Diabetes als Folge möglich

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Diese Symptome weisen auf Pankreatitis hin

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursacht heftige Schmerzen, vor allem im Oberbauch. Ärzte müssen die Pankreatitis schleunigst behandeln, damit die Drüse keinen dauerhaften Schaden nimmt. Als Folge einer chronischen Entzündung droht die Zuckerkrankheit Diabetes. Zurückzuführen ist sie meist auf Gallensteine oder ein Zuviel an Alkohol. Beide Faktoren können Patienten selbst beeinflussen.

Nackter Männeroberkörper
Eine Pankreatitis ist mit heftigen Schmerzen im Oberbauch verbunden. Je nach Form (akut oder chronisch) kommen weitere Symptome dazu.
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Die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, ist maximal 20 Zentimeter lang, vier Zentimeter breit und zwei Zentimeter dick. Trotz ihrer geringen Größe ist sie ein lebenswichtiges Organ: Sie stellt nicht nur das blutzuckersenkende Hormon Insulin her, sondern ist auch für die Produktion und Freisetzung von Verdauungsenzymen zuständig. Damit gehört sie zu den unersetzlichen Helfern der Verdauung. Ist sie entzündet, droht Patienten Diabetes.

Das tut dem Magen gut – und das gar nicht

Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, medizinisch Pankreatitis, kann akut oder chronisch verlaufen. Die akute Form kommt relativ häufig vor: Etwa 30 von 100.000 Menschen in den westlichen Ländern erkranken jährlich neu daran. Die Krankheit entwickelt sich schnell, ist potenziell lebensbedrohlich und erfordert deshalb rasche Behandlung durch einen Arzt. Betroffene verspüren starke Schmerzen im Oberbauch.

Die größte Gefahr besteht darin, dass sich die Bauchspeicheldrüse selbst verdaut und das sie umgebende Gewebe gleich mit. Denn die Drüse kann unkontrolliert Verdauungsenzyme freisetzen. Wenn Ärzte sie jedoch rechtzeitig und ausreichend therapieren, heilt die Pankreatitis meist ohne bleibende Schäden aus. Bei zwei bis fünf Prozent der Patienten endet die akute Entzündung allerdings tödlich.

Chronische und akute Form der Entzündung

Die chronische Pankreasentzündung ist seltener als die akute Form. Etwa sechs von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr neu. Bei dieser Variante ist die Bauchspeicheldrüse permanent entzündet. Patienten erleben anhaltende Verdauungsbeschwerden, die sich mit der Zeit verstärken, sie leiden unter wiederkehrenden Schmerzen und Störungen des Zuckerstoffwechsels.

Die Verdauungsprobleme entstehen, weil die Produktion und Abgabe der Verdauungsenzyme in den Darm nicht mehr richtig funktionieren. Der Zuckerstoffwechsel gerät aus dem Lot, wenn die Insulinproduktion in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse und die Freisetzung des Blutzuckerhormons gestört sind. Patienten mit fortgeschrittener Pankreatitis entwickeln die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus und müssen sich dauerhaft Insulin spritzen.

Die Symptome der Bauchspeicheldrüsenentzündung erkennen

Patienten mit akuter Pankreatitis suchen meist wegen starker Schmerzen im Oberbauch den Arzt auf. Die Schmerzen können sich zu Koliken steigern, die in den Rücken ausstrahlen. Betroffene meiden die Rückenlage und liegen gekrümmt im Bett, um den Schmerz besser auszuhalten. Trotz massiver Beschwerden ist der Bauch nicht verhärtet, es besteht keine Abwehrspannung („Gummibauch“).

Weitere Anzeichen für eine akute Pankreatitis können sein:

Auch eine chronische Entzündung verursacht wiederkehrende oder dauerhafte Oberbauchschmerzen mit unterschiedlicher Intensität. Die Schmerzen können ebenfalls in den Rücken ausstrahlen. Meist sind sie aber weniger heftig als bei der akuten Variante.

In fortgeschrittenen Krankheitsstadien ("ausgebrannte Pankreatitis") entwickeln sich folgende Symptome:

  • nachlassende Schmerzen
  • Verdauungsstörungen, vor allem beim Verzehr fettreicher Speisen
  • Fettstuhl mit erhöhtem Fettgehalt im Stuhl
  • Blähungen
  • Gewichtsverlust
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) aufgrund des Insulinmangels, wenn die Bauchspeicheldrüse versagt

Pankreatitis-Ursachen: Gallensteine und Alkoholmissbrauch

Eine wichtige Ursache sowohl der akuten als auch der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung sind Gallensteine. Sie blockieren den Ausführgang der Bauchspeicheldrüse in den Darm und das Gallengangsystem. Die akute Entzündung geht in bis zu 45 Prozent der Fälle auf Gallensteine zurück. Aber auch Alkoholmissbrauch spielt bei dieser Form eine Rolle. Etwa 35 Prozent der Fälle von akuter Pankreatitis lassen sich auf einmaligen (!) oder wiederholten übermäßigen Alkoholkonsum zurückführen.

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Wie Alkohol die Beschwerden genau auslöst, ist noch nicht ganz geklärt. Forscher vermuten, dass der Alkohol den Austritt der Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse in den Darm stört, zu Eiweißablagerungen im Gangsystem führt oder toxische Wirkung entfaltet, weil sich Stoffwechselprodukte wie Acetaldehyd und freie Radikale (sehr reaktionsfreudige Stoffe) bilden.

Weitere Ursachen der akuten Pankreatitis können sein:

  • Bauchverletzungen
  • Fehlbildungen der Bauchspeicheldrüse
  • Infektionen, zum Beispiel Mumps
  • Autoimmunerkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • (selten) ärztliche Eingriffe, vor allem an den Gallengängen

Die chronische Pankreatitis hängt mit folgenden Faktoren zusammen:

  • Meist: langjähriger und wiederholter Alkoholmissbrauch
  • Seltener: Tumore, erbliche Faktoren, Stoffwechselstörungen, Autoimmunkrankheiten

Manchmal lässt sich keine Ursache für die Erkrankung finden. Diese Form nennen Ärzte idiopathisch.

Die wichtigsten Diagnoseverfahren bei Bauchspeicheldrüsenentzündung

Es gibt verschiedene Verfahren, mit denen Ärzte die Krankheit diagnostizieren. Anfangs befragt der Arzt den Patienten zu seiner Krankengeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Im Vordergrund stehen beispielsweise folgende Fragen:

  • Verspüren Sie Symptome wie Bauchschmerzen? Wo würden Sie diese lokalisieren und seit wann bestehen sie?

  • Leiden Sie öfter unter Übelkeit und Erbrechen?

  • Haben Sie Verdauungsprobleme, zum Beispiel Blähungen?

  • Wie ausgeprägt sind die Beschwerden?

  • Sind Krankheiten bekannt, zum Beispiel Gallensteine?

  • Haben Sie kürzlich eine Infektion durchgemacht?

  • Wie ernähren Sie sich, zum Beispiel fettreich?

  • Wieviel Alkohol konsumieren Sie im Schnitt pro Tag? Versuchen Sie, ehrlich zu antworten!

Hat der Arzt den Verdacht auf eine Pankreatitis, folgen weitere Untersuchungen.

Blutuntersuchung – veränderte Werte aufdecken

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    Was wird beim Bluttest untersucht und was bedeuten die Abkürzungen und die Werte genau? Das Lifeline-Lexikon über Labor- und Blutwerte gibt Auskunft über die wichtigsten Parameter

Durch die Blutuntersuchung lassen sich erhöhte Werte verschiedener Enzyme nachweisen, beispielsweise für die fettspaltende Pankreas-Lipase und die Pankreas-Amylase, die Stärke und Glykogen abbaut. Sind Gallensteine die Ursache der Entzündung, finden sich oft erhöhte Leber- und Gallengangswerte (Gamma-GT, alkalische Phosphatase, Leucin-Amino-Peptidase = LAP).

Leiden Patienten an einer akuten Entzündung, sind Blutzucker, Harnstoffwerte und der Hämatokrit-Wert erhöht. Diese gelten als Warnsignale dafür, dass die Krankheit schwer verläuft und ein Organversagen droht.

Bildgebende Verfahren: Ultraschall, CT und ERCP

Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) entdeckt der Arzt Schwellungen, Verkalkungen oder Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchspeicheldrüse. Mittels Computertomographie beurteilt er das Ausmaß der Gewebszerstörung in dem Organ.

  • zum Lexikon

    Im Lifeline-Lexikon sind Diagnosen von A wie Angiographie bis Z wie Zystoskopie ausführlich und auch für medizinische Laien verständlich beschrieben.

Die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie ist eine Kombination aus Diagnose- und Therapieverfahren. Das Wortungetüm wird als ERCP abgekürzt. Bei dieser Untersuchung schiebt der Arzt einen biegsamen Schlauch mit einer kleinen Kamera (Endoskop) über die Speiseröhre, den Magen und Zwölffingerdarm bis zur Mündungsstelle des gemeinsamen Ausführungsgangs von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse. Die ERCP hilft dem Arzt, dort Gallensteine zu erkennen, die ihn möglicherweise blockieren. Schon im Rahmen der Untersuchung kann der Arzt diese Einmündungsstelle erweitern, damit der Gallenstein in den Darm austritt. Manchmal lässt sich so Ursache der Pankreatitis gleichzeitig erkennen und beheben.

Krankheiten mit ähnlichen Symptomen ausschließen

Um die Diagnose Bauchspeicheldrüsenentzündung zu sichern, schließt der Arzt andere Krankheiten aus, die ähnliche Beschwerden verursachen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Darmlähmung
  • Blinddarmentzündung
  • Bauchhöhlenschwangerschaft
  • Nierenkolik
  • Gallenkolik
  • Durchbruch von Magen, Darm oder Gallenblase
  • Herzinfarkt
  • Lungeninfarkt
  • Tumoren der Eierstöcke

Behandlung: Was gegen Pankreatitis hilft

Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung muss sich der Betroffene stationär in einer Klinik behandeln lassen. An erster Stelle stehen stabilisierende Maßnahmen. Der Patient erhält zum Beispiel Infusionen mit Flüssigkeit und Elektrolyten. Ärzte lindern die oft heftigen Schmerzen und verhindern ein Organversagen. Ziel ist es, die Bauchspeicheldrüse zu entlasten, damit sie sich wieder erholen kann.

Wann eine OP nötig wird

Gallensteine entfernen Chirurgen endoskopisch. In manchen Fällen sind weitere Eingriffe nötig. Dazu gehören:

  • Drainageschläuche bei Veränderungen der Bauchspeicheldrüse, zum Beispiel Flüssigkeitsansammlungen in vernarbten Bereichen des Organs (Pseudozysten). Sie sind die Folge einer chronischen Pankreatitis. Über die Drainageschläuche lässt sich die Flüssigkeit entfernen.

  • Eine Operation bei verengten Gallenwegen, einem Engpass im Bauchspeicheldrüsengang oder wenn Teile der Bauchspeicheldrüse entfernt werden müssen.

Richtige Ernährung und Medikamente gegen die Entzündung

Patienten mit einer entzündeten Bauchspeicheldrüse verzichten besser einige Tage darauf zu essen, bis die Schmerzen abgeklungen sind und der Appetit zurückkehrt. Dauern die Symptome länger an, ist eine künstliche Ernährung sinnvoll, damit der Körper ausreichend Nährstoffe bekommt. Später besteht die Ernährung aus leicht verdaulichen Nahrungsmitteln, die die Bauchspeicheldrüse nicht belasten, zum Beispiel Tee, Zwieback, Reis- oder Haferschleim. Auf fetthaltige Lebensmittel verzichten Patienten am besten einige Wochen und konsumieren sie anschließend nur in geringen Mengen. Alkohol ist tabu.

Patienten mit fortgeschrittener, chronischer Pankreatitis müssen eventuell dauerhaft Verdauungsenzyme einnehmen, um ihre Verdauung zu normalisieren. Es kann einige Zeit dauern, bis die gewünschte Wirkung einsetzt. Für leichte Formen gibt es die Verdauungsenzyme als Tabletten, bei fortgeschrittener Krankheit werden sie in den Muskel injiziert.

Alkoholverzicht und fettarme Ernährung: Einer Bauchspeicheldrüsenentzündung vorbeugen

Die Krankheit entsteht oft durch chronischen Alkoholmissbrauch. Deshalb ist es wichtig, auf den Alkoholkonsum zu achten und ihn gegebenenfalls einzuschränken. Auch Gallensteine sind eine wesentliche Ursache der Pankreatitis. Gallensteinen vorbeugen kann eine ausgewogene, fettarme Ernährung. Das gilt allerdings nicht für jeden Menschen – manchmal sind Gallensteine auch genetisch bedingt.

Ernährungsregeln: So essen Sie sich gesund und fit

Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. September 2017
Durch:
Quellen: S3-Leitlinie Chronische Pankreatitis: Definition, Ätiologie, Diagnostik; konservative, interventionell endoskopische und operative Therapie der chronischen Pankreatitis, Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS); Deutsche Pankreashilfe e.V., http://www.pankreashilfe.de/; Internisten im Netz, www.internisten-im-netz.de/de_bauchspeicheldruesenentzuendung-behandlung_76.html (Abruf: 27.5.2017); Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), https://www.gesundheitsinformation.de/akute-entzuendung-der-bauchspeicheldruese.2634.de.html (Abruf: 27.5.2017)

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