Campylobacter-Infektion: Symptome, Spätfolgen und Therapie

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Campylobacter sind bakterielle Erreger von Darminfektionen. Eine Ansteckung äußert sich meist durch starke Durchfälle und Bauchschmerzen. Erfahren Sie, wie die Therapie erfolgt und welche Spätfolgen möglich sind.

Mann mit Magen-Darm-Beschwerden
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Kurzübersicht: Häufige Fragen und Antworten

Was ist Campylobacter? Campylobacter ist eine Gattung von Bakterien, die häufig Durchfallerkrankungen beim Menschen verursacht.

Wie wird Campylobacter übertragen? Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch den Verzehr von befallenem Geflügelfleisch, Rohmilch oder kontaminiertem Wasser. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.

Welche Symptome verursacht Campylobacter? Typische Symptome sind Fieber, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall, der sehr wässrig und teils auch blutig sein kann.

Was sind Spätfolgen bei Campylobacter? Spätfolgen einer Campylobacter-Infektion können sich in sehr seltenen Fällen etwa als entzündliche Gelenkerkrankung (reaktive Arthritis) oder als schwerwiegende Nervenerkrankung (Guillain-Barré-Syndrom) äußern.

Im Überblick:

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Was ist Campylobacter?

Bei Campylobacter handelt es sich um eine Gattung von Bakterien, die weltweit verbreitet sind. Die Bakterien kommen natürlicherweise in der Darmflora vieler Tiere vor, insbesondere bei Nutztieren (vor allem Geflügel), Wildtieren und Haustieren.

Beschwerden haben Tiere aber durch die Bakterien im Normalfall nicht. Infiziert sich jedoch ein Mensch, führt dies zu Symptomen wie Durchfall. Die Erkrankung nennen Fachleute auch Campylobacteriose oder Campylobacter-Enteritis.

Es gibt über 20 Arten der Bakterien. Drei dieser Arten treten beim Menschen überwiegend auf:

  • Campylobacter jejuni
  • Campylobacter coli
  • Campylobacter lari

Laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist der direkte Erregernachweis meldepflichtig.

Häufigkeit

Mit etwa 70.000 gemeldeten Fällen pro Jahr handelt es sich um die häufigste bakterielle Durchfallerkrankung in Deutschland – noch vor einer Infektion mit Salmonellen.

Die Erkrankungsrate ist in den Sommermonaten am höchsten. Besonders häufig erkranken Kinder unter 5 Jahren sowie Erwachsene im Alter von 20 bis 29 Jahren.

Symptome und Verlauf einer Campylobacter-Enteritis

Wenn eine Ansteckung mit Campylobacter erfolgt ist, treten meist bereits zwei bis fünf Tage danach die typischen Symptome auf. Die Erkrankung beginnt üblicherweise mit

Kurz danach kommt es zu starken, kolikartige Bauchschmerzen und -krämpfe sowie Übelkeit und Durchfall.

Die Durchfälle sind heftig (bis zu 20 Toilettengänge pro Tag), sehr wässrig und teilweise grünlich. Auch blutiger Stuhl kann auftreten. In der Regel bleiben die Magen-Darm-Beschwerden eine Woche bestehen.

Mitunter braucht die Darmflora länger, um sich zu erholen. Die Folge sind wochenlange Verdauungsbeschwerden.

Die Infektion kann aber auch völlig untypisch verlaufen. Manchmal wird die Erkrankung gar nicht bemerkt. Die infizierte Person kann jedoch trotzdem andere Menschen anstecken.

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Spätfolgen einer Campylobacter-Infektion

Komplikationen und Spätfolgen sind nach einer Infektion selten, kommen aber vor. Dazu zählen:

Ursache für die Spätfolgen sind etwa spezifische Antikörper, die bei der Infektion gebildet werden und sich auch gegen die Nervenzellen im Körper richten können.

Ursachen für die Ansteckung mit Campylobacter

Campylobacter-Infektionen werden beim Menschen vor allem durch verunreinigte Lebensmittel übertragen. Die Hauptinfektionsquelle ist rohes oder nicht durchgegartes Geflügelfleisch und Geflügelprodukte, außer Eier.

Weitere mögliche Infektionsquellen sind:

  • nicht pasteurisierte Milch (Rohmilch, Rohmilchkäse)
  • rohes Hackfleisch
  • verunreinigtes Trinkwasser
  • Haustiere (besonders Welpen und Katzen, die an Durchfall erkrankt sind)

Auch eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.

Zudem kann durch Baden in Seen bei ausreichend vorhandenen Bakterienbefall im Wasser eine Infektion erfolgen.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) beträgt meist 2 bis 5 Tage, in einzelnen Fällen 1 bis 10 Tage.

Therapie: Wie wird Campylobacter behandelt?

Normalerweise lassen die Symptome ohne Behandlung wie bei anderen Durchfallerkrankungen spätestens nach etwa 7 bis 10 Tagen wieder nach.

Es ist wichtig, ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser, Tee und Brühe zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Wann ist ärztliche Hilfe notwendig?

Ärztlicher Rat ist einzuholen, wenn:

  • der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen werden kann
  • die Beschwerden sehr stark sind

Der*die Arzt*Ärztin kann fiebersenkende Medikamente, Schmerzmittel und bei Bedarf Mittel wie Elektrolyte gegen Dehydrierung verschreiben. In schweren Fällen sind Infusionen notwendig, um den Flüssigkeitsverlust entgegenzusteuern.

In seltenen Fällen kann ein Antibiotikum zum Einsatz kommen. In der Apotheke frei verkäufliche Medikamente gegen Durchfall sollten nicht ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.

Wie lange sind Campylobacter-Bakterien ansteckend?

Solange Betroffene den Erreger mit dem Stuhl ausscheiden, sind sie ansteckend. Durchschnittlich liegt diese Zeit bei 2 bis 4 Wochen. Erkrankte sind also meistens auch nach Abklingen der Symptome noch infektiös.

Immunschwache Menschen, wie beispielsweise HIV-Patient*innen, sind noch deutlich länger ansteckend, da sich Campylobacter noch Monate im Stuhl befinden kann.

Diagnose einer Campylobacter-Infektion

Zunächst werden die aktuellen Beschwerden erfragt (Anamnese). Von Interesse ist außerdem, ob bestimmte Nahrungsmittel verzehrt wurden, die auf eine Infektion schließen lassen. Das Bakterium wird durch eine Stuhlprobe ermittelt und die Diagnose auf diese Weise bestätigt.

Campylobacter: So lässt sich einer Ansteckung vorbeugen

Eine gute Hygiene beugt einer Ansteckung mit Campylobacter vor. Die Bakterien überleben niedrige Temperaturen und können sich deshalb auch noch nach dem Auftauen von Fleisch- und Geflügelprodukten am Fleisch, im Auftauwasser und an Küchengeräten befinden.

Auch infizierte Menschen sind ansteckend und können bei mangelnder Hygiene per Schmierinfektion über Hände, Türklinken und ähnliches für die weitere Ausbreitung des Bakteriums sorgen. Deshalb ist eine sorgfältige Hygiene unbedingt notwendig.

1. Küchenhygiene

  • Nach der Zubereitung von Fleisch – vor allem bei Geflügel – sämtliche verwendete Küchenutensilien, wie Brettchen, Messer, Arbeitsflächen etc., sofort heiß und gründlich waschen und nichts anderes mit diesen in Kontakt kommen lassen.

  • Hackfleisch und Geflügel immer durchgaren.

  • Handtücher und Spüllappen regelmäßig bei 60°C waschen. Spülbürsten und Schwämme regelmäßig wechseln oder ebenfalls heiß waschen.

  • Rohes Fleisch und Geflügel sollten nie unter dem Wasserhahn abgewaschen werden, weil sich die Keime durch das Spritzwasser noch weiter verteilen können.

2. Händehygiene

  • Händewaschen nach jedem Toilettengang (oder nach dem Wickeln eines erkrankten Kindes), vor dem Essen und nach jedem Kontakt mit rohem Fleisch. Die Hände mit einem sauberen Tuch gründlich abtrocknen. Frauen sollten vor dem Stillen gründlich Händewaschen.

  • Erkrankte Personen sollten im Badezimmer ein eigenes Handtuch und einen eigenen Waschlappen haben, die ebenfalls regelmäßig bei 60°C gewaschen werden.

Eltern müssen Einrichtungen wie Kindertagesstätten oder Schulen darüber informieren, dass eine Infektion besteht und das Kind zu Hause lassen.

Menschen, die mit Lebensmitteln arbeiten, dürfen bei der meldepflichtigen Erkrankung nicht arbeiten gehen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

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