Tödliche Gefahr

Blutvergiftung: Schnelle Behandlung der Sepsis ist wichtig

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Bei einer Blutvergiftung (Sepsis) vermehren sich Bakterien ungebremst und breiten sich über die Blutbahn im Körper aus. Erfolgt keine rechtzeitige Behandlung, kann die Sepsis lebensbedrohlich werden. Das Problem: Sie verursacht zunächst nur unspezifische Symptome. Welche Anzeichen es gibt, wie Sie eine Blutvergiftung erkennen und wie sie behandelt wird, lesen Sie hier.

Bei anhaltendem Fieber zum Arzt
Eine Blutvergiftung mit hohem Fieber als Symptom entwickelt sich aus einer vorhandenen Infektion mit Bakterien oder Viren.
© iStock.com/eldinhoid

Eine Blutvergiftung (Sepsis) entsteht häufig nach einer Operation oder schweren, bakteriellen Erkrankung wie einer Lungenentzündung. In diesen Fällen ist das Immunsystem geschwächt und Erreger einer bestehenden Infektion können sich unkontrolliert vermehren. Über die Blutbahn befallen die Bakterien dann lebenswichtige Organe. Das Immunsystem reagiert mit starken Entzündungsreaktionen. Beide Prozesse sind lebensbedrohlich für den menschlichen Körper.

Wie gefährlich eine Blutvergiftung ist, zeigen aktuelle Zahlen: Rund 280.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich, etwa 65.000 sterben daran. Die Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache – nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Auf Intensivstationen im Krankenhaus ist die Erkrankung für die meisten Todesfälle verantwortlich.

Im Überblick:

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Bakterien sind häufig Ursache der Blutvergiftung

Die Sepsis entwickelt sich aus einer bestehenden Infektion. Meist sind Bakterien Verursacher, seltener Pilze, Viren oder Parasiten. Oft entsteht die Blutvergiftung auf der Basis einer Lungenentzündung, einer verschleppten Harnwegsinfektion oder eines eitrigen Zahns. Auch eine infizierte Hautwunde kann die Ursache sein.

Normalerweise sorgt das Immunsystem dafür, dass Infektionen lokal begrenzt bleiben und sich nicht ausbreiten. Die Abwehrkräfte mancher Menschen sind jedoch geschwächt, zum Beispiel durch Krankheit, Alter, eine Operation oder die Einnahme von Medikamenten. Auch können besonders aggressive Erreger die lokalen Abwehrmechanismen des Körpers überwinden und sich über den Blutkreislauf oder das Lymphsystem schnell im Körper ausbreiten. Die Keime befallen dann weitere Organe und es droht ein Organversagen.

SIRS: Überschießende Immunantwort des Körpers

Das körpereigene Immunsystem reagiert auf die Vermehrung der Erreger heftig und versucht, sie zu bekämpfen: Der Organismus setzt massenhaft Immun- und Fresszellen, Botenstoffe und bakterienabtötende Substanzen frei. In ihrer Menge schädigen sie allerdings auch die Blutgefäße. Die Blutgerinnung gerät außer Kontrolle und Blutgerinnsel (Thromben) verstopfen kleinere Blutgefäße. Die allgemeine Entzündungsreaktion, die den ganzen Körper erfasst, bezeichnen Ärzt*innen als Systemisches Inflammatorisches Response-Syndrom" (SIRS).

Gefährlich ist die Blutvergiftung daher nicht nur wegen der Krankheitserreger, die sich ausbreiten und giftige Stoffwechselprodukte freisetzen. Auch die überschießende Abwehrreaktion des Körpers verursacht schwerwiegende Komplikationen. Gelingt es nicht, das SIRS rasch in den Griff zu bekommen, sind Organversagen, septischer Schock und letztlich der Tod drohende Folgen.

Symptome: Was sind Anzeichen für eine Blutvergiftung?

Problematisch sind die unspezifischen Symptome der Blutvergiftung, die viele Menschen nicht als gefährliche Beschwerden einschätzen. Zumal andere Krankheiten wie eine Grippe ähnliche Symptome verursachen können.

Anzeichen einer Sepsis können sein:

  • starkes Krankheitsgefühl
  • körperliche Schwäche, Abgeschlagenheit
  • Fieber und Schüttelfrost oder auch Absinken der Körpertemperatur
  • Herzrasen und Pulsbeschleunigung auf über 100 Schläge pro Minute
  • sinkender Blutdruck
  • schwere, beschleunigte Atmung
  • plötzliche Verwirrtheit, Lethargie
  • verminderte Urinausscheidung
  • Blässe, grau-fahle Hautfarbe

Treten solche Symptome auf, sollten Betroffene sofort den Notruf wählen oder die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses aufsuchen. Allgemein wird geraten, in eine Klinik zu gehen, wenn sich der Gesundheitszustand während eines fieberhaften Infekts innerhalb weniger Stunden extrem verschlechtert.

Schnelle Diagnose rettet Leben

An erster Stelle der Sepsis-Diagnose im Krankenhaus steht eine Blutuntersuchung. Im Blut zeigen sich zum Beispiel erhöhte Werte an weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und der Hormonvorstufe Procalcitonin (PCT). Außerdem sagen die Blutwerte aus, ob die Funktion einzelner Organe schon beeinträchtigt ist. In der Hälfte der Fälle sind Bakterien oder andere Krankheitserreger im Blut nachweisbar. Um den genauen Auslöser zu ermitteln, werden Blutkulturen angelegt. Die Ergebnisse liegen meist nach ein bis zwei Tagen vor.

Drei Kriterien der Diagnose

Die Deutsche Sepsis-Gesellschaft hat einige Kriterien für die Diagnose zusammengestellt:


  1. Nachweis einer Infektion durch eine mikrobiologische Untersuchung oder anhand von typischen Symptomen einer Infektion.

  2. Vorliegen der Entzündungsreaktion SIRS. Das lässt sich anhand der Körpertemperatur, Herzfrequenz und Anzahl der Leukozyten im Blut feststellen.

  3. Hinweise auf Versagen eines Organs, zum Beispiel der Niere.

Basierend auf diesen Diagnosekriterien stufen Ärzt*innen die Schwere der Krankheit ein:

  • Sind die Kriterien eins und zwei erfüllt, liegt eine Blutvergiftung vor.

  • Sind alle drei Kriterien erfüllt, handelt es sich um einen schweren Fall.

  • Kommt zu den Kriterien eins bis drei noch ein Blutdruckabfall hinzu, der seit mindestens einer Stunde besteht, gehen Mediziner*innen von einem septischen Schock aus.

Bildgebende Verfahren lokalisieren die Entzündung

Ärzt*innen versuchen zudem, den Entzündungsherd zu lokalisieren, von dem die Sepsis ausgeht. Das kann beispielsweise eine Wunde, ein Harnwegsinfekt oder eine Lungenentzündung sein. Dafür setzen sie bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie oder eine Ultraschalluntersuchung ein. Die Diagnose muss so schnell wie möglich gestellt werden, um eine wirksame Behandlung zu beginnen und so das Leben des*der Betroffenen zu retten.

Behandlung: Sepsis ist ein Notfall

Nach der Diagnose gilt es, den ursprünglichen Infektionsherd zu beseitigen. Der Entzündungsherd wird meist im Rahmen einer Operation behandelt. So wird beispielsweise eine infizierte Wunde wieder eröffnet und abgestorbenes Gewebe entfernt. Eine weitere Möglichkeit der Behandlung sind Medikamente, um die Erreger abzutöten.

Antibiotika gegen Bakterien

Meist verursachen Bakterien eine Sepsis, gegen sie wirken Antibiotika. Zunächst erhalten Betroffene ein Breitbandantibiotikum, das gegen verschiedene Bakterienstämme wirkt. Zu Beginn der Behandlung ist der genaue Erreger meist noch nicht identifiziert. Die Antibiotika werden meist hochdosiert über eine Infusion verabreicht.

Ist der Erreger der Blutvergiftung anhand der Blutkultur gefunden, wird auf ein Antibiotikum gewechselt, das gezielt gegen die auslösenden Bakterien wirkt. Bleibt der Erreger unbekannt, wird die Therapie mit dem Breitbandantibiotikum fortgeführt.

Intensivmedizin für den schweren Verlauf

Eine schwere Sepsis wird intensivmedizinisch behandelt. Sie liegt dann vor, wenn lebenswichtige Organe zu versagen beginnen, etwa das Herz, die Leber oder die Niere. Betroffene erhalten Infusionen mit Elektrolyt- oder Kochsalzlösung, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und den Kreislauf zu stabilisieren. Denn die allgemeine Entzündungsreaktion SIRS und die Infektion selbst machen die Blutgefäße durchlässig, Flüssigkeit tritt ins Gewebe über. Die Folge ist ein Blutdruckabfall, dem sich mit der Zufuhr von Flüssigkeit gegensteuern lässt.

Die Wahl der Infusionslösung scheint ausschlaggebend für den Therapieerfolg zu sein. So ergaben Untersuchungen, dass die häufig eingesetzte Infusionsbehandlung mit Hydroxyethylstärke (HES) das Risiko für ein Nierenversagen verdoppelt und –  je nach Dosierung – die Sterblichkeit erhöht. Deshalb ist heute die Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten mittels Ringer-Laktat empfohlen.

Organfunktion erhalten

Wichtig ist, die Funktion der angegriffenen Organe zu stabilisieren. So kann im Fall einer Störung der Nierenfunktion beispielsweise eine Dialyse notwendig sein oder eine künstliche Beatmung, wenn ein Organversagen der Lunge droht. Medikamente versetzen die Betroffenen in ein künstliches Koma. Eine Sonde ernährt sie künstlich und führt lebenswichtige Nährstoffe zu.

Bei einem septischen Schock fällt der Blutdruck stark ab. Organe werden so nicht mehr ausreichend mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Erkrankten erhalten blutdruckerhöhende Medikamente (vasopressorische Substanzen). Dazu gehört zum Beispiel Noradrenalin, das den Blutdruck besonderes stark steigen lässt.

Verlauf: Wie gefährlich ist eine Sepsis?

Der Verlauf hängt entscheidend davon ab, wie schnell die Blutvergiftung erkannt und behandelt wird. Ist die Blutvergiftung unkompliziert, dann stehen die Heilungschancen gut. Eine schwere Sepsis geht dagegen in fast der Hälfte der Fälle tödlich aus. Auch im Fall eines septischen Schocks sind die Überlebenschancen gering.

Wer eine schwere Sepsis oder einen septischen Schock überstanden hat, braucht eine lange Erholungsphase. Denn sowohl der Körper als auch die Psyche belastet die schwere Erkrankung erheblich. Oft zieht sie gesundheitliche Folgen nach sich. Beispiele sind:

Kann man einer Blutvergiftung vorbeugen?

Eine Sepsis entsteht immer auf dem Boden einer vorhandenen Infektion. Wer sich vor Infektionen schützt, beugt prinzipiell auch einer Blutvergiftung vor. Folgende Tipps helfen vorzubeugen:

  • Ausreichende Hygiene: Medizinisches Personal und Klinikbesuchende waschen sich am besten vor und nach jedem Kontakt mit Patient*innen die Hände gründlich und desinfizieren sie.

  • Auf den Impfschutz achten: Am besten gegen häufige Erreger von bakteriellen Infektionskrankheiten impfen lassen, zum Beispiel Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus.

  • Antibiotika sparsam einnehmen: Heute sind viele Bakterien unempfindlich (resistent) gegenüber gängigen Antibiotika. Man sollte diese Arzneimittel nur einnehmen, wenn es notwendig ist und sich genau an die ärztliche Anweisung, um Resistenzen vorzubeugen.

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