Infektion des Verdauungstrakts

Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis): Was tun bei Brechdurchfall?

Eine Gastroenteritis oder Magen-Darm-Grippe ist meist kurz, ihre Symptome aber heftig. Bei Kindern und älteren Menschen kann Brechdurchfall sogar lebensbedrohliche Austrocknung hervorrufen.

magen darm grippe
Die Gastroenteritis oder Magen-Darm-Grippe kommt plötzlich und heftig.
© iStock.com/AndreyPopov

Die Magen-Darm-Grippe (auch Gastoenteritis oder umgangssprachlich Brechdurchfall genannt) ist eine durch Viren ausgelöste Entzündung des menschlichen Magen-Darm-Trakts. Zu den Erregern gehören unter anderem Noroviren, Rotaviren, Astro- sowie Adenoviren.

Magen-Darm-Grippe: Was tun, wenn es mich erwischt hat?

Die Magen-Darm-Grippe ist eine sehr häufige Erkrankung, wobei die virale Gastroenteritis vor allem in den Wintermonaten vorkommt. Der Infekt verläuft in den meisten Fällen heftig, aber harmlos. Gerade bei Kindern besteht jedoch die Gefahr, dass eine Infektion mit Noro- oder Rotaviren durch den Flüssigkeitsverlust zu Kreislaufproblemen führt.

Gastroenteritis durch Viren, Bakterien oder Einzeller

Deswegen ist es gerade bei jungen sowie älteren Patienten wichtig, dem Körper durch den Brechdurchfall verlorengegangenes Wasser und Mineralsalze wieder zuzuführen (Rehydration).

Abgesehen von Viren können auch Bakterien eine Gastroenteritis auslösen. Dabei gehören Salmonellen, Campylobacter und Ehec zu den potenziellen Schluldigen. Desweiteren können einzellige Parasiten eine Magen-Darm-Grippe verursachen, ein Beispiel dafür ist die sogenannte Amöbenruhr.  

Brechdurchfall: Diese Symptome sprechen für Magen-Darm-Grippe

Wie der Begriff Brechdurchfall nahelegt, sind Durchfall, Übelkeit und Erbrechen die Symptome einer Gastroenteritis. Durchfall ist dabei das häufigste Anzeichen einer Gastroenteritis, es tritt aber nicht zwingend auf. Auch Übelkeit und Bauchkrämpfe sind häufig, aber nicht jeder Patient erlebt sie.

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Die teils heftigen Beschwerden der Magen-Darm-Grippe belasten Patienten in der Regel nur wenige Tage lang. Kommt es aber zusätzlich zum wässrigen Durchfall zu Blut im Stuhl oder hohem Fieber, ist die Magen-Darm-Grippe ein Fall für den Arzt. Der anhaltende Flüssigkeitsverlust (Dehydratation) kann zur Austrocknung (Exsikkose) führen. Deutlichstes Anzeichen eines gefährlichen Absinkens des Wasseranteils im Körper: Eine auf dem Handrücken aufgeworfene Hautfalte bleibt nach dem Loslassen stehen. 

Unspezifische Symptome einer Magen-Darm-Grippe

Außerdem kann eine Magen-Darm-Grippe mit schweren, krampfartigen Bauchschmerzen und lauten Darmgeräuschen einhergehen. Auch allgemeinere Symptome wie Fieber, Schwindel und ein Erschöpfungsgefühl sind typisch für eine Gastroenteritis.

Ursachen der Gastroenteritis

Während bei Säuglingen meist Rotaviren die für sie gefährliche Magen-Darm-Grippe auslösen, sind unter Erwachsenen Noroviren der häufigste Erregertyp. Neben verschiedensten Virustypen können Bakterien eine Gastroenteritis auslösen. Zu den Erregerspezies gehören Salmonellen, Shigellen, Campylobacter, Clostridien, Listerien und Yersinien.

Auch Einzeller können Gastroenteritis hervorrufen

Seltener lösen einzellige Parasiten (Giardia, Amöben) Brechdurchfall aus, die zugehörigen Krankheitsbilder heißen Lamblien- beziehungsweise Amöbenruhr.

Magen-Darm-Grippe wird durch eine (fäkal-orale) Schmierinfektion übertragen, aber auch eine Tröpfcheninfektion durch feine Partikel von Erbrochenem ist möglich. Viele Erreger der Gastroenteritis sind hochinfektiös, Schutz vor Brechdurchfall bietet nur sehr sorgfältige Hygiene und Abstand zu Erkrankten.

Magen-Darm-Grippe: wichtige Hinweise für die Diagnose

Die Diagnose einer Magen-Darm-Grippe erfordert selten mehr als die Schilderung der Symptome. Auch Fälle der hochansteckenden Gastroenteritis in der Familie und ein Druckschmerz im Unterbauch sowie Darmgeräusche sind ein deutliches Indiz für den Arzt. Oft lässt sich der kurze Magen-Darm-Infekt aber ohnehin zu Hause auskurieren. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es jedoch zu einem lebensbedrohlichen Flüssigkeitsverlust kommen. Deshalb gehören sie auf alle Fälle in medizinische Betreuung.

Stuhlprobe zum Erregernachweis bei Gastroenteritis

Nur wenn eine Gastroenteritis ungewöhnlich schwer oder lang verläuft sowie wenn viel Schleim oder Blut im Stuhl sind, muss man mit Magen-Darm-Grippe zum Arzt. Bei Bedarf schickt er eine Stuhlprobe ins Labor, um die Erreger der Gastroenteritis zu identifizieren. Allerdings beschränkt sich der Erregernachweis auf Bakterien und Toxine, Noro- oder Rotaviren können damit also nicht erfasst werden. Um den Gehalt von Elektrolyten im Blut zu ermitteln, bieten sich ein Blutbild an.

Therapie bei Magen-Darm-Grippe: Was hilft gegen Brechdurchfall?

Die einfachste Therapie einer unkomplizierten Magen-Darm-Grippe heißt viel trinken, um den Wasserverlust auszugleichen. Reicht das nicht oder halten die Beschwerden an, greift eine symptomatische Therapie der Gastroenteritis. Der Wirkstoff Dimenhydrinat etwa kann Übelkeit und Erbrechen lindern. Magentropfen mit dem Pflanzenderivat Butylscopolamin wirken bei Brechdurchfall entkrampfend.

Was tun bei Durchfall? Nichts essen, Tabletten aus der Apotheke

Gegen akuten, wässrigen Durchfall helfen die Wirkstoffe Racecadotril und Loperamid, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Daneben werden Kapseln mit medizinischer Hefe (Saccharomyces boulardii) angeboten, die auch Schwangere und Kinder einnehmen dürfen. Ein weiteres Mittel, das die Symptome der Gastroenteritis lindert, ergreifen Patienten oft ganz automatisch: die sogenannte Nahrungskarenz, also den Verzicht auf Nahrung im Rahmen einer Therapie.

Cola und Salzstangen gegen Magen-Darm-Grippe gelten als überholt

Wer lieber zu Hausmitteln gegen Durchfall und Übelkeit greift, besaß lange Zeit den Segen seines Hausarztes, Cola und Salzstangen oder Salzbrezeln zu sich zu nehmen, um die Symptome der Magen-Darm-Grippe zu bekämpfen. Dieser gerade bei Kindern beliebte Rat gilt mittlerweile als überholt. Mit Koffein und viel Zucker eignet sich Cola nicht, um den Brechdurchfall der Kleinen zu lindern.

Besser helfen Zwieback und dezent gezuckerter Tee, um wieder zu Kräften zu kommen. Noch besser wirken spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke. Sie enthalten Traubenzucker und Mineralsalze, die der Körper durch Durchfall und Erbrechen im Übermaß ausscheidet. Leichte Kost wie Weißbrot und Bananen ist selbst für Magen-Darm-Patienten gut verdaulich.

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Während bei akutem Durchfall von Milchprodukten abzuraten ist - sie können den gereizten Darm blähen - eignen sich probiotische Joghurts zur Vorbeugung von Durchfall durch Antibiotika und helfen dem Darm, sich nach einer Gastroenteritis wieder zu erholen.

So verläuft die Gastroenteritis

Ähnlich wie der Erreger nach der Schmierinfektion, wandern auch die Symptome der Gastroenteritis im Körper sozusagen von oben (Mund, Magen) nach unten in den Darm. Patienten bemerken also meist als erstes Anzeichen die Appetitlosigkeit in Form eines flauen Magens, bevor heftige Übelkeit und plötzlicher, schwerer Durchfall sowie Erbrechen sie heimsuchen.

So schnell, wie der Brechdurchfall aufgetaucht ist, verschwindet er bei ansonsten gesunden Erwachsenen in der Regel auch wieder. Die Magen-Darm-Grippe dauert einen bis wenige Tag(e), in seltenen Fällen knapp eine Woche.

Schwere Verläufe der Magen-Darm-Grippe sind selten

Bei Kindern und älteren Menschen kann es im Verlauf der Gastroenteritis jedoch zu Komplikationen kommen. Dazu zählen durch schwere Durchfälle und anhaltendes Erbrechen bedingte Wasser- und Elektrolytverluste, Volumenmangelschock oder schwere Unterzuckerung und Kreislaufkollaps.

In seltenen Fällen können solche Komplikationen einer Magen-Darm-Grippe mit dem Tod enden. Treten Symptome der Austrocknung (Exsikkose) oder hohes Fieber auf, ist deshalb ein Arztbesuch angesagt. Das selbe gilt, wenn schwerer Durchfall länger als drei Tage besteht.

Kann man der Magen-Darm-Grippe vorbeugen?

Noroviren, die Gastroenteritis bei Erwachsenen auslösen, sind hochansteckend und robust. Um Epidemien zu vermeiden, ist deshalb eine sorgfältige Hygiene wichtig. Zu den effektivsten Maßnahmen gehören Händewaschen (eine halbe Minute mit lauwarmem Wasser und Seife) und die Desinfektion von gemeinsam genutzten Gegenständen wie Telefon, Tastatur, Lichtschaltern.

Wenn möglich, benutzt der Patient mit Magen-Darm-Grippe eine separate Toilette, um die übrigen Familienmitglieder vor den Viren zu schützen. Denn neben einer Schmierinfektion über Viren im Kot ist auch eine Übertragung der Gastroenteritis über winzige Tröpfchen von schlagartig Erbrochenem möglich (Tröpfcheninfektion).

Rotaviren-Impfung schützt Babys vor Magen-Darm-Infekten

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Rotaviren lösen besonders bei Kindern schwere Durchfälle aus.
Getty Images/iStockphoto

Gegen Rotaviren, die vorrangigen Auslöser einer Gastroenteritis bei Babys und Kindern, gibt es zudem eine Schutzimpfung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts (RKI) empfiehlt seit 2013, alle Säuglinge ab sechs Wochen inklusive Frühchen mit der Schluckimpfung vor einer Rotaviren-Infektion zu schützen. Ungeimpfte Kinder fangen sich die Viren mit annähernd hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit bis zum fünften Geburtstag ein. Weltweit sterben pro Jahr nach Angaben des RKI etwa eine halbe Million Kinder nach der Ansteckung mit Rotaviren.

Bakterien und Viren, die eine Gastroenteritis auslösen, können darüber hinaus auf Nahrungsmitteln sitzen. Gefährdet sind zum Beispiel Weichkäse aus Rohmilch, Fisch, Meeresfrüchte und rohes Obst und Gemüse. Gut Waschen beziehungsweise Durchgaren sind dann die besten Methoden, um die Erreger der Magen-Darm-Grippe unschädlich zu machen.

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Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Durchfall/Übelkeit
    magen darm grippe?
    08.10.2010 | 05:00 Uhr

    hi ich wollte mal nachfragen ob bei einer magen darm grippe es auch vorkommen kann das man...   mehr...

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