Alarmzeichen

Blut im Urin (Hämaturie) – ein Symptom, das Sie ernst nehmen sollten

Blut im Urin ist ein typisches Zeichen für eine Infektion des Harnleiters, der Blase oder der Nieren. Aber es gibt auch andere Erkrankungen, die einen rötlich oder bräunlich verfärbten Urin verursachen, im schlimmsten Fall kann sogar Krebs dahinterstecken.

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Finden Sie Blut im Urin, sollten Sie schnell einen Arzt die Ursache abklären lassen.
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Sie haben rote Bete gegessen und der Urin verfärbt sich rot? Dieser Klassiker ist absolut harmlos, denn es handelt sich hier lediglich um den Farbstoff Betanin, der Ihrem Urin eine rote Färbung gibt. Nach zwei oder drei Toilettengängen ist sie wieder verschwunden. Ernster wird es, wenn sich dagegen Blut im Urin befindet. Das ist immer ein Warnzeichen. Ärzte sprechen dann von einer Hämaturie. Der Begriff setzt sich aus den altgriechischen Wörtern für Blut (haima) und Urin (ouron) zusammen.

Im Fall einer Hämaturie sind viele rote Blutkörperchen in den Urin gelangt, was auf eine dahinterliegende Erkrankung schließen lässt. In der Regel hat Blut – außer in sehr geringen Mengen – nichts im Urin verloren. Oft ist der blutige Urin Symptom einer Harnwegsentzündung oder von Blasen- beziehungsweise Nierensteinen. Sie reizen die Schleimhaut im Harntrakt und führen zu Entzündungen. Ein blutiger Urin kann ebenso das erste Anzeichen eines Tumors sein.

Krebs: 20 Zeichen, die Sie ernst nehmen sollten

Auch ein klarer Urin enthält möglicherweise rote Blutkörperchen – und geringe Mengen von Erythrozyten (rote Blutkörperchen) sind durchaus normal. Allerdings gilt eine gewisse Menge Blut auch beim äußerlich unauffälligen Urin als Anzeichen für eine vorliegende Erkrankung.

Ärzte unterscheiden zwei Formen der Hämaturie:

  • Bei der Makrohämaturie ist das Blut im Urin mit bloßem Auge sichtbar. Der Urin ist rötlich-bräunlich gefärbt. Dies ist meist das Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung.

  • Eine Mikrohämaturie färbt das Blut nicht. Nach Schätzungen hat jeder zweite gesunde Mensch einige rote Blutkörperchen im Urin. Sie können ein Hinweis auf eine Erkrankung sein und werden meist bei einer Routineuntersuchung Ihres Urins entdeckt. Liegt kein Harnwegsinfekt vor, wird Ihr Arzt gegebenenfalls nach einer anderen Blutungsquelle suchen bzw. Sie zur weiteren Abklärung an einen Spezialisten überweisen.

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Zudem ist für Mediziner entscheidend, ob der Blutabgang im Urin mit Schmerzen verbunden ist oder schmerzlos verläuft:

  • Brennen beim Wasserlassen, Unterleibsschmerzen, Fieber –  diese Beschwerden deuten auf einen Harnwegsinfekt, bzw. eine Blasenentzündung hin.

  • Unterleibsschmerzen oder Schmerzen an den Flanken deuten auf Steine im Harnleiter sowie auf Verletzungen hin. Bei Steinen kommt es zu starken wellen- oder kolikartigen Schmerzen, da der Harnleiter versucht die Steine loszuwerden.

  • Hämaturie ohne Schmerzen – hier wird der Arzt noch genauer hinschauen, da Blut im Urin ein erstes Anzeichen eines anfangs beschwerdefrei verlaufenden Krebsgeschehens sein kann. Dazu zählen Tumoren von Harnblase, Harnwegen und Nieren. Da diese aber sehr selten sind, ist auch eine Hämaturie ohne Schmerzen zunächst kein Grund zur Panik.

Blutiger Urin – das sind die möglichen Ursachen

Die Nieren spülen unser Blut gut durch, aber normalerweise bleiben die roten Blutkörperchen im Blut und gelangen nicht in den Urin. Ein Blutfluss in den Urin kann allerdings passieren, wenn Blut durch eine Verletzung der Harnblase und des Harnleiters in die Harnwege gelangt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich Schleimhaut entzündet hat und blutet. Auch innere Verletzungen – durch Geschlechtsverkehr oder das Legen eines Katheters – können rote Blutkörperchen in den Urin strömen lassen.

Hilfe bei häufigem und nächtlichem Harndrang

Diese Erkrankungen stehen im ursächlichen Zusammenhang mit Blut im Urin:

  • Zystitis (Blasenentzündung) – Entzündungen der Schleimhaut führen zu einer Gefäßweitstellung sowie einer erhöhten Gefäßdurchlässigkeit. Blutkörperchen können derart in die Harnwege passieren. Bei manchen Frauen mit akuter Blasenentzündung verfärbt sich der Urin blutig.

  • Harnsteine – Verletzungen und entzündliche Reaktionen durch Harnsteine führen zu einer mechanischen Reizung der Schleimhaut – es kommt zu Blutungen.

  • Tumoren, insbesondere bösartige, haben eine eigene Gefäßversorgung. Der Aufbau dieser Gefäße ist sehr einfach und es kommt relativ schnell zu Gefäßwanddefekten mit Blutungen. Das Einwachsen bösartiger Tumoren in die Schleimhaut des Harntrakts kann ebenfalls zum Symptom Blut im Urin führen.

  • Verletzungen von Organen des Harntrakts gehen oft mit Blutungen einher, die im Urin sichtbar sind.

Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Blut im Urin – so untersucht der Arzt

Wenn Sie einen blutig verfärbten Urin oder Schmerzen beim Wasserlassen haben, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Am besten einen Urologen. Um eine Diagnose zu erstellen, wird er Ihnen einige Fragen zum Krankheitsverlauf stellen, aber auch Untersuchungen vorschlagen, die nötig sind, um die Ursache Ihrer Beschwerden herauszufinden. Er geht vermutlich in folgenden Schritten vor:

  • Anamnese: Die ärztliche Befragung im Fall einer Hämaturie umfasst Ihre Vorerkrankungen, die Medikamente, die Sie einnehmen, Ihr Alter, die Dauer und Art der Blutung und ob die Blutungen wiederholt aufgetreten sind (Rezidivblutungen). Außerdem müssen Sie die Art und Lokalisation Ihrer Schmerzen (Dysurie) beschreiben, und der Arzt wird nach Lymphknotenschwellungen, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödemen), Verletzungen oder Vorwölbungen der Bauchdecke suchen. Im Zentrum Ihrer Krankengeschichte wird die Beschaffenheit des Urins sowie die Dauer Ihrer Beschwerden stehen, zu denen auch Schmerzen, Vorerkrankungen sowie die bisherige Medikamenteneinnahme gehören.

  • Blut- und Urinuntersuchung: Die mikroskopische Analyse des Urins gibt Auskunft über die Menge der roten Blutkörperchen im Urin. Die Untersuchung verschiedener Blutparameter (zum Beispiel die Anzahl der Blutplättchen und die sogenannte Thrombinzeit) erlaubt dem Arzt, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu beurteilen. Weiterhin ist die Blutzusammensetzung (Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen) wichtig.

  • Ultraschalluntersuchung: Mit diesem nebenwirkungsfreien und jederzeit wiederholbaren Untersuchungsverfahren lassen sich Veränderungen an den Nieren als Ursache der Hämaturie zuverlässig beschreiben. Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) hilft dem Arzt, Tumoren im Nierenbereich sowie Harnsteine ausfindig zu machen.

  • Röntgenuntersuchung: Sie dient der zusätzlichen Abklärung des Harnleiterbereiches. Durch die Gabe eines Kontrastmittels im Rahmen der sogenannten intravenösen Urographie erkennt der Arzt krankhafte Veränderungen des Harnleiters. Tumoren werden durch Kontrastmittelaussparungen sichtbar, Steine erscheinen als Schatten auf dem Röntgenfilm.

  • Blasenspiegelung: Die Blase selbst kann der Arzt nur mittels einer Blasenspiegelung (Zystoskopie) sicher beurteilen. Er entdeckt mit Hilfe dieser Technik mögliche Tumoren, Steine oder eine schwere chronische Entzündung. Aber auch Gefäßauflagerungen im Prostatabereich (bei Männern) – krampfaderähnliche Gefäßerweiterungen – erkennt der Arzt dank einer Spiegelung der Blase.

  • Spiegelung des Harnleiters: Manchmal sind weitere Untersuchungen wie die Spiegelung des Harnleiters (Ureteroskopie) notwendig. Dabei führt der Arzt ein langes dünnes Endoskop über die Blase in den Harnleiter. So kann er die Schleimhaut des Harnleiters exakt beurteilen – und auch Tumoren und kleine Steine, die sich im Harnleiter befinden.

Kann man einer Hämaturie vorbeugen?

Blut im Urin (Hämaturie) ist ein Symptom für unterschiedliche Krankheiten. Harnsteinen können Sie möglicherweise vorbeugen, indem Sie genug trinken – mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit am Tag. Darüber hinaus ist es gut, das Immunsystem zu stärken, um etwa Blasenentzündungen zu verhindern. Das funktioniert vor allem durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie regelmäßige Bewegung.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Oktober 2017
Durch: sw

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