Campylobacter-Infektion: Fiese Erreger auf Lebensmitteln

Campylobacter sind bakterielle Erreger von Darminfektionen. Eine Campylobacter-Infektion (Campylobacteriose, Campylobacter-Enteritis) äußert sich durch starke Durchfälle und Bauchschmerzen. Sie zählt zu den Lebensmittelinfektionen.

Campylobacter-Infektion
Bei einer Infektion mit Campylobacter tritt Durchfall mit bis zu 20 Stuhlgänge pro Tag auf.
(c) iStockphoto/PRImageFactory

Die Bakterien Campylobacter gelten inzwischen als häufigste Erreger von durch Lebensmittel verursachten Darmerkrankungen. Campylobacter haben damit den Salmonellen den Rang abgelaufen. Besonders im Sommer steigt die Zahl der Infektionen. Eine Campylobacter-Infektion wird hauptsächlich durch Geflügelfleisch und Rohmilch hervorgerufen und ist meldepflichtig beim Gesundheitsamt. Es gibt über 20 Arten von Campylobacter-Bakterien. Drei dieser Arten treten beim Menschen überwiegend auf: Campylobacter jejuni, Campylobacter coli und Campylobacter lari.

Im Überblick:

Ursachen für die Ansteckung mit Campylobacter

Campylobacter-Infektionen werden beim Menschen vor allem durch verunreinigte Lebensmittel übertragen. Die Hauptinfektionsquelle ist rohes oder nicht durchgegartes Geflügelfleisch und Geflügelprodukte, außer Eier. Auch nicht pasteurisierte Milch (Rohmilch, Rohmilchkäse), verunreinigtes Trinkwasser, Haustiere (besonders Welpen und Katzen, die an Durchfall erkrankt sind) und rohes Hackfleisch sind mögliche Infektionsquellen für Campylobacter. Auch eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Vor allem Kinder sind für die Übertragung von einem erkrankten Menschen gefährdet, da bei ihnen bereits wenige Erreger das Auftreten einer Infektion auslösen können. Auch beim Baden in Seen kann bei ausreichend vorhandenen Campylobacter-Bakterien im Wasser eine Infektion erfolgen.

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen zwischen 20 und 29 Jahren sind besonders häufig von einer Campylobacter-Infektion betroffen. Besonders gefährdet, an Campylobacter zu erkranken, sind auch Säuglinge, Kinder unter sechs Jahren, alte Menschen und Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr. Deshalb sollten diese Personengruppen Lebensmittel wie Käse aus Rohmilch oder nicht ausreichend durchgegartes Fleisch meiden, um einer Infektion vorzubeugen.

Symptome und Verlauf einer Campylobacter-Enteritis

Wenn eine Ansteckung mit Campylobacter erfolgt ist, treten meist bereits zwei bis fünf Tage danach die typischen Symptome auf, manchmal auch ein bis zehn Tage danach. Die Infektion durch Campylobacter beginnt üblicherweise mit einem starken Krankheitsgefühl inklusive Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, kurz danach treten starke, kolikartige Bauchschmerzen und -krämpfe sowie Übelkeit und starker Durchfall auf. Die Durchfälle sind heftig (bis zu 20 Toilettengänge pro Tag), sehr wässrig und teilweise grünlich. Auch blutiger Stuhl kann in bis zu 30 Prozent der Fälle auftreten. In der Regel bleiben die Magen-Darm-Beschwerden eine Woche bestehen, in selteneren Fällen aber auch länger.

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Neben dem typischen Verlauf einer Campylobacter-Infektion kann sie auch völlig untypisch verlaufen. Manchmal wird eine Infektion gar nicht bemerkt, aber die infizierte Person kann trotzdem andere Menschen mit Campylobacter anstecken.

Wie lange sind Campylobacter-Bakterien ansteckend?

Solange sich die Campylobacter-Bakterien im Stuhl befinden, so lange ist die Person auch ansteckend. Durchschnittlich liegt diese Zeit bei zwei bis vier Wochen – der Erkrankte ist also meistens auch nach Abklingen der Symptome noch infektiös. Immunschwache Menschen, wie beispielsweise HIV-Patienten, sind noch deutlich länger ansteckend, da sich Campylobacter noch Monate im Stuhl befinden kann. Um eine Ansteckung weiterer Menschen zu vermeiden, ist eine gründliche Händehygiene – vor allem nach den Toilettengängen – dringend einzuhalten.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Normalerweise lassen die Symptome der Camyplobacter-Enteritis auch ohne Behandlung wie bei anderen Durchfallerkrankungen spätestens nach etwa sieben bis zehn Tagen wieder nach. Es ist wichtig, ausreichend Flüssigkeit in Form von Wasser, Tee und Brühe zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, der durch den Durchfall entsteht.

Sie sollten unbedingt einen Arzt konsultieren, wenn der Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen werden kann und die Beschwerden wie Fieber, Durchfall und Bauchkrämpfe insgesamt zu stark sind. Der Arzt kann Ihnen dann fiebersenkende Medikamente, Schmerzmittel und bei Bedarf Mittel wie Elektrolyte gegen Dehydrierung verschreiben. In seltenen Fällen kann ein Antiobiotikum eingesetzt werden. Das Mittel der ersten Wahl ist Erythromycin. In der Apotheke frei verkäufliche Medikamente gegen Durchfall sollten Sie nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt nehmen.

Diagnose von Campylobacter

Der Arzt fragt den Erkrankten nach den aktuellen Beschwerden. Möglicherweise kann sich der Betroffene an ein auslösendes Ereignis erinnern, zum Beispiel ein bestimmtes Essen, das er zu sich genommen hat. Beim Arzt kann dann eine Stuhlprobe abgegeben werden, die im Labor auf Campylobacter-Bakterien untersucht wird, um die Diagnose sicher stellen zu können. Der Arzt ist gesetzlich verpflichtet, eine Infektion mit Campylobacter spätestens 24 Stunden nach Diagnosestellung dem Gesundheitsamt zu melden. Wenn der Infizierte mit Lebensmitteln arbeitet, muss der Arzt bereits den Verdacht auf die infektiöse Durchfallerkrankung mit Campylobacter melden.

Maßnahmen bei starkem Durchfall durch Campylobacter

  • Trinken Sie ausreichend (mind. 3 Liter/Tag – Wasser, Tee und Gemüsebrühe), um einer Dehydrierung vorzubeugen!

  • Geben Sie immer eine Prise Salz ins Wasser, um den Salzverlust auszugleichen.

  • Schonen Sie sich und bleiben Sie im Bett.

  • Waschen Sie sich nach jedem Toilettengang gründlich die Hände.

  • Bereiten Sie kein Essen für andere zu.

Ernährung bei Campylobacter-Enteritis

Wenn Sie an einer Infektion mit Campylobacter leiden, kann es sein, dass Sie aufgrund der Beschwerden in den ersten Tagen nichts essen möchten oder können. Deshalb sollten Sie anschließend vorsichtig mit schonender, fettarmer Ernährung anfangen. Das kann beispielsweise geriebener Apfel, Zwieback, Salzstangen, Knäckebrot, der klassische Haferschleim, Möhrensuppe oder Naturjoghurt sein.

Ansteckung vorbeugen

Eine gute Hygiene beugt einer (weiteren) Ansteckung mit Campylobacter vor. Campylobacter sind zwar empfindliche Bakterien, sie überleben aber niedrige Temperaturen und können sich deshalb auch noch nach dem Auftauen von Fleisch- und Geflügelprodukten am Fleisch, im Auftauwasser und an Küchengeräten befinden. Auch infizierte Menschen sind ansteckend und können bei mangelnder Hygiene per Schmierinfektion über Hände, Türklinken und ähnliches für die weitere Ausbreitung von Campylobacter sorgen. Deshalb ist eine sorgfältige Hygiene unbedingt notwendig.

1. Küchenhygiene

  • Nach der Zubereitung von Fleisch – vor allem bei Geflügel – sämtliche verwendete Küchenutensilien, wie Brettchen, Messer, Arbeitsflächen etc., sofort heiß und gründlich waschen und nichts anderes mit diesen in Kontakt kommen lassen. Selbstverständlich auch die Hände nach dem Berühren von rohem Fleisch gründlich waschen.

  • Hackfleisch und Geflügel immer durchgaren!

  • Handtücher und Spüllappen regelmäßig bei 60°C waschen. Spülbürsten und Schwämme regelmäßig wechseln oder ebenfalls heiß waschen.

  • Rohes Fleisch und Geflügel sollten nie unter dem Wasserhahn abgewaschen werden, weil sich die Keime durch das Spritzwasser noch weiter verteilen können.

2. Händehygiene & Sonstiges

  • Richtiges Händewaschen nach jedem Toilettengang (oder nach dem Wickeln eines erkrankten Kindes), vor dem Essen und nach jedem Kontakt mit rohem Fleisch. Die Hände mit einem sauberen Tuch gründlich abtrocknen. Stillende Frauen sollten vor dem Stillen gründlich Händewaschen.
  • Erkrankte Personen sollten im Badezimmer unbedingt ein eigenes Handtuch und einen eigenen Waschlappen haben, die ebenfalls regelmäßig bei 60°C gewaschen werden.

Wenn Ihr Kind betroffen ist, müssen Sie die Einrichtung (KiTa, Kindergarten oder Schule) darüber informieren, dass eine Infektion mit Campylobacter besteht und das Kind unbedingt zuhause lassen. Menschen, die mit Lebensmitteln arbeiten, dürfen bei der meldepflichtigen Erkrankung nicht arbeiten gehen, um eine weitere Ausbreitung von Campylobacter zu verhindern.

Spätfolgen einer Campylobacter-Infektion

Komplikationen und Spätfolgen sind nach einer Campylobacter-Infektion selten. Dennoch können manchmal Spätfolgen in Form von Arthritis, Meningitis, Gesichtslähmung (Facialisparese) oder in sehr seltenen Fällen des Guillain-Barré-Syndroms auftreten. Ursache für die Spätfolgen von Campylobacter sind spezifische Antikörper, die bei der Infektion gebildet werden und sich auch gegen die Nervenzellen im Körper richten können.

Hygienetipps für die Küche

Autor:
Letzte Aktualisierung:05. Februar 2018
Quellen: Online-Informationen des RKI: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Campylobacter.html (Abruf: Januar 2018); Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): http://www.bfr.bund.de/de/campylobacter-54346.html (Abruf: Januar 2018); Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/campylobacter/ (Abruf: Januar 2018); Online-Informationen der European Food Safety Authority: https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/campylobacter (Abruf: Januar 2018)

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