Den Ursachen auf der Spur

Appetitlosigkeit: Warum Sie die Lust am Essen verlieren

Ein guter Appetit zeigt, dass wir gesund sind. Fehlt er, befindet sich unser Körper oftmals in einer Krise: Entweder psychische oder körperlich bedingte Krankheiten können Auslöser für die Appetitlosigkeit sein. Was dahinterstecken kann und wann Sie zum Arzt gehen sollten.

appetitlosigkeit frau frühstück müsli
Anhaltende Appetitlosigkeit und unerwünschter Gewichtsverlust können krankheitsbedingt sein.
iStock

"Das hat mir auf den Magen geschlagen." "Da ist mir der Appetit vergangen." Den Zusammenhang zwischen Appetit und Psyche kennt jeder Mensch. Manchmal ist es ein Streit, der einem den Appetit verdorben hat. Stress im Job, Probleme in der Beziehung oder eine andere psychisch belastende Situation können unser Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme ebenso verringern. Auch im Alter sind mangelndes Verlangen nach Essen und vermindertes Durstgefühl keine Seltenheit.

Appetitlosigkeit: Ab wann Sie zum Arzt gehen sollten

Fehlt Ihnen über längere Zeit die Lust aufs Essen und verlieren Sie auch noch stark an Gewicht, sollten Sie das ernst nehmen. Beides weist auf verschiedene Krankheiten hin. Auslöser sind meist entweder somatische (körperlich bedingte) oder psychische Erkrankungen. Es gibt allerdings auch weitere Ursachen für das fehlende Hungergefühl.

Symptome für eine Unterzuckerung

Grundsätzlich gilt: Bei anhaltender oder auch unerklärlicher Appetitlosigkeit und starkem Gewichtsverlust sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen abklären zu lassen. Sind diese bekannt, können Sie gezielt gegensteuern. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie eine plötzliche Abneigung gegen bestimmte Speisen, zum Beispiel Fleisch verspüren. Oder auch, wenn Sie gleichzeitig weitere Symptome wie Bauchschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit oder Abgeschlagenheit an sich beobachten.

Vielfältige Ursachen für Appetitlosigkeit

Ein Symptom – zahlreiche Auslöser. Gerade bei Appetitlosigkeit ist die Ursachenforschung mitunter schwierig, denn für Appetitlosigkeit gibt es zahlreiche in Frage kommende Auslöser. In erster Linie sind hier psychische Faktoren zu nennen, doch auch zugrunde liegende Erkrankungen, Medikamente oder ein Vitaminmangel kann in Betracht gezogen werden. Einige mögliche Gründe für Appetitlosigkeit im Überblick:

Psychische Auslöser

  • Seelische Belastungen – Gerade in psychisch schwierigen Situationen ist es keine Seltenheit, dass der Appetit verschwindet. Der Druck in der Arbeit ist mal wieder zu groß, alle Aufgaben sollen am besten gleichzeitig erledigt werden? Dann bleibt die Lust am Essen häufig auf der Strecke. Dasselbe gilt im privaten Bereich. Probleme in der Beziehung? Liebeskummer? Auch das schlägt uns häufig auf den Magen.
  • Depressionen – Die Lust am Essen kann auch im Zuge ernstzunehmender psychischer Erkrankungen verloren gehen. Eine Depression geht oft mit mangelndem Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme einher. Hinzukommen Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme, eine niedergeschlagene Stimmung sowie Schlafstörungen.
  • Anorexie (Magersucht) – Betroffene verweigern hier die Nahrungsaufnahme, weil sie große Angst vor einer Gewichtszunahme haben. Dadurch magern sie rasch ab.
Tipps gegen Depressionen

Körperliche Ursachen

Appetitlosigkeit ist ein Symptom, hinter dem ganz unterschiedliche Krankheitsbilder stecken können. In erster Linie sind hier Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt sowie akute Magen-Darm-Infekte zu nennen. Nierenkrankheiten oder Stoffwechselstörungen sowie auch Vitaminmangel-Zustände (Vitamin B, Vitamin C) führen ebenfalls dazu, dass Betroffene keine Lust auf Essen haben. Nicht zuletzt kann wenig Appetit aber auch mit einem übermäßigen Konsum von Alkohol und Nikotin zusammenhängen.

Magen-Erkrankungen

Neben mangelndem Appetit treten bei folgenden Krankheitsbildern häufig noch weitere Symptome auf:

  • Reizmagen: Aufstoßen, Schmerzen im Oberbrauch, Völlegefühl, mitunter auch Übelkeit, Erbrechen und Blähungen
  • Gastritis: Schmerzen im Oberbauch, Aufstoßen, Übelkeit oder Erbrechen
  • Magengeschwür: Gewichtsverlust, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen oder Bluterbrechen und Teerstuhl
  • Magenkrebs: Gewichtsverlust, Druck- und Völlegefühl, neu auftretende Abneigung gegen Fleisch oder Alkohol, Abgeschlagenheit, Brechreiz

Darm-Erkrankungen oder Parasitenbefall im Darmbereich

Typische weitere Symptome neben der Unlust auf Essen sind bei den folgenden Krankheitsbildern:

  • Reizdarm: Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall, Bauchkrämpfe
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis): Akute, sich rasch verstärkende Bauchschmerzen, zunächst im gesamten Bauchraum, dann im rechten Unterbauch (Druckschmerz!); Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, mitunter Fieber
  • Zöliakie: Unter Glutenunverträglichkeit leiden häufig bereits Kleinkinder. Typisch: Durchfälle, aufgetriebener Bauch, Appetitlosigkeit, Fettstühle, diffuse Bauchschmerzen.
  • Zwölffingerdarmgeschwür: Gewichtsverlust in Kombination mit Appetitlosigkeit, Schmerzen im Oberbauch und im rechten Mittelbauch; Besserung der Schmerzen nach dem Essen; Übelkeit und Erbrechen; mitunter Bluterbrechen, Teerstuhl
  • Infektion mit Parasiten; zum Beispiel Bandwurmbefall: Gewichtsverlust, teils auch Heißhunger, Schwäche, mäßige Bauchschmerzen; teils Erbrechen und Hautausschlag.

Weitere Gründe für Appetitlosigkeit

Appetitlosigkeit – wann Sie besser zum Arzt gehen

Einen Arzt suchen Sie besser dann auf, wenn für Sie selbst kein Grund ersichtlich ist, warum Sie keine Lust zu essen haben. Das ist auch nötig, wenn Sie neben fehlendem Appetit ebenso an Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit leiden und dieser Zustand über längere Zeit anhält. Der Arzt wird verschiedene Untersuchungen durchführen.

An erster Stelle steht ein ausführliches Anamnese-Gespräch. Der Arzt benötigt möglichst umfassende Informationen. Er fragt Sie zum Beispiel:

  • Seit wann hält die Appetitlosigkeit an?
  • Wie viel Gewicht haben Sie bereits verloren? Ist eine Gewichtsabnahme erwünscht?
  • Wie sieht Ihre berufliche und private Situation aus – gibt es derzeit starke Belastungen?
  • Wie sieht Ihre Ernährung aus?
  • Wird die Appetitlosigkeit von zusätzlichen Symptomen begleitet?
  • Liegen bekannte Grunderkrankungen vor?
  • Nehmen Sie bestimmte Medikamente?

Je nachdem, in welche Richtung der erste Verdacht geht, folgen weitere Untersuchungen, wie etwa:

  • Erhebung unterschiedlicher Laborwerte (Blutuntersuchung)
  • Urin- und/oder Stuhlprobe
  • Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Ultraschalluntersuchung
  • Computertomographie
  • Röntgenuntersuchung
  • Magenspiegelung
  • Darmspiegelung
Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Therapie: Appetitlosigkeit richtig behandeln

Ist die Appetitlosigkeit ein Symptom für eine bestimmte Erkrankung, behandelt der Arzt zunächst die Grunderkrankung. Bei einer Gastritis wird er die Magenschleimhautentzündung gemäß den gängigen Behandlungsstandards therapieren. Steckt eine psychische Erkrankung hinter der Appetitlosigkeit,  ist eine Psychotherapie – möglicherweise in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung – das Mittel der Wahl. Dabei ist es wichtig, dass die Erkrankung von einem Psychiater oder Psychologen diagnostiziert wird.

Tritt Appetitlosigkeit als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auf, kann der Wechsel zu einem anderen Präparat die Lust aufs Essen wieder zurückbringen. Hier gilt es, den Medikamentenwechsel gemeinsam mit dem behandelnden Arzt zu planen und durchzuführen. Mitunter ist es aber bereits hilfreich, den eigenen Lebens- und Ernährungsstil zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.

Was tun bei mangelndem Appetit ohne erkennbare Ursache?

Falls keiner der oben genannten Auslöser auf Sie zutrifft, helfen Ihnen vielleicht die folgenden Tipps, um Ihr Hungergefühl wieder anzufachen:

  • Der Appetit kommt mit dem Essen! Entdecken Sie Essen als Genuss. Kochen Sie mit Freunden oder auch einmal ganz für sich allein. Nehmen Sie sich Zeit für die Zubereitung und zum Essen selbst. Richten Sie Ihre Mahlzeiten appetitlich an. Probieren Sie Neues aus oder gönnen Sie sich öfter mal Ihre Lieblingsspeise.
  • Essen Sie mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt, das ist oft günstiger, als drei große Mahlzeiten einzunehmen.
  • Vermeiden Sie Getränke mit Kohlensäure vor dem Essen, sie sättigen leicht. Appetitanregend wirkt hingegen Grapefruitsaft.
  • Alkohol und Nikotin beeinträchtigen Ihren gesunden Appetit.
  • Nicht jeder verträgt alles gut. Bekommen Sie heraus, welche Speisen Ihnen gut tun.
  • Vermeiden Sie stark gewürzte, sehr scharfe oder auch blähende Speisen.
  • Bewegen Sie sich viel an der frischen Luft.
  • Beim Stress-Abbau hilft Yoga oder Meditation.

Wer seinen Appetit gezielt anregen möchte, kann darüber hinaus auch auf unterschiedliche Präparate, Kräuter oder auch Teesorten zurückgreifen. Hier einige bewährte Mittel zur Appetitsteigerung:

  • Kräuter wie Basilikum, Thymian, Curry oder Ingwer
  • Pflanzliche Wirkstoffe (zum Beispiel in Tees) wie Enzian, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut oder Wermut, Codurango-Rinde, Melisse, Pfefferminze
  • Präparate auf Basis von Ketotifen oder auch Gestagenen
  • Homöopathische Mittel wie Acidum phosphoricum D 12 oder China D 6
Was die Lust auf süß oder salzig bedeutet

Autor:
Letzte Aktualisierung: 03. November 2017
Durch:
Quellen: Vogl, H.: Differentialdiagnose der medizinisch-klinischen Symptome. Ernst Reinhardt GmbH & Co., München 1994 Dr. Schaenzler, N., Dr. Koppelnwallner, C.: Magen und Darm natürlich behandeln, München 2009

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang