Übergeben: Das sind die Gründe

Erbrechen – Alarmzeichen oder harmlose Magenverstimmung

Zu viel gefeiert und dann den nächsten Morgen über der Toilettenschüssel verbracht? Erbrechen zeigt in der Regel nur an, dass wir uns einen Infekt eingefangen oder bestimmte Lebensmittel nicht vertragen haben. Es ist daher harmlos – zumindest meistens.

Erbrechen Frau kniet vor Toilette
Übelkeit und Brechreiz können, müssen dem Erbrechen aber nicht vorangehen.
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"Kotzen", "Speien", "sich übergeben" – für das Erbrechen gibt es viele verschiedene Ausdrücke. Mediziner nennen das ruckweise Entleeren des Mageninhalts durch Speiseröhre und Mund Emesis oder Vomitus. Es gilt als natürliche Abwehrreaktion des Körpers, der beispielsweise mit verdorbenen Nahrungsmitteln, einem Infekt, unverträglichen Medikamenten, oder auch einem übermäßigen Konsum von Alkohol zu kämpfen hat.

Häufig ist Erbrechen aber auch Symptom einer anderen Erkrankung. Übelkeit und Brechreiz können dem Erbrechen vorangehen, müssen aber nicht. In der Regel geht es einem besser, wenn man sich übergeben hat. Wenn das Erbrechen andauert oder andere Symptome hinzukommen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Das tut dem Magen gut – und das gar nicht

Erbrechen unterliegt zumeist nicht der willkürlichen Kontrolle. Nur bei psychischen Erkrankungen wie einer Anorexie oder Bulimie (Ess-Brech-Sucht), die zu den Essstörungen zählen, führen die Betroffenen das Erbrechen bewusst herbei, indem sie etwa die Hinterwand des Rachens reizen (sich einen Finger in den Hals stecken).

Welche Komplikationen können auftreten?

  • Durch den Verlust des sauren Mageninhalts kann es infolge wiederholten Erbrechens zur Störung des Säure-Basen- sowie des Mineralstoffhaushalts im Körper kommen. Davon ist insbesondere der Kaliumgehalt von Blut und Geweben betroffen. Bestimmte Kaliumkonzentrationen im Körper sind die Voraussetzung für eine ungestörte Herztätigkeit. Schweres anhaltendes Erbrechen kann daher unter Umständen lebensbedrohliche Herz-Kreislaufstörungen verursachen.

  • Eine andere Komplikation, die sich langfristig aus häufigem Erbrechen ergeben kann, sind Risse in der Speiseröhrenschleimhaut (Mallory-Weiss-Syndrom), die unter Umständen gefährliche Blutungen nach sich ziehen.

    • zum Symptom-Check

      Fieber, Schmerzen, Atemnot: Suchen Sie gezielt nach Symptomen und deren möglichen Auslösern

    Gelangt Erbrochenes über die Atemwege in die Lunge (eine sogenannte Aspiration), kommt es in der Folge oft zu schweren Entzündungen. Akute Lebensgefahr durch Erbrechen besteht bei Bewusstlosen. Gelangt das Erbrochene in die Atemwege, drohen die Betroffenen binnen kürzester Zeit zu ersticken. Deshalb sollten Sie Bewusstlose immer sofort in die stabile Seitenlage bringen, damit Erbrochenes aus Mund und Rachen von selbst nach außen abfließen kann. Wenn Sie einen Handschuh zur Verfügung haben, sollten Sie eventuell den Mund leer räumen.

Spezielle Formen des Erbrechens

  • Schwangerschaftserbrechen (Emesis gravidarum): In den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft sind Übelkeit und Erbrechen relativ häufig Ausdruck der körperlichen sowie der hormonellen Umstellung. Ist es jedoch übermäßig heftig, sollten Sie mit Ihrem Frauenarzt darüber sprechen.

  • Bluterbrechen (Hämatemesis): Meistens handelt es sich um eine Blutung aus dem oberen Bereich des Verdauungssystems. Ist das Blut dunkel bis schwarz, handelt es sich meist um Blut aus dem Magen oder Zwölffingerdarm. Denn Blut färbt sich schwarz, wenn es mit Magensäure in Berührung kommt. Ist das Blut heller, ist dies ein Zeichen, dass es möglicherweise aus dem Bereich der Speiseröhre stammt. In jedem Fall sollten Sie bei Bluterbrechen sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notarzt rufen.

  • Koterbrechen (Miserere oder Kopremesis): Das ist in der Regel ein Zeichen für einen nicht behandelten Darmverschluss. Bei Koterbrechen muss der Betroffene dringend in eine Klinik.

  • Erbrechen von Galle: Hierfür gibt es viele unterschiedliche Ursachen. Es kann Anzeichen einer Gallenkolik sein, wenn Sie Gallensekret erbrechen, aber auch von Verstopfung oder einer falschen Ernährung. Es ist ein Anzeichen dafür, dass die Nahrung bereits den Magen passiert hat und im Zwölffingerdarm war.

Erbrechen – das sind die Ursachen

Erbrechen und Übelkeit kommen bei zahlreichen Erkrankungen vor. Meistens ist es aber die direkte Reizung des Magen-Darm-Trakts durch Viren, Bakterien oder auch Medikamente, die das Erbrechen hervorruft. Bei Erbrechen handelt es sich um einen Schutzreflex des Körpers – schließlich können auf diese Weise Fremdkörper, aber auch Krankheitserreger oder schädliche Nahrungsmittel rasch aus dem Körper entfernt werden.

Mögliche Ursachen für Erbrechen ...

... im Magen-Darm-Bereich:

Magen-Darm-Grippe: Was tun, wenn es mich erwischt hat?

... bei Störungen der Hirn- und Sinnesfunktionen:

... bei Stoffwechselstörungen oder hormonellen Faktoren:

... bei Medikamenten, Drogen und weiteren Einflüssen:

  • Brechmittel (wie Apomorphin)
  • Narkose (etwa bei einem operativen Eingriff)
  • Unterschiedliche Medikamente (Antibiotika, Zytostatika) – die Nebenwirkung wird in der Regel im Beipackzettel aufgeführt
  • Vergiftung mit dem Herzmedikament Digitalis
  • Drogenmissbrauch (zum Beispiel Alkohol, einige Halluzinogene, Ecstasy)
  • Bestrahlung in der Krebstherapie
  • Schwermetallvergiftung

... bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen:

Erbrechen – so verläuft die ärztliche Diagnose

Wenn Sie sich den Magen verdorben haben, werden Sie vielleicht nicht gleich einen Arzt konsultieren, weil die Beschwerden rasch vorübergehen. Wenn das Erbrechen aber andauert oder mit Begleitsymptomen wie starken Oberbauchschmerzen und Fieber einhergeht, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Bei seiner Diagnose wird er weitere vorhandene oder auch fehlende Symptome berücksichtigen und sich dabei im Arztgespräch sowie bei der körperlichen Untersuchung ein Bild von Ihrer möglichen Erkrankung machen.

Gehen Sie immer zum Arzt, wenn das Erbrechen über mehrere Tage hinweg anhält oder besonders heftig ist. Dies gilt vor allem dann, wenn:

  • zusätzliche Symptome wie Fieber, Durchfall oder auch Kopfschmerzen auftreten
  • sich der Betroffene zuvor im Ausland aufgehalten hat
  • das Erbrochene auffallend verfärbt ist (gelblich bei Galle, blutig oder schwarz-braun bei Kot)
  • dem Erbrechen ein Sturz auf den Kopf vorangegangen ist (Gehirnerschütterung)
  • es sich bei den Betroffenen um ältere Menschen oder Kinder handelt, da hier die Gefahr ernsthafter Kreislaufprobleme erhöht ist
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    Unser Magen ist ein empfindliches Organ: Sodbrennen, Übelkeit, Reizmagen und Völlegefühl sind häufige Probleme. Meist ziehen sich die Beschwerden bis in den Darm

Wenn in Ihrem Umfeld bereits Personen an ähnlichen Problemen leiden wie Sie, wird der Arzt auf eine ansteckende Erkrankung wie einen Magen-Darm-Virus zurückschließen. Wenn Sie jüngst neue Medikamente verordnet bekommen haben und das Erbrechen kurz nach der Einnahme erfolgt ist, liegt ein Zusammenhang mit einem der neuen Arzneimittel nahe. Die weiteren, gezielten Diagnosemaßnahmen orientieren sich dementsprechend an der vermuteten Ursache des Erbrechens. Dabei kommen Diagnosetechniken zum Einsatz wie:

  • Blutanalysen
  • Ultraschall
  • Röntgenuntersuchung
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Spiegelungen des Magens und/oder des Darms

Wie wird Erbrechen behandelt?

Die Behandlung des Erbrechens richtet sich nach der ursächlichen Erkrankung. Sie ist daher so vielfältig wie die jeweilige Grunderkrankung. Bei einer Überzuckerung (Hyperglykämie), wie sie im Rahmen eines Diabetes auftreten kann, muss der stark überhöhte Blutzuckerspiegel durch Insulin normalisiert werden. Ein akuter Bauch (akutes Abdomen) oder ein Darmverschluss (Ileus), die ebenfalls mit Erbrechen, aber auch mit starken Bauchschmerzen einhergehen, gehören umgehend ins Krankenhaus.

Was auch die Ursache für Ihr Erbrechen sein mag, immer gilt:

  • Ausreichend trinken! Weil der Körper durch das Erbrechen Flüssigkeit und essenzielle Salze (Mineralien) verliert, müssen Sie eventuelle Störungen im Salz- und Wasserhaushalt möglichst umgehend ausgleichen.

  • Trinken Sie Tee, klare Brühe oder Elektrolytlösungen. In schwereren Fällen helfen auch Infusionen.

Tipp: Wenn Sie anfänglich nur wenig bei sich behalten können, trinken Sie in kleinen Schlucken oder nehmen die Flüssigkeit teelöffelweise zu sich.

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Medikamente und Hausmittel gegen das Erbrechen

Die beste Medizin bei Erbrechen aufgrund eines Infekts oder einer Unverträglichkeit ist:

  • Verzicht auf feste Nahrung
  • fettarme Schonkost
  • reichlich Tee und Brühe

Wenn Sie dem Körper das Richtige zu trinken geben, hilft er sich selbst. Bedenken Sie, dass nicht nur Flüssigkeit den Organismus erreicht, sondern auch genügend Mineralstoffe (etwa als fettarme Brühe) in der Kost vorhanden sein müssen, um den Salzverlust auszugleichen. Kohlensäure und den Magen belastende Getränke sollten gemieden werden. Das beinhaltet auch Cola, Alkohol und Kaffee. Fruchtsäfte sind nur in kleinen Mengen geeignet, da die enthaltenen Fruchtsäuren den Magen-Darm-Trakt belasten können.

Weitere Mittel bei Reisekrankheit und Chemotherapie:

  • Ist eine Reise- oder Seekrankheit die Ursache des Erbrechens, bietet sich die Behandlung mit Reisetabletten, -kaugummis, oder -pflastern an, die in Apotheken frei verkäuflich sind. Diese Medikamente (H1-Antihistaminika) unterdrücken den Brechreiz im Gehirn, verursachen oft aber eine gewisse Müdigkeit. Die Behandlung muss in der Regel vorbeugend erfolgen. Die Medikamente sollten also bereits vor Beginn der Reise eingenommen oder angewendet werden.

  • Geht das Erbrechen auf eine Chemotherapie oder Bestrahlung bei Krebs zurück, wird heutzutage zumeist auf sogenannte 5-HT3-Antagonisten (Setrone) oder das Kortisonpräparat Dexamethason zurückgegriffen. Sie sollten die Einnahme jedoch unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Bewährte Hausmittel gegen Erbrechen

Hausmittel können helfen, Erbrechen zu verhindern oder die Symptome zu lindern:

  • Trinken Sie ausreichend, da der Körper durch das Erbrechen viel Flüssigkeit verliert. Nehmen Sie hierzu lauwarmes Wasser oder nur leicht gesüßten Tee in kleinen Schlucken zu sich.

  • Verdünnter Blaubeersaft beruhigt den Darm.

  • Reiben Sie einen Apfel fein und essen Sie ihn langsam. Das ist angenehm für die Magen- und Darmwand.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 29. August 2017
Durch:
Quellen: Scorza K, et al. Evaluation of nausea and vomiting. Am Fam Physician. 2007; 76: 76-84. URL: http://www.aafp.org/afp/2007/0701/p76.pdf; Singleton G. Integrative management of nausea and vomiting. Aust Fam Physician. 2007; 36: 733-4. URL: http://www.racgp.org.au/afp/200709/200709singleton.pdf; Siegenthaler W (Hrsg.), et al. Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 16. Auflage, Stuttgart, New York 1988.; Internisten im Netz: https://www.internisten-im-netz.de/; Erbrechen in der Schwangerschaft: https://www.aerzteblatt.de/archiv/56117 (Aufruf 26.8.2017)

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