Dehydration – wenn der Körper austrocknet

Verliert der Körper mehr Flüssigkeit als er aufnimmt, beginnt er auszutrocknen, er dehydriert. Die Folgen der Dehydration können schwerwiegend sein. Insbesondere kleine Kinder, alte und chronisch kranke Menschen sind gefährdet. Die Behandlung ist einfach und effektiv.

dehydration
Eine leichte Dehydration kann durch ausreichendes Trinken ausgeglichen werden.
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Im Überblick:

Trinken Sie zu wenig? Symptome für Dehydrierung

Was ist Dehydration?

Der menschliche Körper besteht zum größten Teil aus Wasser. Wasser ist wichtig, damit die elementarsten Körperfunktionen richtig ablaufen können. Für den Nährstofftransport, die Beseitigung von Abfallstoffen oder die Funktion des Nervensystems ist Wasser im Körper unverzichtbar.

Im Körperwasser sind verschiedene Salze (Mineralstoffe, Elektrolyte) in bestimmten Mengen vorhanden. Hierbei unterscheiden sich die intrazellulären (in der Zelle) von den extrazellulären (außerhalb der Zelle) Konzentrationen. Die wichtigsten Mineralstoffe sind Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium. Damit die Körperfunktionen reibungslos ablaufen können, müssen neben dem Wasser auch die Elektrolytkonzentrationen bestimmte Werte haben.

Der Begriff Dehydration (Dehydratation, Dehydrierung) wird dann benutzt, wenn der Körper beginnt auszutrocknen und ihm somit zu wenig Wasser zur Verfügung steht. Ist die Dehydration besonders ausgeprägt, spricht man von Exsikkose. Dieser Mangel an Wasser bringt fast immer die Chemie und den Elektrolythaushalt des Körpers durcheinander. In manchen Fällen kann es auch zuerst zu einer Verschiebung der Mineralstoffkonzentrationen kommen, was dazu führt, dass der Körper Wasser verliert. Dies liegt daran, dass Wasser und Mineralien durch Osmose in einer direkten Abhängigkeit voneinander stehen.

Es werden drei Arten der Dehydration unterschieden. Hauptunterschied bei dieser Definition ist, ob hauptsächlich Wasser oder eher Mineralstoffe verloren gehen. Elektrolyte kommen im Normalfall vorwiegend außerhalb der Körperzellen vor und befinden sich nur zu einem kleinen Anteil im Zellinneren. Ihre Verteilung ist von vielen Faktoren abhängig, muss aber in engen Grenzen eingependelt sein. Um dies zu erreichen, können Elektrolyte über die Nieren, den Verdauungstrakt und die Haut ausgeschieden oder zurückgehalten werden. Verschiebungen dieser Verteilung können zu gravierenden Folgen führen.

Arten der Dehydration

Welche Art der Dehydration auftritt, ist von vielen Faktoren abhängig. Insbesondere die Menge der Elektrolyte in Erbrochenem, Durchfall oder Schweiß sowie die Zusammensetzung zugeführter Flüssigkeiten können hier den Unterschied machen.

Isotone Dehydration

Bei dieser Form der Dehydration ist die Konzentration von Natriumionen im Blut normal und Wasser und Mineralien (insbesondere Natrium) gehen in gleichem Verhältnis verloren. Die Ursachen können verschieden sein, die häufigsten Gründe sind

Hypertone Dehydration

Bei der hypertonen Form kommt es zu einem verhältnismäßig größeren Verlust an Wasser als an Mineralsalzen. Der Körper verliert das Wasser, hält aber die Mineralien zurück, die Konzentration an Elektrolyten, vor allem von Natriumionen, wird zu hoch. Gründe können sein:

  • starkes Dursten über längere Zeit
  • starke Wasserverluste über die Haut (Schwitzen), die Lunge (Hyperventilation), die Nieren (beispielsweise bei Diabetes mellitus) oder den Magen-Darm-Trakt (Erbrechen, Durchfall)

Hypotone Dehydration

Scheidet der Körper zu viele Mineralien aus, sind im vorhandenen Wasser verhältnismäßig zu wenige Elektrolyte, vor allem Natrium, vorhanden. Gründe können sein:

  • Trinken von destilliertem Wasser
  • Erbrechen oder Durchfall, wenn die Ausscheidungen sehr salzhaltig sind
  • starkes Schwitzen, wenn der Schweiß sehr salzhaltig ist
  • Flüssigkeitsmangel (durch Erbrechen, Durchfall oder Schwitzen), der rein durch Flüssigkeiten mit geringem Salzgehalt (wie Leitungswasser oder Tee) ausgeglichen wird

Menschen jeden Alters können dehydrieren, Erwachsene haben mit dem Flüssigkeitsverlust allerdings im Normalfall keine so starken Probleme wie ein Baby oder Kleinkind. Dehydration ist weltweit einer der Hauptgründe für Erkrankungen und Sterblichkeit von Säuglingen, da diese einen größeren relativen Grundbedarf an Flüssigkeit haben und im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Flüssigkeit über die Haut verdunstet. Auch bei alten Menschen kommt es häufig zu Dehydrierung, da die Flüssigkeitszufuhr oft nicht ausreichend ist und Grunderkrankungen die Austrocknung beschleunigen können.

Wie zeigt sich eine Dehydration?

Eine beginnende Austrocknung macht sich meist früh bemerkbar, wird aber von Menschen sehr individuell wahrgenommen. Bereits bei einer leichten Dehydrierung, bei der etwa zwei bis fünf Prozent der normalen Körperflüssigkeit fehlen, kommt es zu ersten Symptomen. Fehlen dem Körper mehr als zwölf Prozent der Körperflüssigkeit, kann es zu schweren Kreislaufreaktionen kommen, die in einen Schock übergehen können. Die Symptome der Dehydrierung nehmen mit der Schwere der Stadien zu.

Symptome bei leichter Dehydrierung (drei bis fünf Prozent Flüssigkeitsverlust)

Symptome bei mäßiger Dehydration (sechs bis acht Prozent Flüssigkeitsverlust)

  • eingesunkene Augen mit Augenringen
  • sehr trockene Haut und Schleimhäute
  • stark verminderte Urinausscheidung (Oligurie)
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • schlechter Atem
  • Trägheit

Symptome bei schwerer Dehydration (neun bis zwölf Prozent Flüssigkeitsverlust)

  • erniedrigter Blutdruck (Hypotonie)
  • stehenbleibende Hautfalten, beispielsweise am Handrücken
  • verminderte Hautdurchblutung
  • Verwirrtheit
  • Muskelkrämpfe
  • Symptome bei Schock (mehr als zwölf Prozent Flüssigkeitsverlust): Kreislaufschwäche; Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma

Neben einem Kreislaufschock kann es durch eine starke Austrocknung des Körpers zu Nierenversagen, erhöhter Infektionsgefahr und Thrombosen (Blutgerinnsel) kommen.

Welche Ursachen führen zur Dehydrierung?

Es kommt zur Dehydration, wenn die Flüssigkeitsaufnahme zu gering ist, zu viel Flüssigkeit verloren geht oder eine Kombination von beidem auftritt. Mögliche Gründe dafür sind zahlreich, liegen aber am häufigsten im Bereich des Magen-Darm-Traktes. Auch über die Nieren oder die Haut kann viel Flüssigkeit verloren gehen.

Eine verminderte Flüssigkeitsaufnahme ist bei vielen Erkrankungen eine übliche Nebenerscheinung. Dies kann besonders bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei alten Menschen sehr schnell zu erheblichen Austrocknungserscheinungen führen. Deshalb zeigen Kinder und alte Menschen besonders schnell Symptome.


Typische Ursachen für eine Dehydration sind:

  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr bei starkem Schwitzen oder, insbesondere bei alten Menschen, durch fehlendes Durstgefühl
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Blutverlust
  • Verbrennungen
  • Störungen der Nierenfunktion
  • Morbus Addison (Nebennierenunterfunktion)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Diabetes insipidus (Wasserruhr)
  • Therapie mit entwässernden Medikamenten (Diuretika)

Wie wird eine Dehydrierung diagnostiziert?

Die Diagnose Dehydration wird hauptsächlich nach einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung gestellt.

Bei der Krankenbefragung werden akute oder kürzlich durchgemachte Beschwerden wir Durchfall, Erbrechen oder fiebrige Infektionserkrankungen erfragt, das Trinkverhalten und mögliche auslösende Medikamente kontrolliert. Des weiteren geben Kopfschmerzen, Bewusstseinstrübungen oder bekannte chronische Erkrankungen Hinweise auf das Vorliegen einer Austrocknung.

Insbesondere bei Kindern und alten Menschen ist es erforderlich, dass Angehörige oder Pflegepersonen zu diesen Fragen ausführliche Antworten geben können.

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung wird nach typischen Anzeichen der Dehydration gesucht. Hierbei achtet der Arzt besonders auf:

  • Fieber
  • trockene Haut
  • eingesunkene Fontanelle bei Säuglingen
  • ausgetrocknete Schleimhäute
  • eingesunkene Augen
  • Augenringe
  • stehende Hautfalten (wenn man die Haut beispielsweise am Handrücken oder dem Unterarm anhebt, bleibt eine Hautfalte stehen und legt sich erst nach mehreren Minuten wieder)
  • erniedrigter Blutdruck
  • erhöhter Pulsschlag
  • Verwirrtheit oder Konzentrationsschwäche

Im Anschluss kann Blut und Urin im Labor untersucht werden. So ergeben sich Hinweise auf mögliche Verschiebungen im Elektrolythaushalt und es können Aussagen über die Nierenfunktion getroffen werden. Diese Laborergebnisse sind insbesondere wichtig, um die Therapie richtig planen zu können.

Wenn sich kein offensichtlicher Grund für die Dehydrierung finden lässt, muss der Arzt im Anschluss an die akute Behandlung genau nachforschen, ob der Flüssigkeitsverlust durch eine bestehende Erkrankung ausgelöst wurde.

Welche Therapie hilft bei Dehydration?

Als erstes muss bei Dehydration der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen und der Elektrolythaushalt wieder normalisiert werden. Ist die Dehydrierung nur leicht oder mäßig stark ausgeprägt, kann dies durch Trinken erreicht werden. Insbesondere mineralhaltige Getränke wie Mineralwasser, Früchte- und Kräutertee, Saftschorle oder Brühe sind geeignet, den Mangel auszugleichen. Es kann sinnvoll sein, zusätzlich Elektrolytmischungen zu verabreichen.

Ist der Grad der Austrocknung stärker oder lassen sich die Betroffenen nicht zum Trinken ausreichender Flüssigkeitsmengen überreden, werden Infusionen notwendig. Im Normalfall werden die Infusionen intravenös (in die Vene) verabreicht. In der Heim- und Altenpflege wird auch mit subkutanen Infusionen (unter die Haut) gearbeitet. Je nach Ergebnis der Blut- und Urinuntersuchung werden die Infusionslösungen zusammengestellt. Sie können neben Wasser auch Elektrolyte oder Glukose enthalten, je nachdem, ob der Mineralienhaushalt gestört ist oder nicht. Meist sind Infusionen von zwei bis vier Litern ausreichend, in manchen Fällen werden auch größere Mengen benötigt.

Neben der direkten Behandlung der Dehydration ist es notwendig, auslösende Erkrankungen wie Infektionen, Diabetes oder Nierenerkrankungen zu behandeln.

Was kann man selbst tun, um einer Dehydration vorzubeugen?

Das einfachste Rezept, um einer Dehydration vorzubeugen oder eine leichte Form selbst zu behandeln, ist eine ausreichende Trinkmenge.

Erwachsene benötigen unter normalen Bedingungen täglich rund zweieinhalb Liter Flüssigkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, täglich etwa  eineinhalb Liter Flüssigkeit zu trinken und einen weiteren Liter durch eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse aus der Nahrung aufzunehmen.

Die hauptsächlichste aller Maßnahmen ist es, die Trinkmenge und das Trinkverhalten den äußeren Gegebenheiten anzupassen und beispielsweise bei großer Hitze oder starker körperlicher Anstrengung mehr zu trinken. Auch wenn man nicht so großen Durst hat. Schwitzt man stark, sollten die Getränke elektrolythaltig sein. Ist man dehydriert, sollte man auf Alkohol verzichten.

Insbesondere bei Kindern und alten Menschen, aber auch bei Erwachsenen sollte man auf die Zeichen einer beginnenden Dehydrierung achten und gegebenenfalls selbstständig die Trinkmenge erhöhen. Dunkler Urin, trockene Haut, ausgetrocknete Schleimhäute oder leichte Kopfschmerzen sind Warnzeichen des Körpers und sollten ernst genommen werden.

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