Aus der Balance

Kreislaufprobleme: Blutdruck auf Talfahrt

Schlappheit, Frösteln, es wird schwarz vor Augen: Das sind nur einige der Symptome von Kreislaufproblemen. Diese rühren von einem niedrigen Blutdruck her. Meist stabilisiert sich der Kreislauf von alleine, manchmal muss man aber selbst nachhelfen.

Frau hat Kreislaufprobleme
Kreislaufprobleme können dahinterstecken, wenn man sich morgens schlapp fühlt und einfach nicht in die Gänge kommt.
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Viele kennen es: Vor allem morgens fühlt man sich schlapp, der Kreislauf kommt nicht in die Gänge, man fröstelt, und dann wird einem auch noch schwarz vor Augen. Kreislaufprobleme können die Ursache sein. Dabei handelt es sich um eine Kreislaufschwäche, die durch niedrigen Blutdruck entsteht. Die Regulation des Blutdrucks ist eine Meisterleistung des Körpers, die es ihm ermöglicht, sich auf ständig verändernde Bedingungen einzustellen. Der Blutdruck ist nämlich keine statische Angelegenheit, sondern er schwankt natürlicherweise im Tag-Nacht-Rhythmus.

Auch seelische oder körperliche Belastungen beeinflussen den Druck in den Gefäßen. Bei Ärger, Aufregung und Stress steigt der Blutdruck zum Beispiel an, bei Ruhe und Entspannung sinken die Blutdruckwerte. Dank komplexer und ausgeklügelter Regulationssysteme ist der Organismus normalerweise selbst in der Lage, den Blutdruck schnell wieder zu stabilisieren. So stellt er die lebenswichtige Durchblutung und damit Sauer- und Nährstoffversorgung aller Organe trotz Blutdruckschwankungen sicher.

Kreislaufprobleme bei fehlender Orthostase-Reaktion

Bei jedem Positionswechsel, zum Beispiel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen, sowie bei Bewegungen aller Art verändert sich der Blutdruck. Ein gesunder Kreislauf schafft es, den Blutdruck in jeder Körperposition so anzupassen, dass alle Organe ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden.

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Ein Beispiel: Wenn Sie morgens vom Liegen in die aufrechte Körperhaltung (griechisch: Orthostase = aufrechte Körperhaltung) wechseln, sinkt der Blutdruck. Der Körper versucht nun, ihn mit Hilfe der sogenannten Orthostase-Reaktion blitzschnell wieder zu normalisieren. Bei dieser Lageveränderung dehnen sich die Beinvenen auf, das Blut versackt aufgrund der Schwerkraft in der unteren Körperhälfte (Beinvenen, Bauchorgane) und das Blutvolumen sinkt. Dadurch nimmt der Rückstrom des Blutes von den Venen zum Herzen ab und das Herzschlagvolumen vermindert sich oft erheblich. Der Blutdruck fällt rasch ab.

Jetzt startet der Organismus eine komplexe Gegenreaktion, die wiederum die Herzfrequenz ansteigen und das Herz schneller pumpen lässt. Damit erhöht sich auch der venöse Rückstrom des Blutes zum Herzen und der Blutdruck wieder. Über diese Mechanismen erhält der Körper die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung aller Organe aufrecht, etwa des Gehirns.

Doch bei manchen Menschen funktioniert diese Orthostase-Reaktion nicht ausreichend oder fehlt. Dann sinkt der Blutdruck, die Durchblutung verschlechtert sich und damit die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung des Gehirns – im schlimmsten Falle kommt es zur Bewusstlosigkeit (Ohnmacht, Synkope). Ist diese Reaktion gestört, bezeichnen Ärzte das als Orthostase-Syndrom. Oft sind junge, schlanke Frauen und Jugendliche im Wachstum betroffen. 

Symptome reichen von Schwindel bis Schweißausbrüche

Ein schwacher Kreislauf äußert sich in einer großen Anzahl verschiedenster Beschwerden. Beispiele sind:

Auch die Wetterfühligkeit, die viele bei schwülen Temperaturen oder Föhn verspüren, geht oft auf Probleme mit dem Kreislauf und niedrigem Blutdruck zurück.

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Lifeline/Dr. Heart

Symptome reichen von Schwindel bis Schweißausbrüche

Starke Blutdruckschwankungen treten meist bei besonders schlanken Personen, Menschen mit Essstörungen wie Magersucht (Anorexia nervosa) oder Bulimie (Ess-Brechsucht), Unterernährung oder bei übermäßigem Nikotinkonsum auf. Auch eine angeborene Neigung zu niedrigem Blutdruck diskutieren Fachleute. Der Blutdruck fällt dann nicht plötzlich ab, sondern ist dauerhaft erniedrigt.

Weitere Ursachen für niedrigen Blutdruck beziehungsweise eine gestörte Orthostase-Reaktion sind:

  • Operationen und längere Bettlägerigkeit
  • Infektionen
  • starker Blutverlust/Schock
  • erheblicher Flüssigkeitsverlust durch starken Durchfall
  • Nervenschädigungen bei Diabetes mellitus, Morbus Parkinson, Multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall
  • übermäßiger Konsum von Alkohol und Rauschmitteln, beispielsweise Cannabis
  • Einnahme von Medikamenten: Betablocker, Wirkstoffe zur Beschleunigung der Harnausscheidung, Psychopharmaka oder Nitrate
  • Nierenerkrankungen
  • Herzerkrankungen, zum Beispiel Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche

Auch Venenerkrankungen, wie etwa Krampfadern, begünstigen das Orthosthase-Syndrom: Sie beeinträchtigen die Regulation des Blutflusses in den Venen.

Blutdrucktests – wichtigster Bestandteil der Diagnose

Ob die Probleme tatsächlich auf einen starken Blutdruckabfall zurückgehen, lässt sich anhand einer Blutdruck- und Pulsmessung feststellen. Wenn möglich sollten Sie diese Werte messen, während Sie die Beschwerden haben. Suchen Sie im Zweifelsfall aber immer einen Arzt auf, der den Ursachen auf den Grund geht. In einem ausführlichen Gespräch befragt er Sie zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankheitsgeschichte. Wichtig sind für ihn beispielweise folgende Punkte:

  • Welche Beschwerden haben Sie genau? Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Leistungseinbußen?
  • Seit wann bestehen diese Symptome?
  • Wann und wie oft treten sie auf?
  • Gibt es Situationen, welche die Beschwerden befördern?
  • Sind Vorerkrankungen bei Ihnen und in Ihrer Familie bekannt?
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Ihre Antworten helfen dem Arzt, eine erste Einschätzung über die Ursachen der Kreislaufprobleme zu treffen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Verschiedene Blutdrucktests zeigen, ob Kreislaufregulationsstörungen der Auslöser für die Beschwerden sind. Beim Schellong-Sehtest beispielsweise bestimmt der Medizinier Puls und Blutdruck des Patienten wiederholt im Liegen und Stehen sowie nach körperlicher Belastung (Kniebeugen oder Treppensteigen). Möglich ist auch der Kipptischtest, bei dem der Betroffene auf der Liegefläche eines kippbaren Tisches fixiert wird. Puls und Blutdruck misst der Arzt im Liegen und nach senkrechter Aufrichtung des Kipptisches.

Manchmal folgen weitere Untersuchungen, um die genaue Ursache herauszufinden. Mediziner greifen dabei zum Beispiel auf EKG, Belastungs- und Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung, Blutuntersuchung, Echokardiographie, Herzkatheter oder auch Elektroenzephalographie (EEG) zurück.

Therapien und Tipps bei Kreislaufproblemen

Achtung! Bei einem Kreislaufkollaps und Bewusstlosigkeit sollten Angehörige oder Freunde sofort einen Notarzt verständigen und bei Bedarf mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen.

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Wer zu Problemen mit dem Kreislauf neigt, kann auch selbst einiges tun, um kurz- und langfristig positive Effekte auf seinen Blutdruck zu erzielen. Beispiele für solche Maßnahmen sind:

  • Bei akuten Problemen sind kalte Umschläge und das Hochlagern der Beine empfehlenswert.

  • Regelmäßige Wadenmuskelgymnastik stärkt die Venenpumpe und sorgt dafür, dass das Blut besser zum Herzen zurücktransportiert wird.

  • Treiben Sie regelmäßig Ausdauersport! Gut sind Joggen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Rudern.

  • Eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten wirkt sich ebenfalls positiv auf den Blutdruck aus.

  • Sorgen Sie für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Empfohlen sind 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit pro Tag – an heißen Tagen dürfen es auch mehr sein.

  • Vermeiden Sie Übergewicht, aber auch Untergewicht.

  • Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum, falls Sie zu viel trinken.

  • Verzichten Sie auf das Rauchen! Falls Sie Raucher sind: Versuchen Sie einen Rauchstopp.

  • Tragen Sie Stützstrümpfe, wenn Sie Venenprobleme haben.

Kreislaufprobleme behandeln: Kneippen Sie!

Hilfreich sind zudem Wasseranwendungen nach Kneipp, welche die Durchblutung fördern. Bewährt haben sich zum Beispiel Wassertreten, kalte Armbäder, kalt/warme Wechselbäder, kalt/warmes Wechselduschen sowie nasse und trockene Bürstenmassagen.

Bei sehr niedrigem Blutdruck helfen Medikamente, die den Blutdruck erhöhen und die Kreislaufregulation verbessern. Sind Herzkrankheiten, Nierenerkrankungen oder Durchfall für die Kreislaufprobleme verantwortlich, behandeln Ärzte diese Erkrankungen. Damit bessert sich meist auch die Kreislaufschwäche.

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Autor:
Letzte Aktualisierung:22. November 2011
Durch:
Quellen: https://www.internisten-im-netz.de/

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