Infektionskrankheiten

Tuberkulose (Tbc) – gefährliche Infektion der Atemwege

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Die Tuberkulose (Tbc) gehört zu den bakteriellen Infektionskrankheiten der Lunge, kann aber prinzipiell jedes Organ befallen. Tuberkulose ist weltweit verbreitet und zählt zu den häufigsten Infektionen. Alles über Ursachen, Symptome und Behandlung.

Röntgenbild bei Tuberkulose
© Getty Images/Chinnapong

Jedes Jahr erkranken schätzungsweise 10 Millionen Menschen an Tuberkulose (Tbc), rund 1,5 Millionen versterben. Damit ist die Erkrankung eine der tödlichsten Infektionskrankheiten. Auslöser der Tuberkulose ist vor allem das Bakterium Mycobacterium tuberculosis, für dessen Entdeckung der Mediziner Robert Koch 1905 den Nobelpreis bekam. Übertragen wird der Erreger sehr leicht durch Tröpfcheninfektion. Vor allem die Lunge ist betroffen, doch können auch andere Organe und die Lymphknoten befallen werden.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, Erreger sind verschiedene Formen sogenannter Mykobakterien. Das verbreitetste unter ihnen ist das Mycobacterium tuberculosis, das bereits 1882 von Robert Koch entdeckt wurde.

Übertragen werden die Tuberkulosebakterien vor allem per Tröpfcheninfektion, wenn infizierte Personen mit einer offenen Lungentuberkulose husten oder niesen. In Ausnahmefällen ist eine Übertragung durch infizierte Gegenstände möglich. Auch kommt es vor, dass Ungeborene während der Schwangerschaft von ihrer infizierten Mutter oder bei der Geburt angesteckt werden. Insgesamt ist die Gefahr einer Übertragung der Tuberkulose-Bakterien aber geringer als etwa bei Windpocken oder Masern.

Rinder können ebenfalls an Tuberkulose erkranken, außerhalb Europas ist nicht pasteurisierte Rohmilch deshalb immer noch eine verbreitete Ansteckungsquelle. In Industrieländern gelten jedoch die Rinderbestände als tuberkulosefrei. Zudem wird die Milch in der Regel pasteurisiert, sodass hierzulande solche Fälle sehr selten sind.

Schwindsucht, Tbc, die Motten: Begriffe rund um Tuberkulose

In Europa war Tuberkulose im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vor allem einer Erkrankung der armen Stadtbevölkerung: Sie hatten der Infektion nur ein stark geschwächtes Immunsystem entgegenzusetzen und verstarben besonders häufig daran. Aus dieser Zeit stammen auch die Begriffe "Schwindsucht", "Motten" oder "weiße Pest" als Synonyme für Tuberkulose. Inzwischen verwendet man hauptsächlich die Abkürzung Tbc, manchmal auch Tb, Tbk oder TBC.

Tuberkulose vorbeugen: Impfung heute nicht mehr empfohlen

Bis 1998 wurde gegen die Tuberkulose vorbeugend mit einem Lebendimpfstoff (BCG) geimpft. Diese BCG-Impfung wird jedoch von der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) nicht mehr empfohlen, weil das Infektionsrisiko mittlerweile in Deutschland sehr gering ist. Damit folgt das RKI den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Entscheidend für die Vorbeugung und eine effektive Tuberkulosebekämpfung ist die schnelle Entdeckung erkrankter Menschen. Diese sollten zunächst isoliert und zügig behandelt werden. Auch das Umfeld von Erkrankten wird nach weiteren Infizierten untersucht. Medizinisches Personal ist außerdem bei Menschen, die ein hohes Tuberkulose-Risiko haben, besonders aufmerksam, was das Aufspüren von Krankheitsfällen angeht. Dazu zählen Flüchtlinge, Migranten, Obdachlose, HIV-Infizierte und Alkohol- und Drogenabhängige, die aufgrund ihres schwächeren Immunsystems ein höheres Infektionsrisiko haben.

Tuberkulose: Typische Symptome sind Husten und Gewichtsabnahme

Eine Primärtuberkulose ist eine Erstinfektion, die je nach Eintrittsweg der Erreger in den Atemwegen, der Lunge, im Darm oder auf der Haut zu knötchenförmigen Gewebeveränderungen führt. Die Tuberkulose-Bakterien können über Jahre hinweg im Körper überdauern, ohne dass Symptome auftreten. Andere Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen, können eine Tuberkulose dann zum Ausbruch bringen – oder einen neuen Krankheitsschub verursachen. Die postprimäre Tuberkulose bezeichnet das Übergreifen einer primären Tuberkulose auf andere Organe.

Symptome einer Tuberkulose:

Kinder zeigen oft nur schwach ausgeprägte Symptome.

Offene Tuberkulose – über Husten ansteckend

Eine ansteckende (offene) Lungentuberkulose liegt vor, wenn die Bakterien zu den Atemwegen durchbrechen, sich dort vermehren und das Gewebe der Lunge zerstören. Dies äußert sich oft durch hartnäckigen Husten, der dann aufgrund der geschädigten Bronchien auch blutig sein kann.

Charakteristisch für eine offene Lungentuberkulose sind:

Hält ein Husten länger als drei Wochen an oder ist der Auswurf blutig, sollten Betroffene ärztliche Hilfe aufsuchen. Hatte man zuvor Kontakt zu Tuberkulose-Erkrankten, sollte die*der Ärztin*Arzt auf eine mögliche Infektion hingewiesen werden.

Eine schwere Form ist die Miliartuberkulose. Dabei kommt es zu hirsekorngroßen (miliaren) Tuberkeln in beiden Lungenhälften und vielen Organen gleichzeitig. Eine Miliartuberkulose äußert sich mit einem stark beeinträchtigen Allgemeinzustand, hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Eine gefürchtete und häufige Komplikation bei dieser Form der Tbc ist eine Hirnhautentzündung (tuberkulöse Meningitis).

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Schwaches Immunsystem häufig Ursache für Tuberkulose

Verschiedene Risikofaktoren können eine Tuberkuloseinfektion begünstigen. Vor allem ein geschwächtes Immunsystem, eine schlechte Ernährung und unzureichende Gesundheitsversorgung erhöhen die Empfänglichkeit für Tuberkulose-Bakterien. Je länger und häufiger man sich mit unbehandelten infizierten Menschen in geschlossenen Räumen aufhält, umso größer ist das Infektionsrisiko. Eine Übertragung im Freien aufgrund eines flüchtigen Kontakts ist sehr selten. Je mehr ein unbehandelter erkrankter Mensch hustet, desto mehr Erreger scheidet er aus.

Nicht jeder, der mit Tuberkulose infiziert ist, erkrankt auch daran. Es wird geschätzt, dass weltweit etwa ein Drittel der Menschen mit Tuberkulose infiziert sind. Die Tuberkulose-Erkrankung ist laut RKI bei etwa 80 Prozent der Erkrankten eine Lungentuberkulose.

Inkubationszeit sehr unterschiedlich

Zwischen Ansteckung und Ausbruch (Inkubation) einer Tuberkulose können wenige Wochen bis Jahre liegen (Inkubationszeit). In vielen Fällen kommt die Krankheit nicht zum Ausbruch und ist so lange auch nicht ansteckend. Das Erkrankungsrisiko ist in den ersten beiden Jahren nach der Infektion am höchsten. Besonders Kleinkinder und immungeschwächte Personen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, zeitnah zur Infektion eine aktive Tuberkulose zu entwickeln. Auch Jahrzehnte nach der Ansteckung mit Tuberkulose-Erregern kann es noch zu einer Erkrankung kommen (Reaktivierung).

Wie in vielen anderen Ländern ist die Tuberkulose auch in Deutschland meldepflichtig. Seit 2015 sind die Zahlen der Neuerkrankungen auch in Deutschland erstmals wieder deutlich angestiegen. Verbesserte Screening-Methoden führen allerdings zu einer frühzeitigen Diagnose der Krankheit, die dadurch besser behandelbar ist und seltener tödlich verläuft.

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Diagnose: Wie wird Tuberkulose festgestellt?

Ausgangspunkt für eine Tuberkulose-Diagnose ist die ärztliche Anamnese, in der es um vorhandene Symptome, deren Häufigkeit und Dauer geht. Zudem werden Betroffene nach möglichen Infektionsquellen gefragt, zum Beispiel ob man auf Reisen war und dort mit Tuberkulose-Infizierten in Kontakt kam.

Tuberkulin-Test zur Tbc-Diagnose

Die eigentliche Infektion mit Tuberkulose-Bakterien lässt sich in den meisten Fällen mit einem einfachen Hauttest nachweisen. Bei diesem Tuberkulin-Test werden Antigene des Tuberkulose-Bakteriums unter die Haut gespritzt. Im Falle einer Infektion reagiert die Haut innerhalb von ein bis drei Tagen: Dann bildet sich an der Einspritzstelle eine knötchenförmige, tastbare Verhärtung mit eventueller Rötung.

Diese Immun-Reaktion auf den Test sagt jedoch nur aus, dass das Immunsystem der Betroffenen schon einmal mit Tuberkulose-Bakterien in Berührung kam. So gibt es auch nach der inzwischen nicht mehr empfohlenen Tuberkulose-Schutzimpfung ein positives Testergebnis. Der Tuberkulin-Test lässt nicht darauf schließen, ob es sich um eine aktive Erkrankung oder eine bereits lange bestehende Infektion handelt, die bisher nur nicht ausgebrochen ist. Zudem reagiert die Haut auch erst frühestens sechs Wochen nach der Infektion auf den Test.

Zur Absicherung der Diagnose folgt meist eine Röntgenuntersuchung der Lunge. Auf dem Röntgenbild sind bei Tuberkulose typische Schatten am Lungengewebe zu sehen. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Computertomografie (CT) durchgeführt, um die Diagnose abzusichern. Zur vollständigen Diagnostik gehört bei Tuberkulose der Nachweis des Erregers im Labor. Dazu werden Bakterienkulturen aus dem Auswurf (Sputum), bei anderem Organbefall auch aus Magensaft, Urin oder aus Gewebeproben der Betroffenen angelegt und untersucht.

Therapie: So wird Tuberkulose behandelt

Unbehandelt ist eine zum Ausbruch gekommene Tuberkulose meist tödlich. Wird die Tbc rechtzeitig erkannt, ist sie sehr gut mit Medikamenten heilbar. Die Standardtherapie einer Lungentuberkulose ist bei Erwachsenen eine sechsmonatige Therapie mit Antibiotika: Die Behandlung erfolgt dabei mit einer Kombination der Wirkstoffe Isoniazid, Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol. Nach zwei Monaten wird untersucht, ob der Erreger darauf empfindlich reagiert. Anschließend wird die Therapie mit reduzierter Wirkstoffanzahl mindestens vier weitere Monate fortgesetzt. Problematisch ist, dass viele Mykobakterien inzwischen Resistenzen gegenüber der eingesetzten Antibiotika entwickelt haben.

Mit diesem Verfahren sind unkompliziert verlaufende Tuberkulosen innerhalb von sechs Monaten komplett heilbar. Der lange Zeitraum ist nötig, um die sehr langsam wachsenden Erreger komplett abzutöten. Kommen zur Tuberkulose weitere Erkrankungen hinzu, zum Beispiel eine HIV-Infektion, oder sind mehrere Organe befallen, verlängert sich die Behandlung zum Teil deutlich.

Entscheidend für eine erfolgreiche Tuberkulose-Therapie ist, dass sie bis zum endgültigen Ausheilen der Erkrankung durchgeführt wird, auch wenn es Erkrankten bereits nach relativ kurzer Zeit wesentlich besser geht. Ein erneuter Ausbruch der Tuberkulose ist meist die Folge einer unregelmäßigen Einnahme der verordneten Medikamente oder der vorzeitige Abbruch einer Behandlung.

Verlauf: Wie lange ist man bei Tuberkulose ansteckend?

Finden sich drei bis vier Wochen nach dem Beginn einer korrekt durchgeführten Behandlung keine lebensfähigen Tuberkulose-Bakterien mehr im Körper, ist die Krankheit nicht mehr ansteckend. Dann können Erkrankte wieder am sozialen Leben teilhaben – vorausgesetzt, sie nehmen ihre Medikamente weiterhin nach Vorschrift ein.

Kinder unter zehn Jahren gelten aufgrund ihres schwächeren Hustens in aller Regel nicht als infektiös. Unter einer wirksamen antituberkulösen Kombinationstherapie sind Patient*innen, die mit einem medikamentenempfindlichen Bakterienstamm infiziert sind, meist innerhalb von zwei bis drei Wochen nicht mehr infektiös. Bei ausgeprägten klinischen Befunden und bei Vorliegen einer resistenten Tuberkulose kann das Risiko einer Ansteckung auch länger bestehen.

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