Schwitzen und Zittern im Wechsel

Schüttelfrost: Was hilft Fiebergeplagten ganz schnell?

Schüttelfrost tritt charakteristischerweise als Begleiterscheinung bei einem raschen Fieberanstieg auf. Typisch sind ein starkes Kältegefühl, Zittern und auch Zähneklappern.

Bei anhaltendem Fieber zum Arzt
Wärme, Ruhe, Schlaf und ausreichend Flüssigkeit sind bei Schüttelfrost hilfreich.
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Schüttelfrost tritt auch häufig bei einer Grippe (Influenza) auf, kann aber auch z.B. bei einer Blutvergiftung, Scharlach (Scarlatina) oder einer Lungenentzündung begleitendes Symptom sein.

Der Übergang von einfachem Kältezittern zu Schüttelfrost ist medizinisch nicht eindeutig definiert.

Letztlich dienen sowohl einfaches Kältezittern als auch der heftigere Schüttelfrost dem Zweck, die Körpertemperatur anzuheben und somit den Temperaturunterschied zwischen Körper- und Außentemperatur zu minimieren.

Das geschieht über Muskelzittern und -schlottern, das vom Temperaturzentrum des Gehirns ausgelöst wird und willentlich nicht beeinflusst werden kann. Gegenüber einfachem Zittern fallen die wärmeerzeugenden Zitterbewegungen bei Schüttelfrost besonders stark aus. Typischerweise geht Schüttelfrost mit einem direkt anstehenden, starken Fieberanstieg einher.

Diese Ursachen stecken hinter Schüttelfrost

Schüttelfrost kann bei verschiedenen (fieberhaften) Erkrankungen als Symptom auftreten. Er geht auf die Überschwemmung des Bluts mit fieberauslösenden Stoffen (Pyrogenen) zurück. Diese Substanzen werden vor allem bei bakteriellen Infektionen, aber auch bei Viruserkrankungen wie der Grippe und bei einigen Vergiftungen (z.B. durch bestimmte Pilze) freigesetzt.

Zu bakteriellen Infektionskrankheiten, die Schüttelfrost auslösen können, gehören beispielsweise:

Bei bakteriellen Infektionen, die zu Schüttelfrost führen, treten zumindest vorübergehend größere Mengen von Bakterien oder deren Abbauprodukten aus einem Herd im Körper ins Blut über. Dieser Zustand wird als Sepsis („Blutvergiftung“) bezeichnet und stellt eine gefährliche Komplikation bei bakteriellen Infektionen dar. Schübe einer Sepsis gehen in der Regel mit Schüttelfrost, einem starken Anstieg der Körpertemperatur und weiteren Symptomen einher.

Auch Virusinfektionen können zu Schüttelfrost führen. Beispiele sind:

Sonstige Infektionskrankheiten (etwa durch Parasiten):

Pilzvergiftungen, die mit Schüttelfrost einhergehen, können hervorgerufen werden durch:

  • Schleierlinge
  • Orangefuchsiger Raukopf (Cortinarius orellanus)
  • Spitzbuckliger Raukopf (Cortinarius rubellus)

Schüttelfrost-Diagnose: Wann sollte man zum Arzt?

Bei Schüttelfrost und Fieber ist im Zweifelsfall ein Arzt aufzusuchen, der mittels geeigneter Diagnosemethoden die Ursache ausfindig machen kann.

Auslöser von Schüttelfrost sind in der Regel Infektionen mit Bakterien oder Viren sowie Vergiftungen. Die Diagnose umfasst daher die Suche nach entsprechenden Erkrankungen bzw. Infektionsherden im Körper. Die Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung sowie weiterführende Spezialuntersuchungen weisen den Weg zur Ursache des Schüttelfrosts.

Hohes Fieber und Schüttelfrost belasten den Organismus stark. Insbesondere bei Kindern, älteren Personen und Menschen mit Vorerkrankungen sollte bei Schüttelfrost daher nicht gezögert werden, im Zweifelsfall einen Arzt hinzuzuziehen oder eine Klinik aufzusuchen.

Die Krankengeschichte liefert erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung. Der Arzt wird unter anderem folgende Informationen benötigen:

  • Wie lange besteht der Schüttelfrost bereits?
  • Wie hoch ist das Fieber, wie hat sich das Fieber entwickelt?
  • Welche weiteren Symptome liegen vor?
  • Wurde ggf. eine Reise in die Tropen unternommen (bei Verdacht auf Malaria oder Gelbfieber)?

Die körperliche Untersuchung kann weitere Indizien für die Ursache des Schüttelfrosts liefern. Finden sich Anzeichen von Organerkrankungen wie einer Nierenvereiterung oder Gallengangentzündung werden entsprechende Spezialuntersuchungen (z.B. Ultraschall, Röntgen etc.) vorgenommen.

Um den Krankheitserreger nachweisen und identifizieren zu können, sollte möglichst während des Fieberanstiegs eine Blutprobe („Blutkultur“) abgenommen werden. Aus dieser Probe lässt sich der Krankheitsauslöser heranzüchten und auf seine Widerstandskraft gegen Antibiotika testen, so dass er anschließend gezielt mit einem wirksamen Medikament behandelt werden kann.

Behandlung: Das hilft bei Schüttelfrost

Schüttelfrost wird nach Möglichkeit in Hinblick auf die Symptomursache behandelt. Bakterielle Infektionen werden mit Antibiotika, Viruserkrankungen – soweit verfügbar – mit Antivirenmitteln bekämpft. Darüber hinaus wird der Kreislauf stabilisiert, etwa durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, sowie unter Umständen der Körper mit kalten Umschlägen gekühlt. Der Fieberanstieg kann durch fiebersenkende Mittel begrenzt werden.

Im Zentrum der Therapie von Schüttelfrost steht das Bemühen, die Überflutung des Körpers mit fiebererzeugenden Stoffen (Pyrogenen) zu verhindern. Dafür ist an erster Stelle wichtig, die bakterielle oder virale Infektion zu bekämpfen. Dazu sollte nach Möglichkeit der Krankheitserreger bekannt sein und dessen Empfindlichkeit gegenüber verschiedenen Antibiotika oder antiviralen Medikamenten bestimmt werden.

Bei einer Grippe (Influenza) beispielsweise haben virushemmende Medikamente in der Regel nur dann Sinn, wenn sie innerhalb von bis zu 48 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome eingesetzt werden. Zusätzlich können bei hohem Fieber auch fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden. Auch Wadenwickel haben sich bewährt. Wichtig sind grundsätzlich ausreichend Flüssigkeitszufuhr, Wärme und viel Ruhe.

Haben Erreger im Körper einen Herd gebildet, etwa in Gestalt einer Eiteransammlung (Abszess) oder als abgekapselter Bewuchs eines Katheters oder anderen Fremdkörpers im Organismus, ist in der Regel eine chirurgische Behandlung erforderlich. Eiterherde müssen ausgeräumt werden. Katheter und Fremdmaterialien sollten nach Möglichkeit entfernt und gegebenenfalls ersetzt werden, da ein Erregerbefall dieser Fremdkörper mit Antibiotika zumeist nicht mehr behoben werden kann.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2016
Durch: sba
Quellen: Morrison SF, et al. Central control of thermogenesis in mammals. Exp Physiol. 2008; 93: 773-97. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2496891/pdf/nihms-59720.pdf McCullough L, Sanjay A. Diagnosis and Treatment of Hypothermia. Am Fam Physician. 2004; 70: 2325-32. URL: http://www.aafp.org/afp/2004/1215/p2325.pdf Bartfai T, Conti B: Fever. ScientificWorldJournal 2011; 10: 490–503, URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2850202/pdf/nihms188784.pdf Siegenthaler W (Hrsg.), et al. Differentialdiagnose innerer Krankheiten. 16. Auflage, Stuttgart, New York 1988.

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