Bakterien als häufigste Auslöser

Lungenentzündung – Symptome, Ursachen und Dauer

Qualitätssiegel Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Experten geprüft

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, die zur Entstehung einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen: In den meisten Fällen wird die Krankheit durch infektiöse Erreger ausgelöst, welche über die Atemwege in den Körper gelangen. Bei der typischen Lungenentzündung sind dies Bakterien.

Pneumonie.jpg
© iStock.com/franckreporter

Bei einer Lungenentzündung handelt es sich um eine akute oder chronische Infektion des Lungengewebes, wobei je nach Art der Erkrankung die Lungenbläschen oder das umgebende Gewebe betroffen sein können. Bakterien sind die häufigsten Auslöser, aber auch andere Krankheitserreger wie Viren, Pilze oder Parasiten (zum Beispiel Würmer) kommen infrage.

Es gibt jedoch auch Lungenentzündungen, die nicht durch Erreger bedingt sind. So kann die Infektionskrankheit auch nach dem Einatmen von Reizgasen auftreten. Eine Schädigung des Lungengewebes beispielsweise durch Verbrennung oder Bestrahlung kann ebenfalls vorkommen. Auch bei Erkrankungen des Immunsystems oder Allergien kann die überschießende körpereigene Reaktion Lungenentzündungen auslösen.

Die Fachbezeichnung für die Krankheit lautet Pneumonie. Die Lungentuberkulose (Infektion mit Tuberkel-Erregern) wird aus historischen Gründen und wegen ihrer Besonderheiten nicht zu den Pneumonien gerechnet.

Welche Symptome können auf das Coronavirus hindeuten?

Krankheit kann lebensgefährlichen Verlauf nehmen

Rund 680.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an einer Lungenentzündung. Für Kinder, ältere Personen und Menschen mit Vorerkrankungen kann die Infektionskrankheit sogar lebensgefährlich verlaufen. Experten schätzen, dass in Deutschland jährlich rund 35.000 Menschen an der Krankheit versterben.

Lungenentzündung ist nicht gleich Lungenentzündung: Unter dem Begriff typische Pneumonie versteht man die klassische Form, die einen charakteristischen Verlauf nimmt und meist durch die Bakterienart Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) hervorgerufen wird. Zwischen 40 und 50 Prozent aller Pneumonien, an welchen Patienten außerhalb einer Klinik erkranken, werden durch diese Erreger hervorgerufen. Pneumonien, die nicht diesen Kriterien entsprechen, werden als atypische Pneumonien bezeichnet. Sie werden zum Beispiel durch Viren, aber genauso durch Bakterien (zum Beispiel Mykoplasmen, Chlamydien oder Legionellen) hervorgerufen.

Einteilung der Lungenentzündungen

Es gibt verschiedene Einteilungsprinzipien. Zum einen kann man nach Ort und Ausdehnung verschiedene Formen unterscheiden:

  • Pneumonien, die nur einen Lungenlappen betreffen (Lobärpneumonie)

  • Pneumonien, die sich diffus im gesamten Lungengewebe ausdehnen (interstitielle Pneumonie); die Entzündung kann sich vorwiegend im Bereich der großen oder kleinen Atemwege (Bronchien) abspielen oder hauptsächlich das Lungengewebe (Lungenparenchym) betreffen, also den Ort des Gasaustausches (Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid).

Zum anderen werden primäre und sekundäre Pneumonien unterschieden:

  • Primär werden solche Lungenentzündungen genannt, die ohne eine Vorerkrankung an Herz oder Lunge auftreten.

  • Eine Lungenentzündung bei einem Patienten mit einer Vorerkrankung des Herzens oder der Lunge wird als sekundäre Pneumonie bezeichnet.

Andere Einteilungsprinzipien richten sich nach der Ursache der Lungenentzündung:

  • durch Erreger (infektiös),
  • durch Immunreaktionen (allergisch)
  • oder durch physikalische beziehungsweise chemische Einwirkungen.

Zunehmend wichtig für die Beurteilung einer infektiösen (erregerbedingten) Lungenentzündung und für die Auswahl der richtigen Therapie ist die Einteilung in ambulant erworbene und nosokomiale Pneumonien. Als ambulant erworben werden solche Infektionen bezeichnet, welche im alltäglichen Umfeld des Patienten aufgetreten sind. Pneumonien, die sich der Patient im Krankenhaus zugezogen hat (stationär), werden als nosokomiale Pneumonien bezeichnet. Das Erregerspektrum unterscheidet sich deutlich bei diesen beiden Formen. Bei der nosokomialen Pneumonie ist vermehrt mit Problemkeimen zu rechnen, die gegen viele Antibiotika resistent sind.

Antibiotika – Mythos oder Wahrheit?

Letztlich wird noch zwischen akuter und chronischer Lungenentzündung unterschieden. Beiden liegen unterschiedliche Auslöser zugrunde.

Mögliche Ursachen der Lungenentzündung

Die Krankheitserreger einer Pneumonie gelangen zumeist über die Atemwege in die Lunge. Dies geschieht durch das Einatmen von kleinsten Tröpfchen in der Luft, in denen Erreger enthalten sind. Seltener gelangen die Keime über Aspiration, also das Einatmen von Nahrungsbestandteilen oder Sekreten des Verdauungssystems, in die Lunge. Die hämatogene Ausbreitung – das Verschleppen der Erreger über den Blutkreislauf oder der direkte Übertritt einer Entzündung der Nachbarorgane (zum Beispiel von einem Abszess in der Leber) – ist nur in seltenen Fällen für eine Lungenentzündung verantwortlich.

Die häufigsten Erreger, die eine typische Lungenentzündung auslösen, sind Bakterien. In bis zu 50 Prozent der bakteriell bedingten Fälle handelt es sich dabei um Pneumokokken. Sind Viren oder Bakterien wie Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen oder Rickettsien die Auslöser, wird von einer atypischen Lungenentzündung gesprochen.

Erkältung: Sieben Anzeichen, wann Sie zu Hause bleiben sollten

Lifeline/Wochit

Atypische Pneumonien durch Bakterien

Eine Form der Chlamydien, die Chlamydia psittaci, wird hauptsächlich von verschiedenen Vogelarten ausgeschieden. Eine Pneumonie durch Chlamydia psittacii findet sich daher überwiegend bei beruflicher oder privater Vogelhaltung. Hauptüberträger sind dabei Papageien. Pro Jahr werden in Deutschland etwa hundert Fälle dieser als Papageienkrankheit, Psittakose oder Ornithose bezeichneten Erkrankung diagnostiziert und gemeldet.

Legionellen kommen fast überall (ubiquitär) im Wasser vor, vor allem in stehendem Wasser mit Dreck- oder Schwebeteilchen und einer Temperatur zwischen 20 und 45 Grad Celsius. Man findet diese Bakterienform deswegen insbesondere in Kühl- beziehungsweise Heizanlagen, Klimaanlagen, Badebecken (besonders in Whirlpools) und auch in Dusche oder Wasserhahn. Bei der Einatmung von Tröpfchen aus diesen Wasserbehältern kann es zum Auftreten einer Legionellen-Pneumonie kommen, auch als Legionärskrankheit bekannt.

Rickettsien sind ebenfalls Bakterien und sehr selten als Erreger atypischer Pneumonien nachweisbar. Die Rickettsien werden von Tieren auf den Menschen übertragen – häufig durch Gliederfüßer wie Zecken oder Läuse. Die Art Coxiella burnetii wird von Schafen oder Rindern ausgeschieden und kann durch Einatmen beim Menschen eine atypische Pneumonie hervorrufen.

Atypische Pneumonien durch Viren

Auch durch Viren bedingte Pneumonien verlaufen atypisch, also nicht wie eine Pneumokokken-Pneumonie. Die Erreger sind bei nicht immungeschwächten Patienten vor allem Influenzaviren, Parainfluenzaviren, Adenoviren oder RS-Viren. Abgesehen von der Influenzavirus-Pneumonie während einer Epidemie treten Viruspneumonien vor allem bei Kindern und jungen Erwachsenen auf.

Sonderform Pneumocystis-carinii-Pneumonie (PCP)

Die PCP wird durch den Schlauchpilz Pneumocystis carinii hervorgerufen. Diese Pilzart kommt überall in der Umwelt vor, besiedelt schon in der Kindheit das Bronchialsystem vieler Menschen und ist für Gesunde harmlos. Kommt es aber zu einer Unterdrückung des Immunsystems, beispielsweise durch eine HIV-Infektion oder eine medikamentöse Schwächung der Abwehr (Immunsuppression) nach einer Organtransplantation, kann der Erreger sich ungehindert in den Lungenbläschen vermehren und zu einer schweren Lungenentzündung führen. Unbehandelt führt die Pneumocystis-carinii-Pneumonie zum Tod.

Abwehrsysteme der Lunge

Bevor sich eine Lungenentzündung entwickeln kann, müssen verschiedene Abwehrsysteme der Lunge überwunden werden. Dazu gehört zum Beispiel der Hustenreflex, durch welchen eingedrungene Erreger wieder aus den Atemwegen entfernt werden. Verschiedene Erkrankungen des Gehirns oder der Nervenbahnen können diesen Reflex beeinträchtigen. Die Folge ist, dass Schleim in den Atemwegen nicht abgehustet wird und sich Erreger ausbreiten können.

Schleimschicht schützt vor Keimen

Eine weitere Barrierefunktion gegen das Eindringen und Anheften von Erregern stellt die Oberfläche der gesunden Atemwege dar. So ist die gesamte Lungeninnenfläche mit einer dünnen Schleimschutzschicht überzogen. Die darunter gelegenen Zellen haben an ihrer Oberfläche feinste Härchen, die sogenannten Zilien. Diese Zilien sind beweglich und können durch ihre peitschenschlagartigen Bewegungen kleinste Teilchen (zum Beispiel Staub) und Schleim nach oben in Richtung des Kehlkopfs befördern. Diese Form der pulmonalen Abwehr wird als mukoziliäre Clearance bezeichnet und ist vor allem bei Vorerkrankungen im Bereich der Lunge eingeschränkt.

So kommt es beispielsweise bei einer chronischen Bronchitis als Folge von Zigarettenrauchen durch dauernde Entzündungsreaktionen zu ausgedehnten Schädigungen der Zellen mit Verlust der Schleimschicht und der Zilien. Die Folge ist, dass der gebildete Schleim nicht mehr abtransportiert werden kann. Die eingedrungenen Bakterien können sich wie in einem Nährmedium vermehren und schließlich in das Lungengewebe eindringen.

Geschwächte Abwehr begünstigt die Pneumonie

Neben diesen allgemeinen Abwehrmechanismen verfügt die Lunge über ein hochspezialisiertes System der spezifischen Abwehr, welches über Zellen und Botenstoffe des Immunsystems vermittelt wird. Besonders bei chronischen Allgemeinerkrankungen wie Diabetes mellitus, bei ausgeprägter Mangelernährung, Krebs, HIV-Infektion oder Alkoholismus erleichtert die damit einhergehende Abwehrschwäche die Entstehung einer Lungenentzündung.

Auch schwere Erkrankungen anderer Organe wie des Herzens, der Nieren oder der Leber führen zu einer erhöhten Empfänglichkeit für Lungenentzündungen. Weitere Risikofaktoren stellen ein

  • Alter über 65 Jahre und die
  • Einnahme abwehrunterdrückender Medikamente, sogenannter Immunsuppressiva (zum Beispiel Kortison oder Medikamente gegen Autoimmunerkrankungen) dar.

Da die überwiegende Mehrheit der Pneumonien durch infektiöse Erreger ausgelöst wird, ist in der Phase der akuten Erkrankung eine Weitergabe an Kontaktpersonen möglich: Beim Husten oder Niesen werden die Erreger über feine Tröpfchen in der Luft verteilt und können von anderen eingeatmet werden (Tröpfcheninfektion). Eine Ansteckung ist jedoch ohne die vorgenannten Risikofaktoren eher unwahrscheinlich. Eine Weitergabe der Erkrankung durch Vererbung ist nicht möglich.

Tipps für eine starke Abwehr

Die Symptome: Woran Sie eine Pneumonie erkennen

Obwohl es sich um eine Erkrankung der Lunge handelt, betreffen viele Symptome auch andere Körperregionen. So besteht bei einer typischen Pneumonie häufig ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen. Oftmals tritt Fieber mit Temperaturen bis 40 Grad Celsius auf und gelegentlich zeigen sich unvermittelt beginnende (hochakute) Verläufe mit plötzlichem Fieberanstieg und Schüttelfrost. Häufig besteht auch ein erhöhter Puls (Tachykardie) sowie eine schnelle Atmung. Diese Beschwerden können zu körperlicher Erschöpfung führen. Das Fieber und die schnelle Atmung begünstigen einen Flüssigkeitsverlust, der einen Kreislaufkollaps verursachen kann.

Eine Beteiligung des Magen-Darm-Trakts kommt vor und kann sich durch Übelkeit und Erbrechen oder auch gleichzeitig auftretende Durchfälle bemerkbar machen.

Von der Lunge ausgehende Beschwerden

Vonseiten der Lunge findet sich bei einer typischen Pneumonie häufig vermehrter Husten mit eitrigem Auswurf. Bei ausgedehntem Befall der Lunge oder einer Vorschädigung mit eingeschränkter Atemreserve kann der Betroffene Luftnot bei Belastung oder sogar in Ruhe verspüren. Als sichtbares Zeichen eines starken Sauerstoffmangels im Blut kann eine Zyanose auftreten. Dabei handelt es sich um eine bläuliche Verfärbung der Lippen, Haut und Schleimhäute. Bei Sauerstoffmangel ist der mit Sauerstoff beladene Anteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) vermindert, was eine Blaufärbung des Blutes bedingt. Die Zyanose fällt am deutlichsten an den Lippen und Fingernägeln auf.

Während das Lungengewebe selbst nicht schmerzempfindlich ist, kann eine Mitbeteiligung und Reizung des Rippenfells im Bereich der Lungenentzündung zu teilweise ausgeprägtem, atemabhängigen Schmerz führen.

Symptome der Lungenentzündung bei älteren Patienten

Es gibt ein breites Spektrum unterschiedlicher klinischer Verläufe. Die typische Lungenentzündung beispielsweise, die durch Pneumokokken ausgelöst wird, zeichnet sich besonders bei jungen Patienten durch einen heftigen Beginn mit starkem Krankheitsgefühl und hohem Fieber aus. Im Gegensatz dazu finden sich vor allem bei älteren Patienten mit schlechter körpereigener Abwehr verzögerte Verläufe mit vorwiegender Beteiligung anderer Organe. Verwirrung zählt häufig zu den Anzeichen.

Weniger Atemwegsbeschwerden bei atypischer Pneumonie

Prinzipiell kann es im Verlauf der atypischen Lungenentzündung zu all den Symptomen kommen, die man auch von der typischen Pneumonie kennt, also Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, beschleunigte Atmung, hohes Fieber oder eitriger Auswurf. Diese Symptome treten jedoch bei der atypischen Pneumonie entweder nicht auf, sind in ihrer Ausprägung milder oder kommen mit großer zeitlicher Verzögerung nach der Infektion vor. Kommt es zu Husten, so handelt es sich meist um einen trockenen Reizhusten. Die atypische Lungenentzündung durch Legionellen kann recht schnell einen schweren Verlauf nehmen, der von seiner Ausprägung nicht von dem einer schweren typischen Pneumonie zu unterscheiden ist.

Hauptsymtome der atypischen Lungenentzündung sind Beschwerden außerhalb der Lunge, zum Beispiel milde bis schwere Hautausschläge oder Gelenkschmerzen. Auch ganze Organsysteme können von atypischer Lungenentzündung betroffen sein wie das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) in Form von Hirnhaut- beziehungsweise Hirnentzündung oder Nervenlähmungen. Am Verdauungssystem können sich Symptome wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Bauchspeicheldrüsenentzündung vorfinden. Daneben können Herz- und Nierenentzündungen bei einer atypischen Lungenentzündung auftreten.

EKG, Röntgenaufnahme bis Bronchoskopie: die Diagnose

Bei Verdacht auf eine Lungenentzündung wird der Mediziner den Patienten über Art und Intensität der Beschwerden sowie über Vorerkrankungen und Risikofaktoren befragen. Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung. Bei der Betrachtung des Patienten können sich aus Atemfrequenz, -bewegungen und -typ (man unterscheidet Bauch- und Brustatmung) Hinweise auf eine Pneumonie ergeben. Ist die Funktion der Lunge stark beeinträchtigt, liegt vielleicht eine Zyanose vor. Das Beklopfen des Brustkorbs und Abhören der Lunge mit dem Stethoskop liefert bei einer typischen Lungenentzündung weitere wichtige Hinweise, zeigt bei der atypischen Pneumonie aber häufig völlig normale Befunde.

Ein weiteres Augenmerk des Arzts richtet sich auf die Kreislauffunktionen sowie auf Funktionsstörungen anderer Organe. Er wird versuchen, die Höhe der Kreislaufbelastung durch die Messung von Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Temperatur einzuschätzen. In der Regel wird zusätzlich ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt.

  • zum Lexikon

    Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

Röntgen zur Diagnose und Verlaufsbeurteilung

Mit einer Röntgenaufnahme der Lunge lässt sich eine Pneumonie eindeutig feststellen. Sie dient jedoch nicht nur zur Diagnose einer Lungenentzündung, sondern auch zum Erkennen von Komplikationen (zum Beispiel Pleuraerguss, einer Flüssigkeitsansammlung zwischen den beiden Blättern des Brustfells) und zur Verlaufsbeurteilung nach Einleitung der Therapie. In unklaren Fällen, etwa wenn Vorerkrankungen der Lunge die Beurteilung des Röntgenbildes erschweren, oder zur genaueren Einschätzung von Komplikationen, kann eine Computertomographie (CT) des Brustkorbs hilfreich sein.

Weitere Untersuchungen dienen vor allem der Identifikation der Erreger, um eine gezielte Therapie einleiten zu können. Dazu ist eine Laboruntersuchung des Bluts notwendig. Oft sind aber vom Immunsystem noch nicht ausreichend Antikörper gebildet worden, sodass sich trotz der vorhandenen Infektion zu Beginn der Erkrankung noch kein Hinweis im Blut findet. Legionellen, die zu den möglichen Erregern der atypischen Pneumonie zählen, lassen sich mittels spezieller Laborverfahren im Urin nachweisen. Deshalb wird bei Verdacht auf eine atypische Pneumonie meist eine Urinprobe des Patienten untersucht.

Bronchoskopie zur Identifizierung der Erreger

In unklaren Fällen kann mittels einer Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege) die Ursache einer Lungenentzündung identifiziert werden. Dabei wird ein zirka fünf bis sechs Millimeter Durchmesser dünner, biegsamer Schlauch (das Bronchoskop) entweder über ein Nasenloch oder den Mund in die Luftröhre und von dort weiter in die Aufzweigungen der Bronchien eingeführt. Während der Bronchoskopie kann der Arzt die Bronchien betrachten, Schleim absaugen und Proben entnehmen. Das während der Untersuchung gewonnene Material wird im Labor auf Erreger untersucht.

Blutgasanalyse: Wieviel Sauerstoff ist im Blut?

Eine große Bedeutung zur Abschätzung des Schweregrads der Lungenentzündung kommt der Blutgasanalyse (BGA) zu. Dabei wird der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen und damit der Gasaustausch beurteilt. Die Blutprobe zur Messung wird häufig aus dem Ohrläppchen entnommen. Bei einer ausgedehnten Pneumonie oder bei Vorerkrankungen der Lunge zeigt sich meist ein Abfall des Sauerstoffgehalts (Hypoxämie). Eine Erhöhung der Kohlendioxidkonzentration (Hyperkapnie) findet sich in der Regel nur bei einer vorbestehenden Lungenerkrankung mit chronischer Überlastung des Zwerchfells.

Therapie: Wie wird eine Pneumonie behandelt?

Als Auslöser der Lungenentzündung kommt eine Vielzahl hauptsächlich bakterieller Erreger infrage. Der Nachweis, um welche Erreger es sich handelt, dauert mindestens mehrere Stunden bis Tage. So lange kann mit dem Beginn der Therapie der Lungenentzündung nicht gewartet werden. Die Berücksichtigung der Krankengeschichte und der klinischen Konstellation engt die Auswahl an möglichen Erregern entscheidend ein, sodass der Arzt bereits vor dem eigentlichen Erregernachweis eine angemessene Antibiotikatherapie einleiten kann. Wird dann später ein Erreger nachgewiesen und seine Empfindlichkeit beziehungsweise Resistenz gegenüber bestimmten Antibiotika getestet, kann die anfangs begonnene Therapie auf eine optimierte, gezielte Behandlung umgestellt werden. Welches Antibiotika eingesetzt wird, bevor der tatsächliche Krankheitserreger feststeht, hängt von der Schwere der Erkrankung ab.

Leichte ambulante Pneumonie zu Hause therapierbar

Zur Gruppe der leichten Pneumonien können Betroffene gezählt werden, die folgende Kriterien erfüllen:

  • Alter unter 65 Jahre
  • guter Allgemeinzustand ohne Zeichen einer Kreislaufbeeinträchtigung
  • keine relevanten Vorerkrankungen
  • im Röntgenbild lediglich ein einzelner Herd (Infiltrat) sichtbar

Sofern kein Anhaltspunkt für eine nosokomiale Infektion, also den Keimerwerb im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts besteht, wird die Pneumonie als ambulant erworben eingestuft. Die häufigsten Erreger in dieser Gruppe sind Streptokokkus pneumoniae (Pneumokokken), Mycoplasma pneumoniae (Mykoplasmen) und Chlamydien. Die Behandlung kann bei diesen Patienten meist zu Hause durchgeführt werden. Sie besteht im Wesentlichen in der Gabe von Antibiotika in Tablettenform. Im unkomplizierten Regelfall ist eine Einnahme über fünf bis sieben Tage ausreichend. Wichtig ist das Überprüfen der Therapie nach 24 bis 48 Stunden. Nur so kann sie rasch geändert werden, falls die Medikamente nicht ansprechen.

Stationäre Behandlung bei mittlerer bis schwerer Pneumonie

Bei Patienten, die älter als 65 Jahre sind und Zeichen der schweren Erkrankung mit deutlicher Beeinträchtigung des Allgemeinzustands sowie zusätzliche Vorerkrankungen aufweisen, ist im Rahmen der Erstbeurteilung eine mittelschwere bis schwere Pneumonie anzunehmen. Das trifft auch auf Patienten zu, die an einer HIV-Infektion, einer Abwehrschwäche oder Diabetes mellitus leiden. Dies gilt vor allem, wenn im Röntgenbild mehrere Herde, eventuell sogar auf beiden Lungenseiten nachweisbar sind. Die infrage kommenden Erreger sind bedeutend zahlreicher als bei der leichten Pneumonie und umfassen zusätzlich eine große Zahl von Problemkeimen wie Legionellen, Klebsiellen oder Pseudomonas-Bakterien. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie wegen des schwierigen Nachweises oder häufiger Resistenzen kompliziert zu behandeln sind.

Bei diesen Patienten sollte die Therapie unbedingt stationär im Krankenhaus durchgeführt werden. Bei schweren Verläufen kann auch eine intensivmedizinische Überwachung notwendig sein. Die Antibiotikatherapie wird anfangs intravenös verabreicht und erst bei deutlicher Besserung auf Tablettengabe umgestellt. Die Therapiedauer beträgt durchschnittlich zehn bis 14 Tage. Bei Verdacht auf das Vorliegen von Problemkeimen kann auch eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Antibiotika notwendig sein, um so die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass alle infrage kommenden Keime von den Antibiotika erfasst werden.

Allgemeine Behandlungsmaßnahmen

Neben der Antibiotikatherapie kommen allgemeine und symptomatische Therapiemaßnahmen zum Einsatz, um die Beschwerden des Patienten zu lindern. Dazu gehört eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, bei Schwerkranken auch als Infusion, da durch Fieber der Flüssigkeitsbedarf erhöht ist. Genügend Flüssigkeit ist aber auch wichtig, damit der Auswurf nicht zu zäh wird und besser abgehustet werden kann. Bei viel Auswurf können Inhalationen sinnvoll sein. Der Wert von schleimverflüssigenden Medikamenten ist umstritten, mag aber im Einzelfall ebenfalls hilfreich sein. Für Patienten mit ausgedehnter Pneumonie oder mit Vorerkrankungen der Lunge kann eine zusätzliche Sauerstoffzufuhr per Nasensonde notwendig sein. Der Kranke soll sich körperlich schonen, strikte Bettruhe ist aber nicht notwendig. Zusätzlich sollte eine krankengymnastische Therapie mit Atemgymnastik erfolgen, wodurch die Belüftung der Lunge gefördert und das Abhusten erleichtert wird.

Der Lungenentzündung vorbeugen

Ein gesunder und geregelter Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und körperlicher Betätigung trägt zu einem guten Allgemeinzustand bei, mit dem Sie einer Lungenentzündung vorbeugen können. Außerdem sollte man den direkten Kontakt mit Personen, die gerade an einer akuten Lungeentzündung leiden, besser meiden.

Chronische Lungenschädigungen werden vor allem durch Zigaretten begünstigt. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, findet Beratung bei Ärzten und Krankenkassen, die auch Kurse anbieten. Auch übermäßiger Alkoholkonsum schwächt die Abwehr. Krankheiten wie Diabetes sollten frühzeitig und konsequent behandelt werden, um spätere Organschäden zu vermeiden.

Impfung bei bestehenden Risikofaktoren

Bestehen bereits Risikofaktoren, wird eine vorbeugende Impfung gegen die schwere Virusgrippe (Influenzagrippe) sowie gegen Pneumokokken empfohlen. Die Impfung gegen Influenza wirkt vorbeugend gegen eine Lungenentzündung, weil es im Verlauf einer Grippe bei Risikopatienten häufig zu einer Pneumonie durch bakterielle Erreger kommt. Die Impfung muss dabei vor jeder Grippesaison mit dem aktuellen Impfstoff erneut durchgeführt werden, da sich Grippeviren sehr schnell verändern können.

Pneumokokkenimpfung für Kleinkinder und Senioren

Die STIKO empfiehlt die Grundimmunisierung gegen Pneumokokken generell für Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat bis zum zweiten Lebensjahr sowie eine Einmalimpfung für alle Senioren über 60.

Darüber hinaus wird die Impfung allen Erwachsenen empfohlen,

  • deren Immunsystem geschwächt ist – sei es aufgrund einer HIV-Infektion, einer Organtransplantation oder aus anderen Gründen.
  • die an Diabetes, chronischen Herz- oder Lungen-Erkrankungen sowie Leber- oder Nierenkrankheiten oder Erkrankungen des Nervensystems leiden.
  • denen die Milz entfernt wurde oder die von Geburt an keine Milz haben.
  • die an Krankheiten der Milz oder des Knochenmarks leiden.
  • bei welchen Sichelzellanämie oder andere Erkrankungen, die die roten Blutkörperchen betreffen, festgestellt wurden.

Zwar schützt die Impfung nicht sicher vor der Lungenentzündung durch Pneumokokken. Trotzdem wird sie vor allem für Risikogruppen empfohlen, da sie den Krankheitsverlauf entscheidend mildern kann, sollte es zu einer Infektion kommen. Vor allem die Zahl der schweren Pneumonien und die Sterblichkeit werden durch die Impfung deutlich vermindert.

Keine Impfung gegen atypische Pneumonie

Eine Impfung gegen Erreger der atypischen Pneumonie ist derzeit nicht möglich. Eine im Alltag schwierig zu realisierende Empfehlung zum Schutz vor Legionellen besteht darin, sich von Behältnissen mit stehendem warmen Wasser fernzuhalten. Allerdings wird das Wasser aus solchen Behältern meist erst dann zum Problem, wenn es in Form feinster Tröpfchen in der Luft verteilt wird und eingeatmet werden kann. Solche Aerosole entstehen beim Duschen, durch Klimaanlagen, Luftbefeuchtungsgeräte und Inhalatoren sowie Warmsprudelbecken. Es gibt technische Regelungen zum Schutz vor Legionelleninfektionen, die beim Neubau von Warmwasser- und Klimaanlagen sowie beim Betrieb von Whirlpools oder Badebecken zu beachten sind. Im Privatbereich ist es wichtig, zum Beispiel Luftbefeuchtungsgeräte und Inhalatoren regelmäßig gründlich zu reinigen.

Warmwasseranlagen auf mindestens 60 Grad einstellen

Für Warmwasseranlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern wird ein geringes Risiko der Verbreitung von Legionellen angenommen. Das warme Wasser sollte möglichst immer mit einer Temperatur von 60 Grad Celsius aus dem Speicher treten, beziehungsweise einmal am Tag mindestens auf diese Temperatur erhitzt werden, denn Legionellen überleben nur bei einer Temperatur bis maximal 55 Grad Celsius. Beim Betrieb privater Solaranlagen zur Warmwasserbereitung sollte das Wasser ebenfalls einmal täglich auf 60 Grad Celsius erhitzt werden.

Coronavirus: Was schützt vor einer Ansteckung?

Druck auf der Brust: Nicht immer ist es das Herz

Druck auf der Brust führt häufig zu Unsicherheit bei Betroffenen: Ist es ein Herzinfarkt? Aber das beklemmende Gefühl im Brustbereich muss nicht zwangsläufig vom Herzen herrühren, es kann auch von anderen Organen oder Muskeln ausgehen. Zudem führen psychische Belastungen wie Stress oder Angstzustände mitunter zu einem beengten Gefühl im Brustbereich.

Artikelinhalte im Überblick:

Die größten Risikofaktoren für Herzinfarkt

Wie äußert sich Druck auf der Brust?

Je nach Ursache kann sich Druck auf der Brust unterschiedlich bemerkbar machen. Betroffene beschreiben beispielsweise ein Gefühl, als ...

  • ... würde ein schwerer Stein auf der Brust liegen.
  • ... würde eine Betonplatte auf Brustkorb und Magen drücken.
  • ... läge ein Reifen oder Ring um den Brustkorb.

Zudem ist das drückende Gefühl oft mit Schmerzen in der Brust verbunden, die manchmal in weitere Körperbereiche ausstrahlen.

Begleitsymptome bei Druck auf der Brust

Meist tritt das Engegefühl in der Brust nicht allein auf, sondern geht mit weiteren Symptomen einher. Die genaue Beschreibung des Beschwerdebildes gibt erste Hinweise, welche Krankheiten sich dahinter verbergen könnten. Einige Beispiele:

  • Dumpf-drückende Schmerzen, die sehr plötzlich einsetzen und in den linken Arm, in den Unterkiefer, den Rücken oder in den Oberbauch ausstrahlen, sind mögliche Warnsignale eines Herzinfarktes. Zusätzlich besteht ein Engegefühl in der Brust.

  • Verstärkt sich der Druck auf der Brust im Liegen und wird von einem Brennen hinter dem Brustbein und saurem Aufstoßen begleitet, ist Sodbrennen im Rahmen der Refluxkrankheit, als Ursache wahrscheinlich.

  • Tritt das Druckgefühl vor allem nach dem Essen blähender Speisen (Bohnen, Zwiebeln, Sauerkraut) auf und wird von Herzklopfen, Kurzatmigkeit und Schwindel begleitet, steckt womöglich das Roemheld-Syndrom dahinter.

  • Atemabhängiges, langsam auftretendes Druckempfinden, das mit Luftnot, Fieber und Hustenreiz einhergeht, kann auf eine Brust- oder Rippenfellentzündung hinweisen.

  • Nimmt das Druckgefühl allmählich zu, betrifft es vor allem eine Brustseite und verschlimmert sich im Liegen, beim Einatmen oder Sport, handelt es sich unter Umständen um eine Herzbeutelentzündung.

Mögliche Ursachen von Druck auf der Brust im Überblick

Druckgefühl in der Brust ist ein Symptom bei vielen verschiedenen Erkrankungen. Dazu gehören vor allem:

Druck auf der Brust: Häufiges Symptom bei Herzerkrankungen

Ein starkes Enge- oder Druckgefühl in der Brust und Atemnot sind typische Anzeichen eines Herzinfarktes. Häufig leiden Patient*innen schon vorher an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit, KHK) mit vorübergehenden Durchblutungsstörungen des Herzens und Angina Pectoris (Herzenge).

Bei einem Infarkt strahlen die drückenden Schmerzen meist in den linken Arm, Rücken, Hals oder Oberbauch aus. Die Symptome sind aber nicht bei allen Betroffenen gleich. Vor allem bei Frauen, älteren Menschen oder Diabetiker*innen fehlt die charakteristische Brustenge oft komplett.

So äußert sich ein Herzinfarkt bei Frauen

Lifeline/Wochit

Brustdrücken bei Erkrankungen der Lunge

Neben Schnupfen, Halsschmerzen und Husten kann eine Erkältung ebenfalls mit Druck auf der Brust einhergehen, vor allem, wenn sich aus dem grippalen Infekt eine Bronchitis entwickelt. Die Schleimhaut, welche die Bronchien auskleidet, entzündet sich dabei. In den verschleimten Bronchien finden Krankheitserreger zudem einen idealen Nährboden. Sie breiten sich in den Abschnitten der Lunge aus und können eine Lungenentzündung verursachen. Mögliche Symptome sind hohes Fieber, Schwierigkeiten beim Atmen und Brustschmerzen, die sich als Druckgefühl darstellen.

Neben einer Lungenentzündung können auch andere Erkrankungen der Lunge zu einem Druckgefühl in der Brust führen. Dazu gehören:

  • Lungenembolie: Hierbei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Gefäßverschluss in der Lunge durch ein Blutgerinnsel. Teile der Lunge werden von der Blut- oder Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Die Symptome können denen eines Herzinfarktes ähneln. Möglich sind erschwerte Atmung und Luftnot, Herzrasen, Husten mit blutigem Auswurf und drückende Schmerzen im Brustkorb.

  • Pneumothorax: Luft gelangt in den Pleuraspalt, also den Raum zwischen Lunge und Brustwand. In der Folge können sich die Lungenflügel nicht mehr richtig ausbreiten und fallen teilweise oder vollständig in sich zusammen. Typisch ist ein starker Druck auf der Brust, der bei tiefer Atmung zunimmt. Deshalb versuchen Betroffene möglichst flach zu atmen, um Schmerzen so gut wie möglich zu vermeiden.

  • Lungenkrebs: In seltenen Fällen kann ein länger andauerndes Druckgefühl in der Brust, begleitet von hartnäckigem Husten mit blutigem Auswurf, Atemnot und anderen Symptomen, auf Lungenkrebs hindeuten. Die Erkrankung entwickelt sich meist unbemerkt. Die Beschwerden treten erst im fortgeschrittenen Stadium auf.

Einschränkungen des Bewegungsapparates als Ursache von Druck auf der Brust

Oft ist ein Druckgefühl im Brustbereich zudem muskulären Ursprungs. Als Auslöser kommen Fehlhaltungen am Arbeitsplatz oder Muskelkater nach dem Sport infrage. Ebenso kann eine falsche Atemtechnik die Schulter- und Brustkorbmuskulatur übermäßig beanspruchen. Falsche Kleidung, etwa eng anliegende BHs und Mieder, können ebenfalls auf die Brust drücken und Verspannungen auslösen.

Plötzlich drückende Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule, die denen einer Angina Pectoris ähneln, können zudem auf Wirbelblockaden zurückzuführen sein. Mögliche Ursachen von blockierten oder verschobenen Wirbeln sind Verschleißerscheinungen, eine schwache Rückenmuskulatur, falsches Heben oder Unfälle.

Verletzungen sind auch die Hauptursache von Rippenprellungen oder -frakturen, die ebenfalls starke Druckschmerzen in der Brust verursachen können. Typisch für gebrochene oder geprellte Rippen ist, dass sich die Beschwerden beim Atmen, Husten oder Lachen verstärken.

Beschwerden der Speiseröhre und des Magen-Darm-Trakts

Nicht selten geht die Refluxkrankheit mit einem Druck auf der Brust und dem Gefühl von einem Kloß im Hals einher. Bei der Erkrankung kommt es häufig zu Sodbrennen, da der Schließmuskel, der für den Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre verantwortlich ist, nicht richtig schließt. Magensäure steigt in die Speiseröhre auf und führt zu drückenden Schmerzen im Brustbereich.

Anfallsartige Beklemmungen im Brustbereich und andere Symptome wie Herzklopfen können darüber hinaus auf das Roemheld-Syndrom zurückzuführen sein. Ursache ist eine übermäßige Gasansammlung im Magen-Darm-Trakt durch blähende Lebensmittel. Das vergrößerte Gasvolumen drückt von unten auf das Zwerchfell und schiebt dieses in Richtung Brusthöhle. Die Folge ist ein Engegefühl im Brustbereich.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase sind weitere mögliche Ursachen. So sind bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) oder einer Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) drückende und ziehende Brustschmerzen möglich, die vom Bauch bis in den Brustkorb ausstrahlen.

Psychische Belastungen wie Stress oder Angstzustände

Lassen sich organische Ursachen ausschließen, kommen zudem psychische Ursachen infrage. Belastende Lebensumstände und Stress verursachen oft Verspannungen, die das Brustdrücken auslösen oder verstärken.

Darüber hinaus können Depressionen oder Angststörungen mit Druck auf die Brust einhergehen. Eine besondere Form der Angststörung ist die sogenannte Herzphobie (auch: Herzneurose, Cardiophobie). Schätzungsweise 100.000 Menschen in Deutschland leiden daran. Betroffene sind besorgt, dass ihr Herz lebensbedrohlich erkrankt ist. Jedes Herzstolpern kann eine Panikattacke und körperliche Stressreaktionen wie Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen auslösen.

Druck auf der Brust: Wann ist eine ärztliche Behandlung notwendig?

Ein Druckgefühl in der Brust muss keine schwerwiegende Erkrankung zur Ursache haben, das Symptom kann harmloser Natur sein und nach kurzer Zeit von allein wieder verschwinden. Druck auf der Brust kann aber auch ein akutes Signal für eine lebensbedrohliche Erkrankung wie einen Herzinfarkt sein. In diesem Fall ist eine sofortige medizinische Hilfe notwendig, um lebensrettende Maßnahmen einzuleiten und Folgeschäden zu begrenzen.

Symptome, die für eine sofortige notärztliche Behandlung sprechen:

  • Stechende oder drückende Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Engegefühl der Brust (Angina Pectoris)
  • Langanhaltender Druck auf der Brust
  • Ausstrahlende Schmerzen in die Arme, den Rücken oder Oberbauch
  • Zeichen des akuten Kreislaufversagens/Bewusstlosigkeit
  • Bewusstseinstrübung und/oder Verwirrtheit
  • Blaufärbung der Lippen
  • Kalter Schweiß
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Ausgeprägte Angst

Grundsätzlich sollte bei Schmerzen oder einem Engegefühl in der Brust im Zweifel immer ärztliche Hilfe geholt werden. Ein Besuch zu viel bei der*dem Ärztin*Arzt ist besser als eine zu späte Behandlung.

Aber nicht nur bei akuten Beschwerden, auch wenn Druck auf der Brust regelmäßig auftritt, ist medizinischen Rat sinnvoll.

Diagnose von Druck auf der Brust

Bei Druckschmerzen in der Brust muss zunächst ein Notfall ausgeschlossen werden. Meist erkennen Notärzt*innen einen Herzinfarkt auf Grundlage der vorliegenden Beschwerden. In einigen Fällen fehlen jedoch die typischen Anzeichen.

Ein sicheres Hilfsmittel zur Diagnosestellung ist das Elektrokardiogramm (EKG), mit dem sich die Herzstromkurve messen lässt. Ärzt*innen können so mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, ob ein Verschluss eines Herzkranzgefäßes vorliegt. Das EKG kann ebenfalls Hinweise auf einen zurückliegenden Herzinfarkt liefern. Zudem werden manchmal spezielle Laborwerte (Troponine) gemessen. Erhöhte Werte des Eiweißes deuten auf einen Herzinfarkt hin.

Anamnesegespräch und Erhebung der Krankengeschichte

Liegt kein Notfall vor, holt die*der Ärztin*Arzt zunächst alle wichtigen Informationen zur Krankengeschichte ein. Im Rahmen des Anamnesegesprächs stellt sie*er beispielsweise folgende Fragen:

  • Treten die Beschwerden vor allem bei Bewegung auf?
  • Verstärkt sich das Druckgefühl beim Atmen?
  • Welche Begleitsymptome treten auf?
  • Sind Herz- oder Lungenerkrankungen bekannt?

Die Antworten auf diese Fragen ergeben meist bereits erste Vermutungen bezüglich der Ursache.

Bildgebende Verfahren bei Druck auf der Brust

Um einen Verdacht zu erhärten oder Differentialdiagnosen auszuschließen, können weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel:

Behandlungsmöglichkeiten bei Druck auf der Brust

Die Behandlung von Druck auf der Brust richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Einige Beispiele für Therapiemöglichkeiten:

  • Ein Herzinfarkt stellt einen Notfall dar. Bis die*der Notärztin*Notarzt eingetroffen ist, sollten vor Ort Erstmaßnahmen eingeleitet werden. Dazu gehört beispielsweise den Oberkörper des Betroffenen hochzulagern. Die Rettungskräfte können schmerzlinderne Medikamente verabreichen und Sauerstoff zuführen. Im Krankenhaus muss das verschlossene Herzkrankzgefäß rasch wieder durchgängig gemacht werden, um größere Schäden am Herzmuskel zu verhinden.

  • Bei Angina Pectoris verabreichen Notärzt*innen bei einem akuten Anfall schnell wirksame Nitropräparate in Form von Sprays oder Kapseln, um die Herzkranzgefäße zu erweitern. Für die Dauertherapie werden unter anderem Medikamente mit Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel verschrieben.

  • Bei Reflux können Medikamente (Antazida) verschrieben werden, die die aggressive Magensäure binden oder die überschießende Bildung von Magensäure unterdrücken (Protonenpumpenhemmer). Zudem sollten Betroffene säurebildende Stoffe wie Nikotin, Alkohol oder scharf gewürzte Speisen meiden.

  • Bei Wirbelblockaden und muskulären Verspannungen kann Physiotherapie helfen, das Druckgefühl zu reduzieren.

  • Liegen entzündliche Prozesse vor, können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac angewandt werden.

  • Drücken sehr enge Kleidung oder BHs mit starren Bügeln auf den Brustbereich, sollten diese durch weite Kleidung beziehungsweise weiche, nicht gepolsterte BHs getauscht werden.

  • Besteht der Verdacht auf psychischen Erkrankungen, kommt unter Umständen eine Psychotherapie infrage.

Bestellen Sie den Newsletter

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Artikel zum Thema
Corona: Welche Symptome sind möglich?

Die wichtigsten Fakten zum Coronavirus im Überblick und der aktuelle Impfstatus in Deutschland →

mehr...
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2023/05: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Funke Digital GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: https://www.lifeline.de/

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.

Sie haben Lifeline zum Top-Gesundheitsportal gewählt

Sie haben Lifeline zum Top-Gesundheitsportal gewählt. Vielen Dank für Ihr Vertrauen.