Magen-Darm-Infekt

Norovirus: Brechdurchfall tritt meist im Winter auf

Das Norovirus ist einer der häufigsten Erreger von akuten Magen-Darm-Erkrankungen. Es verursacht Brechdurchfall, ist hochansteckend und tritt bevorzugt in den Wintermonaten auf. Was im Ernstfall hilft und wie man vorbeugen kann, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Norovirus
Noroviren unter dem Elektronenmikroskop: Das Virus infiziert Magen und Darm und verursacht einen plötzlich auftretenden, heftigen Brechdurchfall.
CDC, Charles D. Humphrey

Am Abend ist die Familie noch völlig gesund ins Bett gegangen – doch die Nacht war die Hölle: "Im Fünf-Minuten-Takt rannten sowohl mein Mann als auch meine beiden kleinen Töchter auf Toilette. Wir hatten alle Durchfall. Und zwischendurch haben wir uns abwechselnd erbrochen", schildert Heike F.  die Tortur, die in den Wintermonaten viele Familien durchmachen ­– nicht selten mehrfach. Familie F. hatte nicht etwa eine Lebensmittelvergiftung – die ist nämlich seltener als viele annehmen. Bei Familie F. war das Norovirus zu Besuch.

Dies ist einer der häufigsten Erreger der akuten Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis). Der Erreger zeichnet – neben dem Rotavirus – für den Großteil der nicht durch Bakterien verursachten Infektionen verantwortlich. Er tritt überfallartig innerhalb weniger Stunden auf und befällt ganze Familien, Kindereinrichtungen, Altenheime oder auch Kreuzfahrtschiffe.

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Deutlicher Anstieg der Norovirus-Infektion

Norovirus-Infektionen sind in Deutschland meldepflichtig und verzeichnen jedes Jahr die meisten an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldeten Erkrankungen. In den letzten 20 Jahren wurde ein deutlicher Anstieg der übermittelten Fälle pro Saison beobachtet. Immer wieder gibt es Jahre mit besonders hohen Infektionszahlen, wie beispielsweise im Jahr 2008, wo über 200.000 Noroviurs-Infektionen gemeldet wurden. Es wird vermutet, dass dies jeweils mit dem Auftreten eines neuen Virusstammes zusammenfällt. Im Winter 2016/2017 waren es zuletzt 84.500 Fälle in Deutschland.

Eine labordiagnostische Untersuchung von Stuhlproben ist nicht immer sinnvoll, nötig und wirtschaftlich. Wenn es bereits Norovirus-Erkrankungen in der näheren Umgebung gibt, gehen Ärzte bei gleicher Symptomatik davon aus, dass eine Infektion mit dem selben Virus vorliegt. Experten schätzen deshalb, dass die tatsächliche Zahl der Norovirus-Infektionen in Deutschland deutlich höher liegt.

Norovirus extrem wandelbar und widerstandsfähig

Noroviren treten weltweit auf, ihren Namen haben sie von der Stadt Norwalk im US-Bundesstaat Ohio. Dort wurde der Erreger nach einem Gastroenteritis-Ausbruch 1968 erstmals beschrieben. Unter dem Mikroskop zeigen die Viren eine runde Form, sie haben keine Hülle und verfügen als Erbgut über eine einsträngige RNA. Das Virus wird in fünf Haupttypen unterteilt, von denen drei beim Menschen auftreten. Das Virus ist – ähnlich wie das Influenza-Virus – extrem wandelbar, bisher wurden mindestens 40 Untertypen und Varianten gefunden.

Das Norovirus ist sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und Hygienemaßnahmen. Es überlebt Temperaturen vom minus 20 bis plus 60 Grad. In einem Experiment wurde es auf einem kontaminierten und später gereinigten Teppich selbst noch nach zwölf Tagen nachgewiesen. Das Virus tritt gehäuft in den Wintermonaten auf, Hauptsaison sind die Monate November bis März. Nach einer durchgemachten Norovirus-Infektion sind Menschen zwar immun, jedoch meist nur für wenige Monate und nur für den gleichen Subtyp des Virus.

Noroviren: hochgradig ansteckend

Das Norovirus ist hochansteckend, es reichen bereits kleinste Mengen zur Übertragung aus. Diese erfolgt von Mensch zu Mensch: durch direkten Kontakt mit dem Erkrankten oder seinen Ausscheidungen, durch kontaminierte Gegenstände (zum Beispiel Türklinken, Toilettenschüsseln, Handtücher, Seifenspender). Nach dem Erbrechen sind selbst in der Atemluft Noroviren in hoher Zahl nachweisbar. Weitere wichtige Übertragungswege sind verseuchte Speisen vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung, die nicht gekocht werden (zum Beispiel Salate, Obst, Meeresfrüchte) oder verunreinigtes  Wasser.

Inkubationszeit und Symptome einer Norovirus-Infektion

Die Inkubationszeit – das heißt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome – dauert zwischen sechs und 50 Stunden.

Während eine normale Magen-Darm-Infektion mit leichtem Unwohlsein beginnt und sich allmählich verschlimmert, setzt die Norovirus-Infektion plötzlich und heftig und mit akuten Symptomen einer Gastroenteritis ein, es geht einem schlagartig schlecht. Zu den typischen Anzeichen zählen:

Eine Infektion mit Noroviren ist nicht zu unterschätzen. Die Betroffenen verlieren in der akuten Phase durch Durchfall und Erbrechen erheblich an Flüssigkeit. Das kann vor allem für ältere Menschen, Säuglinge, Kleinkinder und Menschen, die gesundheitlich angeschlagen sind, schnell gefährlich werden kann.

Wie lange dauert eine Norovirus-Infektion?

Meist gehen die akuten Symptome fast so schnell vorbei, wie sie gekommen sind: Die Symptome dauern in der Regel um die zwölf Stunden, der Brechdurchfall kann jedoch auch bis zu 48 Stunden andauern. Oft verläuft die Infektion auch leichter und nicht so heftig. Wichtig zu wissen: Patienten scheiden die Noroviren noch mindestens 48 Stunden nach dem Abklingen der Symptome aus, so lange bleiben Betroffene auch ansteckend. In einigen Fällen wurde das Virus selbst Wochen nach überstandener Infektion noch nachgewiesen.

Diagnose beim Arzt: Norovirus ist meldepflichtig

Das Norovirus verbreitet sich leicht und oft sehr rasant. Für den Arzt reicht daher meist die Schilderung der Symptome für die Diagnose, wenn bereits Fälle von Infektionen in der Umgebung gemeldet wurden. Nicht bei allen Erkrankten wird in der Stuhlprobe im Labor nach dem Norovirus gesucht.

Wichtig ist die Labordiagnostik vor allem, wenn in Krankenhäusern, Altenheimen oder Kindereinrichtungen gehäuft Erkrankungen auftreten, um daraus Maßnahmen zur erhöhten Hygiene und Desinfektion abzuleiten. Wird das Virus im Labor nachgewiesen, so ist die Erkrankung beim RKI meldepflichtig – der Erkrankte selbst muss die Norovirus-Infektion jedoch nicht melden.

Behandlung bei Norovirus-Infektion

Gegen das Norovirus gibt es keine antiviralen Medikamente, die Behandlung konzentriert sich allein auf die Linderung der Symptome (symptomatische Therapie) und die ausgleichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Medikamente gegen Durchfall sollten nicht eingenommen werden, da diese die Ausscheidung der Viren verlangsamen.

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Weil die Symptome der Norovirus-Infektion so plötzlich und heftig auftreten, schaffen es Betroffene in der akuten Phase ohnehin kaum zum Arzt. Dies ist in den meisten Fällen auch nicht nötig und aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr zudem nicht ratsam.

Bei einer Infektion mit Noroviren ist es äußerst wichtig, den akuten Verlust von Körperflüssigkeiten und Elektrolyten von Beginn an auszugleichen. Betroffene sollten viel trinken, zum Beispiel ungesüßte Tees, Wasser, fettarme Brühe oder spezielle Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke. Ungeeignet sind kohlesäurehaltige Mineralwässer, Limonaden oder Milchgetränke.

 

Sobald das Erbrechen nachlässt, können Erkrankte zunächst leichtverdauliche und magenschonende Speisen wie Zwieback oder Haferbrei in kleinen Portionen zu sich nehmen und dann langsam auf feste Kost umsteigen. Gönnen Sie Magen und Darm in den ersten Tagen etwas Schonung, da sie durch häufiges Erbrechen und Durchfälle sehr strapaziert wurden.

Gefährlich für Kinder, ältere Menschen und Schwangere

Schwerer Brechdurchfall kann für Kleinkinder und ältere Menschen durch den großen Flüssigkeitsverlust lebensbedrohlich werden und müssen unter Umständen im Krankenhaus behandelt werden. Dort bekommen die Patienten Nähr- und Elektrolytlösungen über Infusionen verabreicht.

Auch in der Schwangerschaft ist eine Norovirus-Infektion nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zwar kann das Virus dem Baby im Mutterleib nicht gefährlich werden, da es nicht in die Blutbahn gelangt. Durch Erbrechen und Durchfall verliert die werdende Mutter jedoch große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten, was Kreislauf und andere Körperfunktionen beeinträchtigt.  Zudem können Durchfälle und Bauchkrämpfe vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft auch Wehen auslösen. Deshalb sollten Schwangere bei Verdacht auf eine Norovirus-Infektion ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Strenge Hygienemaßnahmen

Bei der Betreuung daheim sollte auf strenge Hygiene geachtet werden, um eine Ansteckung anderer Familienmitglieder möglichst zu verhindern. Dazu gehören:

  • Isolierung von Betroffenen

  • Tragen von Schutzhandschuhen beim Reinigen von Gegenständen, die mit Stuhl oder Erbrochenem in Kontakt gekommen sind

  • Tragen eines Mundschutzes beim Kontakt zum Kranken, der erbricht

  • Regelmäßige Reinigung von Flächen und Gegenständen (Türgriffe, Toiletten)

  • konsequentes, gründliches Händewaschen, insbesondere vor der Zubereitung von Lebensmitteln und nach Toilettengängen

Nach überstandener Norovirus-Infektion sollte die Bett- und Körperwäsche des Erkrankten so heiß wie möglich gewaschen werden. Da noch Tage nach der Erkrankung Viren ausgeschieden werden, ist es ratsam, zunächst auf Kontakte zu Freunden und Bekannten zu verzichten und auch nicht zur Arbeit oder zur Schule zu gehen.

Kinder unter sechs Jahren dürfen erst wieder in den Kindergarten, wenn sie zwei Tage beschwerdefrei waren. Ob ein ärztliches Attest dafür nötig ist, entscheiden die Träger der Einrichtung. Grundsätzlich sollte mindestens noch zwei Wochen auf eine gründliche Hygiene geachtet werden.

Noroviren: Wie kann ich vorbeugen?

Gegen Noroviren gibt es bisher weder eine Impfung noch ein Medikament. Die Viren treten in vielfältigen Erscheinungsformen auf und verändern sich ständig. Es wird davon ausgegangen, dass alle zwei bis drei Jahre ein neuer Stamm des Norovirus auftaucht. Das macht die Entwicklung eines wirksamen Impfschutz sehr schwierig. Weil der menschliche Körper wahrscheinlich keine langanhaltende Immunität gegen das Norovirus aufbauen kann, müssten zudem ähnlich wie bei der Influenza saisonal immer wieder neue Impfstoff-Zusammensetzungen angeboten werden.

Wichtigster und wirksamster Schutz vor einer Ansteckung bleibt deshalb vorerst eine strenge Hygiene, vor allem wenn in der Umgebung Norovirus-Infektionen bekannt sind. Der Kontakt zu Betroffenen und deren Angehörigen sollte vermieden werden. Wer selbst erkrankt ist, sollte nicht zur Arbeit gehen, um die Ausbreitung und eine Ansteckung mit dem Norovirus möglichst zu unterbinden.

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Autor:
Letzte Aktualisierung:17. Januar 2018
Letzte Änderung durch: lifeline / Maxi Christina Gohlke

Quellen: Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin: Aktuelles zur Norovirus-Infektion, Epidemiologische und molekular-epidemiologische Aspekte in Deutschland ab der Saison 2009/2010 bis Ende 2013, 12. Mai 2014; RKI: Epidemiologisches Bulletin: Vermehrter Anstieg der Norovirus-Infektion in der Winter-Saison 2016/2017, 16. Februar 2017; Niedersächsisches Landesgesundheitsamt: Online-Informationen zu Norovirus-Infektionen, Stand Dezember 2016, abgerufen am 4. Januar 2018

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