert?

  • Besteht eine bekannte Grunderkrankung wie Diabetes (Zittern, Heißhunger und Schwitzen sind Zeichen einer Unterzuckerung)?

Die Antworten lassen oft schon erkennen, ob das übermäßige Schwitzen eine eigenständige Störung (primäre Hyperhidrose) ist oder ein Symptom im Rahmen einer anderen Erkrankung darstellt.

Jod-Test auf betroffenen Hautflächen

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Die körperliche Untersuchung gibt gegebenenfalls weitere Hinweise auf die Gründe für das verstärkte Schwitzen. Bei örtlich begrenztem, übermäßigen Schwitzen kann durch einen einfachen Test der betroffene Körperbereich bestimmt werden. Dazu werden eine Jod-Lösung und Stärke auf die fraglichen Gebiete aufgebracht. Ist Schweiß vorhanden, kommt es innerhalb weniger Sekunden zu einer violetten Verfärbung. Auch eine Messung der Schweißmenge kann vorgenommen werden.

Sollte der Verdacht auf eine anderweitige Grunderkrankung bei vermehrtem Schwitzen bestehen, werden weitere Spezialuntersuchungen durchgeführt. Blutuntersuchungen lassen Rückschlüsse auf den Hormonhaushalt zu, Nervenuntersuchungen und ergänzende Röntgen- oder Magnetresonanzuntersuchungen können eine neurologische Ursache des Schwitzens aufdecken.

Behandlung der Hyperhidrose: Therapie von Botox bis OP

Die Behandlung von übermäßigem Schwitzen richtet sich nach der Ursache. Tritt das vermehrte Schwitzen als Symptom einer Grunderkrankung auf, gilt es, dieses zielgerichtet zu therapieren. Hier wird der behandelnde Arzt entsprechend eingreifen, unter Umständen auch Medikamente geben.

Tritt starkes Schwitzen ohne erkennbare, behandelbare Ursache auf oder fühlt sich der Patient durch das Schwitzen stark beeinträchtigt, kann er selbst unterschiedliche Maßnahmen dagegen ergreifen.

Mit Aluminium oder Botox gegen Hyperhidrose

Mit Aluminiumsalzen, die örtlich auf die betroffenen Körperregionen aufgetragen werden, können leichte Formen des übermäßigen Schwitzens behandelt werden. Bei der Iontophorese werden mittels elektrischer Spannung geladene Teilchen (Ionen) in die Haut eingebracht.

Auch Botulinumtoxin A (Botox) kann bei übermäßigem Schwitzen zum Einsatz kommen: Das hochwirksame Nervengift verhindert, dass Nervensignale die Schweißdrüsen erreichen. Durch Injektion kleiner Mengen des Gifts in die betroffenen Körperregionen kann daher die Schweißabsonderung blockiert werden. Der Effekt hält etwa vier bis sechs Monate an.

OP gegen starken Achselschweiß

Medikamente zur Behandlung von übermäßigem Schwitzen basieren auf dem gleichen Wirkprinzip wie Botulinumtoxin A, verhindern also die Übertragung von Nervensignalen auf die Schweißdrüsen. Geeignete Präparate weisen jedoch oft Nebenwirkungen auf, so dass diese Form der Behandlung zumeist bei Sonderformen der Hyperhidrose zum Einsatz kommt - etwa wenn gerade Kopf und Hals von Schweißausbrüchen betroffen sind.

Eine chirurgische Entfernung der Schweißdrüsen kann erwogen werden, wenn vor allem die Achseln zu übermäßigem Schwitzen neigen. In schweren Fällen von Handflächenschwitzen ist es darüber hinaus möglich, das für diese Form des Schwitzens verantwortliche Nervengeflecht im Bereich der Brustwirbelsäule durch eine Operation auszuschalten.

Bekannte Hausmittel gegen Schwitzen

Mit regelmäßigem Sport, Kneipp-Kuren, Saunagängen, salzarmer Ernährung, dem Verzicht auf Alkohol, Kaffee und stark gewürzte Speisen sowie durch atmungsaktive Kleidung können Sie starkem Schwitzen vorbeugen. Einige Hausmittel eignen sich ebenfalls, um die Schweißproduktion zu regulieren:

  • Trinken Sie eine Tasse Salbeitee! Salbei hat eine schweißhemmende Wirkung. Nehmen Sie einige Salbeiblätter und überbrühen Sie diese mit etwa 250 ml kochendem Wasser. Lassen Sie den Tee etwa zehn Minuten ziehen und seihen Sie ihn durch ein Sieb ab. Sie können den Tee auch mit ein wenig Honig süßen.

  • Waschen Sie sich mit einer Tinktur aus Eichenrinde. Brühen Sie einen Esslöffel Eichenrinde mit heißem Wasser auf und lassen Sie die Mischung mehrere Minuten ziehen. Gießen Sie das Wasser durch ein Sieb ab, tränken Sie einen Waschlappen darin und benetzen Sie die Hautstellen mit dem Eichenrinden-Sud, an denen Sie besonders schwitzen. Eichenrinde hemmt die Schweißbildung.

Verlauf der Hyperhidrose: Ist Heilung möglich?

Der Verlauf einer Hyperhidrose hängt ganz wesentlich von der Ursache ab. Wird die Ursache beseitigt beziehungsweise behandelt, kann die Erkrankung geheilt werden.

Die Behandlung der idiopathischen Hyperhidrose gestaltet sich häufig schwierig. Das vermehrte Schwitzen kann zwar durch die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten deutlich gemindert, jedoch nicht ganz beseitigt werden.

Komplikation der Hyperhidrose ist in erster Linie die Besiedlung der Haut durch Pilze (Dermatophytose), die durch die fortwährende Feuchtigkeit begünstigt wird. Auch die psychosozialen Folgen der Hyperhidrose sind nicht zu unterschätzen: Manche Betroffene kapseln sich aus Scham ab und vereinsamen unter Umständen.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. Juni 2016
Durch: sist
Quellen: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2004 / Gesenhues, S., Ziesché, R: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2003 /Mader, F.H., Weißgerber H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003 Eisenach JH, et al. Hyperhidrosis: evolving therapies for a well-established phenomenon. Mayo Clin Proc. 2005; 80: 657-66. URL: http://www.mayoclinicproceedings.com/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=15887434 Haider A, Nowell S. Focal hyperhidrosis: diagnosis and management. CMAJ. 2005; 172: 69-75. URL: http://www.cmaj.ca/cgi/pmidlookup?view=long&pmid=15632408 Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG). Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-059.pdf Morrison SF, et al. Central control of thermogenesis in mammals. Exp Physiol. 2008; 93: 773-97. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2496891/pdf/nihms-59720.pdf Lippert H. Lehrbuch Anatomie. 7. Auflage, Elsevier, München 2006 Siegenthaler W (Hrsg.), et al. Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 16. Auflage, Stuttgart, New York 1988.

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