Gutartiger oder bösartiger Hirntumor

Hirntumor: Symptome und Heilungschancen

Die Bezeichnung Hirntumor ist ein Oberbegriff für zahlreiche verschiedene Tumore des zentralen Nervensystems. Hirntumore können gut- oder bösartig sein und unterscheiden sich in ihrem Wachstumsverhalten.

Gehirn
Ein Tumor kann sich an verschiedenen Stellen des Gehirns bilden.
iStock

Ein Hirntumor ist eine Geschwulst des Zentralnervensystems (ZNS). Insgesamt unterscheiden Neurologen über 130 verschiedene Arten von Hirntumoren. Diese lassen sich anhand ihrer Zellstruktur und hinsichtlich ihrer Art zu wachsen einteilen. Ein Hirntumor kann gut- oder bösartig sein.

Gehirn: Mythen und überraschende Fakten

Zusätzlich grenzen Ärzte primäre von sekundären Hirntumoren ab. Während ein primärer Hirntumor (hirneigener Tumor) vom ZNS selbst ausgeht, handelt es sich bei sekundären Tumoren im Gehirn meist um Tochtergeschwulste – sogenannten Metastasen. Diese können entstehen, wenn sich Krebszellen von einem anderen Organ, zum Beispiel einem Tumor der Lunge oder der Brust, lösen und über die Blutbahn zum Gehirn gelangen.

Bösartige Hirntumore eher selten

Von allen Krebserkrankungen entfällt bei Erwachsenen ein relativ kleiner Anteil auf bösartige Hirntumore. So erkranken jährlich etwas weniger als zehn Männer und rund sieben Frauen von 100.000 Menschen in Deutschland an einem bösartigen, primären Hirntumor. Hingegen kommen Hirnmetastasen bei Erwachsenen deutlich häufiger vor.

Zu den häufigsten primären Hirntumoren zählen:

  • Meningeome (überwiegend gutartige Tumore, die von der Hirnhaut ausgehen)

  • Glioblastome (Ursprung sind die sogenannten Gliazellen, die den Nervenzellen des Gehirns unter anderem als Stützgerüst dienen)

  • Tumoren der Hypophyse (Geschwulste der Hirnanhangdrüse, die eine zentrale Funktion im Hormonhaushalt übernimmt)

Hirntumor bei Kindern

Anders ist die Situation bei Kindern und Jugendlichen.  In der Häufigkeitsstatistik  folgen Hirntumore nach Leukämie an zweiter Stelle der häufigsten Krebserkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Folgende Formen von Hirntumor sind bei Kindern besonders häufig:

  • Astrozytome (gehen aus Astrozyten hervor, die ebenfalls zum Stützgerüst der Nervenzellen zählen)

  • Embryonale Hirntumore (entstehen während der Embryonalentwicklung)

  • Ependymome (von Ependymzellen – speziellen Zellen im Gehirn – ausgehende Tumore)

Hirntumoren wachsen unterschiedlich schnell

Hinsichtlich seines Wachstums kann sich ein Glioblastome – abhängig von seiner Art – sehr unterschiedlich verhalten. Manche Tumore wachsen als solide, gegenüber dem umgebenden Gewebe gut abgegrenzte Geschwulste, während andere wiederum ihre Umgebung diffus durchsetzen. Auch in der Wachstumsgeschwindigkeit unterscheiden sich die verschiedenen Tumorarten.

Anzeichen: Welche Symptome verursacht ein Hirntumor?

Ein Hirntumor kann unterschiedliche Symptome hervorrufen, je nachdem in welcher Hirnregion er wächst und wie groß er ist. Zu Beginn ruft ein Hirntumor mitunter recht unspezifische Symptome hervorrufen, das heißt die Krankheitszeichen kommen auch bei vielen anderen Krankheiten vor.

Sehstörung
Sehstörungen und Kopfschmerzen können Anzeichen eines Hirntumors sein. Doch es gibt noch eine ganze Reihe anderer Symptome, etwa eine Wesensveränderung.
Fotolia

Hinzu kommt, dass das Gehirn viele verschiedene komplexe Funktionen im Körper steuert. Daher kann ein Hirntumor ganz unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, je nachdem an welcher Stelle er sich befindet.

Bei einem Hirntumor sind folgende Symptome häufig:

Das Gehirn ist vollständig von dem Schädelknochen umhüllt. Wächst ein Hirntumor, steigt folglich der Druck auf seine Umgebung. Typische Anzeichen eines gesteigerten Hirndrucks sind:

  • Kopfschmerzen, vor allem, wenn sie neuerdings auftreten und sich durch längeres Liegen verstärken (vor allem nachts und morgens)

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Sehstörungen

  • Benommenheit

Folgende neurologische Störungen können bei einem Hirntumor als Symptome auftreten:

  • Lähmungserscheinungen einzelner Gliedmaßen oder einer Körperhälfte

  • Sensibilitätsstörungen, wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle

  • Koordinationsstörungen

  • Sprachstörungen

  • Probleme beim Schlucken

  • epileptische Anfälle

  • Gedächtnisprobleme, Verwirrtheit

  • Wesensveränderungen

Ein Hirntumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ruft verschiedene Hormonstörungen hervor, die ihrerseits eine Reihe von Symptomen nach sich ziehen.

Neu auftretende Kopfschmerzen vom Arzt abklären lassen

Wie schnell ein Hirntumor wächst, ist bei den einzelnen Tumorarten unterschiedlich. So können Tumore, die sehr langsam wachsen, über längere Zeit keine Probleme bereiten. Tendenziell nehmen bei einem Hirntumor die Symptome im Laufe der Zeit aber immer weiter zu. Daher sollten Sie Beschwerden wie neu auftretende Kopfschmerzen, die anhalten oder an Intensität zunehmen, durch einen Arzt abklären lassen.

Ursachen und Risikofaktoren: Warum bildet sich ein Hirntumor?

Bei einem Hirntumor sind die genauen Ursachen unbekannt. Die Vermutung, dass elektromagnetische Strahlung (etwa beim Telefonieren mit dem Handy) das Risiko für Hirntumore steigert, ließ sich bislang nicht nachweisen. Weder Stress, noch der Ernährungsstil oder eine ungesunde Lebensweise scheinen einen Einfluss auf die Entstehung eines Hirntumors zu haben. Auch gibt es keine Belege, dass Hirnverletzungen bei einem Hirntumor zu den Ursachen zählen.

Die wichtigsten Risikofaktoren für einen Hirntumor

Zwar sind die genauen Ursachen des Hirntumors unbekannt, folgende Risikofaktoren können seine Entstehung jedoch begünstigen:

  • Röntgenstrahlung: Eine Strahlentherapie im Kopfbereich (vor allem bei Kindern) kann das Risiko für einen Hirntumor geringfügig erhöhen.

  • Alter: Statistisch gesehen häufen sich Hirntumore mit zunehmenden Alter.

Manche Erbkrankheiten stehen in Verbindung mit einem Hirntumor

Bei bestimmten, sehr seltenen Erbkrankheiten kommt es öfter zu einem Hirntumor. Ursachen sind angeborene Veränderungen im Erbgut. Zu diesen Krankheiten zählen:

  • Neurofibromatose Typ I (Morbus Recklinghausen): Bei dieser Erkrankung, die auch mit anderen Tumoren einhergeht, kommen Gliome entlang des Sehnervs gehäuft vor.

  • Neurofibromatose Typ II: Bei dieser Form treten häufiger sogenannte Akustikusneurinome auf. Dies sind Tumore, die entlang des Hör- und Gleichgewichtsnervs (8. Gehirnnerv) auftreten.

  • Turcot-Syndrom: Neben Darmpolypen entstehen bei dieser Erbkrankheit bei Kindern gehäuft Kleinhirntumore (Medulloblastome), bei Erwachsenen Glioblastome.

  • Hippel-Lindau-Syndrom: Typisch sind hier Tumore der Blutgefäße (Hämangiome) am Auge und im Gehirn.

  • Li-Fraumeni-Syndrom: Erkrankte haben ein erhöhtes Risiko für Tumore unterschiedlicher Organsysteme. Ein häufiger Hirntumor bei diesem Syndrom ist das Astrozytom.

Tests und Untersuchungen zur Diagnose: Daran erkennen Mediziner die Hirntumor-Erkrankung

Um bei einem Hirntumor die Diagnose zu stellen, befragt der Arzt seinen Patienten zunächst nach den Beschwerden und seit wann diese bestehen. In der Regel erfolgt im Anschluss eine neurologische Untersuchung.

Oft ist auch eine augenärztliche Untersuchung für die Hirntumor-Diagnose hilfreich, durch die sich Merkmale eines gesteigerten Hirndrucks aufdecken lassen. Bei Schwindel oder Hörstörungen erfolgt zudem eine Untersuchung durch einen HNO-Arzt.

Besteht der Verdacht auf einen Hirntumor erfolgt in der Regel eine der folgenden bildgebenden Untersuchungen:

  • Computertomographie (CT): Mithilfe von Röntgenstrahlung fertigt das Gerät Schichtaufnahmen des Kopfs an. Lage und Ausdehnung des Hirntumors lassen sich so meist gut erkennen. In manchen Fällen setzen Ärzte zusätzlich ein Kontrastmittel ein, um etwa erkranktes Gewebe genauer von gesundem abzugrenzen. Nachteil der Methode ist die relativ hohe Strahlenbelastung.

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Auch dieses Verfahren liefert Schnittbilder des Kopfs, allerdings entstehen diese mithilfe von Magnetfeldern, wodurch eine Strahlenbelastung entfällt. Auch hier kommen Kontrastmittel zum Einsatz.

  • Magnetresonanz-Spektroskopie (MRS): Die Methode ermöglicht es bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn sichtbar zu machen und leitet sich von der Magnetresonanztomographie ab.

  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Für dieses Verfahren erhält der Patient eine spezielle radioaktive Substanz über die Vene. Zellen mit erhöhter Stoffwechselaktivität – wie Tumorzellen – nehmen diese bevorzugt auf. Bereiche in denen sich viel radioaktive Substanz angereichert hat, stellen sich im Bild farbig dar. Die Methode wird mit der Computertomographie kombiniert.

Um einen Hirntumor bezüglich seiner genauen Beschaffenheit (Zellart, Wachstumsverhalten) zu beurteilen, ist eine Entnahme von Tumorgewebe (Biopsie) notwendig.

Therapie-Optionen bei Hirntumor

Die Hirntumor-Behandlung fußt im Prinzip auf drei Säulen: der Operation, Strahlentherapie sowie Chemotherapie. Weitere Verfahren ergänzen die Behandlung, indem sie etwa Beschwerden lindern.

Bei einem Hirntumor hängt die Therapie vom jeweiligen Fall ab, das heißt, nicht jede Behandlungsform ist für jeden Patienten geeignet. Der Arzt stimmt daher die entsprechende Therapie mit dem Betroffenen genau ab und informiert ihn über die einzelnen Vor- und Nachteile. Ziel der Therapie ist es, den Hirntumor wenn möglich vollständig zu entfernen. Da dies nicht in jedem Fall möglich ist, richten sich die Behandlungsmaßnahmen auch darauf, die Lebensqualität zu verbessern beziehungsweise zu erhalten. 

Folgende Maßnahmen kommen bei der Hirntumor-Therapie zum Einsatz:

Operation:

Liegt der Hirntumor an einer Stelle des Gehirns, die einer Operation zugänglich ist, versuchen Ärzte in aller Regel, die Geschwulst chirurgisch zu entfernen. Vor allem wenn der Hirntumor rasch wächst und dadurch auf umliegende Hirnregionen drückt, ist eine Operation  – soweit möglich – erforderlich. Dabei entfernt der Neurochirurg solide, gut abgegrenzte Tumoren in der Regel vollständig, aber auch bei Hirntumoren, die unregelmäßig in das Gewebe einwachsen, kann es sinnvoll sein, einen Teil des Tumors in einer Operation zu entfernen. Verursacht der Hirntumor einen Stau des Nervenwassers (Liquor cerebrospinalis), können Ärzte im Rahmen des Eingriff ein Abflussventil (sogenannter Shunt) einsetzen. Häufig stellt die Operation den ersten Schritt in der Therapie eines Gehirntumors dar, an den weitere Behandlungsformen wie Strahlen- oder Chemotherapie anschließen.

Strahlentherapie:

Eine Strahlentherapie kommt besonders dann infrage, wenn der Hirntumor sich mit der OP nicht vollständig entfernen ließ oder der Verdacht besteht, dass noch mikroskopisch kleine Tumorzellen zurückgeblieben sind. Durch die Bestrahlung sollen diese zerstört beziehungsweise am weiteren Wachstum gehindert werden. Moderne Bestrahlungsgeräte richten die Röntgenstrahlen sehr gezielt auf die gewünschte Region und schonen gleichzeitig das umliegende Gewebe.

Chemotherapie:

Eine Chemotherapie kommt dann infrage, wenn der Hirntumor sich aus bösartigen Zellen – also Krebszellen – zusammensetzt. Im Gegensatz zu gesunden Körperzellen verhalten sich Krebszellen anders und teilen sich besonders häufig. Die eingesetzte Wirkstoffe – sogenannte Zytostatika – wirken insbesondere auf Zellen, die sich schnell teilen, indem sie diese abtöten oder am Wachstum hindern. Aber auch gesunde Zellen bestimmter Gewebe teilen sich häufig, sodass die Medikamente sie ebenfalls schädigen. Daher ruft eine Chemotherapie auch Nebenwirkungen hervor, zum Beispiel Blutbildveränderungen, Erbrechen und Durchfall. Haarausfall hingegen tritt bei den Zytostatika, die gegen Hirntumore zum Einsatz kommen, relativ selten auf. Einige der Nebenwirkungen, wie Übelkeit,  lassen sich jedoch oft gut durch Medikamente lindern. Im Rahmen der Chemotherapie können Keimzellen (Ei- oder Samenzellen) geschädigt werden und als Folge die Fruchtbarkeit einschränken.

Neue zur Behandlung von Hirntumoren: Immuntherapie

Weitere Behandlungsmaßnahmen richten sich nach den jeweiligen Beschwerden des Betroffenen. Eine Hoffnung für die Behandlung von Hirntumoren liegt zudem in der sogenannten Immuntherapie. Aktuell unternehmen viele Wissenschaftler große Anstrengungen, um effektive Behandlungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Immuntherapie voranzutreiben. Allerdings liegen bisher noch keine ausreichenden Untersuchungsergebnisse vor, sodass die Immuntherapie noch nicht zum Standard der Hirntumor-Therapie zählt.

Verlauf: Prognose und Heilungschancen bei einem Hirntumor

Bei einem Hirntumor lässt sich der Verlauf nicht grundsätzlich vorhersagen. Bei manchen Tumorarten sind die Heilungschancen günstig, bei anderen gilt eine Heilung als unwahrscheinlich. Die Erfolgsaussichten bei der Behandlung eines Hirntumors hängen unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Lage des Hirntumors

  • Art der Tumorzellen und damit verbundenes Wachstumsverhalten

  • Empfindlichkeit der Tumorzellen auf Strahlen- und Chemotherapie

Lebensqualität erhalten trotz Hirntumor

Auch wenn nicht in jedem Fall bei einem Hirntumor eine Heilung möglich ist, können moderne Behandlungsverfahren viel dazu beitragen, die Lebensqualität zu erhalten und vorhandene Beschwerden zu lindern. Viele Betroffene und deren Angehörige empfinden die Erkrankung seelisch sehr belastend. Daher ist eine psychoonkologische Unterstützung in vielen Fällen hilfreich.

Kann man einem Hirntumor vorbeugen?

Es gibt keine grundsätzliche Empfehlung, durch die Sie einem Hirntumor vorbeugen können. Sicher ist gesunde Lebenweise auch in diesem Zusammenhang sinnvoll. Liegen bestimmte Risikofaktoren vor, etwa seltene genetische Erkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Hirntumore einhergehen, oder eine frühere Strahlentherapie im Kopfbereich (aufgrund einer anderen Erkrankung), gilt es allerdings, besonders aufmerksam zu sein.

Beim ersten Symptom eines Hirntumors zum Arzt gehen

Treten in diesem Zusammenhang Symptome auf, die auf einen Hirntumor hindeuten könnten, ist es wichtig, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. Kann ein Hirntumor frühzeitig entdeckt und behandelt werden, kann sich dies unter Umständen günstig auf den weiteren Verlauf auswirken.

Oft bildet Krebs Tochtergeschwülste (Metastasen) im Gehirn

Bei vielen Krebserkrankungen besteht das Risiko, dass sich abgeschwemmte Krebszellen unter anderem im Gehirn ansiedeln (Hirnmetastasen). Dies kontrollieren Ärzte daher oft mithilfe bildgebender Verfahren (wie MRT) im Rahmen der Nachsorge, um mögliche Metastasen so früh wie möglich bekämpfen zu können.

Autor:
Letzte Aktualisierung:05. November 2016
Letzte Änderung durch: / sba

Quellen: Gemeinsame Leitlinie der Gesellschaft für Neuropädiatrie und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin: Leitsymptome und Diagnostik der Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 025/022 (Stand: 09/2010) Gleixner, C. et al.: Neurologie und Psychiatrie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014 Online-Informationen der Deutschen Hirntumorhilfe: www.hirntumorhilfe.de (Abruf: 22.10.2014) Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 22.10.2014)

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang