Appetitlosigkeit: Wenn die Lust am Essen verschwindet

Fehlt der Appetit, befindet sich der Körper oftmals in einer Krise. Welche Ursachen hat Appetitlosigkeit und wann ist ein Arztbesuch ratsam?

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Anhaltende Appetitlosigkeit und unerwünschter Gewichtsverlust können krankheitsbedingt sein.
© iStock.com/skynesher

"Das hat mir auf den Magen geschlagen." oder "Da ist mir der Appetit vergangen." Den Zusammenhang zwischen Appetit und Psyche kennt jeder Mensch. Manchmal ist es ein Streit, der den Appetit verdirbt. Stress im Job, Probleme in der Beziehung oder eine andere psychisch belastende Situation können das Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme ebenso verringern. Auch im Alter treten häufig mangelndes Verlangen nach Essen und vermindertes Durstgefühl auf.

Was ist Appetitlosigkeit?

Wem über längere Zeit die Lust aufs Essen fehlt und wer ungewollt Gewicht verliert, sollte das ernst nehmen. Beides weist auf verschiedene Krankheiten hin. Auslöser sind meist entweder somatische (körperlich bedingte) oder psychische Erkrankungen. Es gibt allerdings auch weitere Ursachen für das fehlende Hungergefühl.

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Vielfältige Ursachen für Appetitlosigkeit

Ein Symptom – zahlreiche Auslöser. Gerade bei Appetitlosigkeit ist die Ursachenforschung mitunter schwierig, denn für Appetitlosigkeit gibt es zahlreiche infrage kommende Auslöser. In erster Linie sind hier psychische Faktoren zu nennen, doch auch zugrunde liegende Erkrankungen, Medikamente oder ein Vitaminmangel kann in Betracht gezogen werden.

Psychische Auslöser

  • Seelische Belastungen: Gerade in psychisch schwierigen Situationen ist es keine Seltenheit, dass der Appetit verschwindet. Der Druck in der Arbeit ist mal wieder zu groß, alle Aufgaben sollen am besten gleichzeitig erledigt werden? Dann bleibt die Lust am Essen häufig auf der Strecke. Dasselbe gilt im privaten Bereich. Probleme in der Beziehung? Liebeskummer? Auch das schlägt häufig auf den Magen.

  • Depressionen: Die Lust am Essen kann auch im Zuge ernstzunehmender psychischer Erkrankungen verloren gehen. Eine Depression geht oft mit mangelndem Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme einher. Hinzukommen Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme, eine niedergeschlagene Stimmung sowie Schlafstörungen.

  • Anorexie (Magersucht): Betroffene verweigern die Nahrungsaufnahme, weil sie große Angst vor einer Gewichtszunahme haben. Dadurch magern sie stark ab.

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Körperliche Ursachen

Appetitlosigkeit ist ein Symptom, hinter dem ganz unterschiedliche Krankheitsbilder stecken können. In erster Linie sind hier Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt sowie akute Magen-Darm-Infekte zu nennen. Nierenkrankheiten oder Stoffwechselstörungen sowie Vitaminmangel-Zustände (Vitamin B, Vitamin C) führen ebenfalls dazu, dass Betroffene keine Lust auf Essen haben. Nicht zuletzt kann wenig Appetit aber auch mit einem übermäßigen Konsum von Alkohol und Nikotin zusammenhängen.

Magen-Erkrankungen

Neben mangelndem Appetit treten bei folgenden Krankheitsbildern häufig noch weitere Symptome auf:

  • Reizmagen: Aufstoßen, Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl, mitunter auch Übelkeit, Erbrechen und Blähungen
  • Gastritis: Schmerzen im Oberbauch, Aufstoßen, Übelkeit oder Erbrechen
  • Magengeschwür: Gewichtsverlust, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen oder Bluterbrechen und Teerstuhl
  • Magenkrebs: Gewichtsverlust, Druck- und Völlegefühl, neu auftretende Abneigung gegen Fleisch oder Alkohol, Abgeschlagenheit, Brechreiz

Darm-Erkrankungen oder Parasitenbefall im Darmbereich

Typische weitere Symptome neben der Unlust auf Essen sind bei folgenden Krankheitsbildern:

  • Reizdarm: Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall, Bauchkrämpfe
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis): Akute, sich rasch verstärkende Bauchschmerzen, zunächst im gesamten Bauchraum, dann im rechten Unterbauch (Druckschmerz!); Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, mitunter Fieber
  • Zöliakie: Unter Glutenunverträglichkeit leiden häufig bereits Kleinkinder. Typisch: Durchfälle, aufgetriebener Bauch, Appetitlosigkeit, Fettstühle, diffuse Bauchschmerzen.
  • Zwölffingerdarmgeschwür: Gewichtsverlust in Kombination mit Appetitlosigkeit, Schmerzen im Oberbauch und im rechten Mittelbauch; Besserung der Schmerzen nach dem Essen; Übelkeit und Erbrechen; mitunter Bluterbrechen, Teerstuhl
  • Infektion mit Parasiten; zum Beispiel Bandwurmbefall: Gewichtsverlust, teils auch Heißhunger, Schwäche, mäßige Bauchschmerzen; teils Erbrechen und Hautausschlag.

Weitere Gründe für Appetitlosigkeit

Appetitlosigkeit – wann man besser zum Arzt geht

Bei anhaltender oder auch unerklärlicher Appetitlosigkeit und starkem Gewichtsverlust sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen abzuklären. Sind diese bekannt, kann man gezielt gegensteuern. Das gilt insbesondere dann, wenn sich eine plötzliche Abneigung gegen bestimmte Speisen, zum Beispiel Fleisch entwickelt. Oder auch, wenn gleichzeitig weitere Symptome wie Bauchschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit oder Abgeschlagenheit auftreten.

Der Arzt wird verschiedene Untersuchungen durchführen. An erster Stelle steht ein ausführliches Anamnese-Gespräch. Der Arzt benötigt möglichst umfassende Informationen.

  • Seit wann hält die Appetitlosigkeit an?
  • Wie viel Gewicht haben Sie bereits verloren? Ist eine Gewichtsabnahme erwünscht?
  • Wie sieht Ihre berufliche und private Situation aus – gibt es derzeit starke Belastungen?
  • Wie sieht Ihre Ernährung aus?
  • Wird die Appetitlosigkeit von zusätzlichen Symptomen begleitet?
  • Liegen bekannte Grunderkrankungen vor?
  • Nehmen Sie bestimmte Medikamente?

Je nachdem, in welche Richtung der erste Verdacht geht, folgen weitere Untersuchungen, wie etwa:

  • Erhebung unterschiedlicher Laborwerte (Blutuntersuchung)
  • Urin- und/oder Stuhlprobe
  • Test auf Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Ultraschalluntersuchung
  • Computertomographie
  • Röntgenuntersuchung
  • Magenspiegelung
  • Darmspiegelung
Bei diesen Symptomen zum Arzt!

Lifeline/Wochit

Therapie: Appetitlosigkeit richtig behandeln

Ist die Appetitlosigkeit ein Symptom für eine bestimmte Erkrankung, behandelt der Arzt zunächst die Grunderkrankung. Bei einer Gastritis wird er die Magenschleimhautentzündung gemäß den gängigen Behandlungsstandards therapieren. Steckt eine psychische Erkrankung hinter der Appetitlosigkeit, ist eine Psychotherapie – möglicherweise in Verbindung mit einer medikamentösen Behandlung – das Mittel der Wahl. Dabei ist es wichtig, dass die Erkrankung von einem Psychiater oder Psychologen diagnostiziert wird.

Tritt Appetitlosigkeit als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auf, kann der Wechsel zu einem anderen Präparat die Lust aufs Essen wieder zurückbringen. Hier gilt es, den Medikamentenwechsel gemeinsam mit dem behandelnden Arzt zu planen und durchzuführen. Mitunter ist es aber bereits hilfreich, den eigenen Lebens- und Ernährungsstil zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.

Was tun bei mangelndem Appetit ohne erkennbare Ursache?

Falls keiner der oben genannten Auslöser zutrifft, helfen vielleicht die folgenden Tipps, um das Hungergefühl wieder anzufachen:

  • Der Appetit kommt mit dem Essen. Es kann helfen, mit Freunden zu kochen oder sich Zeit für die Zubereitung und das Essen selbst zu nehmen. Die Mahlzeiten appetitlich anrichten und öfter etwas Neues ausprobieren.
  • Besser mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt essen, als drei große Mahlzeiten einzunehmen.
  • Getränke mit Kohlensäure vor dem Essen vermeiden, da sie leicht sättigen. Appetitanregend wirkt dagegen zum Beispiel Grapefruitsaft.
  • Alkohol und Nikotin verringern den Appetit.
  • Nicht jeder verträgt alles gut. Wer weiß, welche Lebensmittel er nicht verträgt, kann diese leichter vermeiden.
  • Stark gewürzte, sehr scharfe oder auch blähende Speisen vermeiden.
  • Viel an der frischen Luft bewegen.
  • Beim Stress-Abbau hilft Yoga oder Meditation.

Wer seinen Appetit gezielt anregen möchte, kann darüber hinaus auch auf unterschiedliche Präparate, Kräuter oder auch Teesorten zurückgreifen. Hier einige bewährte Mittel zur Appetitsteigerung:

  • Kräuter wie Basilikum, Thymian, Curry oder Ingwer
  • Pflanzliche Wirkstoffe (zum Beispiel in Tees) wie Enzian, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut oder Wermut, Codurango-Rinde, Melisse, Pfefferminze
  • Präparate auf Basis von Antihistaminika (Ketotifen) oder Hormonen (Gestagene)
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