Therapien A bis Z

Chemotherapie

Die Chemotherapie spielt heute vor allem bei der Behandlung von Krebserkrankungen eine Rolle, meist zur Behandlung bösartiger Tumore. Wie die Therapie funktioniert, welche Nebenwirkungen auftreten.

Chemotherapie bei Krebs
Die Chemotherapie spielt heute in der Krebsbehandlung eine wichtige Rolle.
© iStock.com/KatarzynaBialasiewicz

Der Begriff "Chemotherapie" beschreibt jede Behandlung von Krankheiten mit Medikamenten, die das Wachstum von Zellen behindern und die Zellen zum Absterben bringen. Der Ursprung der Chemotherapie liegt in der Entwicklung chemischer Substanzen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Auch heute sprechen Mediziner beim Einsatz von Antibiotika gegen Bakterien oder Medikamenten gegen Viren und Pilze von einer Chemotherapie.

Chemotherapie in der Krebsbehandlung

Heute wird der Begriff Chemotherapie allerdings vorwiegend zur Bezeichnung einer Behandlungsform bei Krebserkrankungen verwendet. Verstanden wird darunter die Therapie bösartiger Tumoren mit chemischen Substanzen, die in den Vermehrungszyklus der Krebszellen eingreifen und so deren Wachstum und Teilung beeinträchtigen.

Die eingesetzten Medikamente werden als Zytostatika (griech. kytos = Zelle; statikos = zum Stehen bringend), umgangssprachlich als "Zellgifte" bezeichnet. Besonders gut entfalten sie ihre Wirkung bei Zellen, die sich gerade in der Vermehrungsphase befinden und sich teilen. Da sich Krebszellen in der Regel sehr viel schneller und öfter als gesunde Zellen teilen, reagieren sie sehr empfindlich auf die Wirkung der Zytostatika.

Eine Chemotherapie wird eingesetzt, um die Krankheit zu heilen (kurativ) oder den Krankheitsverlauf zu verzögern und Beschwerden zu lindern (palliativ). Sie erfolgt in Tablettenform oder mittels Infusionen, ambulant oder stationär.

Die Chemotherapie wirkt im ganzen Körper

Die Entwicklung der Chemotherapie für die Behandlung von Krebs war bahnbrechend. Erstmals wurde es möglich, auch fortgeschrittene Krankheitsstadien zu behandeln, in denen bereits Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in Organen vorliegen. Möglich ist dies, weil eine Chemotherapie im Gegensatz zur Operation oder Strahlentherapie im ganzen Körper, also systemisch wirkt. Die Wirkstoffe werden über das Blut in nahezu alle Organe und Körpergewebe transportiert. Sie können dadurch auch Krebszellen zerstören, die sich über ihren Ursprungsort hinaus ausgebreitet haben.

Bei Krebserkrankungen, die den ganzen Körper betreffen – wie zum Beispiel Blutkrebs (Leukämie) – ist die Chemotherapie oft sogar die einzige oder wichtigste Behandlungsform. Auch örtliche (lokale) Chemotherapien sind inzwischen möglich, bei denen die Zytostatika mithilfe spezieller Techniken (zum Beispiel mittels eines Gefäß-Katheters bei der Chemoembolisation) unmittelbar an den Tumor gebracht werden, etwa bei Leberzellkrebs oder Harnblasenkrebs.

Behandlungskosten

Die Kosten für eine Chemotherapie im Rahmen einer Krebserkrankung werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Fallen während oder nach der Chemotherapie die Haare aus, können die Kosten für eine Perücke ebenfalls von der Krankenkasse erstattet werden.

Petechien: Einblutungen in die Haut

Petechien sind eine Form der Purpura: Blutungen der feinen Kapillargefäße, die sich durch kleine rote Punkte an der Hautoberfläche äußern. Auch die Schleimhäute können betroffen sein. Petechien können verschiedene Ursachen haben, wie eine Blutgerinnungsstörung oder ein mechanisches Trauma. Meist sind Petechien harmlos, es können allerdings gefährliche Erkrankungen dahinterstecken. Sie treten vorwiegend an den Armen und Beinen auf, kommen aber auch an anderen Körperstellen vor.

Artikelinhalte im Überblick:

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Petechien erkennen: Das sind die Merkmale

Kleine rote Punkte auf der Haut halten die meisten Menschen zunächst für einen Ausschlag oder eine andere Hauterkrankung. Auf den ersten Blick ist es nicht so leicht, festzustellen, was die Hautrötung bedeutet. Doch schaut man genauer hin, lassen sich Petechien gut von anderen Hautphänomenen abgrenzen.

So lassen sich Petechien erkennen:

  • Stecknadelkopfgroße Punkte auf der Haut
  • Kommen meist in Ansammlungen vor
  • Kein Juckreiz
  • Keine Schmerzen
  • Farbveränderung von rötlich, über violet-bläulich bis hin zu einem dunkelrot-bräunlichen Farbton – ähnlich wie bei einem Bluterguss

Die Farbänderung der petechialen Einblutungen entsteht dadurch, dass der Körper die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) abbaut und den Blutfarbstoff Hämoglobin spaltet.


Um Petechien von einer Hauterkrankung abzugrenzen, hilft ein einfacher Test: Einen Glasspatel oder auch ein durchsichtiges Trinkglas auf die betroffene Stelle drücken. Ein Ausschlag verblasst durch den Druck, Petechien bleiben gut sichtbar: Kleine Mengen Blut treten aus den Kapillaren aus und sammeln sich in der Haut an – das ausgetretene Blut lässt sich nicht wegdrücken. Bei einem Ausschlag befindet sich das Blut noch in den Gefäßen, durch Druck verschwindet die Rötung.

Petechien: Was sind häufige Ursachen?

Petechien sind ein Symptom – hinter den punktförmigen Einblutungen können viele Auslöser stecken.

Petechien können durch kleine mechanische Gefäßverletzungen entstehen, beispielsweise durch das Tragen einer schweren Tasche, wenn die Gurtriemen in die Haut einschneiden und lokalen Druck ausüben. Auch ein schlecht sitzender BH-Träger kann die Einblutung verursachen. Kurzzeitig erhöhter Druck in den Gefäßen kann zu Petechien führen, zum Beispiel durch starkes Husten, häufiges Erbrechen oder nach einer Entbindung. In der Rechtsmedizin dienen Petechien im Bereich der Augen als Indiz für eine Strangulation.

Blutplättchen-Mangel: Thrombozytopenie als Ursache

Petechien treten vor allem im Zuge von Blutgerinnungsstörungen auf. Befinden sich im Blut zu wenig Blutplättchen (Thrombozyten), kann es zu den flohstichähnlichen Einblutungen kommen, da die Gefäße nicht mehr ausreichend abgedichtet werden. Kleine Sickerblutungen in das umliegende Gewebe sind dann auch ohne Verletzung möglich. Die Blutungsneigung ist erhöht. Es kommt häufig zu Hämatomen nach minimalsten Stößen und Verletzungen – auch Nasen- und Zahnfleischbluten sind ein häufiges Symptom der Thrombozytopenie. Bei Frauen kann es zu einer anhaltenden Periodenblutung kommen. Diese kann durch Erkrankungen des Knochenmarks ausgelöst werden.

Ursachen für eine Thrombozytopenie können sein:

  • Leukämie: Im Zuge des weißen Blutkrebses werden zu viele Leukozyten (weiße Blutkörperchen) gebildet, aber zu wenig Blutplättchen und Erythrozyten (rote Blutkörperchen).

  • Bösartige Lymphome: Auch eine Krebserkrankung des lympathischen Systems wie Morbus Hodgkin können die Thrombozytopenie verursachen.

  • Multiples Myelom (Plastozytom): Bei dieser Krebsform ist das Knochenmark betroffen und infolgedessen kann es zu einer verminderten Bildung der Blutplättchen kommen.

  • Chemotherapie und Bestrahlung: Im Rahmen der Krebstherapie werden neben den Krebszellen auch die blutbildenden Stammzellen abgetötet, sodass der Körper keine Blutzellen mehr bildet.

  • Immunthrombozythopenie (Morbus Werlhof): Thrombozyten haben eine verkürzte Lebensdauer, weil der Körper gegen sie Antikörper bildet.

Auch Medikamente können Petechien auslösen:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Antibiotika (Sulfonamid, Penicillin, Nitrofurane)
  • Warfarin und Heparin
  • Antiepileptika
  • Antidepressiva

Verletzungen und Entzündungen der Gefäße

Bei einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) insbesondere der feinen Gefäße kann es zu Petechien kommen. In der Regel handelt es sich bei Vaskulitiden um Autoimmunerkrankungen, bei denen die Gefäße vom Immunsystem angegriffen werden.

Purpura Schönlein-Henoch ist eine Form der Vaskulitis, die insbesondere bei (Klein-)Kindern vorkommt. Sie tritt meist nach einem Infekt auf. Antikörper lagern sich an den Gefäßwänden ab und rufen eine Immunreaktion hervor, durch die die Gefäße angegriffen werden. Die Folge sind Petechien.

Auch altersbedingte Verschleißerscheinungen und erworbene Gefäßschäden zum Beispiel durch Diabetes mellitus können Petechien verursachen.

Infektionskrankheiten als Auslöser von Petechien

Einige Infektionskrankheiten kommen als Ursache von Petechien infrage. Sie sind ein häufiges Symptom bei Tropenkrankheiten. Treten nach einem Auslandsaufenthalt Petechien auf, ist besondere Vorsicht geboten und der behandelnde Arzt sollte über den Reiseort informiert werden, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

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Petechien: So stellt der Arzt die Diagnose

Zunächst wird der Arzt die betroffene Stelle genau untersuchen, um sicherzustellen, dass es sich um Petechien handelt und nicht doch eine Hautkrankheit die Rötung verursacht. Ein großes Blutbild und andere Laborwerte können Hinweise auf die Ursache geben. Auch der Urin kann zur Abklärung untersucht werden.

Fragen nach weiteren Symptomen, eingenommenen Medikamenten, körperliche Belastung und Verletzungen sowie kurz zurückliegende Fernreisen gehören zu einer umfassenden Diagnose: Findet der Arzt die Ursache der kleinen Einblutungen kann er eine geeignete Behandlung einleiten. Diese richtet sich nach der Ursache, nicht nach dem Symptom.

Petechien: Wann zum Arzt?

Treten Petechien auf, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Zwar sind die kleinen roten Punkte auf der Haut meist harmlos, es kann jedoch auch eine behandlungsbedürftige Erkrankung zugrundeliegen.

Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt, aber auch ein Dermatologe sein. Falls Auffälligkeiten des Hämatokritwerts festzustellen sind, also in der Zusammensetzung der festen Bestandteile des Blutes, kann ein Hämatologe die weitere Behandlung und Untersuchung übernehmen.

Bei welchen Krebsarten die Chemotherapie eingesetzt wird

Bei vielen Krebserkrankungen spielt die Chemotherapie – als alleinige Behandlungsoption oder in Kombination mit anderen Therapien – eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei:

Die Entscheidung, ob eine Chemotherapie geeignet ist oder nicht, wird an den jeweils gültigen Leitlinien ausgerichtet, die auf Erfahrungen aus klinischen Studien beruhen. Gleichzeitig ist es möglich, im individuellen Fall die Empfindlichkeit des Tumorgewebes gegenüber der angedachten Chemotherapie zu testen. Stellt sich dabei heraus, dass ein Tumor resistent gegenüber den Mitteln ist, müssen alternative Chemotherapeutika oder alternative Therapien in Betracht gezogen werden.

Dasselbe gilt für bestimmte Tumorarten wie zum Beispiel Bindegewebstumoren im Verdauungstrakt (gastrointestinale Stromatumoren, GIST) die grundsätzlich auf eine Chemotherapie nicht in ausreichendem Maße ansprechen. In diesen Fällen kann dann eine Operation oder andere Form der Behandlung (Gabe von bestimmten Medikamenten) erfolgversprechender sein.

Was vor einer Chemotherapie wichtig ist

Vor Beginn einer Chemotherapie müssen Arzt und Patient abwägen, welche Vorteile und Nebenwirkungen von der Behandlung zu erwarten sind. Besteht bei jungen Patienten beispielsweise noch ein Kinderwunsch, können vorab entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (zum Beispiel Entnahme und Konservierung von Eizellen oder Sperma).

Zudem wird die körperliche Grundverfassung des Patienten untersucht, um Vorerkrankungen festzustellen und Risiken abzuschätzen. Empfehlungen für allgemeine Maßnahmen, zum Beispiel zur Ernährung, werden gegeben, die das Befinden während der Therapie verbessern können. Ebenso können vorbeugende medizinische Maßnahmen ergriffen werden, damit bestimmte Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen gar nicht erst auftreten.

Vorübergehend kann für die Zeit während der Chemotherapie sowie bei besonderen Beschwerden danach eine Schwerbehinderung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit beantragt werden.

So läuft die Chemotherapie ab

Eine Chemotherapie kann mit kurativer, also heilender, Absicht erfolgen, oder in der Palliativbehandlung zur Verzögerung der Krankheit und Linderung von Beschwerden durchgeführt werden. Sie wird in Tablettenform oder als Infusionen verabreicht. Oft findet die Chemotherapie in Ergänzung zu anderen Therapien, insbesondere der Operation, statt. Vor einer Operation handelt es sich um eine neoadjuvante Therapie, nach dem chirurgischen Eingriff um eine adjuvante Therapie.

Chemotherapie vor einer Operation (neoadjuvant): Die operative Entfernung ermöglichen

Bei einigen Tumoren wird eine Chemotherapie vor der Operation, eine sogenannte neoadjuvante Chemotherapie, empfohlen, um den Tumor zu verkleinern. Oft wird es dadurch überhaupt erst möglich, ihn zu operieren, beziehungsweise die Erfolgsaussichten des Eingriffs werden durch die Chemotherapie verbessert.

In manchen Fällen, etwa bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen und bei Krebserkrankungen, die den ganzen Körper betreffen wie Leukämie, kann eine Chemotherapie auch als alleinige Behandlungsform eingesetzt werden.

Chemotherapie nach einer Operation (adjuvant): Das Rückfallrisiko senken

Nur in den selteneren Fällen ist eine Chemotherapie die alleinige Behandlungsform. Meist wird sie unterstützend zur Operation oder zu weiteren Therapien wie der Strahlentherapie angewendet. Das Ziel ist es dabei, alle Krebszellen, die sich noch im Körper befinden, zu zerstören. So vermuten Experten seit längerem, dass viele Tumoren bereits im Frühstadium winzige Tochtergeschwülste im Körper, sogenannte Mikrometastasen, bilden, die aufgrund ihrer geringen Größe mit bildgebenden Verfahren nicht sichtbar sind. Deshalb wird die Chemotherapie oft auch schon bei Krebserkrankungen im Frühstadium eingesetzt, um einen Krankheitsrückfall zu verhindern. Die Therapie erfolgt nach der Operation und wird als adjuvante Chemotherapie bezeichnet.

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Oft eine Kombination mehrerer Wirkstoffe

Um so viele Krebszellen wie möglich in ihren unterschiedlichen Vermehrungsphasen zu erreichen, werden bei einer Chemotherapie meist verschiedene Zytostatika miteinander kombiniert, die in unterschiedliche Phasen des Zellzyklus eingreifen. Beispiele für Zytostatika sind Alkylanzien (Cyclophosphamid), Antimetabolite (Methotrexat, 5-Fluorouracil, Gemcitabin, Capecitabin), Anthrazykline (Doxorubicin, Epirubicin) und Taxane (Paclitaxel, Docetaxel).

Therapie läuft in Zyklen

Eine Chemotherapie bei Krebs wird in Behandlungsphasen, sogenannten Zyklen, durchgeführt. Innerhalb eines Zyklus werden an einem oder mehreren Tagen Zytostatika verabreicht, gefolgt von einer Behandlungspause, die mehrere Tage, Wochen oder Monate anhalten kann. Sie soll dem Körper die Gelegenheit geben, sich von der Strapaze der Behandlung zu erholen und das eigentlich gesunde, aber in Mitleidenschaft gezogene Gewebe zu regenerieren.

Um auch Krebszellen zu zerstören, die sich innerhalb eines Zyklus in einer Ruhephase befanden und deshalb nicht durch die Medikamente erfasst wurden, werden meist mehrere Zyklen durchgeführt, im Durchschnitt vier bis sechs. Es gibt aber auch Chemotherapien, die so lange erfolgen, bis sie ihre Wirksamkeit verloren haben und die Krebszellen unempfindlich (resistent) geworden sind. So zum Beispiel bei bestimmten Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Stadium, wenn keine Heilung mehr möglich ist, der Krankheitsverlauf jedoch durch die Chemotherapie aufgehalten werden kann.

Chemotherapie ambulant und stationär durchführbar

Die Zytostatika werden in den meisten Fällen als Infusionen verabreicht, in manchen Fällen ist auch die Einnahme von Tabletten möglich. Die Therapie muss dabei heute nicht mehr in jedem Fall stationär erfolgen, häufig ist die Durchführung auch ambulant auf den entsprechenden Stationen des Krankenhauses oder bei niedergelassenen Onkologen möglich. Eine Überwachung der Behandlung durch einen erfahrenen Onkologen beziehunsgweise erfahrenes Klinikpersonal ist allerdings notwendig, um auf mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen direkt reagieren zu können.

Eine besondere Form: Hochdosis-Chemotherapie

Eine besondere Form der Chemotherapie ist die sogenannte Hochdosis-Chemotherapie vor einer Stammzelltransplantation bei bestimmten Formen von Blutkrebs und Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen). Dabei wird eine drei- bis fünffach stärkere Dosis der Zytostatika als üblich verabreicht, wodurch das Knochenmark der Patienten vollständig zerstört wird. Die Patienten erhalten anschließend zuvor gesicherte eigene blutbildende Stammzellen zurück (autologe Stammzelltransplantation) oder die blutbildenden Stammzellen eines geeigneten Spenders (allogene Stammzelltransplantation).

Welche Nebenwirkungen hat eine Chemotherapie?

Bei einer Chemotherapie kommt es zu typischen Nebenwirkungen. Besonders oft betroffen ist Gewebe, dessen Zellen sich schnell teilen.

Eine Chemotherapie richtet sich gegen alle Zellen des Körpers, die sich besonders schnell und häufig teilen. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Krebszellen – auch andere Zellen sind betroffen, so zum Beispiel im Bereich der Mundschleimhaut, der Magen- und Darmschleimhaut, der Haarwurzeln und des Knochenmarks. Auch die blutbildenden Zellen können betroffen sein.

Einige Nebenwirkungen treten innerhalb von Stunden oder Tagen nach Behandlungsbeginn der Chemotherapie auf und verschwinden mit dem Ende der Therapie, andere machen sich erst nach Monaten oder sogar Jahren bemerkbar. Der Umfang der Nebenwirkungen hängt in erster Linie von der Art und Dosis der eingesetzten Medikamente sowie der Behandlungsdauer ab. Auch die körperliche Verfassung des Patienten spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Viele Nebenwirkungen der Chemotherapie lassen sich durch begleitende Therapiemaßnahmen verhindern oder zumindest lindern.

Mögliche Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind:

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Appetitlosigkeit, Durchfall, Bauchschmerzen
  • Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Haarausfall
  • Störungen der Blutbildung: Blutarmut (Mangel an roten Blutkörperchen, Anämie) und Gerinnungsstörungen mit erhöhter Blutungsneigung (Mangel an Blutplättchen)
  • Erhöhtes Infektionsrisiko (Mangel an weißen Blutkörperchen)
  • Schwere Erschöpfungszustände (Fatigue)
  • Störungen des Konzentrationsvermögens und Beeinträchtigung des Gedächtnisses
  • Vorübergehende Wechseljahresbeschwerden oder der vorzeitige Eintritt der Wechseljahre bei Frauen
  • Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit bei Männern und Frauen (Infertilität)
  • Steigerung des Risikos für weitere Krebserkrankungen

Beschwerden im Magen-Darm-Trakt

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie. Bei rund einem Drittel der Patienten tritt die Übelkeit unmittelbar im Anschluss an die jeweilige Behandlung auf. Sie kann aber auch mit einer Verzögerung von einigen Tagen einsetzen. Übelkeit und Erbrechen werden von den Patientinnen als große Belastung empfunden und können darüber hinaus zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden führen, die den Erfolg der Tumorbehandlung gefährden. Aus diesem Grund ist der Einsatz sogenannter Antiemetika, die Übelkeit und Erbrechen verhindern oder lindern können, heute fester Bestandteil einer Chemotherapie.

Schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut, auch häufige Nebenwirkung einer Chemotherapie, können durch spezielle Pflegemaßnahmen wie Spülen mit Kochsalz-, Salbei- oder Kamillenlösung gelindert werden.

Chemotherapie kann Störungen der Blutbildung hervorrufen

Störungen der blutbildenden Zellen werden zunächst nur in Veränderungen des Blutbildes bei Laboruntersuchungen sichtbar. Erst bei ausgeprägten Blutbildungsstörungen entstehen Symptome wie anhaltende Schwäche und Erschöpfung durch Blutarmut (Anämie, Verminderung der roten Blutzellen), Störungen der Blutgerinnung mit erhöhter Blutungsneigung (Verminderung der Blutplättchen) und Infektionen (Verminderung der weißen Blutzellen).

Treten im Rahmen einer Chemotherapie Fieber, Schwäche oder Blutungen auf, sollte unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Bei schweren Blutbildungsstörungen können therapeutische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, etwa die Gabe von Wachstumsfaktoren, die die Neubildung von weißen Blutkörperchen anregen (Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktoren), Bluttransfusionen oder die Gabe eines Wachstumshormons, das die Neubildung von roten Blutkörperchen stimuliert (Erythropoetin) sowie die Transfusion von Blutplättchen.

Haarausfall

Der oftmals mit einer Chemotherapie verbundene Haarausfall wird besonders von Frauen als problematisch empfunden. Wirksame Maßnahmen, ihn zu verhindern, gibt es bislang nicht.

Vor Beginn der Behandlung können die Patientinnen ein Rezept für eine Perücke erhalten, die dem eigenen Haar optimal angepasst wird. Eine solche medizinische Perücke besteht aus hochwertigem Kunsthaar, das praktisch nicht mehr von Echthaar zu unterscheiden ist. In der Regel wachsen die Haare nach Abschluss der Krebsbehandlung wieder nach.

Anhaltende schwere Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)

Zustände anhaltender Müdigkeit und Erschöpfung, auch Fatigue genannt, sind eine häufige Erscheinung im Rahmen einer Krebsbehandlung. Sie können eine Folge chemotherapiebedingter Blutarmut (Anämie) sein. In solchen Fällen bessert sich das Befinden der Patientinnen mit der Behandlung der Blutarmut.

Auch längere Zeit nach Abschluss einer Krebstherapie kann eine Fatigue auftreten, die Ursachen dafür liegen noch im Dunkeln. In Untersuchungen wurde beobachtet, dass körperliche Bewegung und Sport dagegen helfen können.

Funktionsstörungen der Eierstöcke durch Chemotherapie

Eine Chemotherapie kann die Eierstöcke schädigen und dadurch Störungen im Menstruationszyklus hervorrufen. Auch ein vorzeitiger Eintritt der Wechseljahre mit entsprechenden Beschwerden ist möglich. Während einer Behandlung bei Brustkrebs ist dies vorübergehend sogar erwünscht, da so die Bildung von Sexualhormonen (Östrogene, Progesteron) unterbunden wird, die das Wachstum von hormonempfindlichen Brusttumoren beschleunigen.

Ob sich die Eierstöcke nach Abschluss der Therapie wieder erholen und ihre volle Funktionsfähigkeit zurückgewinnen, hängt vor allem vom Alter der Patientin und der Art und Intensität der Chemotherapie ab. Nicht selten ist die Chemotherapie allerdings mit einem vollständigen Verlust der Eierstockfunktion verbunden. Frauen mit Kinderwunsch sollten sich deshalb vor Beginn der Chemotherapie ausführlich über neue Möglichkeiten informieren lassen, die Fruchtbarkeit trotz Chemotherapie zu erhalten.

Weitere Nebenwirkungen der Chemotherapie

Neben den genannten Nebenwirkungen gibt es solche, die nur bei bestimmten Zytostatika auftreten. Dazu gehört eine Schädigung des Herzmuskels mit einer Verminderung der Pumpleistung durch die Medikamentengruppe der Anthrazykline. Diese Störung ist dosisabhängig, weshalb bei der Therapie mit Anthrazyklinen bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden sollten.

Die Wirkstoffgruppe der Taxane können allergische Reaktionen sowie Gefühlsstörungen, Missempfindungen und Kribbeln an Händen und Füßen verursachen. Das Zytostatikum Docetaxel kann Verformungen der Fuß- und Fingernägel zur Folge haben. Der Wirkstoff Cisplatin kann Hörstörungen hervorrufen.

Immer wieder wurden bei Krebspatienten Störungen des Konzentrationsvermögens und eine Beeinträchtigung der Merkfähigkeit festgestellt. Die Ursachen für das als "Chemobrain" ("Chemohirn") bezeichnete, meist nur vorübergehend auftretende Phänomen sind bislang noch unbekannt. Neuere Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass eventuell nicht die Chemotherapie dafür verantwortlich ist, sondern psychische Faktoren im Zusammenhang mit der Krankheitsbewältigung.

Eine Chemotherapie kann auch die Entstehung anderer Krebserkrankungen begünstigen, vor allem von Leukämien (Blutkrebs).

Chemotherapie: Gegenanzeigen

Chemotherapie – ja oder nein? Bei der Entscheidung spielen unter anderem die Tumorart und das Krebsstadium eine Rolle. Ob und in welchem Umfang eine Chemotherapie bei Krebs erfolgen kann, hängt wesentlich von der allgemeinen Verfassung, weiteren Erkrankungen und dem Alter des Patienten ab.

Da es sich um eine belastende Therapie handelt, bei der zahlreiche, auch schwerwiegende Nebenwirkungen möglich sind, ist sie nicht unter allen Umständen durchführbar. So ist beispielsweise beim Einsatz von Anthrazyklinen besondere Vorsicht geboten, wenn der Patient bereits an einer Erkrankung des Herzens leidet, da infolge der Therapie weitere Schäden zu befürchten sind. Ärzte und Patient beziehunsgweise dessen Angehörige müssen den Nutzen und die Risiken einer Chemotherapie immer gründlich abwägen, bevor eine Therapieentscheidung gefällt wird.

Chemotherapie: Nachsorge

Ist die Behandlung abgeschlossen, wird in der Regel eine mehrjährige Nachsorge empfohlen. Der Abstand der Untersuchungen wird im Laufe der Jahre größer. Ziel der Nachsorge ist es, einen Rückfall frühzeitig zu bemerken, um entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Da eine Chemotherapie mit langfristigen Nebenwirkungen verbunden sein kann, wie Störungen der Fruchtbarkeit, ein erhöhtes Risiko für eine zweite Krebserkrankung, sind regelmäßige Besuche beim Arzt auch nach Überstehen der Krankheit für viele Patienten unerlässlich.

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