Wenn Lymphzellen entarten

Lymphdrüsenkrebs: Symptome, Diagnose und Behandlung

Es gibt verschiedene Formen von Lymphdrüsenkrebs. Welche Anzeichen auf diese Krebserkrankungen hindeuten und wie Ärzte sie diagnostizieren und behandeln.

Mann greift sich in Nacken
Geschwollene Lymphknoten sind bei Lymphkrüsenkrebs oft das ersten Anzeichen.
© iStock.com/sielemann

Mediziner bezeichnen bösartige Erkrankungen des Lymphsystems als maligne Lymphome, die umgangssprachliche Bezeichnung ist Lymphdrüsenkrebs. Männer sind etwa doppelt so häufig von malignen Lymphomen betroffen wie Frauen, auch Kinder und Jugendliche können erkranken.

Artikelinhalte im Überblick:

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Was ist Lymphdrüsenkrebs?

Das Lymphsystem ist Teil des menschlichen Immunsystems. Es besteht aus lymphatischen Organen und Lymphgefäßen. Zu den lymphatischen Organen zählen Lymphknoten, Knochenmark, Milz, Thymus, Gaumen- und Rachenmandeln sowie lymphatisches Gewebe im Magen-Darm-Trakt. Die Lymphgefäße transportieren die Lymphflüssigkeit. Zentraler Bestandteil der Lymphflüssigkeit sind Lymphzellen (Lymphozyten). Dabei handelt es sich um weiße Blutkörperchen, die im Lymphsystem heranreifen.

Wichtige Lymphzellen sind die T- und B-Lymphozyten. T-Lymphozyten erkennen und markieren körperfremde Stoffe wie beispielsweise Viren und Bakterien, damit diese vernichtet werden können. B-Lymphozyten produzieren Antikörper zur Bekämpfung von Krankheitserregern und Fremdkörpern.

Die Entstehung von Lymphdrüsenkrebs

Maligne Lymphome entstehen, wenn eine Lymphzelle entartet und zu einer Krebszelle wird. Diese bösartig veränderten Lymphzellen sind funktionsunfähig, vermehren sich unkontrolliert und verdrängen die gesunden Zellen. Lymphdrüsenkrebs macht sich besonders an den Lymphknoten und der Milz bemerkbar, kann sich jedoch über das gesamte Lymphsystem ausbreiten und im Krankheitsverlauf andere Organe befallen.

Morbus Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome

Mediziner unterteilen maligne Lymphome in zwei Gruppen: Hodgkin-Lymphome (auch Morbus Hodgkin oder Lymphogranulomatose genannt) und Non-Hodgkin-Lymphome. 

Hodgkin-Lymphome 

Etwa 15 Prozent aller Lymphome sind Hodgkin-Lymphome. Bei Hodgkin-Lymphomen entarten fast immer die B-Lymphozyten in den Lymphknoten. Meist bleiben Hodgkin-Lymphome auf die Lymphknoten beschränkt, selten können auch andere Organe wie Milz, Leber oder Knochenmark betroffen sein.

Morbus Hodgkin kann in jedem Alter auftreten, ist aber eine der häufigeren bösartigen Erkrankungen bei jungen Männern. Etwa jeder zehnte Betroffene ist bei Diagnosestellung noch keine 20 Jahre alt. 

Non-Hodgkin-Lymphome

Als Non-Hodgkin-Lymphome bezeichnen Mediziner alle malignen Lymphome, die kein Hodgkin-Lymphom sind. Sie können überall im Körper auftreten, sind aber häufig in Lymphknoten, der Milz, im Knochenmark oder im Verdauungstrakt lokalisiert. Non-Hodgkin-Lymphome können in jedem Alter auftreten. Das Erkrankungsrisiko steigt jedoch mit zunehmendem Alter an. Die meisten Menschen erkranken mit etwa 70 Lebensjahren.

Symptome: Wie macht sich ein malignes Lymphom bemerkbar?

Die ersten Anzeichen sind häufig geschwollene Lymphknoten. Diese können in ganz unterschiedlichen Körperregionen auftreten, besonders häufig lassen sie sich jedoch an Hals und Nacken, im Schlüsselbeinbereich, in den Achselhöhlen, am Unterarm und in den Leisten feststellen. Diese Lymphknotenschwellungen sind meist schmerzlos. Die Schwellung fühlt sich im Allgemeinen fest an und kann deutlich sichtbar sein.

Lymphknoten können aus vielen Gründen geschwollen sein. Durch Entzündungen oder Infekte vergrößerte Lymphknoten sind oft schmerzhaft und bilden sich in der Regel innerhalb von einigen Tagen bis Wochen wieder zurück. Sind Lymphknoten über einen längeren Zeitraum geschwollen (zwei bis vier Wochen), sollten Betroffene daher zum Arzt gehen.

Weitere Symptome

Außerdem können bei Lymphdrüsenkrebs unspezifische Symptome wie Fieber, Schwäche, Leistungsminderung, nächtliches Schwitzen und Gewichtsverlust auftreten. Je nach betroffenem Organ oder Gewebe können weitere Symptome dazukommen, etwa Verdauungsbeschwerden, Atembeschwerden, Kopf- oder Knochenschmerzen. Mögliche Anzeichen sind außerdem eine hohe Infektanfälligkeit, Juckreiz am ganzen Körper, Hautrötungen, Blässe und punktartige Blutungen (Petechien). Leber und Milz können bei Lymphdrüsenkrebs vergrößert sein. Beim Hodgkin-Lymphom schmerzen bei einigen Betroffenen Lymphknoten nach Alkoholkonsum (Alkoholschmerz).

Diese Symptome zeigen sich in unterschiedlicher Stärke und treten nicht bei allen Betroffenen auf. Sie können auch im Zusammenhang mit anderen, völlig harmlosen Erkrankungen stehen.

Ursachen: Warum entsteht Lymphdrüsenkrebs?

Warum ein malignes Lymphom entsteht, ist nicht sicher bekannt. Als mögliche Risikofaktoren gelten:

  • Zellveränderungen durch chemische Substanzen oder Strahlenbelastung

  • Infektionen (zum Beispiel können das Epstein-Barr-Virus und das Bakterium Helicobacter pylori bei der Entstehung von Lymphomen eine Rolle spielen)

  • ein geschwächtes Immunsystem (zum Beispiel bei einer HIV-Infektion oder wenn der Betroffene abwehrunterdrückende Medikamente einnimmt, etwa nach einer Organtransplantation)

  • langanhaltender Zigarettenkonsum

  • starkes Übergewicht

  • Lymphdrüsenkrebs in der Familie

Diagnose: Wie stellt der Arzt Lymphdrüsenkrebs fest?

Der erste Schritt bei Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs ist ein ausführliches Gespräch mit einem Hausarzt, Internisten oder Onkologen mit anschließender körperlicher Untersuchung. Dabei tastet der Arzt Lymphknoten, Leber und Milz ab.

Blutuntersuchung

Im Anschluss lässt der Arzt eine Blutuntersuchung durchführen. Bei Lymphdrüsenkrebs kommt es zu typischen Veränderungen der Blutwerte, etwa Blutarmut (Anämie), ein Mangel an Blutplättchen und ein Mangel an funktionierenden Abwehrzellen.


Feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe

Um eine definitive Diagnose stellen zu können, entnehmen Mediziner betroffenes Gewebe (zum Beispiel einen Lymphknoten) und untersuchen es unter dem Mikroskop. Dabei können sie auch erkennen, ob es sich um ein Hodgkin- oder ein Non-Hodgkin-Lymphom handelt.

Bildgebende Verfahren

Hat sich der Verdacht auf ein malignes Lymphom bestätigt, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Der Arzt kann so herausfinden, ob und wie weit sich der Lymphdrüsenkrebs im Körper ausgebreitet hat. Zur Anwendung kommen Ultraschall, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronenemissionstomografie (PET).

Behandlung von Lymphdrüsenkrebs

Die Therapie hängt von der Art und dem Stadium des malignen Lymphoms sowie dem Alter und dem Gesundheitszustand des Betroffenen ab. Das Behandlungsspektrum reicht vom „Whatch and Wait“ (Beobachten und Abwarten) bis hin zu aggressiven Therapieansätzen.

Diese Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung und können teilweise auch miteinander kombiniert werden:

Stammzelltransplantation

Hat die Behandlung keinen ausreichenden Erfolg oder kommt es zu einem Rückfall, kann eine Stammzelltransplantation helfen.

Bei der "autologen Stammzelltransplantation" werden dem Erkrankten Blutstammzellen entnommen. Blutstammzellen sind Zellen, aus denen sich alle Blutzellen entwickeln. Sie können aus dem Knochenmark oder Blut gewonnen werden. Anschließend erhält der Patient eine hochdosierte Chemotherapie, zum Teil kombiniert mit einer Ganzkörperbestrahlung. Diese zerstört im Idealfall alle erkrankten Zellen, schädigt allerdings auch die blutbildenden Körperzellen stark. Durch die Rückübertragung der körpereigenen Stammzellen kann sich erneut eine ausreichende Anzahl an gesunden Blutzellen bilden.

Bei der "allogenen Stammzelltransplantation" erhält der Patient nach der hochdosierten Chemotherapie Blutstammzellen eines Spenders. Dabei müssen bestimmte Gewebemerkmale des Spenders mit denen des Empfängers übereinstimmen.

Verlauf und Heilungschancen bei Lymphdrüsenkrebs

Verlauf und Heilungschancen sind abhängig von der Art des Lymphoms, dem Zeitpunkt der Diagnose und dem Allgemeinzustand des Patienten. Unbehandelt führt jede Form des Lymphdrüsenkrebs zum Tod, bei manchen Betroffenen schreitet die Erkrankung allerdings nur sehr langsam voran und verursacht nur geringe Beschwerden.

Hodgkin-Lymphome sind gut therapierbar, die Heilungschancen sind bei rechtzeitigem Therapiebeginn gut. Auch bei langsam wachsenden Non-Hodgkin-Lymphomen bestehen gute Überlebenschancen. Etwa 30 Prozent der Non-Hodgkin-Lymphome verlaufen rasch und haben trotz sehr intensiven Behandlungen häufig eine schlechte Prognose.

Allgemein gilt, dass eine frühe Diagnose die Lebenserwartung deutlich erhöht. Wird der Lymphdrüsenkrebs früh entdeckt, können oft schonendere Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen.

Bestellen Sie den Newsletter

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Innere Medizin
    Lymphom/ oder Abzess?
    14.05.2010 | 07:29 Uhr

    Hallo, ich mache mir etwas Sorgen. Vor etwa 7 Jahren hatte ich plötzlich eine Schwellung...   mehr...

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Adventskalender: Tolle Gewinne warten!

Wir versüßen das Warten auf Weihnachten: Öffnen Sie jeden Tag ein Türchen und gewinnen Sie tolle Preise

mehr lesen...
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.