Neurologische Erkrankung

Epilepsie: Symptome und Auslöser epileptischer Anfälle

Unter Epilepsie versteht man eine Erkrankung des Gehirns, bei der die Leitung elektrischer Nervenimpulse gestört ist. Dadurch kommt es zu epileptischen Anfällen, die in Form von Zuckungen, Krämpfen oder Bewusstseinsverlust auftreten können. Wie man Epilepsie erkennt, bei einem Anfall Erste Hilfe leistet und welche Behandlung hilft.

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Krampfanfälle sind typisch für Epilepsie. Sie können auch nur einzelne Körperpartien betreffen.

Die Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie tritt meist zum ersten Mal im Kindes- und Jugendalter auf und verläuft chronisch. Epilepsie ist nicht ansteckend, aber vererbbar. Zumindest lässt eine familiäre Häufung genetische Ursachen vermuten. So ist das Epilepsierisiko bei Kindern epileptischer Eltern um das Drei- bis Siebenfache erhöht.

Die Krankheit Epilepsie, früher Fallsucht genannt, ist seit Menschengedenken bekannt. Ursprünglich kommt das Wort "Epilepsie" aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie "Angriff" oder "Überfall". Als Ursache für diese Krankheit, die einen so plötzlich überfällt, vermuteten die alten Griechen krankhafte Veränderungen im Gehirn und lagen damit der heutigen Sicht der Wissenschaft wesentlich näher als beispielsweise die Ärzte im Mittelalter. Die sahen sie als Strafe Gottes und Zeichen für Dämonenbesessenheit und versuchten sie entsprechend, mit Kreuz und Weihwasser zu bekämpfen. 

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Ein epileptischer Anfall ist noch keine Epilepsie

Die Begriffe Epilepsie und epileptischer Anfall werden oft vermischt. Doch grundsätzlich muss man unterscheiden, denn wer einmal einen Anfall hat, ist noch lange kein Epileptiker. Etwa fünf Prozent aller Menschen erleben irgendwann in ihrem Leben einen epileptischen Anfall – am häufigsten ist der epileptische Fieberkrampf, der meist nur einmalig im Kleinkindalter auftritt. Aber nur etwa 0,5 bis 1 Prozent entwickeln tatsächlich das Krankheitsbild Epilepsie.

Unter Epilepsie leidet man, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Man hatte bereits mindestens zwei nicht provozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden.
  • Es besteht die Gefahr, dass während der nächsten zehn Jahre weitere Anfälle auftreten werden.
  • Die Anfälle lassen sich in ein Krankheitsbild, ein sogenanntes Epilepsie-Syndrom einteilen, das von ärztlicher Seite entsprechend bestätigt wurde.

In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von Epilepsie betroffen. Pro Jahr erkranken etwa 500 von 100.000 Menschen neu.

Ist Epilepsie heilbar?

Die Krankheit kann zu starken Beeinträchtigungen im täglichen Leben führen. So sind Epileptiker beispielsweise beim Autofahren, bei Haushaltstätigkeiten wie Kochen oder Fensterputzen und in vielen anderen alltäglichen Lebenssituationen durch die immerwährende Bedrohung eines möglichen Anfalls stark eingeschränkt. Glücklicherweise ist die Krankheit aber beim heutigen Stand der Medizin sehr gut behandelbar, sodass etwa 80 Prozent aller Betroffenen anfallsfrei leben können. Ob man Epilepsie in dem Sinne "heilen" kann, ist auch unter Medizinern noch umstritten. Eine Epilepsie gilt als überwunden, wenn der Patient entweder dem klassischen Alter entwachsen ist. Das ist bei vielen kindlichen Epilepsieformen nach der Pubertät der Fall. Oder aber, wenn der Patient mindestens zehn Jahre anfallsfrei war und seit mindestens fünf Jahren keine Medikamente mehr einnehmen musste.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Die meisten Menschen sind völlig hilflos, wenn sie unerwartet bei jemandem einen epileptischen Anfall miterleben. Oft tun sie aus Angst, dem Betroffenen zu schaden, lieber nichts, als etwas Falsches zu tun. Dennoch können epileptische Anfälle für den Betroffenen manchmal lebensgefährlich sein. Insofern ist es sehr hilfreich, wenn Familie, Freunde oder Arbeitskollegen darüber informiert sind, wie sie im Fall des Falles helfen können.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie empfiehlt folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen:

  • Ruhe bewahren. Die meisten epileptischen Anfälle dauern nur wenige Minuten!
  • Den Betroffenen aus einer möglichen Gefahrenzone bringen, etwa im Straßenverkehr oder im Schwimmbad
  • Den Kopf mit einer Unterlage vor Verletzung schützen
  • Den Krampfenden nicht gewaltsam festhalten!
  • Gefährliche oder spitze Gegenstände aus dem Bewegungsradius entfernen
  • Bei längeren Anfällen oder lebensbedrohlichen Situationen (Status epilepticus) den Notarzt verständigen
  • Nach dem Anfall in der folgenden Ruhephase in die stabile Seitenlage bringen
  • Den Betroffen beruhigen und freundlich ansprechen, wenn er wieder zu sich kommt.

Hilfreich ist auch, wenn Betroffene eine Notfallkarte bei sich tragen, auf der die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen vermerkt sind.

Stabile Seitenlage: Anleitung in Bildern

Auslöser von Epilepsie – die Ursache liegt im Gehirn

Epilepsie wird verursacht durch überschießende elektrische Entladungen in Gruppen von Nervenzellen (Depolarisationen) und eine gesteigerte Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn. Bei der idiopathischen Epilepsie ist keine genaue Ursache für diese überschießende Reaktion der Nervenzellen feststellbar. Man geht hier von erblichen Faktoren aus.

Die symptomatische Epilepsie kann durch verschiedene Erkrankungen oder Verletzungen hervorgerufen werden. Hierzu zählen:

Symptome der Epilepsie: Woran erkennt man einen epileptischen Anfall?

Bei der Epilepsie werden generalisierte epileptische Anfälle, bei denen der Ursprungsort der Nervenimpulse im gesamten Gehirn liegen kann, von fokalen Anfällen mit einem umschriebenen, begrenzten Ursprungsareal der Nervenimpulse im Gehirn unterschieden.

Der "klassische" epileptische Anfall ist der Grand-Mal-Anfall und zählt zu den generalisierten Anfällen. Er kann mit einem Schrei beginnen, der Betroffene stürzt zu Boden, die Augen sind geöffnet. Es folgen Zuckungen der Arme und Beine, gelegentlich kommt es dabei zum Biss auf die Zunge und zum unfreiwilligen Abgang von Urin oder Stuhl. Der Anfall kann bis zu fünf Minuten andauern. Danach schläft der Betroffene und hat anschließend keine Erinnerung an das Geschehene (Amnesie).

Dauert ein solcher Anfall länger als 20 Minuten, wird er als Status epilepticus bezeichnet. Dieser Zustand ist für den Betroffenen lebensbedrohlich.

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Bei anderen Formen der Epilepsie kommt es zu weniger dramatischen Anfällen mit Zuckungen in einzelnen Körperbereichen (Impulsiv-Petit Mal) oder zu häufigen Bewusstseinspausen im Laufe des Tags (Absencen oder Pyknolepsie, Petit-Mal).

"Aura" als möglicher Vorbote eines epileptischen Anfalls

Einige Anfallsformen kündigen sich durch Vorboten an wie Unwohlsein, beginnende Bewusstseinsstörungen oder auch Schwindelgefühle. Diese Vorzeichen bezeichnet man als Aura. Manchmal fühlt sich der Betroffene auch einfach nur "merkwürdig". Oft gehen dem Anfall auch unbewusste Bewegungen wie Nesteln mit den Fingern, Schmatzen oder Ausziehen von Kleidungsstücken voraus.

Einteilung der Epilepsieformen

Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich verlaufen. Es gibt über 30 verschiedene Krankheitsbilder. Um diese zu unterteilen, haben sich Neurologen auf ein dreistufiges Modell verständigt:

1. Zunächst wird der Anfallstyp bestimmt.  Dabei unterscheidet man zwischen generalisierten Anfälle und fokalen Anfällen.

Bei beiden Formen unterscheidet man dann noch einmal nach den Ursachen:

  • symptomatische Anfälle, die aufgrund einer Schädigung des Gehirns ausgelöst werden
  • idiopathische Anfälle aufgrund vererblicher Faktoren
  • kryptogene Anfälle, deren Ursache unklar ist

2. Als nächstes wird der Epilepsie-Typ ermittelt. Dabei werden Anfallsformen entsprechend ihrer Symptomatik eingeteilt in:

Absence Bewusstseinsverlust oder kurze Bewusstseinspause. Tätigkeit wird danach ohne Übergang wieder aufgenommen
Tonischer Anfall Alle Muskeln des Körpers versteifen sich
Klonischer Anfall Rhythmische Zuckungen der Arme und Beine treten auf
Myoklonischer Anfall Kurze Zuckungen im Bereich des Schultergürtels, meist nach dem Aufwachen
Tonisch-klonischer Anfall Arme und Beine versteifen sich, begleitet von rhythmischen Zuckungen
Atonischer Anfall Verlust der Muskelspannung, Patient wird schlaff und bewusstlos

3. Im dritten Schritt wird die Erkrankung, wenn das möglich ist, einem epileptischen Syndrom zugeteilt.

Die meisten Epilepsiesyndrome treten erstmalig im Kindesalter oder spätestens während der Pubertät in Erscheinung. Folgende Syndrome und Epilepsieformen sind in der jeweiligen Altersgruppe besonders häufig:

Epileptische Anfälle bei Babys und Kleinkindern

Neugeborenenanfälle kommen vor allem nach Frühgeburten vor. Jedes zehnte Frühchen ist betroffen. Häufigster Grund ist ein Sauerstoffmangel im Gehirn während der Geburt, der dort zu Schäden führt. Die Symptome sind oft recht unauffällig. Etwa die Hälfte der Babys ist nach entsprechender Behandlung anfallsfrei und entwickelt sich nahezu normal, etwa ein Drittel leidet im späteren Leben unter chronischer Epilepsie.

Epileptische Fieberkrämpfe kommen relativ häufig vor bei Kleinkindern im Alter zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Die betroffenen Kinder beginnen typischerweise bei rasch ansteigendem Fieber zu krampfen. Ein Fieberkrampf dauert meist nicht länger als zwei bis drei Minuten und kann bei Kinderkrankheiten, grippalen Infekten und als Komplikation der Masernimpfung auftreten. Man unterscheidet einfache und komplizierte Fieberkrämpfe: Einfache Fieberkrämpfe treten auch bei ansonsten völlig gesunden Kindern auf und wiederholen sich normalerweise nicht. Bei komplexen, länger andauernden und sich wiederholenden Fieberkrämpfen liegt meist eine genetische Disposition zur Epilepsie zugrunde. Diese Kinder haben ein erhöhtes Risiko, später eine Epilepsie zu entwickeln.

Das Panayiotopoulos-Syndrom ist eine häufige Sonderform der Epilepsie bei Kleinkindern. Sie betrifft hauptsächlich das vegetative Nervensystem und äußert sich deshalb relativ untypisch mit Übelkeit und Erbrechen. Die betroffenen Kinder sind blass, ihre Pupillen weit gestellt, teilweise verlieren sie das Bewusstsein. Wegen dieser unklaren Symptomatik wird das Syndrom oft nicht erkannt. Meist kommt es aber nur zu sehr wenigen Anfällen und sie verschwinden ganz von selber innerhalb von ein bis zwei Jahren.

Formen der Epilepsie bei Kindern

Etwa 0,5 Prozent aller Kinder leiden unter Epilepsie. Zwei Drittel von ihnen entwickeln sich geistig völlig normal. Bei den anderen kommt es zu einer Intelligenzminderung von einem IQ von 70 oder weniger. Die kindlichen (juvenilen) Epilepsie-Formen haben alle eines gemeinsam: Sie treten erstmals im Kindes- oder Jugendalter auf und zeigen eine gute Prognose, da sie sich fast immer im Laufe der Pubertät von alleine "verwachsen".

Die Rolando-Epilepsie ist die häufigste fokale Epilepsieform im Kindesalter. Sie beginnt zwischen dem dritten und 13. Lebensjahr. Es handelt sich um eine ausschließlich gutartige, idiopathische und in der Regel ohne Vorschädigung auftretende Epilepsie-Form. Als Ursache wird eine Störung am Chromosom 11 angesehen. Leitsymptom der Rolando-Epilepsie ist ein sensomotorischer Anfall, der mit starkem Kribbeln und Taubheitsgefühl auf Zunge und Lippen beginnt und dann in Zuckungen und Verkrampfungen im Gesicht mit Sprach- und Schluckstörungen übergeht. Die Anfälle treten typischer Weise während der Nacht, meist im morgendlichen Leichtschlaf auf.

Die kindliche Absence Epilepsie ist die häufigste generalisierte Epilepsie bei Kindern. Typisch für diese Form sind kurze, abrupt einsetzende Bewusstseinsaussetzer mit offenstehenden Augen. Die Kinder sehen aus, als träumten sie mit offenen Augen. Eine Diagnose kann relativ einfach mit dem EEG gestellt werden. Auch die kindliche Absence Epilepsie verwächst sich meist mit etwa 12 Jahren.

Eine sehr seltene Form ist das Landau-Kleffner-Syndrom, das sich schleichend entwickelt und mit einer erworbenen Sprachstörung einhergeht. Doch auch diese Kinder können später oft ein ganz normales Leben führen.

Formen der Epilepsie bei Jugendlichen und Erwachsenen

Viele idiopathischen Epilepsien treten erstmalig im Jugendalter auf. Häufige Formen sind:

Die juvenile Absence Epilepsie (JAE) ist eine genetisch bedingte, idiopathische Form. Sie tritt meist im Alter von neun bis dreizehn Jahren erstmals auf, also rund um die Pubertät, und geht mit typischen Absence-Anfällen und Grand-Mal-Anfällen einher. Oft haben die Anfälle einen klaren Auslöser wie Aufregung, Stress oder Schlafmangel. Entsprechend ist eine geregelte Lebensführung wichtig, um Anfälle zu vermeiden. Die Prognose ist bei Behandlung mit dem richtigen Medikament gut. Etwa drei Viertel der Patienten können anfallsfrei leben. Die JAE ist aber nicht heilbar. Die Betroffenen müssen ihre Medikamente im Normalfall ein Leben lang einnehmen.

Die juvenile myoklonische Epilepsie (JME, Impulsiv Petit Mal) ist die häufigste idiopathische Epilepsieform. Typischerweise treten erstmals im Alter von fünf bis 16 Jahren Absencen auf. Nach ein paar Jahren kommen kurze Muskelzuckungen, sogenannte myoklonische Anfälle hinzu, vor allem morgens direkt nach dem Aufstehen; später dann auch klassische Grand-Mal-Anfälle. Betroffene Jugendliche reagieren besonders empfindlich auf Schlafmangel und Alkoholkonsum, sodass die Anfälle häufig nach Party- oder Diskobesuchen auftreten. Wichtig ist gerade bei JAE eine Vermeidung der typischen Reize, was natürlich vor allem für Jugendliche nicht einfach ist. JME ist mit dem richtigen Antiepileptikum aber gut therapierbar, sodass neun von zehn Patienten anfallsfrei leben können.

Primäre Lese-Epilepsie: Bei dieser Form werden die Anfälle durch die starke Konzentration beim Lesen ausgelöst. Sie beginnt meist während der Pubertät, in seltenen Fällen auch noch bis zum 20. Lebensjahr. Typisch sind Zuckungen der Kaumuskulatur und der Gesichts- und Halsmuskulatur während des Sprechens und Lesens.

Fokale Epilepsien nach Schädigungen des Gehirns

Die symptomatische Epilepsie wird durch eine Schädigung des Gehirns aufgrund einer Verletzung oder Erkrankung ausgelöst und kann entsprechend in jedem Alter auftreten. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein, je nachdem welche Gehirnregion betroffen ist.

Epilepsie im Alter: Nur selten bekommen ältere Erwachsene aus heiterem Himmel einen epileptischen Anfall. Fast immer liegen bei ihnen akute Erkrankungen oder Schädigungen zugrunde, die im höheren Alter häufig durch einen Schlaganfall ausgelöst werden.

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Untersuchungen zur Diagnose der Epilepsie

Der Verdacht auf eine Epilepsie kann meist schon aufgrund eines ausführlichen Arztgesprächs (Anamnese) aufgrund der auftretenden Beschwerden gestellt werden. Zur Sicherung der Diagnose sollte eine Messung der Hirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG) beim Neurologen erfolgen. In einigen Fällen wird bei zunächst unauffälligem EEG ein weiteres EEG unter Schlafentzug durchgeführt, um dadurch einen Anfall auszulösen und in der Hirnstromkurve aufzuzeichnen. Auch ein EEG über 24 Stunden oder ein EEG mit Videoüberwachung sind möglich.

Eine Computer- oder eine Magnetresonanztomographie (CT oder MRT) können Aufschluss darüber geben, ob eine Hirnerkrankung wie beispielsweise ein Tumor Ursache für die Epilepsie ist.

Zur näheren Abklärung möglicher Ursachen können andere Untersuchungen wie Blutentnahmen oder die Untersuchung von Gehirnflüssigkeit (Liquor) sinnvoll sein.

Therapie: Wie wird Epilepsie behandelt?

Als behandlungsbedürftig gilt nur eine chronische Anfallsdisposition, also wenn nach zwei oder mehr erfolgten Anfällen davon auszugehen ist, dass sie sich wiederholen werden. Ein einzelner epileptischer Anfall hingegen muss nur auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten behandelt werden.

Zur Behandlung der Epilepsie stehen mehr als 20 verschiedene Medikamente zur Verfügung, sogenannte Antiepileptika. Sie alle wirken aber nicht gegen die Epilepsie an sich, sondern rein symptomatisch. Sie sind also "Anfallsblocker". Je nach Medikament kann es zu mehr oder weniger starken Nebenwirkungen kommen wie Müdigkeit, Schwindel oder auch Hautreaktionen. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich. So können Antiepileptika beispielsweise die Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille oder der Hormonspirale herabsetzen.

Auch zur Notfall-Behandlung von schweren epileptischen Anfällen stehen Medikamente zur Verfügung, die beispielsweise über den After verabreicht werden können.

Bei jedem einzelnen Betroffenen muss die Behandlung vom Neurologen individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert werden. Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die ungeordneten und überschießenden Entladungen der Nervenzellen zu regulieren. Unter der Behandlung mit Antiepileptika sollten häufig Blutentnahmen erfolgen, um den Medikamentenspiegel und eventuell auftretende Nebenwirkungen zu kontrollieren. Häufig erfolgt die Medikamenteneinnahme lebenslang.

Gelingt es nicht, mit Antiepileptika eine Anfallsfreiheit zu erreichen, bleibt Betroffenen die Möglichkeit eines operativen Eingriffs. Die Beratung dazu und auch die Operation selber sollte in einem spezialisierten Epilepsiezentrum erfolgen. Außerdem stehen verschiedene Stimulationsverfahren zur Verfügung wie beispielsweise die Vagusnervstimulation (VNS), die bisher aber keine überzeugenden Erfolge gezeigt haben.

Epilepsie im Alltag – wie lebt man mit epileptischen Anfällen?

Wie sehr die Epilepsie den Alltag beeinflusst, herrscht in erster Linie vom Erfolg der Behandlung ab. Erfolgt eine gute Einstellung mit Antiepileptika, werden etwa 50 bis 80 Prozent der Betroffenen mit Grand-Mal-Anfällen im ersten Jahr nach Behandlungsbeginn anfallsfrei; Betroffene mit Absencen in 80 bis 90 Prozent der Fälle. Trotzdem stellen sich natürlich im Alltag viele Fragen:

Autofahren mit Epilepsie?

Anfälle am Steuer können lebensgefährlich sein, für den Betroffenen und für andere. Epilepsie-Patienten sollten kein Auto, Motorrad oder LKW steuern, solange sie nicht anfallsfrei sind. Ob sie fahren dürfen, entscheidet der behandelnde Arzt.

Berufsleben mit Epilepsie?

Selbst wenn Epilepsie im Alltag eine Einschränkung bedeutet, müssen Betroffene natürlich nicht generell auf eine Berufstätigkeit verzichten. Einige Berufe wie Dachdecker, Schornsteinfeger oder LKW-Fahrer sind jedoch wegen der Risiken nicht geeignet, andere Berufe mit Nachtdienst oder Schichtarbeit können aufgrund des Schlafmangels Anfälle auslösen. Grundsätzlich hängt eine berufliche Eignung aber vor allem davon ab, wie gut man medikamentös eingestellt ist.

Reisen mit Epilepsie?

Grundsätzlich sollte man Reisen sorgfältig planen und immer einen ausreichenden Vorrat an Medikamenten mitnehmen, auch im Handgepäck, und vorher recherchieren, wo es vor Ort geeignete Ärzte oder Kliniken gibt.

Welchen Sport bei Epilepsie?

Körperliche Bewegung wirkt sich grundsätzlich eher positiv aus. Vermeiden sollte man Extremsportarten wie Klettern oder Tauchen und generell anfallsfördernde Faktoren wie

  • Flüssigkeitsmangel,
  • Unterzuckerung und
  • Überhitzung.

Vorsicht beim Schwimmen und beim Wassersport: Ertrinken ist mit Abstand die häufigste Ursache für tödliche Unfälle bei Epilepsie-Patienten.

Versicherung bei Epilepsie?

Lange war es für Epileptiker besonders problematisch, eine Versicherung zu bekommen. Inzwischen haben sich die Bedingungen aber verbessert, sodass Betroffenen auch die Möglichkeit einer privaten Unfall- oder Krankenversicherung offensteht.

Schwangerschaft und Epilepsie?

Frauen mit Epilepsie und Kinderwunsch sind oft beunruhigt, doch eine Schwangerschaft verläuft mit der richtigen Medikamenteneinstellung meist problemlos. Betroffene sollten dies aber möglichst schon vor einer geplanten Schwangerschaft mit dem Arzt besprechen, da manche Antiepileptika schädlich für das ungeborene Baby sein können. Außerdem sollten sie über die genetische Disposition zu Epilepsie und die Möglichkeit einer Vererbung auf das Kind aufgeklärt werden.

Da das Risiko zu erkranken für das Kind aber selbst dann, wenn beide Eltern Epileptiker sind, nur bei etwa zehn bis 15 Prozent liegt, ist Epilepsie kein Grund, aufs Wunschkind zu verzichten.

Vorsorge: Epileptische Anfälle vermeiden

Es gibt keine Vorsorgemethoden, die das Auftreten der Krankheit Epilepsie verhindern können. Dennoch haben verschiedenste Untersuchungen gezeigt, dass sich Epilepsieanfälle bei Betroffenen durch eine gezielte Vorsorge einschränken oder sogar völlig vermeiden lassen. Wirksamstes Mittel ist eine guteingestellte Medikation. Darüber hinaus können Betroffene aber auch durch eine aufmerksame, gesunde Lebensweise dazu beitragen, Anfälle einzuschränken.

Kohlehydratarme Ernährung kann bei Epilepsie helfen

Studien haben gezeigt, dass Epileptiker von einer fettreichen und kohlenhydratarme Ernährung profitieren können. Diese besondere ketogene Diät kann auch Patienten helfen, bei denen die medikamentöse Therapie nicht anschlägt. Sie verlangt allerdings starke Einschränkungen und wird deshalb häufig wieder abgebrochen.  

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Alternative Heilmethoden bei Epilepsie

Naturheilkundliche Methoden wie Homöopathie, Phytotherapie oder Akupunktur können bei Epilepsie durchaus Erfolge bringen, ebenso wie Entspannungsmethoden wie Yoga oder Meditation. Alles, was das seelische und körperliche Gesamtbefinden des Patienten verbessert, kann hilfreich sein, künftige Anfälle zu vermeiden, das bestätigt auch die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie. Ideal sind alternative Heilmethoden vor allem zur Unterstützung der Medikation oder auch für Patienten, bei denen eine medikamentöse Behandlung keinen oder keinen zufriedenstellenden Erfolg gezeigt hat. Das sind immerhin etwa 20 Prozent der Betroffenen. Allerdings warnen Ärzte davor, eine gut eingestellte Medikation zugunsten alternativer Heilmethoden abzubrechen, da hier in jedem Fall eine hohe Rückfallgefahr besteht.

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